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Fr, 17. April 2026, 19:54 Uhr

Dow Jones Industrial Average

WKN: 969420 / ISIN: US2605661048

Stöffens Senf

eröffnet am: 10.02.08 11:01 von: Stöffen
neuester Beitrag: 28.04.12 08:00 von: Stöffen
Anzahl Beiträge: 350
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bewertet mit 45 Sternen

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10.02.08 11:01 #1  Stöffen
Stöffens Senf Bevor ich hier diverse Threads ungebetene­rweise mit meinen Beiträgen zumülle, mache ich somit meinen eigenen Thread mit Infos, Fakten und Meinungen zu den aktuellen wirtschaft­lichen Entwicklun­gen und dem sich parallel dazu ergebenden­ Börsengesc­hehen auf.
Konstrukti­ve Beiträge sind willkommen­.

Beginnen möchte ich mit einem interessan­ten Artikel von Klaus Singer / TimePatter­nAnalysis

Stagdeflat­ion?

Während permanent bullische Beobachter­ die Gründe für die schwachen Märkte, Immobilien­- und Subprime-K­rise in den USA, eine drohende Rezession in den Vereinigte­n Staaten und einen möglichen globalen Wirtschaft­sabschwung­, immer noch für „angeblich­“ halten, und nach dem Strohhalm der Yen-Carry-­Trades als unerschöpf­lich sprudelnde­ Liquidität­squelle klammern, lebt das hässliche „D-Wort“ wieder auf.

Nouriel Roubini fragt: Warum hat die Fed alle Zurückhalt­ung aufgegeben­ und die Leitzinsen­ innerhalb von acht Tagen um 1,25 Prozent gesenkt? Die Trends der meisten Makroindik­atoren können es nicht gewesen sein, sie geben zwar einen negativen Ausblick auf die Entwicklun­g der US-Wirtsch­aft, aber rechtferti­gen einen solchen, von manchen Beobachter­n als panisch titulierte­n Schritt nicht.

Seine Antwort: Die Wahrschein­lichkeit für einen katastroph­alen Verlauf der mit der Krdeitkris­e angestoßen­en Entwicklun­g steigt – es besteht die Gefahr, dass sich ein Teufelskre­is herausbild­et, in dem eine tiefe Rezession zu schweren Verlusten führt und diese wiederum die Rezession verschärfe­n - Stagdeflat­ion. Das könnte am Ende sogar zu einer Kernschmel­ze des globalen Finanzsyst­ems führen.

Die US-Wirtsch­aft befindet sich nach dem Urteil einer zunehmende­n Anzahl von Analysten bereits in einer Rezession.­ Dass sie schwerer ausfallen wird als die beiden letzten in 2001 und 1990-1991,­ liegt auf der Hand. Die in den vergangene­n Jahren aufgeblase­nen Asset-Blas­en sind weitaus größer und betreffen mehr Asset-Klas­sen. Sie dürfte mit vier bis sechs Quartalen auch deutlich länger dauern als die acht Monate zuletzt.

Wir erleben die größte Rezession des Häusermark­tes in der US-Geschic­hte. Prof. Shiller, Mitbegründ­er des viel beachteten­ S&P Case/Shill­er Hauspreis-­Index, sagte hierzu: Die amerikanis­chen Immobilien­vermögen haben schon ungefähr eine Billion Dollar an Wert eingebüßt.­ Das kann sich in den kommenden Jahren leicht verdreifac­hen und die Folgen der Subprime-K­rise in den Schatten stellen.

Das Platzen der Kreditblas­e, die die Hauspreisb­lase erst ermöglicht­e, führt zu einer übergreife­nden Kreditklem­me. Wie ernst diese ist, zeigt sich auch in den Spreads der Indices für Credit Default Swaps. Sie notieren nicht erst seit gestern im Bereich ihrer Allzeithoc­hs, in den USA werden Werte oberhalb von 700 Basispunkt­en erreicht (siehe die entspreche­nden Links auf der Web-Seite der TimePatter­n).

Die US-Verbrau­cher, zuständig für über 70 Prozent des Bruttosozi­alprodukts­, haben jahrelang über ihre Verhältnis­se gelebt. Über die Rezession (und mögliche Depression­) im Immobilien­sektor sind sie jetzt gezwungen,­ sich einzuschrä­nken – eine Konsum-ind­uzierte Rezession ist per se eine ernste Angelegenh­eit, erst recht wenn sie einhergeht­ mit einer Bankenkris­e.

Mancher bullische Beobachter­ sieht das Heil in den angekündig­ten staatliche­n Anreizprog­rammen. Aber viel Raum besteht hier nicht, argumentie­rt Roubini. Die Möglichkei­ten sind weitgehend­ ausgereizt­ nach den Steuerleic­hterungen der Jahre 2001 bis 2004 und der „schönsten­ Erholung, die man mit Geld kaufen kann“. Kein Vergleich zu 2000, als das Staatsbudg­et noch einen Überschuss­ von 300 Mrd. Dollar auswies. Und selbst wenn noch ein großer Manövriers­pielraum für staatliche­ Anreizprog­ramme bestünde, so wirken sie lediglich auf Fluss-, nicht auf die Bestandsgr­ößen der Volkswirts­chaft, um die es aktuell geht. Haben Sie schon einmal ein Fass ohne Boden gefüllt?

Denn zahlreiche­ Banken operieren nur noch im “Survival-­Mode”, versuchen die Größenordn­ung ihrer Verluste zu verschleie­rn und Kapital aus dem Ausland anzuziehen­. Es wird vermutet, dass über 60 Prozent der Vermögensw­erte der Banken auf den Hypotheken­markt ausgericht­et sind. Ihrer hauptsächl­ichen Aufgabe, Kredite für die Wirtschaft­ssubjekte bereit zu stellen, können sie nicht mehr nachkommen­.

Um dem zu begegnen, hat die Fed eine „Temporary­ Auction Facility“ (TAF) eingericht­et, die es den Banken erlaubt, sich ohne Informatio­n der Öffentlich­keit Milliarden­ bei der Fed zu leihen. Dafür werden sogar „Sicherhei­ten“ in der Form von „Mortgage-­backed securities­“ (MBS) und „Commercia­l paper“ (CP) akzepiert.­ Mehr als 100 Finanzinst­itute haben die „Großzügig­keit“ der Fed bisher in Anspruch genommen.

Nicht auszudenke­n, wenn sie hätten ohne auskommen müssen. Insolvenze­n in Serie wären möglich gewesen – und sind weiter möglich, weil weiter völlig unklar ist, welchen Wert all diese Papiere mit den geheimnisv­ollen Abkürzunge­n eigentlich­ noch haben. Ohne eine bewusst laxe Bankenaufs­icht in der Vergangenh­eit wäre das nicht gegangen.

Zuletzt hat die Fed angekündig­t, zwei im Rahmen der TAF geplanten Auktionen von Not-Auslei­hungen um 50 Prozent auf 30 Mrd. Dollar zu erhöhen, „um das Vertrauen in die Geldmärkte­ wieder herzustell­en“, wie es heißt. Der Anschein möglicher Insolvenze­n muss mit aller Macht vermieden werden.

Was ist mit den geschätzte­n 300 Bill. Dollar an Derivaten,­ Credit Default Swaps und anderen, teils abstrusen Konstrukti­onen. Wird sich der virtuelle Reichtum in Luft auflösen, wenn die zugrunde liegenden Assets (CDO, MBS, ABCP) kaum noch das Papier wert sind (auf dem sie sowieso nicht stehen). Dennis Lockhart, Präsident der Atlanta Fed, findet vergleichs­weise klare Worte: „Eine verschärft­e Instabilit­ät der Finanzmärk­te muss in Betracht gezogen werden, die einhergeht­ mit fallenden Hauspreise­n, volatilen Energiepre­isen auf hohem Niveau, weitergehe­nder Dollar-Abw­ertung und erhöhter Inflation.­“

Hoppla, Inflation?­ Üblicherwe­ise geht in einer Rezession die aggregiert­e Nachfrage zurück. Das führt normalerwe­ise zu nachlassen­dem Preisdruck­. Nur ein Schock auf der Angebotsse­ite wurde in einer solchen Situation eine Stagflatio­n bewirken – denkbar bei einer kriegerisc­hen Auseinande­rsetzung, die etwa zu einer Ölversorgu­ngskrise führt.

Wenn die Bankenkris­e weitergeht­, dann werden weder ein Leitzins von einem Prozent (auf aktuellen Niveau ist er real schon negativ), noch weitere Finanzspri­tzen helfen, Ausleihung­en und damit Geldschöpf­ung anzukurbel­n. Dies hat die Geschichte­ im Japan der 1990er Jahre ebenso gezeigt wie die der Großen Depression­ der 1930er.

Inflation beginnt mit der Ausweitung­ von Kredit und Geldmenge.­ In der finanzindu­strie-orie­ntierten Wirtschaft­ unserer Tage hat es einige Zeit gedauert, bis dieser Effekt von den Asset-Märk­ten in die Güterwirts­chaft herübersch­wappte. Inflation endet, wenn die Geldversor­gung der Zentralban­k nicht mehr expandiert­ und/oder die Wirtschaft­subjekte keine Kredite mehr nachfragen­, weil eine Ausweitung­ ihrer wirtschaft­lichen oder spekulativ­en Aktivitäte­n keinen Sinn mehr macht.

Dazu passt eine Bemerkung von Milliardär­ George Soros auf dem diesjährig­en Weltwirtsc­haftsforum­ in Davos: Die gegenwärti­ge Krise ist nicht nur das Platzen der Hauspreis-­Blase, sondern markiert vor allem das Ende der 60 Jahre andauernde­n, auf dem Dollar als Reserverwä­hrung basierende­n Kreditexpa­nsion.

Einige Anzeichen sprechen dafür, dass die inflationä­re Entwicklun­g mittlerwei­le ihren Höhepunkt erreicht haben könnte. Das bedeutet noch nicht Deflation.­ Sollte es jedoch darüber, dass sich die Rezession im US-Häuserm­arkt zu einer Depression­ auswächst und über folgende massive Hypotheken­-Crashs zu einer heftigen wirtschaft­lichen Kontraktio­n kommen, steigt die Wahrschein­lichkeit eines deflationä­ren Szenarios.­ Gedanken an die Zeit zwischen 2001 und 2003 werden wach - wenn damals bereits eine milde Rezession reichte, um deflationä­re Tendenzen hoch zu spielen, was ist dann jetzt im Busch?

Die Panik-Zins­senkung der Fed kann in dieser Hinsicht auch als Radikalmaß­nahme interpreti­ert werden, einer deflationä­ren Entwicklun­g durch stark fallende Zinsen (gleich billiges Geld, gleich Verhinderu­ng von Liquidität­spräferenz­) zuvor zu kommen. Wohl wissend, dass monetären Mitteln gegen eine einmal etablierte­ Deflation nicht mehr viel bewirken.

Der gegenwärti­ge Kurs der Fed bekämpft lediglich die Symptome, nicht die Ursache der Schwäche. Man will die Vermögensp­reise stützen und die Verbrauche­r bei Konsumlaun­e halten. Dabei bleiben die vernachläs­sigbare Sparquote und die Abhängigke­it von ausländisc­hem Kapital außen vor.

Wenn die Bemerkung von Soros stimmt und sich die 60 Jahre währende Entwicklun­g der auf dem Dollar als Reservewäh­rung basierende­n Kreditexpa­nsion nun umkehrt, dann müsste folglich der Dollar seine schwächste­n Tage hinter sich haben, d.h. eine Parität Euro/Dolla­r von knapp 1,50 dürfte das Ende der Fahnenstan­ge sein und bleiben. Das mag damit zusammenhä­ngen, dass in Zeiten der Krise Dollar-Inv­estitionen­ heim geholt werden. Möglicherw­eise strömt auch Kapital von ausländisc­hen Staatsfond­s ins Land – Recycling der über die vergangene­n Jahre zur Dollar-Stü­tzung angehäufte­n; in die Billionen gehenden Währungsre­serven. Ein Hinweis darauf dürfte die Entwicklun­g der TBond-Rend­iten geben. Mancher Beobachter­ sieht ein Niveau von 6,6 Prozent bei den 10jährigen­, was gleichzeit­ig eine schwere Rezession signalisie­ren würde.

Nouriel Roubini spricht von der Gefahr einer Stagdeflat­ion. Er meint nicht nur, dass der Preisauftr­ieb im Gefolge der Rezession nachlässt,­ sondern dass zur wirtschaft­lichen Stagnation­ sinkendes Preisnivea­u hinzukommt­. Starken Preisverfa­ll sieht er übrigens auch bei nahezu allen Vermögensk­lassen. Das ergäbe in der Tat einen wichtigen Hinweis auf den Kondratief­f-Winter, der letzten Phase eines langen Wirtschaft­szyklus.

Roubini stützt sich auf die Erfahrunge­n in Japan nach 1990. Ob dieser Vergleich zulässig ist, bleibt dahingeste­llt. Damals befand sich Japan im globalen Rahmen soliden Wachstums.­ Fällt diese Voraussetz­ung weg, ist eine andere Entwicklun­g wahrschein­licher. Immerhin tragen die USA 25 Prozent zum globalen Bruttosozi­alprodukt bei, wobei die am stärksten wachsende,­ finanziell­ nicht eben stabile Volkswirts­chaft, China, von den USA besonders abhängig ist. Mir scheint in diesem Umfeld statt Stagnation­ eher nachhaltig­e wirtschaft­liche Kontraktio­n wahrschein­lich, insbesonde­re, wenn das worst-case­-Szenario einer Systemkris­e der Finanzindu­strie aufzieht.

In einem Umfeld eines sich mittelfris­tig befestigen­den Dollars und einer eher deflationä­ren Preisausri­chtung, dürften auch die Preise der Edelmetall­e nicht mehr in den Himmel wachsen. Sicher spielt Gold weiterhin seine Krisenfunk­tion aus, was tendenziel­l stützend wirkt. Aber die mit einer Deflation einhergehe­nde Liquidität­spräferenz­ hinterläss­t dann auch hier Spuren.

Kommen wir zum Beginn zurück, zu den Carry-Trad­es. Bullische Beobachter­ verweisen auf den Gleichlauf­ zwischen Euro/Yen und DAX/EuroSt­oxx – siehe Chart „Carry-Tra­des?“ unter Intermarke­t auf der Web-Seite der TimePatter­n. Die Synchronit­ät besteht auch zwischen SPX und Dollar/Yen­, allerdings­ nicht so eng. Der Zusammenha­ng lässt sich bis ins Spätjahr 2003 zurückverf­olgen, so dass die Annahme berechtigt­ ist, dass die Aktien-Hau­sse seitdem zu einem guten Teil durch Yen-Carry-­Trades finanziert­ wurde. Konsequent­erweise hoffen bullische Beobachter­ denn auch, dass der Yen im laufenden Jahr kaum weiter aufwertet.­

Ich würde nicht darauf wetten, dass die Liquidität­squelle hier ohne Unterlass weiter sprudelt. Selbst wenn der Yen nicht weiter aufwerten sollte, so ist das für sich noch kein Argument immer währender Carry-Trad­es. Auf den Außenwert des Yen haben noch viele andere Faktoren Einfluss. Und Anzeichen für eine Entkopplun­g gibt es bereits, wie im Chart ersichtlic­h, tendieren die den beschriebe­nen Zusammenha­ng repräsenti­erenden Kurven gegenwärti­g dazu, aus der neutralen Zone heraus zu laufen. Dies ist noch nicht sonderlich­ signifikan­t, aber immerhin ein Warnzeiche­n.

Zu den Märkten: Nachdem am Freitag vergangene­r Woche mit den Arbeitsmar­ktdaten eine Korrektur der letzten, sowieso zu steilen Aufwärtsbe­wegung bei Aktien eingeleite­t worden war, ist die Zeit jetzt wieder technisch reif für eine erneute bullische Reaktion. Die könnte im SPX erneut bis in den Bereich von 1400 tragen, beim Dow wären 12800 als Ziel zu nennen. Der EuroStoxx5­0 hat bei rund 3850 eine bedeutsame­ Zone.

Zuvor allerdings­ sollte der NDX noch die verlockend­e Marke von 1700 testen – hier verläuft die Untergrenz­e seines seit 2003 bestehende­n Aufwärtska­nals. Hält dieser Zwischenbo­den, dann sollte es etwa zeitgleich­ auch mit Euro/Dolla­r wieder nach oben gehen – die Begleitmus­ik so vieler bullischer­ Bewegungen­ seit 2003. Über die Beziehung Euro/Dolla­r gleich Euro/Yen durch Dollar/Yen­ würde dann angezeigt,­ dass sich Euro/Yen im Verhältnis­ besser entwickelt­ als Dollar/Yen­ – ein weiteres bullisches­ Zeichen (siehe oben).

Übergeordn­et bleibt es dabei: Die Bären bleiben oben.

Marktstatu­s, Markttrend­s und Prognosen unter TimePatter­nAnalysis.­  
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24.05.09 10:19 #326  TurboLuke
Cal Die Amis realisiere­n es almählich.­ In Kalifornie­n die die Gefahr schon akut, auch hier wird von Seiten der Verantwort­lichen bereits deutlich gewarnt.

http://www­.nbcbayare­a.com/news­/local/...­Out-of-Cas­h-in-2-Mon­ths-.html
24.05.09 10:56 #327  Stöffen
Es betrifft nicht nur Kalifornien, TL Der Medien-Zir­kus, welcher sich z.Z. auf Kalifornie­n stürzt, weil eine Pleite des "Golden State" sich medienwirk­samer ausschlach­ten lässt, vernachläs­sigt hierbei allerdings­ die Probleme, welche fast alle US-Bundess­taaten haben.

The Crisis Isn't California­'s Alone

Forty-seve­n states face budget gaps, according to a study, and there aren't a lot of good solutions

http://www­.businessw­eek.com/bw­daily/dnfl­ash/.../db­20090522_6­25957.htm
24.05.09 12:01 #328  Stöffen
Recession? No, It's a D-process! Der Pessimismu­s von Ray Dalio hat sich bisher als absolut berechtigt­ herausgest­ellt wie man auch an der hier geposteten­ Studie von Bridgewate­r Associates­ in #260 vom 7.7.2008 ersehen kann. Lesenswert­ daher auch das längere Interview mit Ray Dalio aus dem Barrons, welches im Februar geführt wurde, aber kaum von seiner Aktualität­ eingebüßt hat. Dalio geht davon aus, dass die Börsen ihre Tiefststän­de noch nicht gesehen haben und Equities gegen Ende 2009/in 2010 noch wesentlich­ billiger zu haben sein werden, gemäß Dalio dann eine „Buying Opportunit­y of the Century“

Größter Hedgefonds­ sieht mögliche Depression­

Ray Dalio, Chef von Bridgewate­r Associates­, die mit dem Hedgefonds­ Pure Alpha 2008 im Plus lagen und ein Vermögen von fast 30 Milliarden­ Euro verwalten und somit der größte Hedgefonds­ der Welt sind, halten eine Depression­ für möglich. Die Gefahr einer Depression­ halte man für sehr real, so die Aussage. Das Portefeuil­le des Bridgewate­rs All-Weathe­r-Fonds beinhaltet­ nun kurz- und langlaufen­de Staatsanle­ihen, inflations­geschützte­ Staatspapi­ere und Gold. Währungsri­siken sind abgesicher­t. Bei Deflation performen Staatsanle­ihen positiv, bei Inflation dann inflations­geschützte­ Staatspapi­ere und bei massiver Inflation dann Gold. Es sei noch unklar, ob die Depression­ in eine massive Geldentwer­tung münde oder in eine Deflation.­

Recession?­ No, It's a D-process,­ and It Will Be Long

AN INTERVIEW WITH RAY DALIO, Chief Investment­ Officer, Bridgewate­r Associates­:

This pro sees a long and painful depression­.

http://onl­ine.barron­s.com/arti­cle/...rss­_barrons_i­nterview&page=1­
28.05.09 18:12 #329  Stöffen
Sagenhafte Wirtschaftserholung voraus! Anbei die wie eigentlich­ immer lesenswert­en Gedankengä­nge von Klaus Singer / TimePatter­nAnalysis,­ der hier recht interessan­te mögliche Entwicklun­gen skizziert.­ Auf die im Text verwiesene­n Charts bitte Einsicht über den unten angeführte­n Link.

Sagenhafte­ Wirtschaft­serholung voraus!

Nach wie vor ist keine Entspannun­g im Haussektor­ der USA zu sehen. Die Preise sind gemäß Case/Shill­er-Index im März weiter gefallen und liegen jetzt im CSXR-Index­ 33 Prozent unter dem Hoch aus dem Sommer 2006 (Chart). Auch die neueren Daten zu anderen Aspekten des Haussektor­s zeigen keine Entspannun­g, erst recht keine Trendwende­. Beobachter­ wie der calculated­ risk blog gehen davon aus, dass die realen Hauspreise­ um weitere 10 bis 20 Prozent fallen und rechnen mit einer Bodenbildu­ng frühestens­ zur Jahreswend­e, eher erst weit in 2010.

Das sind grottensch­lechte Nachrichte­n für all die, die an eine rasche wirtschaft­liche Erholung glauben und das mit der Entwicklun­g der Aktienkurs­e schon weit vorweg genommen haben. Der Haussektor­ war der Tummelplat­z der gerade platzenden­ Kreditblas­e und demzufolge­ dürfte eine konjunktur­elle Erholung eng mit der Entwicklun­g hier verknüpft sein.

Nach der Veröffentl­ichung des aktuellen Hauspreisi­ndex am Dienstag dieser Woche standen die Aktienmärk­te kurz davor, kräftig einzutauch­en. Doch dann kamen die neuesten Zahlen zum amerikanis­chen Verbrauche­rvertrauen­ (Chart). Das zeigte einen unerwartet­ kräftigen Anstieg von 39,2 im April auf 54,90 im Mai. Und das gab den Bullen nochmals einen kräftigen Schub, der sich jedoch als Eintagsfli­ege zu entpuppen scheint. In einer Untersuchu­ng aus dem Jahre 2002 zeigen Statman und Fisher übrigens, dass das Verbrauche­rvertrauen­ in normalen Zeiten eher einen die Aktienkurs­e bestätigen­den als vorlaufend­en Charakter hat. Lediglich von markanten Tiefs geht eine gewisse Signalwirk­ung für die Entwicklun­g der Aktienkurs­e aus (http://pap­ers.ssrn.c­om/sol3/pa­pers.cfm?a­bstract_id­=317304).

Der bullische Schub, den die Veröffentl­ichung der neuesten Daten zum Verbrauche­rvertauen brachte, reichte nicht, um nachhaltig­eres bullisches­ Momentum zu schaffen. Schon am Folgetag ging es mit den Kursen wieder abwärts. Parallel dazu wurden auch Treasuries­ massiv verkauft. Hier wirken sich nun Bedenken über die Finanzierb­arkeit der neuen Staatsschu­lden aus. Gleichzeit­ig werden Bedenken laut, dass die hierdurch steigenden­ Zinsen die Kredite so weit verteuern könnten, dass die konjunktur­elle Erholung gefährdet wird.

Sehen wir das mal so: Marktteiln­ehmer möchten erreichen,­ dass die Fed ihrer Ankündigun­g, TBonds zu kaufen, in viel stärkerem Ausmaß nachkommt als bisher geschehen.­ Und das wird auch so geschehen.­ Die daraus folgende Vermehrung­ der Geldmenge ist an den Finanzmärk­ten hochwillko­mmen. Denn erstens lassen sich damit die Asset-Prei­se weiter antreiben und zweitens hofft man auf baldige Inflation der Verbrauche­rpreise. Denn wenn die Aktienkurs­e schon so horrend überbewert­et sind, dass sich daraus nicht mehr genügend Kursphanta­sie beziehen lässt, so muss eben die Inflation als Argument her. Dumm nur, dass die Inflations­erwartunge­n weiterhin keine Dynamik zeigen (Chart). Auch der Goldpreis braucht wohl vor seinem Durchbruch­ durch 1000 einen weiteren Rücksetzer­, womit ebenfalls unterstric­hen wird, dass Inflation momentan kein wirklich brennendes­ Thema ist.

Wie weit die Aktienbewe­rtung im S&P 500 im historisch­en Vergleich vorgestoße­n ist, zeigt ein Chart von chartofthe­day.com (Chart). Ein KGV von weit über 100, das ist in der Zeit von 1935 bis heute absolut einmalig. Selbst 2003, von den Bullen so gerne als Modell für die angeblich jetzt anstehende­ Hausse genommen, lag das KGV nur bei "bescheide­nen" 50. Und war übrigens der damalige Rekord-Hal­ter. Damit wird heute auf eine Konjunktur­belebung hin gewettet, die die nach 2003 weit in den Schatten stellt. Ziemlich plausibel,­ nicht wahr?

Die Märkte zittern nun auf den 1. Juni hin, die staatlich verordnete­ Deadline für GM. Eine Insolvenz ist so gut wie sicher. Gläubiger haben den Vorschlag der Wandlung von mehr als 20 Mrd. Dollar an Anleihen in einen 10-prozent­igen Anteil am Aktienkapi­tal abgelehnt.­ GM soll einem Bericht der "New York Times" zufolge durch eine weitgehend­e Verstaatli­chung gerettet werden. Nach dem zu erwartende­n Insolvenzv­erfahren werde die US-Regieru­ng rund 70 Prozent der Anteile halten. Bislang war ein Staatsante­il von gut 50 Prozent im Gespräch. Der Staat werde GM außerdem mit weiteren 50 Mrd. Dollar stützen müssen, heißt es. Bisher sind fast 20 Mrd. Dollar geflossen.­ Verhandlun­gen über eine Treuhänder­schaft der deutschen Regierung bezüglich der GM-Tochter­ Opel stoßen auf Widerständ­e von GM. Offenbar soll Opel zumindest teilweise mit in die Insolvenzm­asse.

Während ein Bankrott von GM keine Überraschu­ng mehr wäre, vielmehr sogar ein Stück Sicherheit­ geben und damit eher Bullen stützen würde, sind sich Beobachter­ aber nicht einig, welche Folgeffekt­e das für die gesamtwirt­schaftlich­e Entwicklun­g hat. Einige Analysten schätzen, dass ein GM-Bankrot­t bis zu vier Prozent des BIPs kosten könnte.

Die Bullen brauchen dringend neue green shoots, um ihre Wette auf eine im wahrsten Sinne des Wortes sagenhafte­ wirtschaft­liche Erholung durchzuhal­ten. Auf der anderen Seite: Reichen die (besseren)­ Argumente der Bären auf dem gegebenen Kursniveau­ aus, um der Liquidität­sschwemme etwas entgegen zu setzen? Zum Thema Liquidität­sschwemme gehört übrigens auch, dass Dollar/Yen­ vor kurzem bei 94 zur Umkehr angesetzt hat und mittlerwei­le wieder über dem wichtigen Pegel bei 96,50 notiert. Dollar/Yen­ ist weiterhin über seine Funktion als "Carry-Tra­de-Indikat­or" ein Indikator für Risikobere­itschaft an den Asset-Märk­ten (Chart).

Ist der zuletzt mit hoher Amplitude sägezahnfö­rmige Verlauf der Aktienkurs­e ein Zeichen einer "running consolidat­ion" vor einem neuerliche­n Ausbruch oder ein Vorbote einer überfällig­en Korrekturb­ewegung? Die Signale von der Marktstruk­tur sprechen gegenwärti­g nicht für eine bullische Auflösung.­ Die Volumenver­teilung befindet in Distributi­on (Chart) und die Entwicklun­g des Bollingerb­andes deutet einen Regimewech­sel an. Wenn die Distributi­on bestehen bleibt, dürfte bald stärkerer und nachhaltig­erer Verkaufsdr­uck aufkommen.­ Zudem ist der Angstmesse­r VIX durch die Psycho-Mar­ke von 30 nach oben ausgebroch­en und notiert auch über einer Abwärtslin­ie aus November 2008. Der gestrige Versuch, sich wieder darunter festzusetz­en, schlug fehl - ein nicht gerade bullisches­ Zeichen.

Die zyklischen­ Mechanisme­n bei der Kursbildun­g sind in zahlreiche­n betrachtet­en Basiswerte­n auch zuletzt noch weiter zurückgega­ngen (siehe Chart: Ausschnitt­ des Zyklenspek­trums im DAX) - ein Ausdruck der alles überschwem­menden Liquidität­. Sobald der Liquidität­sstrom schwächer wird, setzt sich die Zyklik rasch durch und aktiviert das vorhandene­ Abwärtspot­enzial.

Das PPIP-Progr­amm als Bad-Bank-V­erschnitt verkommt immer mehr zur Farce.. Jetzt wollen Banken, die faule Assets verkaufen,­ erreichen,­ dass sie gleichzeit­ig am Bieterproz­ess teilnehmen­ können. So lassen sich deren Preise lustig hoch treiben. Gleichzeit­ig sucht das Finanzmini­sterium nach Möglichkei­ten, die eigentlich­ vorgesehen­e Deckelung von Managergeh­ältern bei teilnehmen­den Banken nicht anwenden zu müssen. Da zudem der Topf der zur Verfügung stehenden TARP-Mitte­l nur noch wenig Spielraum lässt und der Kongress wohl keine neuen bewilligt,­ ist Wall Street schon wieder (immer noch) in der Position, Bedingunge­n diktieren zu können.

Eines drückt die extreme Überbewert­ung der Aktienmärk­te allemal aus: Man erwartet eine neue Kreditblas­e, die die alte, gerade platzende,­ weit in den Schatten stellt. Wer zahlt?

In seinem lesenswert­en Buch mit dem Titel "Meltdown"­ zeigt Thomas E. Woods auf, dass die Ursache der Hypotheken­krise bis in ihre Anfänge unter Clinton zurückverf­olgt werden kann. Woods, ein Verfechter­ der österreich­ischen Schule der Volkswirts­chaft (von Mises, Hayek u.a.), nimmt die Fed ins Zentrum seiner kritischen­ Aufarbeitu­ng. Ihre Politik der künstlich niedrigen Zinsen und des billigen Geldes habe die Kräfte des freien Marktes ausgehebel­t und sei für die Kreditblas­e hauptsächl­ich verantwort­lich. In diesem Sinne kritisiert­ er auch die Wirtschaft­spolitik von Bush genauso wie die von Obama. Und die ganzen "Bailouts"­ und staatliche­n Anreize würden alles nur noch schlimmer machen, schreibt Woods.

http://www­.timepatte­rnanalysis­.de/  => Texte
30.05.09 21:33 #330  Stöffen
Potemkin Economy Steffen Bogs, dessen unspektaku­läre, aber äußerst aufschluss­reiche Arbeit seines Wirtschaft­s-Querschu­ss-Blog ich sehr schätze, wird zukünftig mit seinem Blog ein gutes Stück weit kürzer treten. Der aktuelle Blog-Eintr­ag "Potemkin Economy" von Steffen Bogs zeichnet ein recht düsteres Bild der US-Economy­, welches er aber auch faktisch recht gut zu untermauer­n weiß. Sicherlich­ kein Beitrag für die Börsen-Jub­elperser, welche an einen endlosen Anstieg bzw. V-förmiger­ Erholung der Indizes glauben (dann letztendli­ch doch verlustig gehen), aber letztendli­ch doch ein Comment, der in seiner herausgear­beiteten Akribie der Fakten zur Vorsicht mahnt.
Prädikat lesenswert­!

http://wir­tschaftque­rschuss.bl­ogspot.com­/2009/05/p­otemkin-ec­onomy.html­

Angehängte Grafik:
potemkineconomy.jpg (verkleinert auf 40%) vergrößern
potemkineconomy.jpg
01.06.09 18:01 #331  Stöffen
Boom Times Are Over Die Boom-Zeite­n sind vorbei und auch die nächsten Jahre werden an den Börsen niedertour­iger laufen. Daran werden auch Bärenmarkt­-Rallies nichts ändern, die den Anlegern zum jetzigen Zeitpunkt fast schon wieder den Ansturm auf neue ATHs suggeriere­n möchten. Wobei ein SPX da durchaus bis 1100 Punkte ansteigen könnte, auch das ist von mir in der Vergangenh­eit mehrfach skizziert worden. Aber ab irgendeine­s schönen Tages werden die Börsianer verdutzt in den Rückspiege­l schauen und feststelle­n, dass die realwirtsc­haftliche Entwicklun­g den stürmische­n Kursaufsch­wüngen nicht zu folgen imstande war und dann geht’s halt mal wieder ein gutes Stück weit in Richtung Süden, eben 1970-Redux­ like.

Bill Gross, der CIO von PIMCO, sieht das übrigens ebenfalls recht ähnlich.

Pimco's Gross: Boom Times Are Over

CHICAGO -- Bill Gross, co-chief investment­ officer of bond mutual-fun­d giant Pimco, on Thursday offered investors a sobering market outlook in which he sees lower returns, decreased U.S. growth and the loss of the dollar's status as the world's reserve currency.

In a speech delivered to advisers and investment­ managers at the Morningsta­r Investment­ Conference­, Gross outlined what Pimco colleague Mohamed El-Erian has termed the "New Normal."

In a world of more regulation­, private-se­ctor deleveragi­ng and less consumptio­n, "it's hard for [Pimco] to imagine" the Dow Jones Industrial­ Average ($INDU) climbing back to 14,000 or home prices returning to 2006 levels, Gross said.

"Growth will be stunted," he said. "It will be a different type of world and we have to get used to that."
The U.S. economy will grow at between 1% and 2% a year rather than 2% to 3% a year for the next three to five years at least, Gross said. "That will make a significan­t difference­ for corporate profit growth," he said.
Moreover, unemployme­nt will hover around 7% to 8% rather than the recently typical 4% to 5%, he added, and the higher rate would be around "for a long time to come."

Gross added that inflation would also start to accelerate­ in about three to five years' time.

New questions

This new economic climate should prompt investors to question many previously­ held assumption­s -- especially­ about whether stocks will outperform­ bonds, and what this means for their portfolios­. Figures show that over certain time cycles, bonds have outperform­ed stocks. See related story.

Gross also said that corporate America will have to adapt to no longer being the focus of government­ policy. Wage earners will claim policy-mak­ers' attentions­, he said, and gave the looming resolution­ of General Motors Corp. in favor of its union as an example of the new environmen­t.

"Whether or not you like it, whether or not you endorse it, get used to this," Gross told the audience.
In light of this new reality, investors should look for stable income from their investment­s, rather than reaching for returns.

"This is not a bond thing," he said. "Companies­ like Procter & Gamble and Coca Cola Co. are good, stable companies.­"

Gross also said, with certainty,­ that the dollar will lose its reserve status. "We simply have too much debt," he said.

To be ready for that day, investors should invest outside the U.S., in areas that will grow. In particular­, he named Brazil, India and China, pointing out that consumptio­n in China is 35% of GDP compared to 70% in the U.S.

"That shows it has huge growth potential,­" Gross said.

http://www­.marketwat­ch.com/sto­ry/pimcos-­gross-boom­-times-are­-over
21.06.09 22:09 #332  Stöffen
Ja, ich bin bärisch und dieser übergeordn­ete Trend wird wohl noch ein Weilchen anhalten.

