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Titelbild: © nakarin – stock.adobe.com
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High Noon ist diesmal um 20:30 Uhr. Am heutigen Mittwoch blickt die Börsenwelt auf Jerome Powell, den mächtigsten Notenbanker der Welt. Um halb neun Uhr abends unserer Zeit tritt der Fed-Chef vor die Mikrofone und Kameras der Weltpresse, um sein Statement zur Zinsentscheidung der US-Notenbank abzugeben. Doch das dürfte gar nicht so entscheidend sein. Wichtiger ist, was die Geldlenker und Moneymaker von der Wallstreet glauben zu hören und wie sie auf das reagieren werden, was sie zwischen den Zeilen gefunden zu haben glauben.
In der Reaktion liegt der Gewinn. Kurz vor Powells Statement wird die Fed offiziell bekanntgeben, ob sie die US-Zinsen senken wird und falls die Zinsen gesenkt werden, um wie viel. Beobachter und Märkte gehen fest von einer Senkung aus. Alles andere wäre eine Enttäuschung und ließe die Aktienkurse mit hoher Wahrscheinlichkeit auf breiter Front einbrechen. Die Mehrheit erwartet eine Senkung um 25 Basispunkte.
Der Wall Street Journal-Reporter Nick Timiraos trägt den Ehrentitel des „Fed-Flüsterers“. Er berichtet, die Fed überlege, eventuell sogar eine Senkung um 50 Basispunkte vorzunehmen. Dafür spricht sich auch Bill Dudley aus, der frühere Präsident der Distriktnotenbank New York. Ein so großer Zinsschritt kann an der Börse durchaus Jubel auslösen, weil er so nicht allgemein erwartet wird. Aktien werden bekanntlich bei niedrigeren Zinsen attraktiver. Aber auch die gegenteilige Reaktion ist möglich. Motto: So schlimm steht es also um die Konjunktur, dass die Fed das Steuer derart hart herumreißen muss. Dann sacken die Kurse womöglich ab, da Investoren eine bevorstehende Rezession fürchten. Das wäre dann fast schon die schlechteste aller Welten, weil die Notenbanker vergleichsweise viel Pulver auf einmal verschossen hätten, ohne eine positive Wirkung zu erzielen. Fed-Flüsterer hin oder her, wir sind eher im Team 25 Basispunkte, idealerweise im Statement ergänzt um die Aussicht auf mehr.
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Gold ist gnadenlos. Sein Preis eilt von Rekord zu Rekord. Die überragende Performance ist keine Überraschung. Gold kann man nicht drucken. Es ist begrenzt vorhanden und es ist schwer zu fördern. Beim Geld ist es anders, die Herstellung wird immer billiger. Nicht mal eine Tiefdruckmaschine und das Können eines Graveurs werden noch benötigt. Euro und Dollar entstehen auf Knopfdruck am Computer. Da ist die Verlockung groß, den Knopf einmal mehr zu drücken, um Wohltaten zu verteilen, Wähler zu bestechen oder Kriege zu finanzieren. Und gleich noch einmal – klick, klick, klick. Doch die Anleger sind schlauer als mancher Finanzpolitiker. Gold war, ist und bleibt unbestechlich gegen die Taschenspielertricks der Fiatgeldkönige.
Die Europäische Zentralbank (EZB), die Zentralbanken Dänemarks und Schwedens haben ihre Zinsen gesenkt, ebenso die Bank of England, die Schweizerische Nationalbank und die Bank of Canada. Die Fed wird ebenfalls einschwenken (s.o.). Investoren dürfen mit fallenden Zinsen für die nächsten Monate, wenn nicht Jahre rechnen. Das billiger werdende Geld treibt den Kurs des Goldes hoch. Wer partizipieren will, greift zu klassischen Anlagemünzen wie Krügerrand oder Maple Leaf, tagesaktueller Stückpreis 2.292 EUR. Als Alternative bieten sich Goldfonds an wie Xetra Gold (WKN: A0S9GB) oder Euwax Gold (WKN: EWG0LD).
