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DJ Moody's-Ohrfeige für Frankreich tut kaum weh


20.11.12 12:18
Dow Jones Newswires



DJ Moody's-Ohrfeige für Frankreich tut kaum weh




Mit einer eigenen Art des "laissez faire" reagieren die Finanzmärkte auf die Bonitätsabwertung Frankreichs durch die Ratingagentur Moody's. Was in normalen Börsenzeiten für erhöhte Nervosität und stärkere Kursbewegungen sorgen würde, wird in Zeiten der Schuldenkrise fast nur am Rande wahrgenommen. Entsprechend unbedeutend fallen die Kursreaktionen aus. Am französischen Aktienmarkt bewegen sich die Kurse im Einklang mit den Notierungen an den anderen Börsenplätzen in Europa.




Am Anleihemarkt steigt die Rendite 10-jähriger französischer Staatsanleihen um 4 Basispunkte auf 2,11 Prozent, während die Renditen der beiden "AAA"-Länder Niederlande und Deutschland um 3 Punkte auf 1,39 bzw 1,65 Prozent steigen. Auch am Devisenmarkt, wo die Reaktion am unmittelbarsten zu vermuten gewesen wäre, tut sich wenig. Im ersten Schreck nach der Abstufung hatte der Euro am späten Montag auf 1,2780 Dollar nachgegeben von zuvor 1,2820. Inzwischen hat er sich von diesem bereits sehr kleinen Rücksetzer wieder erholt und kostet 1,2808 Dollar.




Dass der Verlust der Bestnote Frankreichs kaum mehr als ein Achselzucken hervorruft, wirft die Frage auf, welche Relevanz die Bewertungen der Länder für die Finanzmärkte überhaupt noch haben. "Die Nicht-Reaktion ist durchaus rational, denn in der Eurozone spielen Ratings nur noch eine begrenzte Rolle", stellt Devisenexperte Lutz Karpowitz von der Commerzbank fest. Der Rettungsschirm ESM sei schließlich gerade so konstruiert worden, dass durch eine Herabstufung eines "AAA"-Landes das mögliche Kreditvolumen nicht mehr tangiert werde, wie es beim EFSF der Fall gewesen wäre.




Hinzu komme, dass das neue Anleihe-Aufkaufprogramm (OMT) der Europäischen Zentralbank völlig rating-unabhängig sei. Insofern spiele es kaum mehr eine Rolle, dass der Anteil der ESM-Bonds, für den Frankreich bürge, nun nur noch mit "AA+" besichert sei.




Gänzlich ungeschoren dürften die Rettungsfonds, die sich an der Bonität der beteiligte Staaten orientieren, aber nicht davonkommen. So drohen nun beispielsweise dem EFSF wie auch dem ESM nach Einschätzung der Essener National-Bank ebenfalls niedrigere Ratings, denn die verbliebenen Triple-A Länder dürften die Bonitätslücke kaum schließen wollen. Daher sei es möglich, dass sich die Refinanzierung für diese Institutionen um eine paar Basispunkte verteuern könnte.




Ein erster Beleg dafür könnte das Ergebnis einer Auktion von EFSF-Schuldtiteln über 2 Milliarden Euro sein. Im Vergleich zur vorangegangenen Versteigerung gleicher Papiere legte die Rendite dabei am Dienstag nämlich leicht zu. Mit -0,0053 Prozent blieb sie bei den Sechsmonats-Papieren zwar weiter negativ, was der Top-Bonität des EFSF geschuldet ist, gleichwohl lag sie beim letzten mal mit -0,0238 Prozent noch etwas stärker im Minus.




Keine große Sache




Sicher spielt im aktuellen Fall Frankreichs auch eine Rolle, dass Anfang des Jahres bereits Standard & Poor's der Grande Nation das "AAA" entzogen hatte. Insofern stellt die jüngste Notenverschlechterung keinen völlig neuen Sachverhalt für die Akteure an den Finanzmärkten dar.