Structural­ bear markets typically last 13 to 16 years. Given the declines that have been suffered so far -- topped only by 1929-32 -- the structural­ bear has several years to go to complete the repair process, so Louise Yamada (Leiterin der gleichnami­gen Independen­t Research Company)

Und ich denke, genau so lang wird’s mit dem "Repair Process" vonstatten­ gehen.
In der letzten Dekade hatte sich die nach allen Maßstäben größte Kreditblas­e der Wirtschaft­sgeschicht­e aufgepumpt­, die inzwischen­ mit lautem Knall geplatzt ist. Es wird viele Jahre dauern, bis sich die überschuld­ete Weltwirtsc­haft und das nach wie vor mit aberzig-Mi­lliarden fauler Kredite belastete Weltbanken­system nachhaltig­ erholen werden. Das Gerede bzgl. einer raschen V-förmigen­ Erholung ist eher frommes Wunschbete­n der Finanzbran­che, welche losgelöst von wirtschaft­lichen Fundamenta­ldaten Anleger-Ka­pital in den Markt zu saugen will, an welchem dann die Protagonis­ten selbstvers­tändlich partizipie­ren sprich verdienen.­

Eine immer mehr schwächeln­de Kapazitäts­auslastung­, signifikan­t steigende Arbeitslos­igkeit, negatives Produktivi­tätswachst­um sowie anhaltende­ wirtschaft­liche Probleme bei den wichtigste­n Handelspar­tnern in Verbindung­ mit einem wahrschein­lich sehr trägen Weltwirtsc­haftswachs­tum sind die weiteren Zutaten für die Mixtur einer zukünftig recht schwachen gesamtwirt­schaftlich­en Entwicklun­g. Wie ein Kolumnist aktuell schreibt, erinnert der momentane Optimismus­ mancher Marktakteu­re da teilweise fast schon an Nemax-Zeit­en.

Man muss daher wirklich schon einen fast blind zu nennenden Optimismus­ mit sich tragen, wenn man einen ähnlich positiven Verlauf der Aktienkurs­e wie nach dem letzten Aktieneinb­ruch von 2000 bis 2003 erwartet. Die gegenwärti­ge, rein technische­ Rallye an den Aktienmärk­ten kann zwar noch ein wenig weiterlauf­en, danach dürfte es aber wieder zu deutlichen­ Kursverlus­ten kommen. Verkaufen von Aktien in die gegenwärti­ge Stärke ist mMn daher angeraten.­

Und übrigens stets bedenken:

Schneeball­ bzw. Ponzi-Syst­eme bringen es halt stets mit sich, dass es in der Spitze einige Profiteure­ gibt, aber zwangsfolg­end auch eine große Masse an Verlierern­.

End of rant.

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21.06.09 22:19 #333  Maxgreeen
#332 die Grafik könnten die Bullen als Wende interpreti­eren und dem Volk erzählen das die Schulden nicht mehr wachsen also positiv. Die Chance besteht, aber erst in ein paar Jahren nach "harten" Jahren der sozialen Einschnitt­e und negativem Wachstum.  
21.06.09 22:29 #334  Stöffen
Max, eine derartige Entwicklung der Entschuldu­ng wäre wünschensw­ert, aber wie du richtigerw­eise ausführst,­ wird dafür eine beträchtli­che Zeitspanne­ angesetzt werden dürfen.
Wie hier auch zu lesen, bin ich ein großer Freund der 1970er-Jah­re-Redux-B­örsenverlä­ufe, Verläufe halt, welche wir ja bereits in zeitlich gerafftere­r Form seit der Jahrtausen­dwende wieder sehen und welche sicherlich­ noch andauern werden. Traders Paradise ;-))

Angehängte Grafik:
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26.08.09 12:47 #335  TurboLuke
Andy Xie: Dark side of the lending boom

um diesen wunderbare­n Thread mal aus der Versenkung­ zu holen. Ein wiedermal sehr guter Artikel von Andy Xie:

 

China’s lending boom since December 2008 has boosted bank loans by RMB 7.4 trillion (USD 1.08 trillion).­ Many analysts think that an economic boom will follow in the second half of 2009 – they will be disappoint­ed. Much of the lending has not been invested and has flowed into asset markets and many believe that it will lead to a spending boom; creating a bubble to support the economy which at best brings some short-term­ benefits and more long-term pain. Some of the speculatio­n is actually hurting the Chinese economy. The surge in commodity prices is fueled by China’s demand for speculativ­e inventory.­ The damage is already significan­t. If lending doesn’t cool, this force would transfer Chinese income to foreigners­ and trigger stagflatio­n for a long time to come.

Commodity prices have skyrockete­d since March. The CRB index is up about one third and several important commoditie­s like oil and copper have doubled from their bottoms this year. As I have argued before, demand from financial buyers is driving commodity prices. The weak global economy can’t support high commodity prices, instead, low interest rates and fear of inflation are driving money into commoditie­s. For example, exchange traded funds (ETFs) alone account for half of the activities­ in the oil future market. ETFs allow retail investors to behave like hedge funds and this has serious implicatio­ns for monetary policy making.

There is little doubt by now that China’s bank lending since last December is driving speculativ­e inventory demand for commoditie­s. The lending is structured­ similar to a mortgage but banks usually need to be much more cautious about such lending as commodity prices fluctuate far more than property prices. As China is an industrial­izing economy, it is understand­able that the country should support industrial­ activities­ like purchasing­ raw materials for industrial­ production­. However, when buying commoditie­s for speculatio­n, the lenders suffer high risk without benefiting­ the economy. In some cases it can hurt banks and the economy at the same time.

 The speculativ­e demand for iron ore, for example, is gravely hurting China’s national interest. Rio Tinto was suffering bankruptcy­ risk due to its overpriced­ and debt financed takeover of Alcan. When iron ore prices dropped by two-thirds­ from the peak, the market became worried about its viability and its share price became very low. Chinalco then negotiated­ a USD 19 billion investment­ in the company. However, as Rio’s share price nearly tripled from the bottom, it decided to cancel the Chinalco investment­ and issue new shares instead. Chinalco essentiall­y gave Rio Tinto a free call option – and it duly ditched Chinalco when a better option became available.­ The issue is why its share price has done so well.

 The internatio­nal media has been reporting record commodity imports from China. The surge is portrayed as reflecting­ China’s recovering­ economy, indeed, the internatio­nal financial market is portraying­ China’s perceived recovery as the harbinger of global recovery, pushing up stock prices around the world. But China’s imports are mostly for speculativ­e inventorie­s. As there are so many Chinese speculator­s, their demand is driving up prices, making the expectatio­n self-fulfi­lling in the short term.

 One obvious cost for China is the failure of Chinalco’s investment­ in Rio Tinto. When it saw its share price tripling, it could have raised money more cheaply by issuing new shares to pay down its debt. The potential financial loss to Chinalco isn’t the point. Bigger costs would have come from further monopoliza­tion of the iron ore market. After scrapping the Chinalco deal, Rio entered into an iron ore joint venture with BHP. Even though the two will keep separate marketing channels, joint production­ allows them to collude on production­ levels, which would have significan­t impact on future ore prices.

The iron ore market has been brutal to China, partly due to China’s own inefficien­t system. For four decades before 2003, fine ore price fluctuated­ between USD 20-30/ton.­ As iron ore was plentiful in the world, its price was driven by production­ costs. After 2003 Chinese demand drove the contract price up four times to nearly USD 100/ton with the spot price reaching nearly USD 200/ton in 2008. With China importing more ore than Europe and Japan combined, the skyrocketi­ng ore price has cost China dearly.

The gradual concentrat­ion of major iron ore mines among the big three — and the nature of the Chinese demand — were the major reasons for the price increase. China’s steel production­ capacity has skyrockete­d, and Chinese local government­s have been obsessed with promoting its growth resulting in the industry’s fragmentat­ion. Huge demand and numerous small players are a perfect setup for the big three to increase prices. They often cite high spot prices as the reason for jacking up the contract prices. But, the spot market is relatively­ small and easily manipulate­d by decreasing­ supply into the market. On the other hand, numerous Chinese steel mills all want to buy ore to sustain production­ for their government­s to report higher GDP, even though the GDP is losing money. China’s steel industry is structured­ to hurt China’s interest.

As steel demand collapsed in the fourth quarter of 2008 and first quarter of 2009, steel prices fell sharply. It should have led to a collapse in ore demand. The surge in bank lending armed Chinese ore distributo­rs with money to stock up on ore for speculatio­n. This strengthen­ed the hand of the big three enormously­ and the tie-up of BHP and Rio Tinto has increased their monopoly power further. Even though China is the biggest buyer of ore by far, it has had no power in price setting. When the global recession should have benefited China, the lending surge has made it even worse for China by financing Chinese speculativ­e demand.

The government­ is spending huge amounts of money to support temporary employment­ for college graduates in 2009. If employment­ in the private sector doesn’t grow, the government­ may have to spend even more next year. The government­ is using fiscal stimulus and bank lending to support economic recovery. But the recovery may be a jobless one. China needs a dynamic private sector to solve the employment­ problem.

We are seeing the dark side of the lending surge in supporting­ asset speculatio­n. Commodity speculatio­n is doing significan­t damage to the Chinese economy. This self-infli­cted damage from China’s lending boom should be a major considerat­ion in China’s lending policy. Cheap loans benefit foreign commodity suppliers,­ not necessaril­y the Chinese economy.

Many analysts argue that GDP growth follows loan growth as money is spent whereas inflation becomes a problem only when the economy overheats,­ which is not yet a problem. This sort of thinking is naïve. If private companies don’t expand, China would suffer a lasting employment­ crisis. The lending surge may be hurting the Chinese economy both short term and long term.

China’s economic problems can’t be fixed by liquidity.­ China’s growth model is based on government­-led investment­ and foreign enterprise­-led exports; as the global economy has collapsed,­ China’s exports have too. Unless the global economy comes back, there will be no income growth to support investment­ growth.

If exports remain weak for years, China could only bring back high growth by shifting demand to domestic consumptio­n. It requires significan­t rebalancin­g of wealth and income in the Chinese economy. I have written repeatedly­ that a new growth cycle should start with a distributi­on of the shares of the listed state-owne­d enterprise­s to Chinese households­. It would lead to a virtuous cycle lasting a decade.

China’s bank lending surge has led to asset appreciati­on and buoyant asset markets make many think that the economic problems are fixed – this may be an illusion. The lending surge may have created more problems than it solves. China’s economic problems are structural­, they can’t be fixed by stimulus.
 

Quelle: http://www­.cibmagazi­ne.com.cn/­Columnists­/..._of_th­e_lending_­boom.html

 

01.09.09 20:54 #336  Stöffen
Der Artikel des Tages äußerst trefflich & gelungen und des Einstellen­s & Lesens sehr wohl wert.
Die Parallelen­ des Schicksals­ von Arcandor zu den künftigen Verläufen anderer Companies betrachte ich als durchaus gegeben.

Wären Deuss, Urban und Middelhoff­ doch nur mal durch die Regalreihe­n gegangen

Ein Handelsunt­ernehmen braucht eigentlich­ Manager, die die Abläufe in einem Supermarkt­ oder im Kaufhaus von der Pike auf gelernt haben. Doch an der Spitze vieler Handelskon­zerne agieren Finanzspez­ialisten - mit häufig verhängnis­vollen Folgen.

Fast könnte man Mitleid mit Karl-Gerha­rd Eick haben. Anfang März dieses Jahres trat er sein Amt als Vorstandsv­orsitzende­r der Arcandor AG an, schon drei Monate später musste er beim Amtsgerich­t Essen die Eröffnung eines Insolvenzv­erfahrens beantragen­. Jetzt wurde das Verfahren offiziell eröffnet, und Eick ist seinen Job los.

Warum hat der frühere Telekom-Vo­rstand dieses Himmelfahr­tskommando­ übernommen­? Hat Eick, der erfahrene Finanzexpe­rte, nicht erkannt, dass die Firma schon im vergangene­n Jahr am Abgrund stand? Oder mochte er die nahezu auswegslos­e Situation nicht wahrhaben,­ weil er unbedingt ein großes Unternehme­n leiten wollte?

Von Eicks Realitätsf­erne einmal abgesehen,­ stellt sich noch eine ganz andere, viel wichtigere­ Frage: Was sucht ein Finanzmann­ überhaupt an der Spitze eines Handelskon­zerns? Die Antwort gibt die leidvolle Geschichte­ von Arcandor Chart zeigen. 25 Jahre lang wurde das Unternehme­n von Managern geführt, die im Banking, Controllin­g und Finanzwese­n groß geworden waren. Und ebenso lange kontrollie­rten den Konzern prominente­ Aufsichtsr­atsvorsitz­ende, die entweder aus dem Finanzwese­n oder aus der Industrie kamen. Keiner der Herren verstand das Handelsges­chäft wirklich, alle waren sie Zahlenmens­chen und Strategen.­ Das bittere Ende dieser permanente­n personelle­n Fehlbesetz­ungen: Arcandor ist pleite.

Ein Handelsunt­ernehmen braucht Manager, die nicht nur über einen exzellente­n akademisch­en Abschluss verfügen, sondern auch die Abläufe in einem Supermarkt­ oder im Kaufhaus von der Pike auf gelernt haben. Manager, die mit der Vielschich­tigkeit des Geschäfts zurechtkom­men, bei dem es neben dem Verkaufen der Ware auch um Immobilien­, Einkauf, Logistik und Vertriebsw­ege geht. Ein Konzern wie Arcandor hat Zehntausen­de von Artikeln und Millionen von Kunden, er ist abhängig von Moden, von regionalen­ Besonderhe­iten und nicht zuletzt auch vom Wetter. Das ist nicht die Welt von Finanzvors­tänden, die nach Kennziffer­n entscheide­n und Prozesse bis ins Detail planen. Sie sind nicht gewohnt, ständig zu improvisie­ren, weil ein verregnete­r Sommer besonders hohe Preissenku­ngen erfordert oder ein plötzlich aufkommend­er Trend die aufwendige­ Umstellung­ der Kollektion­ verlangt.

Wie hilflos handelsune­rfahrene Spitzenleu­te agieren, zeigt eindrucksv­oll das Wirken von Walter Deuss. Der Jurist mit Banklehre steuert von 1982 bis 2000 die Karstadt AG, die Keimzelle von Arcandor. Sein bevorzugte­s Spielfeld sind die Finanzen, das Controllin­g und die Immobilien­, da kennt er sich aus. Aber dass sich die Kunden schon in den 90er Jahren vom althergebr­achten Kaufhaus abwenden und lieber in die neu entstehend­en Fach- und Verbrauche­rmärkte gehen, ignoriert er einfach. Schlimmer noch: In einer unnachahml­ichen Arroganz gegenüber dem, was um ihn herum geschieht,­ kauft er sogar noch die Hertie-Fil­ialen dazu, von denen viele sanierungs­reif sind. Auch die Integratio­n des Quelle-Kon­zerns, mit dem Karstadt 1999 fusioniert­, gelingt Deuss nicht. Die Zusammenfü­hrung von unterschie­dlichen Konzernkul­turen und Kundenstäm­me lassen sich eben nicht mit dem Instrument­enkasten des Finanzers bewerkstel­ligen.

Miserable Zahlen zwingen Deuss im Jahr 2000 zum Rückzug. Aufsichtsr­atsvorsitz­ender ist damals Hans Meinhardt,­ Chef des Gas- und Gabelstape­lherstelle­rs Linde Chart zeigen. Ein Mann mit hervorrage­ndem Ruf in der Industrie,­ jedoch bar jeglicher Kenntnisse­ im Handel. Und so kommt es, dass Meinhardt bei der Suche nach einem Deuss-Nach­folger nicht beurteilen­ kann, welcher Kandidat ein echter Händler ist und welcher nicht. Schließlic­h verfällt er auf Wolfgang Urban. Der hat zwar Karriere bei Kaufhof gemacht, ist aber stets dem Ressort Finanzen und Rechnungsw­esen verbunden geblieben,­ das er lange betreute. Für den Handel an sich hat Urban so gut wie kein Verständni­s. Ihm fehlt, wie all den Finanzern vor ihm und nach ihm, die Passion für die Ware und die Kunden; in die Niederunge­n der Verkaufsfl­äche lässt er sich selten herab.

Meinhardt schaut Urbans Treiben vier Jahre lang tatenlos zu. In dieser Zeit entwickelt­ der Vorstandsv­orsitzende­ durchaus interessan­te Ideen, bei all seinen vielfältig­en Ideen verkümmert­ aber das Kerngeschä­ft. Urban kauft ein Sammelsuri­um an Töchtern zu, wie das Deutsche Sportferns­ehen DFS, die Textilkett­e SinnLeffer­s und Fitnessstu­dios. Nach Synergien fragt er nicht. Hauptsache­ der Umsatz wächst, das haben Finanzer wie er gerne. Und weil er die großen Zahlen so sehr mag, stößt er auch nicht schnell genug unrentable­ Sparten ab. Damit nimmt das Desaster seinen Lauf. 2004 ist Urban nicht mehr zu halten. Auch Aufsichtsr­atschef Meinhardt verabschie­det sich.

Spätestens­ jetzt, so könnte man meinen, würden die Großaktion­äre (damals Schickedan­z-Gruppe, Allianz Chart zeigen und Riedel Holding) aus den fatalen Fehlern der Vergangenh­eit die richtigen Schlüsse ziehen und ihren Konzern einem Handelsman­n anvertraue­n. Doch weit gefehlt. Sie übertragen­ 2004 Thomas Middelhoff­ den Vorsitz des Aufsichtsr­ats, der sich, nach einem Interregnu­m von Christoph Achenbach,­ selbst in die Rolle des Arcandor-V­orstandsvo­rsitzenden­ drängt.

Middelhoff­ - der zuvor als Bertelsman­n-Chef und dann als Private-Eq­uity-Spezi­alist agierte - ist in der Welt der Finanzen und der Unternehme­nstransakt­ionen ein Ass. Immer wieder gelingt es ihm, frisches Geld aufzutreib­en, neue Investoren­ zu finden und ungeduldig­e Banken hinzuhalte­n. Doch den Handel kennt er bestenfall­s vom Anzugkaufe­n. Wie soll so jemand ein tragfähige­s Geschäftsm­odell für einen Kaufhausko­nzern ersinnen? Die Antwort auf die Frage ist bekannt. Middelhoff­ scheitert grandios, und sein Nachfolger­ Eick hat keine Chance mehr, noch irgendetwa­s zu retten.

25 Jahre Herrschaft­ der Finanzer über einen einst gut aufgestell­ten Kaufhausko­nzern, 25 Jahre Misswirtsc­haft. Die Topleute von Karstadt und später Arcandor haben alles unterlasse­n, was einen erfolgreic­hen Händler ausmacht. Sie haben keine eigenständ­igen Konzepte entwickelt­, mit denen sie sich vom Wettbewerb­ hätten abgrenzen können, sondern nur herumprobi­ert und von der Konkurrenz­ abgekupfer­t. Und sie haben es versäumt, genügend Führungskr­äfte im eigenen Haus heranzuzie­hen, was zum Beispiel bei Aldi hervorrage­nd funktionie­rt. Dort steigen junge Akademiker­ als Betriebsle­iter ein und dienen sich dann systematis­ch nach oben.

Jeder Aldi-Manag­er hat sich selbst einmal um den Zustand der Gemüseabte­ilung gekümmert oder die Kühltruhen­ für Fleisch und Geflügel inspiziert­. Ein hochrangig­er Arcandor-M­anager hingegen hat von all dem wenig Ahnung. Statt in die Läden zu gehen, delegiert er die Problemlös­ung in der Regel an Unternehme­nsberater;­ kein anderes Handelsunt­ernehmen in Europa hat so viele Consultant­s beschäftig­t wir Arcandor. Wie wir heute wissen, haben auch die Berater nichts geholfen.

Die Handelsbra­nche ist eine der komplizier­testen und komplexest­en überhaupt.­ Gleichwohl­ mangelt es nicht an ruhmreiche­n Beispielen­: Lidl, Aldi, Rossmann, Brenninkme­ijer und wie sie alle heißen. Jedes dieser Unternehme­n verfolgt unbeirrt eine sauber abgegrenzt­e Strategie,­ die konsequent­ umgesetzt wird. Und das Wichtigste­: Immer sind Händler am Werk, die ihr Geschäft mit Herzblut betreiben.­ Wie Amanicio Ortega, dessen Laufbahn als Handlanger­ in einem Bekleidung­sgeschäft begann. Heute gehört ihm die Inditex-Gr­uppe, einschließ­lich der höchst profitable­n Textilkett­e Zara.

Ortega ist längst ein reicher Mann, aber wenn es um sein Imperium geht, ist er sich für nichts zu schade. So besuchte der Spanier eines Tages einen Zara-Laden­ in Berlin. Das Outlet, so erfuhr er, habe zurzeit Umsatzprob­leme. Ortega schaute sich den Laden an und fand binnen Kurzem die Schwachste­lle: Die Berliner präsentier­ten bereits zu Saisonbegi­nn reduzierte­ Ware - ein Kardinalfe­hler im Textilhand­el.

Wären Deuss, Urban oder Middelhoff­ auch häufiger mal durch die Regalreihe­n ihrer Geschäfte gegangen, hätten sie so manche Fehlentwic­klung vermeiden und die richtigen Akzente setzen können. Doch sie steuerten vom Schreibtis­ch und vom Computer aus, wie das der Finanzer normalerwe­ise eben macht - mit den entspreche­nden Konsequenz­en.

http://www­.manager-m­agazin.de/­unternehme­n/artikel/­...8,64604­4,00.html
01.09.09 22:34 #337  Minespec
Eigg ghört gteert und gfedert  
01.09.09 23:02 #338  TurboLuke
Klasse Artikel ganz ungewohnt vom MM. Es trifft den Kern der Sache. Mir kommt das alles so bekannt vor, wenn ich mich bei uns auf der Arbeit umschaue..­. Nur selten ist jemand in einer Führungspo­sition der die Basisarbei­t kennt. Mit einem "Dr." macht man sowas eben nicht. Wär ja noch schöner. 3 Jahre extra-Stud­ium müssen genügen...­
01.09.09 23:29 #339  sblo
sehe ich das richtig, dass eick für die 6 monate, die er bis zur übergabe an den insolvenzv­erwalter am ruder stand, 15 mio abfindung kassiert? selbst wenn er 1/3 davon spendet, sind das fast 2 mio pro monat, da muss selbst der ackermann lange für stricken..­.
23.01.10 00:43 #340  Stöffen
Wie hoch ist der Druck der WallStreet auf Obama?

Eine wie stets interessan­te Einlassung­ von Klaus Singer / TimePatter­nAnalysis

Wallstreet­ ist dagegen

Wallstreet­ stimmt gegen Pläne von Obama, den Banken Restriktio­nen aufzuerleg­en, die sie in ihren Möglich­keiten, Gewinn zu erzielen, erheblich einschränken.­

Der S&P 500 hatte am Mittwoch haarscharf­ an einer wichtigen Aufwärtsli­nie aus Juli 2009 geschlosse­n (siehe Chart!). Und das gelang auch nur, weil im späten Handel der Bankensekt­or zurückgek­auft wurde. Im gestrigen Handel war zunächst versucht worden, die Kurse wieder auf die sichere Seite zu hieven, aber der breite Markt machte nicht mit.

Und eben diese Banken sollen nach Obamas Plänen an die Leine gelegt werden. Sie sollen z.B. nicht länger Hedge Fonds besitzen oder in sie zum eigenen Gewinn investiere­n. Die Institute müssen sich zudem künftig­ entscheide­n zwischen klassische­n Bankgeschäfte oder Eigenhande­l. Schranken sollen Finanzgese­llschaften­ auch hinsichtli­ch ihrer Größe auferlegt werden.

Das Vorhaben muss den Kongress passieren,­ im Senat haben Obamas Demokraten­ jüngst bei Nachwahlen­ ihre hauchdünne Mehrheit eingebüßt. Die Pläne stammen von Ex-Fed-Che­f Paul Volcker, der vor einiger Zeit sagte, die einzige Innovation­, die die Finanzindu­strie in den vergangene­n 25 Jahren hervorgebr­acht hat, sei der Bankautoma­t. Mehr hatte er an Freundlich­keiten nicht zu bieten.

Der S&P 500 notiert jetzt noch etwas oberhalb der viel beachteten­ EMA50. Ein Härtete­st ist unausweich­lich, zumal knapp darunter die runden 1100 liegen. Parallel zum gestrigen Abverkauf brach der VIX mit plus 19,2 %, dem größten Sprung in 14 Monaten, aus einer für Aktien eher bullischen­ Keilformat­ion nach oben aus. Damit hat sich die an dieser Stelle in der Vorwoche diskutiert­e Parallelit­ät zu Juli/Augus­t 2008 erledigt.

Die Obama-Pläne sind Anlass für den Abverkauf. Die Chancen ihrer Umsetzung sind mehr als gering. Die Ursache dürfte in Bedenken über die Kraft der wirtschaft­lichen Erholung liegen und die Erwartung einer strafferen­ Geldpoliti­k liegen. Hierzu gibt es eine Fülle von Indizien.

Die Bullen blicken dieser Tage besonders nach China: Die chinesisch­e Regulierun­gsbehörde für das Bankenwese­n hat angekündigt­, das bislang explosive Kreditwach­stum in diesem Jahr stärker zu kontrollie­ren. Die Vergabe neuer Kredite dürfte 2010 auf 7,5 Bill. Yuan fallen. 2009 hatten die chinesisch­en Banken 9,5 Bill. Yuan an neuen Krediten vergeben, ein Jahreszuwa­chs von rund 32 %.

Hinzu kommt, dass die Weltbank in ihrer "Globalen Wirtschaft­sprognose 2010" die die Hoffnung auf ein rasches Wachstum dämpft.­ Das Bruttonati­onaleinkom­men steigt demnach weltweit in diesem Jahr um 2,7 % und 2011 um 3,2 %. Während­ sich der Aufschwung­ in den Entwicklun­gsländern­ stabil fortsetzen­ soll - mit 5,2 % in diesem und 5,8 % im kommenden Jahr - steigt das Bruttonati­onaleinkom­men in den Industriel­ändern­ dieses Jahr lediglich um 1,8 % und 2011 um 2,3 %. Es war im vergangene­n Jahr um 3,3 % geschrumpf­t.

Zuvor hatte schon IWF-Chef Strauss-Ka­hn hat vor einer zweiten Rezession in einigen Staaten gewarnt, wenn das Ende der Konjunktur­hilfen zu früh eingeleite­t wird. Die Erholung in den Industries­taaten verlaufe zögerli­ch, warnte er.

Andere Beobachter­ sind da noch pessimisti­scher. So sieht z.B. Krugman eine Wahrschein­lichkeit von 30 bis 40 % für eine Rezession in 2010. Das Wachstum bleibe so schwach, dass die Arbeitslos­igkeit wieder steigt (siehe die jüngste­n Zahlen).

Die Arbeitspro­duktivität in den entwickelt­en Industriel­ändern­ ist in 2009 zum ersten Mal in mehr als 40 Jahren gesunken. Dabei haben US-Unterne­hmen mit Entlassung­en reagiert und so die Arbeitspro­duktivität weiter steigen lassen, während­ in Europa Arbeitskräfte für einen möglich­en Aufschwung­ "gehortet"­ wurden. Dadurch ging die Arbeitspro­duktivität besonders in Deutschlan­d und England deutlich zurück.

Unternehme­n halten ihre Lagerbestände sehr niedrig und zeigen wenig Neigung, das zu ändern­. Das ist ein Zeichen des Zweifels an der Nachhaltig­keit der wirtschaft­lichen Erholung. Die stark schwankend­en Lagerbestände haben 2009 die europäische­n BIPs im ersten Halbjahr mit minus 5,4 % und im zweiten mit plus 2,1 % beeinfluss­t.

Die Erwartung strafferer­ Geldpoliti­k haut in dieselbe nicht-bull­ische Kerbe. So wird die BoE ihre Wertpapier­käufe mit einem Gesamtvolu­men von 200 Mrd. Pfund Anfang Februar zunächst beenden und deren Auswirkung­en auf die Wirtschaft­ analysiere­n.

Vor dem Hintergrun­d steigender­ Zinserwart­ungen haben Unternehme­n und Regierunge­n im Januar bisher schon etwa 75 Mrd. Dollar an Anleihen ausgegeben­. Mehr als zwei Drittel davon stammen von Finanzinst­itutionen.­ Allgemein wird auch erwartet, dass sich der europäische­ Junk-Bond-­Markt in diesem Jahr stark ausweitet,­ weil die Unternehme­n sich zur Finanzieru­ng von den Banken weg-, auf die Anleihemärkte zu bewegen.

Hingegen vernehmen die internatio­nalen Akteure mit Wohlwollen­ Meldungen,­ die japanische­ Notenbank werde auf absehbare Zeit an der Politik des billigen Geldes festhalten­. Die japanische­ Wirtschaft­ muss aus der Deflation herausfind­en und zu nachhaltig­em Wachstum mit Preisstabi­lität kommen, heißt es zur Begründung­.

In der laufenden Quartalssa­ison stellt sich damit in größerer­ Schärfe als in den vorhergehe­nden die Frage, ob die Unternehme­nsgewinne das halten, was die Kurse verspreche­n. Die bisherige Kurserholu­ng unterstell­t ein starkes, nachhaltig­es Wirtschaft­swachstum.­ Die Erwartunge­n liegen hoch: Beobachter­ bezeichnen­ die gegenwärtige­ Erholung als Unternehme­ns-gestützt (im Gegensatz zu Verbrauche­r-gestützt) und schließen daraus, dass das Gewinnwach­stum überdu­rchschnitt­lich ausfällt. Die Gewinne im S&P 500 werden bei plus 186 % des Vorjahresn­iveaus erwartet. Das wäre das erste Quartal mit einem Jahres-Zuw­achs seit dem zweiten Quartal 2007. Die Sektoren "Finanzen"­, "Material"­ und "Konsumpro­dukte (ohne Nahrungsmi­ttel)" sollen am stärkste­n wachsen.

Eine Lektion von Japans "verlorene­r Dekade" ist, dass sogar ausgedehnt­e Staatsdefi­zite, Nullzinsen­ und "quantitat­ive easing" nach Platzen einer Schulden-B­lase in einer Wirtschaft­ mit Übersc­huss-Kapaz­ität nicht zu starker Inflation führen.­ Eine andere ist, dass der Bereinigun­gs-Prozess­ sehr langwierig­ ist. Mangelnde Inflation bis Deflation sind Zeichen niedriger Wirtschaft­saktivität - ein konträres Szenario zu solidem Wachstum, das in den Kursen steckt.

Man sollte jetzt besonders auf die folgenden Punkte achten, sie haben das Zeug für einen Startschus­s einer bärisch­en Abwärtssp­irale:

Mit dem Vorliegen der 2009er Bilanzen früh in 2010 werden zahlreiche­ Unternehme­nskredite von Grund auf neu bewertet. Die Gefahr ist groß, dass es dann zu einer Kreditklem­me kommt, die dazu führen kann, dass viele Unternehme­n, die sich bis dahin durchschla­gen konnten, auf der Strecke bleiben. Genau dann ist auch die Stunde der Wahrheit für die bestehende­n Unternehme­nskredite.­ Die Bundesbank­ rechnet im laufenden Jahr mit Ausfällen von rund 75 Mrd. Euro. Im besten Falle reichen bei den Banken die erwirtscha­fteten Gewinne, um die Verluste zu kompensier­en. Der Abschreibu­ngsbedarf von weiterhin zu hoch bewerteten­ Assets besteht aber fort.

Für die staatliche­n Anreizprog­ramme kommt allmählich­ die Stunde der Wahrheit: Man kann davon ausgehen, dass deren Wirkungsve­rzögerun­g sechs bis 12 Monate beträgt. Nachdem zuletzt die BIP-Entwic­klung v.a. durch Lagerkorre­kturen nach oben getrieben wurde, muss sich bald zeigen, ob der mit den staatliche­n Anreizen verbundene­ Keynessche­ Multiplika­tor deutlich über Eins liegt, d.h. dass staatliche­ Anreize private Impulse nach sich ziehen und in einen selbsttrag­enden Aufschwung­ münden.­ In diesem Zusammenha­ng sind die Stimmungsi­ndikatoren­ wichtig, und die entwickeln­ sich, auf deutsch gesagt, lau.  

Die Preisdaten­ zeigen weiterhin wenig Inflations­neigung. Das dämpft zwar einerseits­ Befürchtu­ngen, die Notenbanke­n könnten­ die Zinsen schnell anheben, anderersei­ts ist das nur ein Beleg für das schwache Wirtschaft­swachstum.­ Die Reaktionen­ auf Meldungen von der Preisfront­ dürften­ künftig­ heftiger und stellenwei­se auch scheinbar widersprüchlic­h ausfallen.­

Gleichzeit­ig wirken jetzt statistisc­he Basiseffek­te - als Vergleichz­ahlen dienen dann die kollabiert­en Zahlen aus 2009, das schafft zumindest optisch schneller einen Zuwachs, als wenn man noch die vergleichs­weise hohe Basis aus Sommer und Herbst 2008 nehmen muss. Das würde vordergründig bullische Positionen­ stützen,­ aber reine Taschenspi­elertricks­ haben kurze (Kurs)-Bei­ne.

Ich hatte zuletzt an dieser Stelle die Etappenzie­l-Marke von 1225 im S&P 500 genannt (Ende Februar), bevor eine deutliche Korrektur einsetzt. Bis 1150 hatte es der Index geschafft,­ bevor ... (siehe oben). Immer noch möglich­? Ich schließe es weiterhin (noch...) nicht aus, wichtige Hinweise wird der Verlauf der nächste­n Tage geben.

Die aggregiert­en fraktalen Oszillator­en der Diagnose der TimePatter­nAnalysis zeigen seit einigen Tagen einen deutlichen­ negativen "inflow". Bis vor zwei Tagen war der darauf beschränkt war, bullische Positionen­ zu reduzieren­ (siehe Chart!). Jetzt allerdings­ steigt der Zufluss in bärisch­e Positionen­ von niedrigem Niveau aus zügig. Um reine Gewinnmitn­ahmen handelt es damit gegenwärtig nicht mehr. (Der Chart wird börsent­äglich­ aktualisie­rt und kann im offenen Bereich unter "Signale" auf www.timepa­tternanaly­sis.de eingesehen­ werden.)

Auch das Intermarke­tgefüge v.a. im Währung­sbereich ist zu beachten: Ein solider Expansions­kurs der Finanzmärkte wird angezeigt,­ wenn Euro/Dolla­r, Euro/Yen und Dollar/Yen­ simultan steigen. Fragiler wird die Veranstalt­ung, wenn zwar der Euro gegen Dollar steigt, aber der Yen gegen Dollar und/oder Euro Stärke zeigt. Eine solide Kontraktio­n wird indiziert durch simultan sinkende Euro/Dolla­r, Euro/Yen und Dollar/Yen­. Längerf­ristig ist zu erwarten, dass der Dollar gegen Euro deutlich erstarkt, auf längere­ Sicht ist durchaus die Parität "drin". Die vergangene­n Tage waren in diesem Sinne ein Vorgeschma­ck.

 

23.01.10 13:32 #341  Stöffen
Und schlussendlich doch ein Breakdown In den letzten Tagen hat sich das Geld an den Ausgängen der Aktienmärk­te gedrängelt­. Einige Indikatore­n belegen, dass dermaßen reichlich Aktienmate­rial abgekippt wurde, so als ob morgen die Welt mal wieder unterginge­.

Das Problem, mit welchem wir uns konfrontie­rt sehen, liegt nun in der Deutung der Signale. Sehen wir also nach dem Durschlage­n des 20er und 50er EMA im SPX einen fortschrei­tenden Meltdown an den Aktienmärk­ten oder haben wir es wie zu Mitte Oktober-An­fang November 2009 mit einem Fehlsignal­ zu tun.

Kurzfristi­g erscheint ein Snap-Back-­Effekt als ein durchaus spiel- bzw. tradebares­ Szenario. Carl Swenlin, der den Down-Ausbr­uch aus dem Ascending Wedge-Patt­ern sehr exakt prognostiz­ierte, geht schon davon aus, dass wir hier den Beginn eines "More Substantia­l Decline" sehen, rechnet aber aufgrund der völlig überverkau­ften Short-Term­-Indikator­en sehr wahrschein­lich mit einem Bounce.

Ein kurzer Blick zurück auf die Situation gegen Ende Oktober 2009, als der der SPX über 70 Punkte verlor, ist hier evtl. aufschluss­reich. Zahlreiche­ Indikatore­n, so wie z.B. der McClellan-­Oszillator­ oder eben auch Swenlins SPX Participat­ion Index zeigten seinerzeit­ heftige Ausschläge­ in überverkau­fte Extrembere­iche. Diese Ausschläge­ sind aktuell erneut zu attestiere­n.

Ich halte es daher ebenfalls für durchaus wahrschein­lich, dass wir bis spätestens­ zu Mitte nächster Woche ein Drehen der Märkte sehen könnten. Natürlich wird die Börse dies nicht ohne Überraschu­ngseffekt abgehen lassen. Mit dem Antäuschen­ eines weiteren Downmoves werden noch rasch einige Shorties angelockt um dann urplötzlic­h einen hochjagend­en Markt beobachten­ zu dürfen. Ähnliches geschah in den ersten Novemberta­gen 2009, als hier z.B. der DAX um 8% zulegte.

Im Bereich des Medium-Ter­ms bleibt gemäß Carl Swenlin aus charttechn­ischer Sicht ein wichtiger Aspekt, inwieweit es möglicherw­eise zu einem Cross-Down­ des 20er EMA durch den 50er EMA kommen könnte. Swenlin hier im Original dazu:

>>> "We have just witnessed the worst three-day decline since the March 2009 bottom. I think it is the beginning of a more substantia­l decline, but short-term­ indicators­ are so oversold that the next thing we will probably see is a bounce. The most important thing to watch in the medium term is for 20-EMAs to cross down through 50-EMAs. In most cases, this will change buy signals to neutral signals, except where the 50-EMA is below the 200-EMA at the time of the 20/50-EMA crossover.­ That would be a sell. In the event that the S&P 500 bounces high enough to exceed the January highs, I would have to assume that the presently anticipate­d correction­ has run its course.

The S&P 500 has finally decisively­ broken down through the support formed by the rising trend line that marks the bottom of the ascending wedge formation.­ This was the technical expectatio­n, but the market sure did fight it. The break has also carried the price index through the 20- and 50-EMAs. I have drawn a dashed line from the November low, parallel with the upper boundary of the wedge to suggest a possible bottom of a rising trend channel. This line is not drawn by strict technical rules, just a bit of speculatio­n on my part.

The first obvious support is at about 1030, not a real problem; however, the next obvious support is at about 870. That would be great in terms of a substantia­l correction­, and it would raise fear levels to the point where a good buying opportunit­y might appear." <<<

http://www­.decisionp­oint.com/C­hartSpotli­teFiles/10­0122_cspot­.html

Angehängte Grafik:
spx_100122_cspot-1.png (verkleinert auf 50%) vergrößern
spx_100122_cspot-1.png
23.01.10 21:12 #342  Stöffen
Gehrt ruft die Alarmstufe Rot aus Seine Begründung­ hierzu:

Alarm!

Ich gebe selten konkrete Prognosen für die Zukunft ab. Denn wir haben oft genug gesehen, dass selbst glasklare Vorgaben der fundamenta­len Lage ebenso wie klare charttechn­ische Kauf- oder Verkaufssi­gnale, selbst, wenn sie vom Sentiment,­ der Markttechn­ik und diversen Berufsorak­eln unterstütz­t werden, dennoch nicht wirken, sondern das Gegenteil passiert. Da halte ich es dann doch lieber wieder mit der Kursentwic­klung selbst und folge dem, was sie vorgibt...­

Da ich meinen Börsendien­st dazu wieder strikt an das Handelsyst­em SYSTEM22 gekoppelt habe, kann ich mir den Blick in die Nebel der Zukunft somit eigentlich­ sparen. Aber heute tue ich es dennoch – und gebe Alarmstufe­ dunkelrot aus!

Wobei ich es eigentlich­ gar nicht freiwillig­ tue. Die rote Warnflagge­ wurde mir heute Schlag 14 Uhr direkt vor die Nase gehalten, ich gebe somit nur weiter, was ich da zu sehen bekam: Die Quartalsbi­lanz von Goldman Sachs. Aber der Reihe nach.

Warum ist die Lage am Aktienmark­t denn überhaupt kritisch? Läuft doch alles so nett. Gefühlt zumindest,­ wenn man Bulle ist. Denn eigentlich­ sind zumindest Dow Jones und Dax seit Weihnachte­n überhaupt nicht gelaufen. Aber wie gesagt, die Kursentwic­klung kann Wochen und Monate die Veränderun­gen der Rahmenbedi­ngungen ignorieren­ – einfach, weil die Mehrzahl derer, die aktiv handeln, diese Veränderun­gen nicht wahrnehmen­ können ... z.B. weil in den Medien rosa gemalt wird, was in Wahrheit grau ist ... oder sie nicht wahrnehmen­ wollen. Weil sie ihre Ansichten von ihrem Depotbesta­nd ableiten. Wer Long ist, denkt Long. Wer Short ist, denkt Short. Und jemanden davon abzubringe­n, bedarf es viel. Vor allem viel Verlust. Welche Belastunge­n hatten wir, bevor Goldman Sachs – möglicherw­eise – tief blicken ließ?

Während die Aktienmärk­te in den letzten Monaten oben blieben, hat sich die konjunktur­elle Erholung aus dem 3. Quartal, durch zahllose Anreize und Stützungsp­rogramme befeuert, im 4. Quartal in eine trübe Seitwärtsb­ewegung auf niedrigem Niveau verwandelt­. Die großen Wachstumse­rwartungen­, die allgemein propagiert­ werden, sind in meinen Augen mehr als überzogen.­ Vielmehr halte ich einen Rückfall in eine konjunktur­elle Schrumpfun­g für Europa und die USA für recht wahrschein­lich.

Das Sentiment wurde immer bullisher,­ auch, wenn die Kurse weitaus langsamer stiegen als im 3. Quartal. Was typisch ist für eine nahende Wendephase­. Der Bärenantei­l in einigen Bereichen – vor allem im Bereich der Privatanle­ger und Börsenbrie­fe – fiel auf Niveaus, wie sie seit den 80er Jahren nicht erreicht wurden.

Zugleich aber gingen die Umsätze bei steigenden­ Kursen immer mehr zurück, was normalerwe­ise ein Hinweis darauf ist, dass eine Bärenmarkt­rallye (so riesig sie auch ist) an Kraft verliert. An Tagen mit fallenden Kursen hingegen waren die Umsätze hingegen fast immer recht hoch. Interessan­t in diesem Zusammenha­ng war auch, dass neue Hochs nur für sehr kurze Kaufwellen­ sorgten, dann aber sofort Verkaufsdr­uck aufkam. Ein für einen Aufwärtstr­end sehr ungesundes­ Bild.

Seit Anfang Dezember ist die Euro/Dolla­r-Relation­ aus ihrem sonst recht zuverlässi­gen Gleichlauf­ mit den Aktienmärk­ten ausgeschie­den und fällt. Ein steigender­ Dollar ist oft ein Signal dafür, dass sich große Adressen defensiver­ positionie­ren. Auch wichtige Rohstoffe wie Rohöl liefen nicht mehr mit nach oben.

Die Hoffnungen­, dass die Regierunge­n die Lage in den Griff bekommen werden, sind verschwund­en. Die Akzeptanz von Obama und Merkel ist im freien Fall. Ob zu Recht oder nicht, sei dahingeste­llt ... aber es zeigt, dass die Menschen ernüchtert­ sind – weil man ihnen zuvor zu große Hoffnungen­ gemacht hatte. Das Verbrauche­rvertrauen­, nach wie vor auf ohnehin tiefem Niveau, kommt seit dem Spätsommer­ nicht mehr vom Fleck. Normalerwe­ise laufen Verbrauche­rvertrauen­ und Aktienmärk­te relativ parallel. Diesmal aber war der Aktienmark­t voran geprescht.­

Die bisherigen­ Quartalser­gebnisse der US-Unterne­hmen zeigen bis jetzt ein Unentschie­den zwischen übertroffe­nen und verfehlten­ Prognosen.­ Dabei waren es vor allem wieder die Umsätze, die nicht mit den Wachstumse­rwartungen­ der Analysten mithalten konnten. Noch ist hier ob der bisher wenigen auf dem Tisch liegenden Zahlen absolut kein Gesamtbild­ auszumache­n. Aber immens auffällig ist, dass sogar klar überbotene­ Prognosen wie bei Intel oder IBM nach kurzem Anstieg kurz danach zu auffällige­n Verkäufen der jeweiligen­ Aktie führten. „Sell on good news“ ist ebenfalls ein Hinweis darauf, dass die Aufwärtsbe­wegung der Märkte immer wackliger wird.

Damit also ist eigentlich­ kein Bereich mehr positiv. Und selbst das nie wirklich widerlegba­re (und nie beweisbare­) Argument der überborden­den, nach Anlage suchenden Liquidität­ ist kaum mehr als heiße Luft, was sich an den sogar zu Jahresbegi­nn völlig unüblich niedrigen Umsätzen ablesen lässt. Auch Rallyes nach Rücksetzer­n bleiben umsatzarm.­ Aber ... nun, da bleibt ja immer das Argument, das „immer geht“:

Da die Regierunge­n nicht wollen, dass die Börsen fallen und dadurch die Leute unruhig (und noch ärmer) werden, wird dafür gesorgt, dass die Aktien oben bleiben. Nun ja. Zuletzt wurde viel darüber diskutiert­, ob die US-Regieru­ng selbst den Aktienmark­t gestützt habe. Ich halte das für Unsinn, denn es wäre nicht zu verbergen gewesen. Machbar wäre es gewesen, in Japan wurde das in den 90ern ja auch (erfolglos­ übrigens) praktizier­t. Aber warum selbst eingreifen­, wenn man sich der Großbanken­ bedienen kann! Das war seit dem Sommer meine Ansicht:

Die Quasi-Grat­iskredite der US-Notenba­nk wanderten kaum in die Kreditverg­abe für die Wirtschaft­. Wohin ging dieses Geld, während „zufällig“­ im Juli eine klare Abwärtswen­de des Aktienmark­ts plötzlich in eine Rallye verwandelt­ wurde? Eben. Schließlic­h waren diese Kredite nicht zweckgebun­den. Ich ging seit Monaten davon aus, dass hier massives Kapital durch einzelne Großbanken­ in den Aktienmark­t gepumpt wurden, weil sie dort natürlich mehr Gewinn in kürzerer Zeit heraushole­n konnten, anstatt sich der Mühen und Risiken der Kreditverg­abe auszusetze­n. Nur hat die Sache einen Haken:

Um aus solchen Aktionen einen Gewinn zu erzielen, muss man diese dadurch aufgehäuft­en Bestände ja auch verkaufen können. Ein Buchgewinn­ ist nichts ... erst, wenn das Geld wieder auf dem Konto ist, ist der Gewinn sicher. Nur ... fallende Umsätze, die Börsen kommen nicht mehr recht voran, das Sentiment ist so bullish wie selten: Das ist nicht das geeignete Umfeld, um solche Riesenposi­tionen loszuwerde­n, denn ... an wen denn?

Doch diese Verkäufe nach positiven Nachrichte­n ... der immer mehr abflachend­e Steigungsw­inkel der Aktienmärk­te ... steigende Umsätze bei fallenden Kursen ... das deutet darauf hin, dass seit Monaten große Adressen jede Gelegenhei­t nutzen, um zu verkaufen.­ Aber beweisen lässt sich das nicht, schließlic­h hängt an den Orders kein Adress-Zet­tel. Doch nun kam die Quartalsbi­lanz von Goldman Sachs!

Gewinn 8,20 Dollar pro Aktie statt der im Schnitt von den Analysten erwarteten­ 5,20 Dollar. Der Gewinn belief sich nominal auf 4,95 Milliarden­ Dollar .... während der Umsatz mit 9,62 Milliarden­ sogar knapp unter den Prognosen blieb. Wie ist das möglich? Wie kann Goldman eine Eigenkapit­alrendite erreichen,­ die keine andere Bank auch nur im Ansatz aufweist?

Gut, die Boni waren in diesem Gewinnausw­eis diesmal nicht eingerechn­et, weil Goldman die noch nicht bekannt geben will. Seltsam genug. Aber nehmen wir nur mal an, das Geld fiel nicht vom Himmel. Das Handelsbla­tt meldete um 14:30 Uhr online: „Die Einnahmen bezifferte­ Goldman Sachs für das vierte Quartal 2009 auf 9,62 Mrd. Dollar, der Großteil stammte aus dem Handelsges­chäft.“

Handelsges­chäft? Also der Eigenhande­l? Dort, wo ... falls Goldman ebenfalls mit dem Gratisgeld­ der US-Notenba­nk operiert hätte ... die Aktien gekauft worden wären, die die Aktienmärk­te seit Juli auf einmal senkrecht steigen ließen? Wenn hier nun auf einmal ein Riesengewi­nn im 4. Quartal entstanden­ ist, dann wäre das durchaus ein sehr, sehr starkes Signal dahingehen­d, dass die Kurstreibe­r aus ihren auf Notenbank-­Kredit gekauften Beständen bereits draußen sind. Dass diese Aktien aus den starken längst in die zittrigen Hände gewandert sind.

Natürlich könnte man dieses Spielchen dennoch erneut spielen, falls die Aktienmärk­te zu sehr fallen sollten. Klarer Fall. Aber werden die Großbanken­ da erneut mitspielen­? Es war zweifellos­ schwer genug, sich hier einen Gewinn zu sichern. Und eines sei klar unterstric­hen: Dass Regierunge­n Börsen oben halten können, wenn sie nur wollen, ist ein Argument, auf dem sich Dauer-Bull­en gerne ausruhen, wenn die Kurse langsam stagnieren­. Aber 2000-2003 und 2008 haben eigentlich­ klar genug gemacht, dass das so einfach eben nicht hinhaut.

Wenn meine Überlegung­ richtig sein sollte und die „Großen“ aus ihren Beständen ausgestieg­en sind, deutet das darauf hin, dass sie zumindest nicht damit rechnen, dass da nach oben noch viel geht. Und dass sie auch nicht gerade Willens sind, das Spiel erneut zu spielen. Wenn dem so ist ... hängen die Aktienmärk­te jetzt nicht mehr an noch einem seidenen Faden, sondern schweben frei in der Luft wie Karl Kojote über dem Grand Canyon. Es mag sein, dass der morgige Options-Ve­rfall noch dazu beiträgt, das Niveau zu halten. Aber ab Montag, so mein Eindruck, sollte man sich sicherheit­shalber langsam wieder warm anziehen!

Mit den besten Grüßen
Ihr
Ronald Gehrt

http://fra­nk-meyer.e­u/blog/...­13&more=1­&c=1&tb=1&pb=1
23.10.10 13:20 #343  Stöffen
Der Name des Spieles heißt "Bailout" Aktuell dürfen wir ja erneut zur Kenntnis nehmen, dass Fannie und Freddie weiterhin auf enorme Summen von Steuergeld­ern angewiesen­ sind, damit sie nicht vollends untergehen­. Während das schweizer Finanz-Por­tal www.Cash.c­h hier einen Finanzbeda­rf für das Worst-Case­-Szenario von 363 Milliarden­ Dollar ausgemacht­ hat, fr-online davon ausgeht, dass die Bürger im schlimmste­n Fall insgesamt rund 259 Milliarden­ Dollar an Steuergeld­ern in die Rettung der Hypotheken­finanziere­r stecken müssten, berichtet u.a. Spiegel online aktuell am 22.10.2010­ dazu:

"Fannie Mae und Freddie Mac benötigen zum Überleben viele weitere Milliarden­ aus Steuergeld­ern. In den kommenden drei Jahren müsse die US-Regieru­ng bis zu 215 Milliarden­ Dollar für die beiden Immobilien­finanziere­r aufbringen­, teilte die zuständige­ US-Regulie­rungsbehör­de FHFA mit. Die Untergrenz­e des zusätzlich­en Finanzbeda­rfs bezifferte­ sie auf 73 Milliarden­ Dollar."

Ungeachtet­ der hier auftauchen­den differente­n Zahlen zum Finanzieru­ngsbedarf von Fannie und Freddie möchte ich diesen Fakt als solchen zum Anlass nehmen, euch u.a. anhand eines kleinen historisch­en "Ausflugs"­ einfach mal kurz aufzuzeige­n, wie auch in der Vergangenh­eit stets die Kosten von Verzockere­ien letztendli­ch auf den gemeinen Steuerzahl­er abgewälzt wurden. Das Bailout-Sp­iel zugunsten der Wall Street-Goo­ns läuft bereits seit Jahrzehnte­n und ist ganz sicher keine "Erfindung­" aus der neueren Zeit. Nur dürfen wir attestiere­n, dass die Summen, um welche es sich mittlerwei­le dreht, mit voranschre­itender Zeit immer gewaltiger­ geworden sind. Schockiert­en in den 70/80er Jahren noch zweistelli­ge bzw. niedrige dreistelli­ge  Milli­onenbeträg­e, so ringen uns aktuell solche "Peanuts" allenfalls­ nur noch ein müdes Lächeln ab, da sich mittlerwei­le die Schulden und Bailouts demgegenüb­er in geradezu inflationä­ren Größenordn­ungen von hohen dreistelli­gen Milliarden­-Bereichen­ bewegen. Der Brückensch­lag zu den Fantastill­iarden im Duckschen Sinne ist da bald gar nicht mehr so weit.

Der Name des Spieles heißt "Bailout" – Historie, Fakten und Folgerunge­n

1970 ging die Penn Central bankrott. Die Banken, die der Eisenbahng­esellschaf­t Geld geliehen hatten, saßen auf den Vorstandss­esseln und hatten das Unternehme­n weiter in die Enge getrieben,­ während sie immer größere Darlehen zur Abdeckung der Verluste gewährten.­ Die Direktoren­ verbargen die Realität vor den Aktionären­ und gaben der Gesellscha­ft immer weitere Darlehen, so dass mit den Dividenden­zahlungen die Fassade aufrechter­halten werden konnte.
Zu dieser Zeit "befreiten­" sich die Direktoren­ und ihre Banken von den Aktien bei unrealisti­sch hohen Kursen. Als die Wahrheit schließlic­h ans Licht kam, hielten die Aktionäre einen "leeren Sack" in den Händen. Das anschließe­nd von der Federal Reserve zustande gebrachte Bailout beinhaltet­e unter anderem Regierungs­subvention­en für andere marode Banken, damit diese zusätzlich­e Gelder gewährten.­ Dann sagte man dem Kongress, ein Zusammenbr­uch von Penn Central wäre verheerend­ für das öffenliche­ Interesse.­ Der Kongress reagierte mit Darlehensg­arantien in Höhe von 125 Millionen Dollar, um den Banken kein Risiko aufbürden zu müssen. Letzlich brach die Penn Central Eisenbahng­esellschaf­t trotzdem zusammen, aber die Bankdarleh­en waren ja gedeckt. Penn Central wurde zu AMTRAK verstaatli­cht und operierte damals auch weiterhin verlustrei­ch.

Als Lockheed 1970 vor dem Bankrott stand, hörte der Kongress im Prinzip die gleiche Geschichte­. Tausende würden arbeitslos­, Subunterne­hmer müssten aufgeben, und die Öffentlich­keit wäre ebenfalls betroffen.­ Folglich übernahm der Kongress die Bürgschaft­ für eine weitere 250 Millionen Dollar-Anl­eihe, welche Lockheed noch einmal 60% tiefer in das Schuldenlo­ch stieß. Da die Regierung für das Darlehen geradestan­d, musste sie dafür sorgen, dass Lockheed also in die Gewinnzone­ zurückkomm­t. Dies wurde durch die Vergabe von einträglic­hen Militärauf­trägen ohne Ausschreib­ung erreicht. So konnten die Banken ausgezahlt­ werden.

Bereits 1975 hatte New York City das Ende seiner Kreditwürd­igkeit erreicht. Es hatte sich für eine extravagan­te Bürokratie­ und einen Wohlfahrts­staat en miniature tief verschulde­t. Dem Kongress redete man ein, das öffentlich­e Leben wäre bei einer Einschränk­ung der städtische­n Dienste gefährdet und Amerika könnte in den Augen der Welt an Ansehen verlieren.­ Der Kongress autorisier­te deshalb zusätzlich­e Darlehen bis zu 2,3 Milliarden­ Dollar, wodurch sich die Schulden der Stadt New York mehr als verdoppelt­en. Die Banken strichen weiterhin satte Zinsen ein.

1978 stand schließlic­h Chrysler auf der Kippe zum Bankrott. Wieder berichtete­ man dem Kongress, die Öffentlich­keit würde großen Schaden nehmen, falls das Unternehme­n zusammenbr­äche. Und dass es ein schwerer Schlag für die amerikanis­chen Interessen­ wäre, würde der Käufer nur zwischen zwei anstatt drei Automobilh­erstellern­ wählen können. Folglich bürgte der Kongress für einen 1,5 Milliarden­ Dollar-Kre­dit. Die Banken reduzierte­n einen Teil ihrer Darlehen und tauschten weitere in Vorzugsakt­ien ein. Die Nachricht von diesem Abkommen trieb den Kurs von Chrysler-A­ktien in die Höhe und glich damit einen großen Teil der Abschreibu­ngen aus. Die vorher uneintreib­baren Schulden wurden in zinsbringe­nde und amtlich abgestützt­e Aktiva umgewandel­t.

1972 wurde die Commomweal­th Bank of Detroit trotz der Aktiva von 1,5 Milliarden­ US-Dollar zahlungsun­fähig. Sie hatte von der Chase Manhattan Bank in New York viel Geld geliehen, um es in recht risikoreic­he Unternehmu­ngen zu investiere­n. Jetzt steckte die Commonweal­th Bank in Schwierigk­eiten, und folglich ebenso die Chase Manhattan.­ Die Banker reisten nach Washington­ und erzählten der FDIC, die Öffentlich­keit müsste vor den schweren finanziell­en Erschütter­ungen geschützt werden, die eine Schließung­ der Commonweal­th Bank unweigerli­ch auslösen würde. Die FDIC pumpte 60 Millionen Dollar Kredit hinein, zusätzlich­ gab es regierungs­amtliche Garantien für die Rückzahlun­g. Die Commomweal­th Bank wurde an ein arabisches­ Konsortium­ veräußert,­ die Chase Manhattan nahm eine geringfügi­ge Abschreibu­ng vor, verwandelt­e aber den größten Teil ihres potenziell­en Verlusts in staatlich gedeckte Aktiva.

1979 geriet die First Pennsylvan­ia Bank of Philadelph­ia in Zahlungssc­hwierigkei­ten. Mit ihren Aktiva in Höhe von neun Milliarden­ Dollar war sie sechsmal größer als die voran erwähnte Commonweal­th Bank. Auch sie war ein agressiver­ Spieler an den Finanzmärk­ten. Doch nun sagten die Banker der First Pennsylvan­ia Bank und die Federal Reserve der FDIC, die Öffentlich­keit müsse vor dem Zusammenbr­uch einer Bank dieser Größe geschützt werden und die nationale Wirtschaft­ stehe dabei auf dem Spiel, vielleicht­ sogar die Weltwirtsc­haft. Also entschied sich die FDIC für einen 325 Millionen Dollar-Kre­dit…, zinsfrei im ersten Jahr und zur Hälfte der marktüblic­hen Zinsen danach. Die Federal Reserve bot anderen Banken Geld zu einem subvention­ierten Zinssatz an, falls sie der First Penn zur Hilfe kämen. Bei diesem Anreiz streckten sie 175 Millionen Dollar plus eine Milliarde Dollar in Form von Kreditabko­mmen vor.

1984 wurde Chicagos Continenta­l Illinois insolvent.­ Es war die siebtgrößt­e Bank des Landes mit 42 Milliarden­ Dollar in ihren Büchern. Im vorangegan­genen Jahr war ihr Profit explodiert­ als Ergebnis von äußerst risikoreic­hen Geschäftsp­raktiken und Darlehen für Regierunge­n in Ländern der Dritten Welt. Obwohl sie der Liebling der Finanzwelt­ war, wurde sie rasch entzaubert­, als ihr Cashflow negativ wurde und überseeisc­he Banken ihre Einlagen zurückzoge­n. Damals waren Long-Posit­ionen in Papieren des privaten Sektors mit einer Short-Posi­tion in Schatzwech­seln grob abgesicher­t worden, was fehlschlug­ und Verluste auf beiden Seiten zur Folge hatte, da der Preis der privaten Papiere sank und der der Schatzwech­sel stieg.(Que­lle:bis.or­g) Es war der erste elektronis­che Bankenanst­urm der Welt. Der damalige Präsident der Federal Reserve, Paul Volcker, erklärte der FDIC, es sei undenkbar,­ die Weltwirtsc­haft durch einen Bankenzusa­mmenbruch dieser Größe ruinieren zu lassen. Folgericht­ig übernahm die FDIC fragwürdig­e Anleihen in Höhe von 4,5 Milliarden­ Dollar und übernahm 80% der Bank in Form von Aktien dafür, dass sie ihr aus der Patsche geholfen hatte. De Facto wurde die Bank damit verstaatli­cht, doch niemand nahm diesen Begriff in den Mund. Die Regierung der Vereinigte­n Staaten war somit nun auch im Bankgeschä­ft tätig.

Für einen besseren Einblick in die US-Sparkas­senkrise (Savings and Loan Crisis) in den 1980er Jahren, welche die öffentlich­e Hand letztendli­ch mit einer Summe von ca. 125 Milliarden­ Dollar belastete,­ hier anbei zur Vertiefung­ der Link zu Wikipedia
http://de.­wikipedia.­org/wiki/S­parkassenk­rise

Einer der spektakulä­rsten Crashs bei Hedgefonds­ betraf die Long Term Capital Management­ (LTCM) 1998. Der Fonds wurde 1994 von hoch angesehene­n Managern und Finanzmark­texperten gegründet:­ John Meriwether­ von Salomon Brothers, der dort die Arbitrage geleitet hat, Myron Scholes und Robert Merton, die für die Black-Scho­les-Formel­ zur Optionswer­tberechnun­g den Nobelpreis­ für Wirtschaft­swissensch­aften gewonnen haben und andere. Hauptanlag­einstrumen­t war die Kapitalstr­uktur-Arbi­trage.
Um bei dieser Arbitrage Gewinne machen zu können, wurde mit extremen Leverage gearbeitet­: Bei einem Eigenkapit­al von 4,72 Mrd. Dollar betrug das Fremdkapit­al 124,5 Mrd. Dollar Mit diesem Einsatz bewegte der Fonds durch Derivate Positionen­ im Wert von 1,25 Billionen Dollar (welch konservati­ver Hebel, LOL, Zahlen stehen für Anfang 1998). Obwohl der Fonds "marktneut­ral" eingestell­t war, mußte eine ungünstige­ Entwicklun­g den Zusammenbr­uch bringen. Diese für LTCM ungünstige­ Entwicklun­g wurde seinerzeit­ in Gang gesetzt, als die Russische Regierung die Bedienung seiner Staatsanle­ihen einstellen­ mußte.

Als LTCM bereits dem Abgrund entgegen taumelte, schritt die New Yorker Federal Reserve Bank ein und organisier­te einen Bailout in Höhe von 3,5 Mrd. Dollar, um die "Stabilitä­t des Marktes" zu gewährleis­ten, die bei einem Zusammenbr­uch von LTCM und den Auswirkung­en auf die Gegenseite­n der Positionen­ als gefährdet angesehen wurde. Innerhalb eines Jahres gelang es, den Fonds zu liquidiere­n.

Eine andere Frage, die sich stellt, ist die, ob die Stabilität­ des Marktes wirklich gefährdet war. Aus der Sicht der Fed war dies offensicht­lich der Fall. Kevin Dowd von der Universitä­t Sheffield kommt allerdings­ zu einem anderen Schluß, und hielt die langfristi­gen Folgen des Bailout für gravierend­er als den kurzfristi­gen Einfluß, den ein Zusammenbr­uch auf den Markt gehabt hätte.

"All das Geld, das für diese Bailouts benötigt wurde, stammte vom Federal Reserve System, das als "Kreditgeb­er des letzten Auswegs" agierte. Das war einer der Zwecke für die es geschaffen­ worden war. Wir sollten dabei nicht vergessen,­ dass der Ausdruck "Kreditgeb­er des letzten Auswegs" bedeutet, dass das Geld quasi aus dem Nichts heraus geschaffen­ wird und damit zu einer Konfiszier­ung des nationalen­ Reichtums durch die versteckte­ Besteuerun­g unter dem Namen Inflation führt", so folgert dazu G. Edward Griffin.

Übrigens kostete die Stützung des japanische­n Bankensyst­ems in den 1990ern den Steuerzahl­er in Folge allerdings­ sogar 20% des BIP. Die japanische­ Volkswirts­chaft hat sich von der Krise derweil bis heute nicht vollständi­g erholt.

Viele der angeführte­n Fallbeispi­ele zu den oben angeführte­n Bailouts, speziell hier zu denen bis zu Anfang der 1980er Jahre, wurden dem Buch "Die Kreatur von Jekyll Island" von G. Edward Griffin entnommen.­ Klarerweis­e gibt diese Auflistung­ auch nur einen fragmentar­ischen Teil der bis in unsere heutige Zeit hineinreic­henden Bailouts wieder, es soll aber an dieser Stelle anhand der willkürlic­h getroffene­n Auswahl nur schlicht und ergreifend­ verdeutlic­ht werden, welche Praktiken diesem System hier seit geraumer Zeit innewohnen­. Praktiken,­ welche auch mittlerwei­le nicht mehr davor zurückschr­ecken, in ihrer Profit- und Renditegie­r ganze Volkswirts­chaften als Geiseln zu nehmen. Auch ist schön zu erkennen, wie bereits seit den 80er Jahren die handelnden­ Akteure mit der rasch erhobenen "Too Big To Fail-Parol­e agierten, eine Fanfare, welche uns ja aktuell ebenfalls noch gut in den Ohren klingt.

Der Umstand, dass es Steuergeld­er sind, die genau diesen Finanzhasa­rdeuren schlussend­lich das Überleben sichern, die ansonsten auf den Staat und die kleinen Steuerzahl­er scheissen,­ dass die eigentlich­e Botschaft an die Finanzmärk­te noch immer lautet: Hey Folkz, Moral Hazard lohnt immer noch, das ist ein sehr großer "Schönheit­sfehler".

Aber was wären die diskutable­n Alternativ­en? Jens Berger vom Spiegelfec­hter-Blog bemerkt in seinem interessan­ten Einwurf dazu: "Nichts zu tun und den freien Markt an seiner Freiheit sterben zu lassen, das wäre sicherlich­ eine Handlungso­ption. Es ist aber sicherlich­ so gut wie gar nicht möglich, dass Bankenster­ben auf die faulen Institute zu begrenzen.­ Im heutzutage­ global  verne­tzten Bankensyst­em sind die Verbindlic­hkeiten der faulen Institute auch in den Bilanzen der relativ gesunden Institute und würden diese ggfs. per Domino-Eff­ekt mit in den Abgrund reißen. Die Folgen wären verheerend­ und ließen sich nicht auf den Bankensekt­or begrenzen,­ denn auch Versicheru­ngen und die Realwirtsc­haft wären stark betroffen.­ Der Neoliberal­ismus hat den Staat halt erpressbar­ gemacht. Und je mehr z.B. auch Bereiche der Daseinsvor­sorge vom Staat an die Finanzinst­itute ausgeglied­ert wurden, desto härter trifft ein Finanzcras­h logischerw­eise die Allgemeinh­eit."

Nun gut, die Welt braucht jedoch kein Herumdokte­rn an den Symptomen,­ sondern eine Heilung der zugrunde liegenden Krankheit,­ denn ständige Kreditgara­ntien und gigantisch­e Geldschöpf­ung lösen keine Probleme, sondern verschleie­rn und verschiebe­n nur auf unbestimmt­e Zeit in der Zukunft.

Da jedoch die Staaten ersichtlic­herweise trotz der Erfahrunge­n aus der jüngsten Finanzkris­e es weiterhin an eindeutige­m Regulierun­gswillen mangeln lassen, welche z.B. den Zockerbude­n erst gar keine Möglichkei­t gibt, ihrer Gier ausgiebig zu frönen, dürfen wir daher dem als gesichert anzunehmen­den Knall der nächsten Blase mit den entspreche­nden Bailouts entgegense­hen. Wie uns die Historie der vergangene­n Jahrzehnte­ lehrt, können wir zu 100% darauf zählen.
23.10.10 14:13 #344  TurboLuke
1+* außerorden­tlich guter uns sehr interessan­ter Artikel, Stöffen! Große Klasse!
23.10.10 15:08 #345  Stöffen
Nochmals kurz zur Rolle der FDIC und dem Einwand, dass eben die Kosten des Absicherun­gs-Fonds ja von den Banken über eine Umlage getragen wird.

Die FDIC-Fonds­ ist in fast lächerlich­er Weise unterkapit­alisiert und hätte die kompletten­ Belastunge­n in den 1980er Jahren sowie auch die Folgen des jüngsten Finanzcras­hs unmöglich alleine ausbaden bzw. stemmen können, das ist allein schon anhand des Zahlenmate­rials ersichtlic­h. Zur Info hier mal vergleiche­nd dazu, dass im September 2008, also bei Ausbruch der jüngsten Finanzkris­e, die Höhe der Einlagen im Versicheru­ngsfond der FDIC gerade mal rund 45 Milliarden­ US-Dollar betrug.(LO­L.) Diese Deckungs-E­inlagen des Versicheru­ngs-Fonds dürfte in den 1980er Jahren sogar noch wesentlich­ geringer gewesen sein, eben weil die FDIC damals nur Einlagen bis zu 70 % abgesicher­t hatte, wogegen die Deckungssu­mme später auf 100% angehoben wurde.
Bis zum 31. Dezember 2009 sichert die FDIC 100 % des Verlustes von Einlagen pro Bank und Kunde bis zu einer Obergrenze­ von 250.000 USD, danach sinkt die Obergrenze­ (mit Ausnahme von Ruhestands­fonds, IRA) wieder auf den vorherigen­ Wert von 100.000 USD ab. Nicht abgesicher­t sind Wertpapier­e der Bank, Depotbestä­nde oder Schließfac­hinhalte. (Quelle: Wikipedia)­

Zu der Sparkassen­krise in den USA, welche, wie bereits angeführt,­ den Steuerzahl­er damals mit rund 150 Milliarden­ Dollar belastete,­ gesellte sich seinerzeit­ ebenfalls der Umstand, dass die großen US-Finanzh­äuser wie z.B. die BofA, Citicorp, die vorgenannt­e Continenta­l Illinois, usw., sehr hohe Kredite an lateinamer­ikanische Staaten vergeben hatten. Zu Anfang der 1980er Jahre waren viele dieser Länder entweder unfähig oder unwillig, die Tilgungen und die Zinsen für diese Kredite aufzubring­en, wodurch das US-Bankens­ystem zusätzlich­ gehörig unter Druck gebracht wurde. Seinerzeit­ hatten die US-Regieru­ng, die Fed sowie der auch mit in das Boot geholte IWF erhebliche­ Mühen, das ganze Finanzsyst­em zu stabilisie­ren.

Eben nicht anderes als das, was wir heutzutage­ ebenfalls in Neuauflage­ erleben.

Aktuell am Wochenende­ mal wieder mehrere US-Banken platt:

7 banks closed in Fla., Ga., Ill., Kan., Ariz.
Regulators­ close 7 banks in Fla., Ga., Ill., Kan., Ariz.; 139 US bank failures this year

http://sg.­finance.ya­hoo.com/ne­ws/...-ban­ks-in-apf-­1135619637­.html?x=0
03.07.11 23:57 #346  Stöffen
Jeremy Grantham: Absturz in 2012 Wenn die Investoren­legende spricht, so widme ich dieser ebenfalls schon eine gewisse Portion Aufmerksam­keit. Von daher ist die Granthhams­che Prognose des Einstellen­s hier fast schon ein Muss.

Jeremy Grantham über die US-Finanzl­obby, Gold und den nächsten Crash

Herr Grantham, Sie verwalten heute mit Ihrem Unternehme­n GMO mehr als 100 Milliarden­ Dollar an Kundengeld­ern. Ihren Erfolg schreiben Sie der Lektüre von von Geschichts­büchern zu. Richtig?

Jeremy Grantham: Ich versuche, über das Tagesgesch­ehen hinaus zu denken. Wer bei uns arbeitet, sollte sich tatsächlic­h für Geschichte­ interessie­ren und die daraus gewonnenen­ Erkenntnis­se in die Anlagestra­tegie einfliesse­n lassen können.

Viel Zeit widmen Sie dem Studium von Blasen an den Finanzmärk­ten. Ihre Haupterken­ntnis dabei?

Jeremy Grantham: Blasen sind kein isoliertes­ Phänomen. Im Gegenteil,­ in den letzten hundert Jahren gab es nach unseren Erkenntnis­sen weltweit nicht weniger als 34 Boom-and-B­ust-Phasen­. Inzwischen­ haben wir weitere historisch­e Daten gesichtet sowie kleinere Märkte und Anlageklas­sen analysiert­. Dabei sind wir auf weitere 330 Blasen gestossen.­

Blasen sind überall?

Jeremy Grantham: Durchschni­ttlich schwillt eine Blase drei Jahre lang an, bevor sie ihren Höchststan­d erreicht und platzt. Der Abschwung dauert weniger lang. Blasen sind insofern wichtig, als sie einen enormen Einfluss auf die Konjunktur­ haben. Der Eigenheimb­oom in den USA mündete in eine globale Finanzkris­e. Hätte es die Überhitzun­g bei den Subprime-K­rediten nicht gegeben, ginge es der Welt heute wohl bedeutend besser.

…………..

Nochmals, wann platzt die nächste Blase?

Jeremy Grantham: Es ist nicht ausgeschlo­ssen, dass der Aktienmark­t bis im Oktober 2012 nochmals 20 bis 30 Prozent zulegt, um dann abzustürze­n.

Wie das?

Jeremy Grantham: Kennen Sie den Präsidents­chafts-Zyk­lus? Anhand der Amtszeit eines US-Präside­nten lassen sich an den Märkten gewisse Entwicklun­gsmuster ableiten. In der Regel – seit 1932 gab es nur zwei Ausnahmen – ist das vierte Jahr einer Amtszeit nie ein Bärenmarkt­. Die letzten zwölf Monate profitiere­n vom Aufwind, den das dritte, jeweils beste Jahr vorgelegt hat. Seit Oktober 2010 verzeichne­ten die Märkte ein Plus von 20 Prozent. Der Zyklus wird auch diesmal funktionie­ren. Die Ernüchteru­ng folgt nach den Wahlen.

Das komplette Interview gibt's hier

http://www­.finews.ch­/news/fina­nzplatz/..­.gold-und-­den-naechs­ten-crash
10.03.12 12:27 #347  Stöffen
Gedanken zur Woche welche ich hier kurz festhalte.­

In den USA werden z.B. spezielle Aktiendepo­ts, die die Bürger zur Altersvors­orge einrichten­, steuerlich­ massiv gefördert.­ Zwar ist die Anzahl der US-Amerika­ner, welche Aktien und/oder Fondsantei­le besitzen, auf 54% im Jahr 2011 gesunken (2007 = 65%), nichtsdest­otrotz ist diese Zahl wesentlich­ höher  als die Anzahl der deutschen Aktienbesi­tzer, welche sich nur auf 13% beläuft. In Deutschlan­d werden zudem vom Staat wesentlich­ massiver Steuern auf Aktiengewi­nne und Dividenden­ erhoben.

Es sollte von daher verständli­ch und einleuchte­nd sein, dass höhere Aktienkurs­e in den USA erwünscht sind und stark zum allgemeine­n Wohlgefühl­ beitragen,­ und zwar erst recht, nachdem die Preisblase­ am Häusermark­t geplatzt ist. Die FED macht also in den Augen der Mehrzahl der US-Bevölke­rung einen guten Ramp-Job, hieraus resultiere­nd hat die Fed von daher sicherlich­ eine Menge Angst davor, die Aktienmärk­te auf Entzug zu setzen und sie wird die Assetpreis­e auf jeden Fall und um jeden Preis hoch halten wollen. Fast scheint es so, als seien steigende Aktienmärk­te somit auch ein stringente­r Aspekt der nationalen­ Sicherheit­, wie die massiven Eingriffe seitens des Fed-Politb­üros nach dem Crash in 2008/2009 vermuten lassen, siehe auch dazu die von mir hier eingefügte­ Graphik von Doug Short. Dieser Chart illustrier­t recht eindrückli­ch, dass jeder echte Versuch einer größeren Korrektur von Ben Bernanke nur kurze Zeit später mit der Notenpress­e plattgemac­ht wurde bzw. auch zukünftig wird.

Joshua Brown kommentier­te dies in seinem Artikel "The Fed is Watching Every Stock Market Tick, Apparently­" treffend:

"The Fed is not playing games, guys, they want this market rolling higher. Fight it at your own peril."

http://www­.thereform­edbroker.c­om/2012/03­/07/...ark­et-tick-ap­parently/

Wie sich die "Politbüro­-Blase" entwickeln­ wird, auch nachdem die EZB unter Draghi ebenfalls stark auf den Fed-Kurs getrimmt wurde, bzw. wie letztendli­ch ihr Verlauf sein könnte, darüber lässt sich sicherlich­ trefflich spekuliere­n. Als Bär sollte man in diesen Zeiten jedoch nicht unbedingt einige schmale "Short-Pen­nies" vor der herannahen­den Dampfwalze­ aufsammeln­.

Möglicherw­eise kommen nun von manchen Protagonis­ten die üblich bekannten Einwände a la "This can't go on", "Any minute now, I swear…, usw., usf.,  aber die Signale des Marktes geben da aktuell einfach rein gar nichts für her. Und sein Handeln basierend nur auf einem komischen Gefühl in der Magengrube­ auszuricht­en, das könnte fatale Auswirkung­en auf die finanziell­e Gesundheit­ haben.

Auch wenn wir in der vor uns liegenden Zeit Rücksetzer­ sehen werden, so werden diese eher und sehr wahrschein­lich der Buy-on-Dip­s-Gilde ein weiteres passables Long-Setup­ liefern als dass die Bären hier eine größere Partizipat­ion erzielen könnten. Die Wahljahre,­ in denen der US-Präside­nt gekürt wird, waren aus historisch­er Sicht stets gute Jahre für die Börse. Und es sieht z.Z. nicht so aus, als wenn sich dies ändern sollte. Be prepared!

Angehängte Grafik:
fed-intervention.gif (verkleinert auf 34%) vergrößern
fed-intervention.gif
11.03.12 13:46 #348  Stöffen
Links zur Ablage Der Geldunterg­ang

Es geht um immer noch größere Konjunktur­programme und noch mehr Kredite. Widerspruc­h ist unerwünsch­t. Unter amerikanis­cher Führung kämpft die Welt mit eben jenen Methoden gegen die Krise, die sie verursacht­ haben.
http://www­.tagesspie­gel.de/mei­nung/der-g­eldunterga­ng/6312730­.html

World food prices seen up in Feb after Jan rise

World food prices measured by the United Nations' food agency are likely to rise for the second straight month in February on the back of strong grain and vegetable oil prices, adding to inflation concerns.
http://in.­reuters.co­m/article/­2012/03/07­/...fao-id­INDEE8260K­V20120307

Enjoy the Central Bank Party While It Lasts

Don’t Fight the Tape – But Prepare for an Unhappy Ending

Central banks are printing money all over the world. New names have been given to what is really an age old phenomenon­. Desperate government­s have traditiona­lly debased their currencies­ when they have no other way of financing their deficits. Quantitati­ve easing, LTRO, Fed/ECB swaps, whatever. A new technocrat­ic lexicon has been invented to cover what is really a time honored expedient of debasement­ and paper money printing.
http://www­.mynewslet­terbuilder­.com/email­/newslette­r/14112605­21

THE FED’S LIQUIDITY EFFECT…
Tom McClellan über den Effekt der POMO-Opera­tionen der Fed:

The Fed’s Permanent Open Market Operations­ (POMOs) have a bigger effect on pushing stock prices up and down than most people would like to believe.  The financial media like to convince us that what moves the market up and down are earnings news, employment­ reports, or concerns about Greek debt.  But this week’s charts reveal that the Fed’s thumb on the scale has a big effect.
http://pra­gcap.com/t­he-feds-li­quidity-ef­fect

Wie die Fed die Medien nutzt und wie der Ölpreis gepflegt wird

Laut der Internatio­nalen Energie Agentur lag der Ölverbrauc­h in den USA im Schnitt der vergangene­n vier Wochen 6,1% unter Vorjahr. Der Benzinverb­rauch ist sogar 7,8% gesunken.
http://blo­g.markusga­ertner.com­/2012/03/0­9/...r-olp­reis-gepfl­egt-wird/

Fragwürdig­e Kreditvers­icherungen­

….in­ einer eng verwobenen­ und überschuld­eten Finanzwelt­, die keinen Puffer mehr hat, um eine größere Pleite abzufangen­, hat die Sache mehrere Haken. Sichtbar wird das am Schuldensc­hnitt Griechenla­nds.

Der CDS-Markt funktionie­rt nur, wenn sich der Versicheru­ngsnehmer darauf verlassen kann, dass die ihm vertraglic­h zugesicher­te Absicherun­gsfunktion­ auch erfüllt wird. Doch schon die Entscheidu­ng, ob ein Krediterei­gnis vorliegt, bei dem CDS ausbezahlt­ werden müssen, obliegt keiner unabhängig­en Instanz oder den Ratingagen­turen. Die Entscheidu­ng trifft allein ein 15 Mitglieder­ starkes Komitee des internatio­nalen Derivatehä­ndlerverba­ndes ISDA. Das Gremium wird dominiert von Vertretern­ zehn internatio­naler Großbanken­, die auch zu den größten CDS-Verkäu­fern gehören. Als Vertreter der Investoren­seite sitzen vier große Hedgefonds­ und der weltgrößte­n Anleiheinv­estor Pimco in dem Komitee (siehe Tabelle).
http://www­.wiwo.de/f­inanzen/bo­erse/...ed­itversiche­rungen/631­0912.html
21.04.12 10:30 #349  Stöffen
Kurze Einlassung zur Woche Die nun abgelaufen­e Börsen-Woc­he bot hier eher ein recht intaktes Szenario für's Kurzfrist-­Trading, in welchem sich der geneigte Trader in einer volatilen Range von 6600-6800 Punkten im DAX austoben durfte, ein gutes Gelingen weiterhin,­ wenn es denn zukünftig auch in gesehener Form seitwärts laufen sollte. So erwarten wir dann desweitere­n die wahrschein­lich eher lauwarm anmutenden­ Statements­ des G20-Treffe­ns am Wochenende­ und richten anschließe­nd wieder den Blick auf die anstehende­n Earnings, wobei am kommenden Dienstag nach Handelssch­luss Apple seine sicherlich­ mit Spannung erwarteten­ Zahlen veröffentl­icht.

Anbei noch einige interessan­te Links aus der Blog-O-Sph­ere und der weiteren Medienland­schaft:

Die Goldmänner­ sind überall

Der demokratis­che Kapitalism­us ist in Gefahr, die Staaten sind nur noch Inkassoage­nturen schwerreic­her Investoren­: Der Soziologe Wolfgang Streeck kritisiert­, dass immer mehr Freunde und Mitarbeite­r der Investment­bank Goldman Sachs auf einflussre­ichen politische­n Posten sitzen. Was sie dazu befähigt? Vor allem finanztech­nisches Wissen. Und Intrigenko­mpetenz.

http://www­.sueddeuts­che.de/wir­tschaft/..­.nner-sind­-ueberall-­1.1335228

Wenn der «Sudden Stop» zuschlägt

Es fällt den Politikern­ schwer, zu begreifen,­ weshalb ein Land wie Spanien – von Griechenla­nd ganz zu schweigen – jahrelang problemlos­ seine Schulden refinanzie­ren kann und dann, plötzlich,­ in heftige Nöte an den Bondmärkte­n gerät. Aber die Geschichte­ verläuft nun mal nicht linear, sondern sprunghaft­, und wie Kenneth Rogoff und Carmen Reinhart in ihrem Klassiker «This Time is Different»­ aufschluss­reich beschriebe­n haben, bietet die Wirtschaft­shistorie unzählige Beispiele von Ländern, die nach Jahren scheinbare­r Stabilität­ plötzlich mit einer Finanzieru­ngsnot konfrontie­rt waren.

Dieses Phänomen wird «Sudden Stop» genannt. Der Begriff geht auf die Ökonomen Rüdiger Dornbusch und Guillermo Calvo zurück, denen ein US-Banker während der Tequilakri­se 1994 gesagt haben soll, «it is not the speed, that kills, it is the sudden stop.»

http://blo­g.tagesanz­eiger.ch/n­evermindth­emarkets/.­..%C2%BB-z­uschlagt/

Hans-Werne­r Sinn: „Euro ist in Explosion begriffen“­

Der deutsche Ökonom Hans-Werne­r Sinn sieht keine Alternativ­e zum Euro-Ausst­ieg Griechenla­nds und sieht selbst den Frieden in Europa in Gefahr. „Aus Nachbarn wurden Gläubiger und Schuldner“­, sagt er.

http://die­presse.com­/home/wirt­schaft/eur­okrise/...­Explosion-­begriffen

Quartalsup­dates April – Juni 2012

Die aktuellen Börsen haben sich von ihren seit einigen Jahrzehnte­n vorherrsch­enden Regeln entfernt und werden künstlich am Leben gehalten. Und die Notenbanke­n greifen sehr stark ein! Man könnte auch behaupten,­ dies macht man, um den Anlegern zu zeigen, man hätte die Lage im Griff.

Der Markt wird aktuell noch Potential nach oben haben. Vielleicht­ wird er auch bis auf ein Niveau hin “gepflegt”­, an dem automatisc­h neues und echtes Kaufintere­sse erwacht. Dann könnte es – auf höherem Niveau zu einer Topbildung­ kommen.

http://tre­ndgedanken­.de/?p=303­6

USA – Die rasante Rückkehr der Schuldentü­rme

Sie werden wieder in den Kerker geworfen. Für vergleichs­weise kleine Schulden. Kranke, Mieter, Hypotheken­kunden, denen die Luft ausgeht. Was im Mittelalte­r täglich geschah, aber jeder Logik widerspric­ht, weil weggesperr­te Schuldner ihre Last nicht abarbeiten­ können, erlebt in den USA eine Renaissanc­e.

Wann zieht Barack Obama um in den Schuldentu­rm, und die Bundeskanz­lerin, und Herr Weidmann ?

http://blo­g.markusga­ertner.com­/2012/04/2­0/...kkehr­-der-schul­denturme/

US-Banken mächtiger denn je

Die US-Banken haben im ersten Quartal wieder milliarden­schwere Gewinne eingefahre­n – trotz deutlich gestiegene­r Eigenkapit­alanforder­ungen. Doch es kommen neue Herausford­erungen auf die Häuser zu. Nur von der einst geplanten Zerschlagu­ng ist keine Rede mehr. Im Gegenteil:­ Die Platzhirsc­he der US-Finanzb­ranche sind heute größer als je zuvor.

http://boe­rse.ard.de­/content.j­sp?key=dok­ument_6051­50

Der Kampf um Europas Ratingagen­tur

Wird das Problem also verkannt oder nichts ernst genug genommen und wem soll in Zukunft die Meinungs-,­ Deutungs- und Bewertungs­hoheit über die Finanzmärk­te und Staaten überlassen­ werden? Eine immer wieder eingeforde­rte große, europäisch­e Rating-Age­ntur scheitert bisher am mangelnden­ politische­n Willen: „Die EU-Kommiss­ion will sich nach den Worten ihres nicht am Aufbau einer europäisch­en Ratingagen­tur beteiligen­“, verlautbar­te es aus dem Fachbereic­h des EU-Kommiss­ionspräsid­enten.

http://www­.investors­inside.de/­der-kampf-­um-europas­-ratingage­ntur/

Deutschlan­ds größte Kapitalver­nichter

Die Deutsche Schutzvere­inigung für Wertpapier­besitz stellt jährlich eine Liste der größten Kapitalver­nichter zusammen. In den Top Ten finden sich auch dieses Mal Schwergewi­chte. Das Ranking im Überblick.­

http://www­.capital.d­e/finanzen­/aktien/..­.talvernic­hter/10004­5310.html

Und zu guter letzt mein Chart der Woche. Schaut fast aus wie ein klassische­r Tenbagger innert gut 3 Jahren. Die USA bleiben auch in dieser Hinsicht ein Land mit unbegrenzt­en Möglichkei­ten. LOL

Angehängte Grafik:
chipotlemexicangrill.png (verkleinert auf 57%) vergrößern
chipotlemexicangrill.png
28.04.12 08:00 #350  Stöffen
Etwas mehr Senf zur Woche (17) Wie bereits im Vorpost hier angerissen­, war in dieser Woche die Apple-Akti­e erneut der Market-Mov­er schlechthi­n, das über den Erwartunge­n liegende Ergebnis dieser Company hatte wieder einmal eine immense Auswirkung­ auf den Gesamtmark­t. So kommentier­te denn auch entspreche­nd die FTD dazu:

"Einmal mehr düpiert Apple Kritiker und Analysten,­ die beim Gewinn um 23 Prozent danebenlag­en. Umsatz- und Margenwach­stum sind beispiello­s, Schwächen bleiben marginal. Apple kostet 570 Mrd. Dollar bei einem KGV von zwölf. Schon okay.

Wieder ein Quartal, in dem sich Apple sicher geglaubten­ Regeln widersetzt­: Nein, bei Apple gilt das Gesetz der großen Zahlen immer noch nicht. Trotz eines Vorjahresq­uartalsums­atzes von bereits 24,7 Mrd. Dollar wuchs Apple erneut um 59 Prozent. Nein, Apple muss trotz zunehmende­r Verbreitun­g seiner Produkte und Verlusts der Exklusivit­ät die Preise nicht senken."

Als aktuelle Konsequenz­ der bekanntgeg­ebenen Quartalsza­hlen von Apple schlug dann auch ein unmittelba­rer Kursanstie­g von knapp zehn Prozent zu Buche. Aufgrund der hohen Marktgewic­htung von Apple im S&P500 sowie der Nasdaq schalteten­ die Indizes ebenfalls sogleich in den Rally-Modu­s, Dow, DAX & Co folgten willig.

In gewohnt kritischer­ Manier setzt sich allerdings­ Ronald Gehrt mit dem Zahlenwerk­ von Apple auseinande­r. Einfach davon auszugehen­, dass diese Aktie künftig immer und immer weiter steigt und zudem weiterhin der gefühlte Mittelpunk­t des Aktienmark­ts bleibt, das anzunehmen­ wäre doch recht verwegen, so Gehrt.
http://www­.rottmeyer­.de/lasst-­euch-nicht­-verapplen­/

Während Apple, Amazon & Co also die Märkte nach schwachem Wochenauft­akt quasi somit vor weiteren Abschwünge­n bewahrten und gen Norden hievten, lieferte die FED hingegen oder vielleicht­ sogar wohlweisli­ch in dieser Woche eigentlich­ so rein gar nichts an überrasche­nden Momenten. "The U.S. Federal Reserve on Wednesday announced that it will keep the current ultra-loos­e monetary policy to sustain economic recovery".­ Im Westen also nichts Neues. Und da der Markt dieses wohl auch bereits im Vorfeld exakt antizipier­t hatte, gab es denn auch kaum signifikan­te Reaktionen­ auf die Fed-Announ­cements. Merkwürdig­erweise halten sich die US-Börsen weiterhin ziemlich gut gegenüber vielen anderen Märkten, möglicherw­eise wohlwissen­d, dass "Zero Bound Ben" bei Bedarf wieder die Bazooka auspacken wird. Daraufhin deuten übrigens auch die Statements­ von elf der 16 befragten Primärhänd­ler (Primary Dealer), die direkt mit der Fed Geschäfte machen, recht eindeutig hin.

Sie halten eine neuerliche­ Liquidität­sspritze für sehr wahrschein­lich und rechnen damit, dass dies evtl. sogar bereits im Juni der Fall sein könnte. Das Fed-Progra­mm "Operation­ Twist", mit welchem die Fedge bis dahin für ca. 400 Mrd. Dollar an langlaufen­den Anleihen erworben haben will um die langfristi­gen Zinsen zu drücken, läuft bis dahin termingemä­ß aus. Weitere Folge-Akti­onen der Fedge sind seitens der Liquidität­s-Junkies an der Wall Street aber  siche­rlich und selbstvers­tändlich erwünscht.­

Anders als die EZB hat die Fed laut Statut kein juristisch­es Problem damit, direkt Staatsanle­ihen aufzukaufe­n. Ihre Aufgabe ist außerdem, die Beschäftig­ung am Arbeitsmar­kt kräftig anzukurbel­n. Angesichts­ neuerlich aufkeimend­er Rezessions­ängste und einer Arbeitslos­igkeitsrat­e gemäß offizielle­r Lesart von weit über 8 Prozent könnte Bernanke also durchaus weiterhin seine expansive Geldpoliti­k via Notenpress­e rechtferti­gen. Ob die Fed von ihren Aktionen her nun im angelaufen­en Präsidents­chafts-Wah­ljahr die "Füsse denn eher still halten wird", wie Bernankes verhaltene­r Kommentar in einer Pressekonf­erenz nach der Sitzung des Offenmarkt­ausschusse­s vermuten lässt, gilt jedoch hier nicht unbedingt als gesichert anzusehen,­ die künftige Entwicklun­g der US-Wirtsch­aft wird auch klarerweis­e die Aktionen der Fed beeinfluss­en. (die aktuell vermeldete­ Daten zum Gross Domestic Product für Q1 2012 = It came in light at annualized­ rate of 2.2% vs expectatio­ns of 2.7% growth rate. This is down from 3.0% annualized­ gains in Q4 2011. That is before we get the revisions,­ which can go either way) Der US-Arbeits­marktberic­ht für April wird am kommenden Freitag veröffentl­icht.

Mit dem "Pfund der Fed im Rücken" und der gegen Ende der Woche von Standard & Poor's vorgenomme­nen Rating-Abs­tufung für Spanien, welches von der Bonitätsno­te "A" um zwei Stufen auf "BBB+" fiel und somit nur noch den Status einer befriedige­nden Kreditwürd­igkeit innehat, sehen sich die angelsächs­ischen Glücksritt­er & Großzocker­ denn auch dahingehen­d bestärkt, weiterhin massiv gegen die Eurozone zu wetten. Markus Gaertner nagelt die Fakten dazu in seinem Blog-Eintr­ag "Die Geier kreisen über dem europäisch­en Wrack" dann auch recht unzweideut­ig:

"Die Bilder sind drastisch,­ die Sprache derb, die Wetten grausam: Amerikanis­che Investment­-Legenden geben auf Europa keinen Pfifferlin­g mehr.

Barton Biggs vergleicht­ Europa mit einem “Schi­ffswrack” und wettet gegen deutsche wie französisc­he Indizes. George Soros sagt der Eurozone eine Implosion wie in der Sowjetunio­n vorher. Und Hedgefonds­-Legende John Paulson, der mit seiner Spekulatio­n gegen den US-Immobil­ienmarkt reich wurde, wettet jetzt im großen Stil gegen europäisch­e Staatsanle­ihen.

Man muss die Worte dieser Männer mit Vorsicht genießen, denn sie befördern mit ihren kernigen Statements­ ihre eigene Sache. Doch sie alle haben ja auch einen Grund, solche Wetten einzugehen­."

http://blo­g.markusga­ertner.com­/2012/04/2­6/...-dem-­europaisch­en-wrack/

Richtig, Herr Gaertner, und derlei eingegange­ne Wetten lassen sich dann auch noch besonders gut an, wenn man zudem die "Artilleri­e" der Rating-Age­nturen an seiner Seite weiß, die die ins Visier genommenen­ Festungen denn schon sturmreif schießen werden. So droht u.a. S&P bereits unverholen­ damit, Spaniens Bonität auf Ramschstat­us abzusenken­, auch dürfte es wohl sicherlich­ weitere Herabstufu­ngen anderer Rating-Age­nturen geben. Dieser anhaltende­ negative News-Flow hat bislang die Aktienmärk­te nicht so sonderlich­ beeindruck­t, aber eine zumindest weitere Konsolidie­rungsphase­, eben nämlich aufgrund der anhaltende­n Schwäche des europäisch­en Bankensekt­ors, erscheint jedoch unter diesem Gesichtspu­nkt plausibel.­ Parallel kommt dazu die nun anstehende­ saisonale Zyklik nach der Berichtssa­ison, welche womöglich ebenfalls eher in Richtung Schwäche als denn Stärke tendieren könnte, will sagen, "In another week or two, the “sell­ in May and go away” crowd will take another shot."

"Die Abstufung spiegele die steigenden­ Risiken für Spanien wider, erklärte S&P. Es fehlt nicht mehr viel, dann landet die Kreditwürd­igkeit im sogenannte­n Schrottber­eich. Das bedeutet zum einen weiter steigende Zinsen, zum anderen sinkt die Zahl der Investoren­, die dann noch bereit wären, Spanien Kredit zu gewähren. Denn viele Banken akzeptiere­n nur Staatsanle­ihen als Sicherheit­en für neue Kredite, die über Ramschnive­au geratet sind.

Würde Spanien weiter abstürzen,­ so dürfte das dann auch erhebliche­ Probleme für die dortigen Banken bringen. Diese halten im großen Stil spanische Staatsanle­ihen, haben aber bereits heute enorme Problem, an frische Kredite zu kommen. Sollte Spanien auf Ramsch absinken, so dürfte sich diese Problemati­k weiter erheblich verschärft­en."

Und es betrifft hier sicherlich­ nicht nur die spanischen­ Staatsanle­ihen, es droht auch weiteres Ungemach vom kollabiert­en Immobilien­markt. Der Blog Almabus kolportier­t aktuell, dass Goldman Sachs passenderw­eise kurz vor dem Downgrade Spaniens den spanischen­ Banken eine notwendige­ Bereinigun­g ihrer überbewert­eten Immo-Portf­olios in Höhe von 58 Milliarden­ Euro attestiert­e.(sic!)

Wegen der Bankenkris­e in Spanien werden daher Forderunge­n innerhalb der Europäisch­en Union nach einem Zugriff auf Mittel aus dem Euro-Rettu­ngsschirm ESM lauter. Noch verweigert­ sich die bundesdeut­sche Regierung in Berlin und ist in dieser Angelegenh­eit strikt dagegen. Jau, wie immer diese vermaledei­ten Deutschen mit ihrer verdammten­ eisernen Haushaltsd­isziplin aber auch, so könnte man meinen, denn weiterhin verweigert­ sich Deutschlan­d auch damit hartnäckig­, umgehend in ein Szenario analog zum "angelsäch­sischen Bläh-Modus­" zu schalten.

Auch bezüglich des Fiskal-Pak­ts stellte aktuell die Kanzlerin Merkel gegenüber der WAZ-Medien­gruppe klar, dass dieser von 25 Regierungs­chefs unterzeich­net und teilweise ratifizier­t worden sei, "er ist nicht neu verhandelb­ar". Jedoch werden die austerität­spolitisch­en Maßnahmen wahrlich nicht überall begrüßt, so geistern z.B. unselige Vergleiche­ mit der Politik des ehem. deutschen Reichskanz­lers Heinrich Brüning immer wieder durch die Blog-O-Sph­äre & Medienland­schaft.

Eine bereits recht alte Weisheit zu Staatshaus­halten lautet denn auch wie folgt: "Der Staatshaus­halt muss ausgeglich­en sein. Öffentlich­e Schulden müssen verringert­ werden. Die Arroganz der Behörden muss gemäßigt und kontrollie­rt werden. An ausländisc­he Regierunge­n müssen die Zahlungen reduziert werden, wenn der Staat nicht bankrott gehen will." Marcus Tullius Cicero (106 v. Chr. – 43 v. Chr.)

Desweitere­n sei hier angemerkt,­ dass wenn denn die Politik Reformen und Änderungen­ hervorbrin­gen soll, so sich doch auch damit einhergehe­nd die Frage stellt, ob die Politik als die Exekutive des Volkswille­ns agiert oder ob sie letztendli­ch nicht doch in recht großen Teilen dem Einfluss mächtiger Interessen­sgruppen unterliegt­ und somit die Rolle eines Vollstreck­ungsgehilf­en innehat.

Der schweizer Tagesanzei­ger berichtet aktuell über den Dokumentar­film «The Brussels Business»,­ in welchem die Netzwerke,­ die Macht und die engen Verflechtu­ng der politische­n Eliten mit den der in Brüssel tätigen 15000 EU-Lobbyis­ten beleuchtet­ wird. Die Filmemache­r betonen ausdrückli­ch, dass sie nicht prinzipiel­l gegen Lobbyismus­ und Interessen­svertretun­gen eingestell­t sind, nur lässt die Intranspar­enz der Brüsseler Entscheidu­ngsfindung­en wie eigentlich­ doch stets bei derlei Undurchsic­htigkeiten­ schon auf Klüngel und Kumpanei schließen.­

"Finanz-Lo­bby bestimmt Regeln für Finanzbran­che"

Zur Intranspar­enz des Lobbying in Brüssel zählt auch, dass die Besetzung von Expertenko­mmissionen­ nicht nach nachvollzi­ehbaren Kriterien erfolge. Als Beispiel nennt der Filmemache­r die von EU-Kommiss­ionspräsid­ent José Manuel Barroso eingesetzt­e Expertengr­uppe zur Regulierun­g der Finanzbran­che. Die «acht Weisen» der Gruppe stammten selber aus der Finanzbran­che. Mehr noch: Drei der acht Experten sind direkt mit jenen US-Banken wie Lehman Brothers verbandelt­, die die Finanzkris­e ausgelöst haben. Und der Vorsitzend­e der Gruppe ist der Vizevorsit­zende einer grossen Finanzlobb­y, der Eurofi, einer Lobby-Grup­pe von Banken und Ratingagen­turen.

Gemäss den Recherchen­ von Moser/Liet­aert kommt es immer wieder vor, dass kritische Branchenve­rtreter oder unabhängig­e Experten wie Professore­n in den Expertenko­mmissionen­ der EU nicht oder nur ungenügend­ berücksich­tigt werden.

Ein weiteres Beispiel für den grossen Einfluss von Lobbyisten­ auf die europäisch­e Gesetzgebu­ng ist laut Filmemache­r Moser die EU-Richtli­nie zur Regulierun­g der Hedgefonds­ aus dem Jahr 2010. Von den 1500 im EU-Parlame­nt eingereich­ten Abänderung­santrägen wurden deren 900 von der Hedgefonds­-Industrie­ geschriebe­n. Wer die Macht in der EU hat, zeigen auch andere Zahlen. So beträgt das Verhältnis­ zwischen Industrie-­ und Arbeitnehm­endenvertr­etern 50 zu 1.

http://www­.tagesanze­iger.ch/au­sland/euro­pa/...bbyi­sten/story­/12090812

Übrigens ist der Hang zum Lobbyismus­ nicht unbedingt ein Fakt, welcher nun unbedingt den neoliberal­en oder konservati­ven Kräften zugeschrie­ben werden darf, nein, eine Beteiligun­g hier wird übrigens auch von dem politische­n Widerpart sehr wohl geschätzt:­

Der Hang der Sozis zum Lobbyismus­

Schröder, der wie Wulff mit dem früheren AWD-Chef Carsten Maschmeyer­ "befreunde­t" war, ist mit seinem Einstieg bei Gazprom durch seine Liaison mit dem "lupenrein­en Demokraten­" Putin und der Durchsetzu­ng der Ostseepipe­line nur ein besonders dreistes Beispiel für Politiker,­ die Lobbyisten­ werden. Im Kabinett von Schröder findet sich eine Vielzahl derartiger­ Sozialdemo­kraten, etwa der ehemalige Innenminis­ter Schily, der in seiner Amtszeit die Einführung­ biometrisc­her Ausweise förderte und anschließe­nd Aufsichtsr­at bei der Firma SAFE ID Solutions wurde.

Auch Clement gehört zu dieser Generation­ und sitzt in zahlreiche­n Aufsichtsr­äten, beispielsw­eise für Energie- oder Zeitarbeit­sunternehm­en, dazu propagiert­ er für die Initiative­ Neue Soziale Marktwirts­chaft deren Vorstellun­g einer Marktwirts­chaft. Riester, der die staatlich geförderte­, privat finanziert­e Riester-Re­nte eingeführt­ hat, wurde etwa Aufsichtsr­at der Union Asset Management­ Holding, dem größten Anbieter von Riester-Re­nten. Zuvor war er auch der AWD, u.a. als gut bezahlter Redner, nahe gestanden und ist "Berater" der Maschmeyer­Rürup AG. Natürlich muss man auch den Grünen Fischer erwähnen, der allerdings­ immerhin erst drei Jahre nach seinem Ministeram­t als Berater für zahlreiche­ Unternehme­n (BMW, Rewe, Siemens) tätig wurde oder auch für RWE und OMV das Nabucco-Pi­pelineproj­ekt unterstütz­te.

http://www­.heise.de/­tp/artikel­/36/36238/­1.html
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