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Eine Frage der Perspektive
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Bei Intel (WKN: 855681) schauen die Deutschen schwerpunktmäßig auf Magdeburg, aber die Börse freut sich über Intels neuen Deal mit Amazon. Es ist eine Frage der Perspektive. Intels CEO Pat Gelsinger hat den Bau der geplanten Magdeburger Chipfabrik vorerst gestoppt und deutsche Subventionspolitiker damit auf dem falschen Fuß erwischt. Hier war man fest davon ausgegangen, Intel mit knapp 10 Mrd. EUR Förderung aus Steuermitteln nach Magdeburg gelockt zu haben. Doch der Markt ist wie immer stärker. Pat Gelsinger wollte Intel umbauen zu einem integrierten Chipfertiger – einem Unternehmen, welches hoch integrierte Schaltkreise, die sogenannten Chips, sowohl entwirft als auch fertigt, und zwar vorzugsweise auf den hochmodernen Druckmaschinen von ASML (WKN: A1J4U4).
Doch der Plan ist ins Stocken geraten. Gelsinger fehlen Kunden. Sie beauftragen derzeit vor allem TSMC (WKN: 909800) mit der Serienfertigung von Chips. Trösten kann sich Intel mit einem neuen Multimilliarden-Agreement, das mit Amazon (WKN: 906866) getroffen wurde. Intel wird ab nächstem Jahr Amazons Cloud-Computing Sparte AWS mit Chips ausstatten, die Intel entworfen und seriengefertigt hat. Wenigstens perspektivisch geht es damit also für Intel in jene Richtung, die Gelsinger seit Amtsantritt 2021 favorisiert.
Für die in Magdeburg freiwerdenden 10 Mrd. EUR Subventionen haben Minister und ein grüner Staatssekretär innerhalb von Stunden schon viele Verwendungsideen ventiliert. Die einfachste und im Hochsteuerland naheliegendste Idee ist natürlich: Gebt das Geld den Steuerzahlern zurück oder tilgt Schulden. Entlastung tut dringend not. Auf lange Sicht ist das Geld in den Händen der Bürger allemal besser aufgehoben als damit weitere Orchideen-, Unsinns- oder Fake-Klima-Projekte nach Steffi-Lemke-Art in China zu finanzieren. Davon gibt es schon jetzt sehr viel mehr, als ein solider Bundeshaushalt verkraften kann.
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Einmal mehr wechselte der DAX in der Berichtswoche die Richtung. Ob die Zinssenkung der EZB am vergangenen Donnerstag letztlich doch Wirkung entfaltete oder ob die zuletzt eingetrübte Stimmung nur noch wenig Spielraum nach unten ließ, ist kaum präzise zu unterscheiden. Tatsache ist jedoch, dass der Index seine Lethargie direkt am Donnerstag wieder abschütteln konnte. Damit kehrte er erneut in den Bereich oberhalb der roten Nackenlinie zurück. Wie bereits in der Vorwoche beschrieben nimmt deren Bedeutung allerdings mit jeder weiteren Verletzung ab, so dass selbst die charttechnisch orientierten Marktteilnehmer diese „Signale“ nurmehr achselzuckend zur Kenntnis nehmen werden – falls überhaupt.
Bedeutsamer scheint aktuell die große Schiebezone zu sein, die zwar durchaus das Potenzial hat, Teil einer Top-Bildung zu sein, aber im Moment kein Signal in dieser Richtung gibt. Der neutralere Begriff der Schiebezone lässt ganz bewusst offen, ob sich der deutsche Aktienindex daraus nicht auch nach oben herausarbeiten könnte. Das allerdings ist im Moment nur Spekulation.
Das zweite größere charttechnische Thema ist die Abflachung des Aufwärtstrends, welche hier durch die blauen Linien veranschaulicht wird. Insofern liegt die starke Aufwärtsbewegung im August etwas quer zu diesem Thema. Dieses Aufbäumen hat im ersten Anlauf allerdings so viel Energie gekostet, dass es im September gerade noch ein neues Allzeithoch erreichen konnte, bevor es erst einmal gescheitert ist. Ein Verlassen der Schiebezone nach oben ist damit aber nicht grundsätzlich vom Tisch. Bis die Schiebezone dann tatsächlich verlassen wird, sollten längerfristig orientierte Anleger aber nicht jede kleine Richtungsänderung innerhalb der Schiebezone überinterpretieren, oder darauf gar überreagieren.
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Die Märkte stehen im Bann der heutigen Fed-Zinsentscheidung. Was passiert, was gesagt wird und wie es letztlich interpretiert wird, ist zwar offen, aber Gold ist in einer Welt politischer Zinsentscheidungen auf lange Sicht immer eine gute Wahl.
Ralf Flierl, Frank Sauerland, Ralph Malisch
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