Tristan Cooper, Analyst für Staatsanleihen bei Fidelity Worldwide Investment meint dazu: "Die Herabstufung schließt sich der Schlussfolgerung über langfristige strukturelle Wachstumshindernisse des Landes an, zu der Standard & Poor's bereits mit ihrem "AA+"-Rating im Januar dieses Jahres gekommen ist." Die Grundlage für die Moody's-Entscheidung enthält für Cooper keine zusätzlichen oder neuen Erkenntnisse, sondern lang Bekanntes.




Insofern sei nicht die Entscheidung, Frankreich herabzustufen an sich überraschend, sondern das Timing. Denn die jüngsten Zahlen zum dritten Quartal seien besser ausgefallen als erwartet, so Cooper. Zudem habe Frankreich bereits eine Senkung der Lohnnebenkosten für Unternehmen angekündigt. Das sei ein positiver Schritt in Richtung Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit.




Für die Societe Generale ist die Abstufung nach den Diskussionen über den Verlust der relativen Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs gegenüber Deutschland "keine große Sache". "Das wird kurzfristig keine großen Auswirkungen haben und wenn der Euro bei über 1,28 Dollar schließt, dürfte er Richtung 1,30 Dollar laufen", so die Experten. "Wenn aber der Euro-Trend von den relativen Zinsen und den Kreditsorgen innerhalb Europas bestimmt wird, dann bleiben die langfristigen Impulse negativ".




Der Blick über den großen Teich zeigt unterdessen, dass Frankreich sich ohne das "AAA" nicht nur in prominenter Gesellschaft befindet sondern auch, dass man auch ohne das "AAA" gut über die Runden kommen kann. So hatte im August die Rating-Agentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit der USA erstmals auf "AA+" gesenkt und auch seinerzeit blieben Turbulenzen aus. Verglichen mit damals sind die Renditen 10-jähriger US-Anleihen sogar deutlich gesunken.




Die Nicht-Reaktion lässt sich aber auch damit erklären, dass es nach einer wahren Flut von Bonitätsabwertungen inzwischen immer weniger Staatsanleihen gibt, die noch die Top-Bonitätsnote tragen. In der Eurozone gilt dies neben Deutschland und den Niederlanden nur noch für Finnland und Luxemburg. So hat allein Moody's laut Metzler Financial Markets seit 2007 in seinem europäischen Rating-Universum 1.180 Hochstufungen vorgenommen und 4.432 Herabstufungen.




Den Anlegern fehlen also schlicht auch die Alternativen und Frankreich könnte letztlich sogar von der etwas schlechteren Bewertung profitieren, wenn Investoren sich auf der Suche nach höheren Renditen von "AAA"-Ländern abwenden und sich vermeintlich fast ebenso sicheren Häfen zuwenden, wo aber höhere Renditen zu erzielen sind. So handelten französische Staatsanleihen in den vergangenen Wochen nahe ihrer Renditetiefs.




Die Commerzbank sieht in der Herabstufung Frankreichs nun sogar neue Chancen für Anleger. Sollten sich die Renditeabstände französischer Papiere ausweiten, dürften wie schon nach der Herabstufung Frankreichs im Januar durch Standard & Poor's schnell wieder Käufer auf die höheren Renditen anspringen.




Auch bei RBC Capital Markets sieht man die Auswirkungen gelassen. "Der Markt hatte ja bereits eine höhere Rendite für französische Papiere eingepreist, das begrenzt die negativen Auswirkungen der Herabstufung". Auch dürften nicht allzuviele Marktteilnehmer von dem Schritt überrascht worden sein, so dass sie nicht zu irgendwelchen Käufen oder Verkäufen gezwungen seien. Zu beachten sei auch, dass große französische Adressen, die wenig ratingsensitiv agierten, weiter französische Anleihen kaufen dürften.




Ein Ausverkauf französischer Anleihen ist also nicht zu befürchten. Auch deshalb nicht, weil nur wenige Investoren derart strikte Regeln befolgen und ausschließlich Wertpapiere mit der Note "AAA" kaufen oder halten dürfen.




Kontakt zum Autor: Steffen.Gosenheimer@dowjones.com
DJG/gos/chg


(END) Dow Jones Newswires




November 20, 2012 07:18 ET (12:18 GMT)




Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.







 
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