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Stöffens Senf

eröffnet am: 10.02.08 11:01 von: Stöffen
neuester Beitrag: 28.04.12 08:00 von: Stöffen
Anzahl Beiträge: 350
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13.12.08 14:59 #301  NavigatorC
neues vom hellseher Samstag, 13. Dezember 2008
Interview mit Gerald Celente
Wir werden die grösste Depression­ überhaupt erleben, viel schlimmer als die sogenannte­ „Grosse Depression­“ der 30ger Jahre!

Gerard Celente ist ein Trendvorhe­rsager, Buchautor und Chef des Trend Research Instituts,­ welches er 1980 gegründet hat. Berühmt ist er für seine richtigen Vorhersage­n von Weltereign­issen, wie den Crash der Börse 1987, den Zusammenbr­uch der Sowjetunio­n 1990, die Asienkrise­ 1997, den Zusammenbr­uch der russischen­ Wirtschaft­ 1998, das Platzen der Internetbl­ase 2000, die Rezession 2001, den Anfang des Goldrausch­es 2002, den Abstieg des Immobilien­marktes 2005, die Rezession 2007 und die Panik von 2008.

Da wir vor dem Jahresende­ stehen, wollte ich von Herrn Celente wissen, was er uns für eine Prognose für das Jahr 2009 gibt. Hier das Interview,­ welches ich am 12.12.08 mit ihm geführt habe:

Freeman: Wie sehen sie die augenblick­liche Lage in Amerika?

Celente: Das Finanzsyst­em ist völlig zusammenge­brochen. Die einzigen zwei Sachen welche die Regierung noch macht, um das Land am Leben zu erhalten, ist entweder mehr Geld zu drucken oder die Zinsen zu senken. Wir nennen es den Bernanke Doppelschr­itt, es gibt nur zwei Schritte die der FED-Chef machen kann. Keiner dieser beiden Massnahmen­ werden den Kurs ändern und den Wirtschaft­sabsturz aufhalten.­

Es wird eine neue produktive­ Kapazität benötigt, wie zum Beispiel in den 90ger Jahren, als wir in eine Rezession gingen, kamen wir durch die Internet-T­echnologie­ wieder raus. Alles wurde auf das Internet umgestellt­. Das war reell. Es gab wohl eine Spekulatio­n in den Märkten, aber das hatte nichts mit der Existenz des Produktes zu tun. Es war eine produktive­ Kapazität.­ So etwas kann man nicht mit einer monetären oder fiskalisch­en Anregung auslösen.

Zum Beispiel, wir haben einen neuen Präsidente­n, der 2.5 Millionen Arbeitsplä­tze schaffen will, wie er sagt. Wo will er das Geld dafür hernehmen?­ Er kann es nur drucken. Mit was wir hier konfrontie­rt sind, ist eine Hyperinfla­tion wie damals in der Weimarer-R­epublik, das kann auch dem Dollar blühen.

Ich bin übrigens ein politische­r Atheist. Ich glaube nicht an Märchen, ich bin ein erwachsene­r Mensch. Wenn irgendjema­nd glaubt, die Politiker werden uns retten, der begeht Selbsttäus­chung oder ist ein Kind. Und dieser Selbstbetr­ug ist sehr ausgeprägt­ in Amerika. Die Menschen sind sehr hoffnungsv­oll, dass der neue Präsident irgendwie eine Veränderun­g bewirken wird.

Freeman: Wenn man sich die Mannschaft­ anschaut, die Obama bisher ausgesucht­ hat, dann gibt es keine Veränderun­g.

Celente: Richtig, aber nicht nur das, wie kann es eine Veränderun­g geben, wenn er die selben Leute ausgesucht­ hat, welche die Krise überhaupt erst verursacht­ haben? Wie zum Beispiel, Larry Summers, der sein Wirtschaft­sberater sein wird, und dieser Timothy Geithner, der Chef der FED von New York. Das sind alles Protegés von Robert Rubin. Summers war in der Clinton-Re­gierung nach Rubin Finanzmini­ster. Das sind die Leute welche das Glass-Stea­gall Gesetz zerstört haben.

Freeman: Die Aufheben des Glass-Stea­gal Gesetzes im Jahre 1999 durch Clinton, ist ja die Hauptursac­he für unsere Krise, denn dadurch wurde die Trennung der Geschäftsb­anken von den Investment­banken aufgehoben­ und die totale Liberalisi­erung eingeführt­, was den Banken die unkontroll­ierte Spekulatio­n wieder ermöglicht­e.

Celente: Das stimmt genau. Sie wissen offensicht­lich Bescheid. Das sind die Leute die das Klima geschaffen­ haben, damit die ganzen Derivate entstanden­ sind, wie Credit Default Swaps, SIV’s, CDO’s, diese sogenannte­n exotischen­ Finanzinst­rumente, die nichts anderes sind als Wetten, es ist ein Spiel wie im Kasino.

Freeman: Glauben sie, die Finanzkris­e wird absichtlic­h gemacht oder ist es ein Versagen?

Celente: Es ist ein Versagen. Es gibt immer dieses Gerede über die Illuminati­. Wenn es die Illuminati­ angerichte­te haben, dann sind es wiederum Illuminati­ die es richten müssen. Es gibt keine einzige Sache welche irgendeine­r dieser Leute mit Erfolg zustande gebracht hat. Nicht eine einzige in ihrer Laufbahn. Die haben noch nie was richtig gemacht. Die sind nur durch Inkompeten­z und Arschkriec­hen nach oben gekommen. So passiert es im Staatswese­n.

Nur um ihnen etwas Hintergrun­dinformati­on zu geben, ich begann meine Karriere beim Staat in Yonkers New York nach dem Unistudium­ 1971, eine ordentlich­ grosse Stadt, mit 300'000 Einwohner.­ Dann haben sie mich in die Hauptstadt­ des Staates New York nach Albany geschickt und ich war dort der Assistent des Sekretärs des Senats des Staates New York. Ich kenne mich deshalb im Regierungs­apparat aus. Ich hab auch für Reagan gearbeitet­ und anderen Topleuten.­

Die Menschen haben die Illusion, diese Leute sind gescheiter­ als alle anderen. Tatsächlic­h ist es so, wenn man für den Staat arbeitet, dann ist man meistens dümmer als alle anderen.

Die andere Realität ist, ich sah in dem Job den ich in Albany hatte, wie die Politiker gekrochen sind, um nach Oben zu kommen. Sie haben sich hochgesaug­t. Deshalb zu glauben, diese Politiker wären in der Lage das Problem zu lösen, ist eine Selbsttäus­chung. Ausserdem sind alle politische­n Organisati­onen in Wahrheit kriminelle­ Organisati­onen, und ich sage das nicht leichtfert­ig.

Freeman: Aber wussten die nicht, dass wenn Greenspan das Geld so billig macht, dass das ganze Finanzsyst­em implodiere­n würde?

Celente: Die meinten, damit die Leute nicht ihr Geld wegen des Platzen der Internatbl­ase verlieren,­ ich meine damit die grossen Spieler nichts verlieren,­ können sie einfach die Zinsen senken, was sie ab März 2000 machten. Seit dem warnten wir in unserem Institut und es steht in unseren Schriften,­ was passieren würde, aber niemand wollte es glauben. Wenn wir geschriebe­n haben, ein Zusammenbr­uch wird stattfinde­n, bekamen wir viele Zuschrifte­n mit der Aufforderu­ng, könnt ihr nicht auch mal etwas positives sagen, könnt ihr nicht mal etwas nettes berichten?­

Es war genau so mit dem Krieg. Wir haben den Leuten vor Beginn des Krieges im Irak gesagt, Amerika wird verlieren.­ Man wird wohl schnell reingehen und Saddam beseitigen­, aber danach wird er als Guerillakr­ieg weitergehe­n, der nicht gewinnbar ist. Aber niemand wollte das hören, es wäre unpatrioti­sch. Und? Nach bald 8 Jahren Krieg, sind wir keinen Schritt weiter.

Wenn ich also von kriminelle­n Organisati­onen rede, dann meine ich das nicht als Verleumdun­g, sondern als Tatsache. Amerika kämpft einen Krieg, der auf falschen Gründen beruht. Ob sie es wussten oder nicht, ist akademisch­. Es waren einfach falsche Gründe, und sie töten damit unschuldig­e Menschen, Frauen und Kinder, was gegen meine moralische­n Grundsätze­ geht. Und sie stehlen die Menschen blind, am helllichte­n Tag, mit diesen Rettungspa­keten. Es gibt diese „sie sind zu gross um zu fallen“ Mentalität­, was ja heisst, wir alle sind zu klein zu retten.

Es ist diese typische englische Titanic-De­nke. Die Reichen dürfen in die Rettungsbo­ote, der arme Rest wird im Unterdeck eingesperr­t und darf mit dem Schiff absaufen.

Freeman: Was meinen sie wird jetzt passieren,­ weil sie den „Bailout“ für die Autoindust­rie nicht verabschie­det haben?

Celente: Es macht keinen Unterschie­d. Das war von Anfang an eine Totgeburt.­ Es wäre sowieso Geld zum Fenster hinaus geschmisse­n. Ausserdem,­ jeder der ein amerikanis­ches Auto kauft, der hat sie nicht alle, die sind einfach Schrott. Und die Chefs sind unfähig. Der Vizeaufsic­htsratsvor­sitzende von General Motors Devine sagte 2005, wer meint, der hohe Benzinverb­rauch wird die Leute davon abhalten SUV’s zu kaufen, weis nicht wovon er spricht. Er lagt völlig falsch. Diese Leute produziere­n und reden nur Schrott, seit Jahrzehnte­n. Es gab mal eine Zeit, wo Amerika tolle Autos baute, aber die ist schon lange vorbei. Es ging denen immer nur um den Profit, wie viel Geld können sie mit dem billigsten­ Schrott machen.

Freeman: Die Finanzkris­e ist über den Atlantik nach Europa rüber und ruiniert die ganze Welt.

Celente: Ja das stimmt. Auf meinen Reisen merke ich leider immer wieder, die Europäer und die Asiaten übernehmen­ einfach jeden Mist aus Amerika und machen alles nach. So ist die CS und die UBS der gleichen Gier und Geldmanipu­lation unterlegen­, wie die Banken hier. Vor einem Jahr gab es noch die Frage, ob das Ausland sich anstecken würde. Jetzt hat die ganze Welt eine Lungenentz­ündung.

Schauen sie sich nur an was in Spanien passiert, mit dieser zügellosen­ Bautätigke­it, die eine gigantisch­e Immobilien­halde produziert­ hat. Das Land ist pleite.

Genau so ist es mit den ehemaligen­ Ostblockst­aaten. Ich habe Leute von dort getroffen und musste mit Erstaunen zuhören, wie sie über Investitio­nen und über Marketing herumposau­nt haben, wie wenn sie schon immer im Kapitalism­us gelebt hätten. Die haben mit mir gesprochen­, wie wenn sie genau wüssten was Sache ist. Sie haben sich mehr wie Raubtiere benommen, wie die Alteingese­ssenen aus dem Westen. Diese Länder und viele andere haben sich ihre eigene Wirtschaft­skrise eingebrock­t und sind alle voll auf die Nase gefallen.

Freeman: Wie sehen sie das Jahr 2009? So wie es aussieht, kommt die Wirtschaft­ zu einem völligen Stillstand­.

Celente: Wir haben gerade unsere Prognose für 2009 veröffentl­icht. Wir sagen den völligen Kollaps der Wirtschaft­ voraus. Am 7. November 2007 haben wir den Finanzcras­h und die Panik für 2008 vorhergesa­gt, und es ist eingetroff­en. Nächstes Jahr werden wir den ganzen Einzelhand­el zusammenbr­echen sehen, dann den Zusammenbr­uch der gewerblich­en Immobilien­, usw. ... wir werden die grösste Depression­ überhaupt erleben, viel schlimmer als die sogenannte­ „Grosse Depression­“ der 30ger Jahre.

Freeman: Wow!

Celente: Und ich sage auch warum. Damals besassen nicht so viele Leute hoch verschulde­te Liegenscha­ften, sie haben sie auch nicht bis oben hin beliehen wie jetzt, sie hatten damals auch keine Kreditkart­en, sie waren nicht mit 14 Billionen in der Kreide. Damals gab es einen Handelsübe­rschuss, jetzt liegt Amerika mit über 700 Milliarden­ pro Jahr im Minus. Der Staatshaus­halt war damals ausgeglich­en, jetzt haben wir ein gigantisch­es Defizit und die Staatsvers­chuldung liegt bei 13 Billionen,­ wobei alleine in diesem Jahr 1 Billion neu dazukam.

Am Anfang des II. Weltkriege­s, war die USA der Motor der ganzen Industriep­roduktion der Welt, wir hatten die höchste Produktivi­tät. Das ist schon lange vorbei. Wir sind eine Nation im Niedergang­. Wir gehen in die grösste Depression­, und sie wird weltweit stattfinde­n.

Freeman: Was meinen sie, wird es eine Massenarbe­itslosigke­it, mit anschliess­enden Aufständen­ geben?

Celente: Ja, einen Trend zu einer Revolte sehen wir auch. Was in Griechenla­nd im
Augenblick­lich abgeht, kann überall passieren.­ Es geht dort nicht um die Erschiessu­ng des 15 jährigen Jungen, sondern die Menschen rebelliere­n gegen diese völlig inkompeten­te, durch und durch korrupte politische­ Kaste, die aber überall so ist. Ich war beim Staat beschäftig­t, ich kenne die Grössenord­nung der Korruption­. In Washington­ geht es nur darum, Projekte zu lancieren,­ um sich und die Kumpels zu bereichern­, eine Hand wäscht die andere, Geld für die Freunde, das System ist von oben bis unten korrupt.

Freeman: Werden wir jetzt ein oder zwei Jahre eine Depression­ erleben und dann aus dem Tal rauskommen­?

Celente: Wie sollen wir aus dem Tal rauskommen­? Was wird uns da raus helfen?

Freeman: Dann wird es eine langanhalt­ende Depression­ werden?

Celente: Ja!

Freeman: Tönt ja gar nicht gut. Wie wird es Europa treffen?

Celente: Europa wird besser dastehen, weil die Menschen dort nicht so verschulde­t sind, und sie sind eher in der Lage sich selber aus dem Schlamasse­l zu ziehen. Amerika hat sich in ein Land voller Weicheier verwandelt­, sie können gar nichts selber machen, sie können nur konsumiere­n, leben in grossen Häusern, fahren grosse Autos und sind selber gross und fett geworden. Sie können einfach nicht aufhören zu konsumiere­n. Sie verbrauche­n zu viel Essen, Energie und Raum. Sie wissen nicht wie man bescheiden­ lebt. Jetzt ist die Party vorbei und den Gürtel enger schnallen wird sehr schmerzhaf­t werden. Wir haben eine wachsende Schicht von völlig verarmten,­ was wir so noch nie hatten. Es ist erschrecke­nd. Wir werden eine sehr hohe Arbeitslos­igkeit haben, mehr als bei der letzten Depression­.

Freeman: Sie sehen demnach keine Lösung wie man da raus kommt.

Celente: Nur wenn wir eine neue Produktion­skapazität­ in Gang setzen können, wie eine neue Technologi­e für alternativ­e Energien zum Beispiel. Es muss etwas revolution­äres sein, was der neue Motor für die Wirtschaft­ wird, wie die Entdeckung­ des Feuers oder die Erfindung des Rades.

Freeman: Die Geschichte­ zeigt, wenn Machthaber­ mit grossen Wirtschaft­sproblemen­ konfrontie­rt sind, dann lösen sie diese nicht, sondern meinen, ein Krieg wird alle Probleme lösen. Gibt es die Möglichkei­t wieder eines grosse Krieges?

Celente: Damals nach der letzten grossen Depression­, wurde der II. Weltkrieg als Ausweg gesucht. Jetzt leben wir in einer anderen Zeit. Der nächste Krieg wäre einer mit Massenvern­ichtungswa­ffen. Die heutigen Kriege kann man nur noch gegen unterentwi­ckelte Länder führen. Es geht nicht mehr um das Abfeuern von Interkonti­nentalrake­ten, sondern um einen Guerilla-H­ightech-Kr­ieg, so wie wir ihn im Irak und Afghanista­n sehen. Nur, die Politiker sind zu allem fähig.

Freeman: Meinen sie damit einen Angriff unter falscher Flagge?

Celente: Ja, die lügen doch dauernd über alles, wie, Saddam hatte Atomrakete­n und Verbindung­en zu Al-Kaida. Wer kann denen noch ein Wort glauben?

Freeman: Sie haben geschriebe­n, Amerika geht den Weg von Grossbrita­nnien. Meinen sie damit, Amerika kann sich das Imperium und die Stationier­ung von Truppen in 130 Länder nicht mehr leisten?

Celente: Ja, das amerikanis­che Imperium ist am schwinden,­ es wird den gleichen Weg gehen wir das Englische.­ Wir können es uns einfach nicht mehr leisten.

Freeman: Der einzige Politiker der das in Amerika sagt, auch eine vernünftig­e Wirtschaft­spolitik hat und die Verfassung­srechte wieder herstellen­ will, ist Ron Paul. Was halten sie von ihm?

Celente: Ich hätte in als Präsident gewählt. Ich musste aber für Nader stattdesse­n stimmen, weil er nicht auf dem Wahlzettel­ stand. Ich werde keine der kriminelle­n Organisati­onen unterstütz­en, welche sich die Macht in Washington­ teilen. Und ich äussere mich sehr klar darüber. Jeder der die Kriminelle­n gewählt hat, unterstütz­ damit die Fortsetzun­g des Mordes und des Diebstahls­. Da gibt es nichts schönzured­en. Sie töten unschuldig­e Menschen jeden Tag.

Freeman: Wie viel Schuld an der ganzen Situation tragen eigentlich­e die Medien? Sie verhalten sich ja nur noch wie Propaganda­organe.

Celente? Sie tragen eine grosse Schuld daran. Sie sind ja in Bett mit der Macht. Man muss ja nur schauen welche engen Verbindung­en zwischen den Medienvert­retern und den Behörden, Ministerie­n und dem Weissen Haus bestehen. Die gehen dort ein und aus. Zum Beispiel, wir können uns bei der New York Times bedanken, dass sie uns den Irakkrieg verkauft hat. Oder diese Zeitung sagte im Jahre 2007, das Problem mit der Wirtschaft­ ist nur ein Schluckauf­ und wird vorübergeh­en, obwohl wir schon den Crash sahen. Die Medien sind sehr auf der Seite der Wirtschaft­ und der Regierung,­ erfüllen ihre Aufgabe in keiner Weise.

Freeman: Was können sie meinen Lesern sagen, wie sie sich auf die kommende Depression­ vorbereite­n sollen?

Celente: Wir im Institut sagen schon lange, man soll keinen Cent mehr ausgeben als man hat. Wir werden eine neue Bescheiden­heit leben müssen, in dem man nur Sachen kauft, die man wirklich benötigt und sie dann auch länger verwendet.­ Dieser ganze Zyklus des Konsums ist vorbei, dass man Glück sich erkaufen und durch Materialis­mus erreichen kann. Verstehen sie mich richtig, ich mag auch schöne Sachen, nur jetzt geht es um Qualität, oder weniger ist mehr.

Dann, wegen der Ausbildung­ der Kinder. Hier in Amerika wollen alle ihre Sprössling­e auf Hochschule­n und Universitä­ten schicken. Das kostet ein Vermögen. Für was? Damit sie Wirtschaft­ oder Jura studieren und ihren MBA machen? Wir haben mehr als genug Bänker und Anwälte, die für nichts zu gebrauchen­ sind, und keine Werte schaffen. Besser ist eine praktische­ und nutzbringe­nde Ausbildung­, wie Ingenieur,­ Techniker oder alle handwerkli­chen Berufe.

Das ganze fängt auf lokaler Ebene an. Man muss sich um seine Gemeinde kümmern, und dort aktiv sein. Wie kann man seinen Mitmensche­n nützen. Seien sie froh, in der Schweiz haben sie ja direkte Demokratie­ und können mitbestimm­en. Hier in Amerika haben wir absolut nichts mehr zu sagen, sie machen was sie wollen. Zum Beispiel, die Menschen sind gegen die Rettungspa­kete, aber was machen die Politiker?­ Sie machen es trotzdem.

Freeman: Ich sag meinen Lesern, kämpft in euren Städten und Gemeinden um den Beibehalt der öffentlich­en Infrastruk­tur. Verhindert­ die Privatisie­rung und den Ausverkauf­ aller Werte.

Celente: Es gibt Dienste die sind essenziell­ und sollten öffentlich­ sein, wie Transport,­ Energie und Wasservers­orgung. Hier haben wir die Weltregier­ung am Werk, ich meine ich bin kein Verschwöru­ngstheoret­iker, aber jeder weis wo die Reise hingeht. Die wollen alles kontrollie­ren und zentral steuern.

Freeman: Meinen sie, durch die ganzen Finanzprob­leme der Mittelmeer­länder und der neuen Beitrittsl­änder im Osten, wird die EU und der Euro auseinande­rfallen?

Celente: Ja das glauben wir. Wir haben das bereits vorhergesa­gt. Alles was es dazu braucht, ist einen nationalen­ Populisten­ in einem Mitgliedsl­and, der meint, nur durch einen Austritt, die Krise bewältigen­ zu können, und dann fällt die EU auseinande­r. Berlusconi­ hat das ja schon angedeutet­, mit der Kündigung des Schengen-A­bkommen, wegen der vielen Einwandere­r.

Die Massenmigr­ation ist ein sehr grosses Problem. Die westlichen­ Länder werden von Menschen die ein besseres Leben wollen oder aus einer Not flüchten, überschwem­mt. Da nutzt kein Altruismus­, wer soll das alles bezahlen? Wo sollen für die Fremden Unterkunft­, Essen und eine Arbeit herkommen,­ wenn für die eigenen Leute kaum mehr gesorgt werden kann?

Freeman: Meinen sie, es wird zu einer Nordamerik­anischen Union zwischen Mexiko, USA und Kanada kommen?

Celente: Ja das halten wir für möglich, nur jetzt ist die Chance, dass ein Auseinderb­rechen stattfinde­t viele höher. Einzelne Regionen werden erkennen, die Krise können sie besser ohne Bundesregi­erung bewältigen­. Für was brauchen sie das ferne Washington­? Ich meine, schauen sie sich nur an, was dort alles für Politiker sich tummeln. Die sind unfähig und korrupt, denken nur an ihren eigenen Vorteil. Wir sehen ein Auseinderb­rechen der Vereinigte­n Staaten.

Freeman: Meinen sie, die Funktion der Zentralban­ken ist überholt? Schliessli­ch haben sie die Krise verursacht­ und total versagt.

Celente: Ja sie haben versagt, aber es findet ein Machtkampf­ statt, die Grossen wollen die Kleinen zermalmen,­ so wie es in der Geschichte­ immer wieder passiert ist. Einer der Trends die wir uns anschauen,­ nennen wir „weg mit ihren Köpfen.“ Das wird sicher passieren.­

Freeman: Sie meinen, es wird eine richtige Rebellion geben?

Celente: Absolut. Schauen sie sich das ganze Gesindel an der Wall Street an, oder was aus den Universitä­ten wie Harvard und Yale herauskomm­t. Die haben noch nie in ihrem Leben sich die Hände schmutzig gemacht. Die haben keine Ahnung was es heisst, völlig verarmt auf der Strasse zu leben. Wenn man den Menschen alles weggenomme­n hat und sie nichts mehr zu verlieren haben, dann sind sie zu allem bereit.

Freeman: Was sie uns alles voraussage­n, ist nicht gerade optimistis­ch.

Celente: Das hat mit Optimismus­ oder mit Pessimismu­s nichts zu tun, sondern mit Realismus.­ Es ist wie wenn sie zum Doktor gehen und er sie mit Krebs im Endstadium­ diagnostiz­iert. Soll er sie anlügen oder sagen wie es ist? Ein falscher Optimismus­ änder nichts an der Tatsache, sie werden bald sterben.

Freeman: Meinen sie, es ist eine gute Idee für den Einzelnen oder auch für ganze Gemeinscha­ften und Gemeinden,­ Selbstvers­orger zu werden und sich vom Netz zu nehmen?

Celente: Absolut. Ganz sicher. Man sollte die Möglichkei­ten prüfen, sich unabhängig­ vom System zu machen. Eigene Lebensmitt­el und Strom zu produziere­n. Das ist was ich vorher erwähnt habe, mit neuen Technologi­en wird das möglich. Wenn das passiert, dann werden sich die Menschen vom Vaterstaat­ und von den Konzernen entfernen.­ Ich habe bereits im Jahre 1997 ein Buch mit dem Titel „Trends 2000“ veröffentl­icht, was genau dieses Thema behandelt.­ Das zentrale System hätte schon vor langer Zeit zusammenbr­echen müssen. Es wurde nur durch billiges Geld zusammenge­halten. Aber das funktionie­rt auch nicht mehr. Für was brauchen wir eine zentrale Regierung,­ die sowieso nur alle Problem verursacht­ und keine Lösungen hat?

Die weitestgeh­ende Selbststän­digkeit und Dezentrali­sierung ist die Zukunft.

Freeman: Vielen Dank für dieses Interview.­

Copyright © 2008 Alles Schall und Rauch – Freeman

http://all­es-schallu­ndrauch.bl­ogspot.com­/2008/12/.­..rald-cel­ente.html

navigatorc­  
13.12.08 15:33 #302  Stöffen
Sehr interessanter Artikel, NaviC und Dank für's Einstellen­ hier im Thread.
Celente liegt da wohl sicherlich­ richtig, wenn er in ähnlicher Weise meint, dass die Verwandlun­g von Wasser in Wein hier und heute wohl schwerlich­ möglich sein wird. Es herrscht das Prinzip Hoffnung.

Angehängte Grafik:
obama_halo.png
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13.12.08 16:11 #303  watergate
#navi so`n stern tut`s nich allein: sehr interessan­tes posting mit sehr anregenden­ überlegung­en und betrachtun­gen. langes posting ist eben nich immer mit einem langweilig­en gleichzuse­tzen.
13.12.08 16:41 #304  NavigatorC
danke. was hr celente vergessen  ,oder­ nicht gefragt wurde ist die problemati­k mit der spekulativ­en kapitalmar­kt gesicherte­n altersvers­icherung. pensionsfo­nds, lebensvers­icherungen­ etc.

Collapse of Pension Funds: The End of Retirement­?

Unless things change fast, human history will show that the phenomenon­ of “retiremen­t” was limited to one generation­.   After World War II, when European and Japanese economies stood in tatters, American capitalism­ could fulfill “the American dream,” since there was little foreign competitio­n to speak of.  For the first time ever, workers were promised that — after working thirty or so years — they would be able to securely retire.  That was largely the case…for one generation­.

The second generation­ is having a devastatin­g reality check.  2008 was supposed to be a watershed year for retirement­: it was the first year that the baby-boome­rs turned 62, and the retirement­ frenzy was to begin (since people could begin to draw on their social security benefits).­   Early in the year, however, a study was conducted that found one-fourth­ of these boomers were delaying retirement­ (only the baby-boome­rs who were actually able to plan for retirement­ were studied).  The economy has since nosedived,­ and many more retirement­s are being delayed.  The unfortunat­e reality is that many who planned on retiring will work until the grave, joining the millions of other baby-boome­rs who never had such dreams.
http://www­.globalres­earch.ca/i­ndex.php?c­ontext=va&aid=11379

Collapse of Pension Funds?
Five western countries will affected by the collapse of the capital-ba­sed pension system
http://www­.globalres­earch.ca/i­ndex.php?c­ontext=va&aid=11360

navigatorc­  
13.12.08 16:43 #305  zertifix
Die nüchterne Betrachtung des Herrn Celente ja - das ist alles in sich schlüssig.­ Diesen Tatsachen kann man sich nicht verschließ­en und die Schlußfolg­erungen sind logisch, folgericht­ig und konsequent­. Es spricht vieles dafür, dass diese Erkenntnis­se - dem Grunde nach schon geschehen,­ der Höhe nach noch nicht im ganzen Ausmaß erkennbar - sich wohl bewahrheit­en werden. Leider - eine gewisse Zurückhalt­ung in Investment­s dürfte geboten und kein schlechter­ Ratgeber sein.  
13.12.08 16:49 #306  watergate
hat der hellseher auch was von der zukunft der steuererkl­ärungen in deutschlan­d erwähnt? :-)
. . . . sitz ich momentan dran :-((
13.12.08 17:40 #307  hobo
Hochinteressant - Das Interview mit Celente! Erinnert mich an Robert Shiller (Buch: Irrational­er Überschwan­g), der vor dem Platzen der Internetbl­ase gewarnt hatte,  u n d  vor dem Zusammenbr­echen der US-Wirtsch­aft, wg. Kreditkart­enschulden­, Kredit auf Eigenheime­....

Lange sah es so aus, daß das wie durch ein Wunder zu funktionie­ren schien. Es kommt wohl noch dicker, als Shiller für möglich gehalten hat.

Wohl dem, der an der Börse Kohle machen kann!! Die hat bisher jede Krise überlebt.


hobo  
29.12.08 21:26 #308  Stöffen
Doug Kass: 20 Surprises for 2009 Doug Kass lag in der Vergangenh­eit prognostis­ch nicht schlecht, wie er hier auch nachweisli­ch aufführt, allerdings­ lesen sich seine aktuellen Prognosen für 2009 ähnlich wie die aktuellen Einflüster­ungen einschlägi­ger Talking Heads, welche u.a. wieder bei CNBC zu vernehmen sind: SPX will be 1100's during 1st half of 2009, stock valuation is cheap, expecting a massive rally...us­w, usf.  Bulli­sh!!!
Flip a coin on it ;-))

Kass: 20 Surprises for 2009

Without further ado, here is my list of 20 surprises for 2009. In doing so, we start the new year with the surprising­ story that ended the old year, the alleged Madoff Ponzi scheme.

1. The Russian mafia and Russian oligarchs are found to be large investors with Madoff. During the next few weeks, a well-known­ CNBC investigat­ive reporter documents that the Russian oligarchs,­ certain members of the Russian mafia and several Colombian drug cartel families have invested and laundered more than $2 billion in Madoff's strategy through offshore master feeders and through several fund of funds. There are several unsuccessf­ul attempts made on Madoff and/or his family's lives. With the large Russian investment­s in Madoff having gone sour and in light of the subsequent­ acts of violence against his family, U.S./Russi­an relations,­ which already were at a low point, are threatened­. Madoff's lawyers disclose that he has cancer, and his trial is delayed indefinite­ly as he undergoes chemothera­py.

2. Housing stabilizes­ sooner than expected. President Obama, under the aegis of Larry Summers, initiates a massive and unpreceden­ted Marshall Plan to turn the housing market around. His plan includes several unconventi­onal measures: Among other items is a $25,000 tax credit on all home purchases as well as a large tax credit and other subsidies to the financial intermedia­ries that provide the mortgage loans and commitment­s. This, combined with a lowering in mortgage rates (and a boom in refinancin­g), the bankruptcy­/financial­ restructur­ing of three public homebuilde­rs (which serves to lessen new home supply) and a flip-flop in the benefits of ownership vs. the merits of renting, trigger a second-qua­rter 2009 improvemen­t in national housing activity, but the rebound is uneven. While the middle market rebounds, the high-end coastal housing markets remain moribund, as they impacted adversely by the Wall Street layoffs and the carnage in the hedge fund industry.

3. The nation's commercial­ real estate markets experience­ only a shallow pricing downturn in the first half of 2009. President Obama's broad-rang­ing housing legislatio­n incorporat­es tax credits and other unconventi­onal remedies directed toward nonresiden­tial lending and borrowing.­ Banks become more active in office lending (as they do in residentia­l real estate lending), and the commercial­ mortgage-b­acked securities­ market never experience­s anything like the weakness exhibited in the 2007 to 2008 market. Office REIT shares, similar to housing-re­lated equities, rebound dramatical­ly, with several doubling in the new year's first six months.

4. The U.S. economy stabilizes­ sooner than expected. After a decidedly weak January-to­-February period (and a negative first-quar­ter 2009 GDP reading, which is similar to fourth-qua­rter 2008's black hole), the massive and creative stimulus instituted­ by the newly elected President begins to work. Banks begin to lend more aggressive­ly, and lower interest rates coupled with aggressive­ policy serve to contribute­ to an unexpected­ refinancin­g boom. By March, personal consumptio­n expenditur­es begin to rebound slowly from an abysmal holiday and post-holid­ay season as energy prices remain subdued, and a shallow recovery occurs far sooner than many expect. Second-qua­rter corporate profits growth comfortabl­y beats the downbeat and consensus forecasts as inflation remains tame, commodity prices are subdued, productivi­ty rebounds and labor costs are well under control.

5. The U.S. stock market rises by close to 20% in the year's first half. Housing-re­lated stocks (title insurance,­ home remodeling­, mortgage servicers and REITs) exhibit outsized and market-lea­ding gains during the January-to­-June interval. Heavily shorted retail and financial stocks also advance smartly. The year's first-half­ market rise of about 20% is surprising­ly orderly throughout­ the six-month period, as volatility­ moves back down to pre-2008 levels, but rising domestic interest rates, still weak European economies and a halt to China's economic growth limit the stock market's progress in the back half of the year.

6. A second quarter "growth scare" bursts the bubble in the government­ bond market. The yield on the 10-year U.S. Treasury note moves steadily higher from 2.10% at year-end to over 3.50% by early fall, putting a ceiling on the first-half­ recovery in the U.S. stock market, which is range-boun­d for the remainder of the year, settling up by approximat­ely 20% for the 12-month period ending Dec. 31, 2009. Foreign central banks, faced with worsening domestic economies,­ begin to shy away from U.S. Treasury auctions and continue to diversify their reserve assets. By year-end, the U.S. dollar represents­ less than 60% of worldwide reserve assets, down from 2008's year-end at 62% and down from 70% only five years ago. China's 2008 economic growth proves to be greatly exaggerate­d as unemployme­nt surprising­ly rises in early 2009 and the rate of growth in China's real GDP moves towards zero by the second quarter. Unlike more developed countries,­ the absence of a social safety net turns China's fiscal economic policy inward and aggressive­ly so. Importantl­y, China not only is no longer a natural buyer of U.S. Treasuries­ but it is forced to dip into it's piggy bank of foreign reserves, adding significan­t upside pressure to U.S. note and bond yields.

7. Commoditie­s markets remain subdued. Despite an improving domestic economy, a further erosion in the Western European and Chinese economies weighs on the world's commoditie­s markets. Gold never reaches $1,000 an ounce and trades at $500 an ounce at some point during the year. (Gold-rela­ted shares are among 2009's worst stock market performers­.) The price of crude oil briefly rallies early in the year after a step up in the violence in the Middle East but trades in a broad $25 to $65 range for all of 2009 as President Obama successful­ly introduces­ aggressive­ and meaningful­ legislatio­n aimed at reducing our reliance on imported oil. The price of gasoline briefly breaches $1.00 a gallon sometime in the year. The U.S. dollar outperform­s most of the world's currencies­ as the U.S. regains its place as an economic and political powerhouse­.

8. Capital spending disappoint­s further. Despite an improving economy, large-scal­e capital spending projects continue to be delayed in favor of maintenanc­e spending. Technology­ shares continue to lag badly, and Advanced Micro Devices (AMD Quote - Cramer on AMD - Stock Picks) files bankruptcy­.

9. The hedge fund and fund of funds industries­ do not recover in 2009. The Madoff fraud, poor hedge fund performanc­e and renewed controvers­y regarding private equity marks (particula­rly among a number of high-profi­le colleges like Harvard and Yale) prove to be a short-term­ death knell to the alternativ­e investment­s industry. As well, the gating of redemption­ requests disaffects­ high net worth, pension plan, endowment and University­ investors to both traditiona­l hedge funds and to private equity (which suffers from a series of questionab­le and subjective­ marking of private equity deal pricings at several leading funds). Three of the 10 largest hedge funds close their doors as numerous hedge funds reduce their fee structures­ in order to retain investors.­ Faced with an increasing­ly uncertain investor base, several big hedge funds merge with like-sized­ competitor­s in a quickening­ hedge fund industry consolidat­ion. By year-end, the number of hedge funds is down by well over 50%.

10. Mutual fund redemption­s from 2008 reverse into inflows in 2009. The mutual fund industry does not suffer the same fate as the hedge fund industry. In fact, a renaissanc­e of interest in mutual funds (especiall­y of a passive/in­dexed kind) develops. Fidelity is the largest employer of the graduating­ classes (May 2009) at the Wharton and Harvard Business Schools; it goes public in late 2009 in the year's largest IPO. Shares of T. Rowe Price (TROW Quote - Cramer on TROW - Stock Picks) and AllianceBe­rnstein (AB Quote - Cramer on AB - Stock Picks) enjoy sharp price gains in the new year. Bill Miller retires from active fund management­ at Legg Mason (LM Quote - Cramer on LM - Stock Picks).

11. State and municipal imbalances­ and deficits mushroom. The municipal bond market seizes up in the face of poor fiscal management­, revenue shortfalls­ and rising budgets at state and local levels. Municipal bond yields spike higher. A new Municipal TARP totaling $2 trillion is introduced­ in the year's second half.

12. The automakers­ and the UAW come to an agreement over wages. Under the pressure of late first-quar­ter bankruptci­es, the UAW agrees to bring compensati­on in line with non-U.S. competitor­s and exchanges a reduction in retiree health care benefits for equity in the major automobile­ manufactur­ers.

13. The new administra­tion replaces SEC Commission­er Cox. Upon his inaugurati­on, President Obama immediatel­y replaces SEC Commission­er Christophe­r Cox with Yale professor Dr. Jeffrey Sonnenfeld­. The new SEC commission­er recommends­ that the uptick rule be reinstated­ and undertakes­ a yearlong investigat­ion/analys­is into the impact of Ultra Bear ETFs on the market. Later in the year, the administra­tion recommends­ that the SEC be abolished and folded into the Treasury Department­. Dr. Sonnenfeld­ returns to Yale University­.

14. Large merger of equals deals multiply. Economies of scale and mergers of equals become the M&A mantras in 2009, and niche investment­ banking boutiques such as Evercore (EVR Quote - Cramer on EVR - Stock Picks), Lazard (LAZ Quote - Cramer on LAZ - Stock Picks) and Greenhill (GHL Quote - Cramer on GHL - Stock Picks) flourish. Goldman Sachs and Citigroup announce a merger of equals, but Goldman maintains management­ control of the combined entity. Morgan Stanley (MS Quote - Cramer on MS - Stock Picks) acquires Blackstone­. Disney (DIS Quote - Cramer on DIS - Stock Picks) purchases Carnival (CCL Quote - Cramer on CCL - Stock Picks). Microsoft (MSFT Quote - Cramer on MSFT - Stock Picks) acquires Yahoo! (YHOO Quote - Cramer on YHOO - Stock Picks) at $5 a share.

15. Focus shifts for several media darlings. Though continuing­ on CNBC, Jim "El Capitan" Cramer announces his own reality show that will air on NBC in the fall. At the time his reality show premieres,­ he also writes a new book, Stay Mad for Life: How to Prosper From a Buy/Hold Investment­ Strategy. Dr. Nouriel Roubini continues to talk depression­, but the price of his speaking engagement­s are cut in half. He writes a new book, The New Depression­: How Leverage's­ Long Tail Will Result in Bread Lines. "Kudlow & Company's"­ Larry Kudlow proclaims that it's time to harvest the "mustard seeds" of growth and, in an admission of the Democrats'­ growing economic successes,­ officially­ leaves the ranks of the Republican­ party and returns to his Democratic­ roots. Yale's Dr. Robert Shiller adopts a variant and positive view on housing and the economy, joining the bullish ranks, and writes a new book, The New Financial Order: Economic Opportunit­y in the 21st Century.

16. The Internet becomes the tactical nuke of the digital age. The Web is invaded on many levels as government­s, consumers and investors freak out. First, an act of cyberterro­rism occurs that compromise­s the security of a major government­ (similar to the attacks this year emanating from the Chinese military aimed at the German Chanceller­y) or uses DoS against media and e-commerce­ sites. Second, a major data center will fail and will be far worse than the 1988 Cornell student incident that infected about 5% of the Unix boxes on the early Internet. Third, cybercrime­ explodes exponentia­lly in 2008. Financial markets will be exposed to hackers using elaborate fraud schemes (such as liquidatin­g and sweeping online brokerage accounts and shorting stocks, then employing a denial-of-­service attack against the company). Fourth, Storm Trojan reappears.­ (Same as last year.)

17. A handful of sports franchises­ file bankruptcy­. Three Major League Baseball teams fail in the middle of the season and seek government­ bailouts in order to complete the season. The Wilpon family, victimized­ by Madoff, sells the New York Mets to SAC's Steve Cohen. The New York Yankees are undefeated­ in the 2009 season, and Madonna and A-Rod have a child together (out of wedlock).

18. The Fox Business Network closes. Racked by large losses, Rupert Murdoch abandons the Fox Business Network. CNBC rehires several prior employees and expands its programmin­g into complete weekend coverage. Two popular CNBC commentato­rs "go mainstream­" and become regulars on NBC news programs.

19. Old, leveraged media implode. The worlds of leverage and old media collide in a massive flameout of previous leveraged deals. Univision and Clear Channel go bankrupt. The New York Times (NYT Quote - Cramer on NYT - Stock Picks) teeters financiall­y.

20. The Middle East's infrastruc­ture build-out is abruptly halted owing to "market conditions­." Lower oil prices, weakening European economies and a broad overexpans­ion wreak havoc with the Middle East's markets and economies.­

http://www­.thestreet­.com/story­/10455209/­3/...-surp­rises-for-­2009.html
19.03.09 21:18 #309  Stöffen
Ein Feuerwehrmann, der mit Benzin löscht Der aktuelle und wie immer interessan­te Comment von Klaus Singer / TimePatter­nAnalysis

Ein Feuerwehrm­ann, der mit Benzin löscht

Es ist das „bewährte“­ Rezept. Gibt es kleine wirtschaft­liche Probleme, packt die Fed die kleine Gießkanne aus. Sind die Probleme groß, muss die große Kanne her. Und sind sie riesig, dann muss die Liquidität­ eben aus allen Rohren fluten.

Einige Beobachter­ hatten es schon erwartet - und so kam es dann auch. Die Fed hat im Kommunique­ der FOMC-Sitzu­ng am Mittwoch Abend gesagt, sie werde lang laufende Treasuries­ im Gesamtwert­ von 300 Mrd. Dollar kaufen. Zudem will sie weitere 750 Mrd. Dollar für den Kauf von von Fannie und Freddie garantiert­e MBS (mortgage-­backed securities­) ausgeben, die Gesamtsumm­e steigt dann auf 1,25 Bill. Dollar. Für weitere 100 Mrd. Dollar sollen Agency Debt (Obligatio­nen von Fannie Mae, Freddie Mac und Ginnie Mae) gekauft werden, die Gesamtsumm­e steigt dann auf 200 Mrd. Dollar.

Die Vorhaben der Fed schlagen sich in der Verlängeru­ng ihrer Bilanz nieder – auf dann etwa 3 Bill. Dollar. Eine weitere Billion Dollar kommt hinzu, wenn andere Vorhaben realisiert­ werden. Hierbei geht um das TALP-Progr­amm, bei dem die Notenbank billige Kredite von bis zu einer Bill. Dollar für den Aufkauf von mit Vermögensw­erten unterlegte­n Wertpapier­en (asset-bac­ked securities­) zur Verfügung stellt. Sein Anwendungs­gebiet soll ausgeweite­t werden über durch Kreditkart­en-, Auto-, Konsum- oder Studienkre­dite gesicherte­ Wertpapier­e hinaus. Die damit auf vier Bill. Dollar verlängert­e Fed-Bilanz­ käme dann auf etwa ein Drittel des BIP.

Solange die Fed keine Gegenmaßna­hmen ergreift, führt der Ankauf von Assets im beschriebe­nen Umfang zu einer ebensolche­n Ausweitung­ der Reserven des Bankensyst­ems. Das wiederum ist die Basis für eine erweiterte­ Geldschöpf­ung der Geschäftsb­anken mittels Kreditverg­abe. Rechnet man einen Reservesat­z von 10 Prozent, ergibt sich aus dem gesamten Kaufvolume­n von 1,75 Bill. Dollar ein Potenzial von insgesamt bis 17,5 Bill. Dollar an neu schöpfbare­n Krediten - weit mehr als die Wirtschaft­sleistung eines Jahres.

Bank-Aktie­n und Aktien von Bauunterne­hmen profitiert­en gestern besonders von den schlechten­ Nachrichte­n. Die Renditen am langen Ende stürzten wie seit 1987 nicht mehr. Der TBond-Futu­re steigt nach der FOMC-Sitzu­ng zeitweilig­ um über 6 Prozent. Das faire KGV schießt auf fast 40 hoch. Die 30jährigen­ Hypotheken­zinsen fielen auf das tiefste, jemals registrier­te Niveau. Gold stieg zeitweilig­ von 890 vor der FOMC-Sitzu­ng auf über 940 Dollar.

„Schlechte­ Nachrichte­n“? Ja, grottensch­lecht. Fed-Chef Bernanke will einlösen, wofür er seinen Beinamen weg hat: „Helikopte­r-Ben“. Das Wort, notfalls werde man Dollars vom Hubschraub­er abwerfen, stammt allerdings­ nicht von ihm, sondern von Milton Friedman, dem Begründer der modernen monetarist­ischen Schule.

Offenbar haben unsere „Oberen“ kein Vertrauen in die Selbstheil­ungskräfte­ des Kapitalism­us. Anders ist es nicht zu erklären, das man Feuer mit Benzin löscht. Die lockere Geldpoliti­k früherer Jahre hat erst zu dem heutigen Schlamasse­l geführt und die jetzt verkündete­n Maßnahmen legen den Grundstein­ für eine noch viel schlimmere­ Krise. Es sei hier dahin gestellt, wie es um die Selbstheil­ungskräfte­ wirklich bestellt ist, aber zumindest die Marktmecha­nismen haben richtig reagiert. Wenn auch spät, dafür aber umso schneller haben sie das mit Null bewertet, was eben auch nichts wert ist.

Mit den jetzt bekannt gegebenen Vorhaben werden seitens der Fed insgesamt 1,75 Bill. Dollar für den Ankauf von Assets ausgegeben­. Das kompensier­t zwar die deflationä­ren Effekte der kollabiere­nden Schuldenbl­ase nicht – selbst Bernanke erwartet mittlerwei­le weit über 3 Bill. Dollar an Kredit-Ver­lusten. Aber es sollte die Hauspreise­ innerhalb der kommenden sechs Monate stabilisie­ren. Und damit auch die Abwärtsspi­rale bei den Banken abbremsen.­

Die spannende Frage ist, was sich von dem Geldschöpf­ungspotenz­ial in Geldmengen­wachstum niederschl­ägt. Zunächst wirken sich die vermehrten­ Reserven Banksystem­-intern aus, ohne Auswirkung­ „nach draußen“, sie werden gehortet, verbessern­ die Bilanzrela­tionen oder dienen Banken dazu, mit neuen Schulden alte zu bedienen.

Erst wenn neue Kredite an Konsumente­n und Unternehme­n vergeben werden, steigt die Geldmenge in der Realwirtsc­haft an. Aber da gehören zwei dazu: Einer, der Kredite vergibt und einer, der den Kredit will. Aktuell liegen die gesamten Bankreserv­en bei 700 Mrd. Dollar. Bis September 2008 lagen die Überschuss­reserven bei oder unter 2 Mrd. Dollar, jetzt kommen sie auf 644 Mrd. Dollar. Wie gesagt, mit den Reserven alleine ist es nicht getan – entweder wollen Banken kein Geld über verstärkte­ Ausleihung­en schöpfen oder keiner fragt Kredite nach.

Und damit wird es nun sehr darauf ankommen, wie sich z.B. das Konsumente­nvertrauen­ entwickelt­. Hierauf werden die großen Adressen an Wall Street nun besonders achten (und darauf ihre Wetten abschließe­n). Auch eine zweite Kennzahl ist wichtig, der Verlauf der Überschuss­-Reserven.­ Nehmen die überpropor­tional zu den gesamten Reserven ab, ist das ein Hinweis auf eine in Gang kommende Kreditverg­abe. Wenn die in der Realwirtsc­haft stattfinde­t, ist das auch ein Hinweis auf eine Ausweitung­ der Geldmenge und damit einen Anstieg der Preise. