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Fr, 17. April 2026, 14:46 Uhr

Bertrandt AG

WKN: 523280 / ISIN: DE0005232805

Interview Bertrandt AG


14.11.00 00:00
Brokerworld-Online

Brokerworld-Online im Gespräch mit Vorstandsmitglied Herrn Bichler

BWO: Herr Bichler, die Bertrandt AG (WKN 523280) hat ihre Planzahlen für das am 1. Oktober begonnene Geschäftsjahr 2000/01 bekannt gegeben. Welche Ziele für Umsatz und Ergebnis haben Sie festgelegt?

Bichler: Wir erwarten für das laufende Geschäftsjahr 2000/01 einen Umsatz von 410 Mio. DM und ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) in Höhe von 20,5 Mio. DM. Damit gehen wir im laufenden Geschäftsjahr von einer positiven Geschäftsentwicklung aus.

BWO: Können Sie für das abgelaufene Geschäftsjahr 1999/00 schon ein vorläufiges Ergebnis nennen?

Bichler: Endgültige Zahlen kann ich momentan noch nicht nennen, da sich der Jahresabschluß noch in Arbeit befindet. Für das Geschäftsjahr 1999/00 erwarten wir einen Jahresumsatz in Höhe von 360 Mio. DM sowie ein ausgeglichenes Ergebnis. Generell sind wir jedoch mit dem Geschäftsverlauf nicht zufrieden.

BWO: Worin liegen die Ursachen für den unzufriedenstellenden Geschäftsverlauf?

Bichler: Nach mehreren erfolgreichen Jahren mit starkem Wachstum hatten wir auch für das abgelaufene Geschäftsjahr eine sehr ehrgeizige Planung erstellt. Unser Ziel war die Steigerung des Umsatzes um 120 Mio. DM. Erreichen werden wir ein Umsatzplus von ca. 80 Mio. DM, wir liegen hier also rund 40 Mio. DM unter Plan. Gleichzeitig haben wir, um international wettbewerbsfähig zu bleiben, den intensiven Know-how- und Ressourcenaufbau fortgesetzt. Die Unterauslastung der aufgebauten Kapazitäten hat sich sehr deutlich auf unser Ergebnis ausgewirkt. Diese Entwicklung wurde durch eine zurückhaltende Auftragsvergabe der Hersteller, die vorwiegend durch Projektverschiebungen bedingt war, noch verstärkt. Aufgrund dieser veränderten Situation haben wir dann im 3. Quartalsbericht unsere Umsatz- und Ergebnisziele entsprechend nach unten korrigiert.

BWO: Der Kurs der Bertrandt-Aktie sank im abgelaufenen Geschäftsjahr von 22 Euro auf ein Niveau von derzeit unter 10 Euro. Diese Entwicklung dürfte für Ihre Anleger nicht sehr erfreulich sein?

Bichler: Nach der Korrektur des Neuen Marktes werden die Unternehmen sehr kritisch begutachtet. Ergebniskorrekturen enttäuschen die Anleger. Da wir unsere Erwartungen für das abgelaufene Geschäftsjahr korrigieren mußten, ist zwangsläufig auch unser Aktienkurs in Mitleidenschaft gezogen worden.

BWO: Aber eine Kurskorrektur von 60 Prozent ist doch sehr schmerzhaft?

Bichler: Das ist richtig. Wir müssen diese Bewertung durch die Investoren jedoch akzeptieren, auch wenn der Aktienkurs nicht immer im Vordergrund der Betrachtung stehen sollte. Für Bertrandt stellt diese Tatsache jedoch eine Motivation für bessere Leistungen in der Zukunft dar. Wir sind ein gesundes Unternehmen, daß nach einer schwierigeren Phase zuversichtlich in die Zukunft blickt. Wenn wir unsere Ziele erreichen, wird sich auch der Aktienkurs positiv entwickeln.

BWO: In welche Geschäftsbereiche haben Sie im abgelaufenen Geschäftsjahr investiert?

Bichler: Da die Hersteller immer mehr dazu übergehen, ganzheitliche Entwicklungsprojekte in die Hände eines externen Partners zu geben, haben wir unser gesamtes Leistungsspektrum im In- und Ausland ausgebaut. Bertrandt bietet seinen Kunden die Gesamtkompetenz für die Komplettentwicklung von Fahrzeugen aus einer Hand an. Die dafür erforderlichen Kompetenzen und Ressourcen haben wir u.a. im neuen Technologiezentrum der Bertrandt-Gruppe, dem Technikum in Ehningen, konzentriert. Unsere Mitarbeiter haben wir durch intensive Weiterbildungsmaßnahmen geschult und mit dem Einsatz modernster Technologien vertraut gemacht.

BWO: Wie schätzen Sie den Outsourcing-Trend in der Zukunft ein?

Bichler: Eine generelle Abkehr vom Outsourcing-Trend ist nicht zu erwarten, da die Hersteller bestrebt sind, die individuellen Wünsche der Käufer zu befriedigen. Dieser hohe, konjunkturunabhängige Innovationsdruck auf die Hersteller führt zu einer weiter steigenden Modellvielfalt und immer kürzeren Entwicklungszeiten. Durch die Vergabe von Entwicklungsleistungen an erfahrene und kompetente Partner können sich die Hersteller auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und Marktanteile sichern.

BWO: Welche Perspektiven sehen Sie für Ihr Unternehmen in den erwarteten ganzheitlichen Projekten. In welchen Bereichen sehen Sie weitere Entwicklungsmöglichkeiten?

Bichler: Gute Chancen sehen wir für unser Unternehmen in den nächsten Jahren im Bereich Elektrik/Elektronik. Der Wunsch nach Sicherheit, Bequemlichkeit und Information führt zu einem steigenden Elektronikanteil im Auto. Durch die Anwendung modernster Software, z.B. Virtual Reality und CAx-Technologien, können in der Konzept- und Designphase erhebliche Zeit- und Kosteneinsparungen vorgenommen werden. Des weiteren ist auch der Markt der Luft- und Raumfahrtindustrie für uns interessant.

BWO: Welche Ziele haben Sie sich für das laufende Geschäftsjahr gesetzt?

Bichler: Im Geschäftsjahr 2000/01 hat die Verbesserung der Ertragskraft für das Unternehmen oberste Priorität. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir eine optimale Auslastung der aufgebauten Ressourcen sicherstellen. Durch ein kontrolliertes und qualitatives Wachstum wollen wir den Wert des Unternehmens steigern und eine EBIT-Rendite von mindestens fünf Prozent erreichen. Unsere Kunden wollen wir durch eine sehr gute Qualität unserer Arbeit überzeugen und dabei noch intensiver auf deren Wünsche eingehen.

BWO: Herr Bichler, wir danken Ihnen für das Gespräch!





 
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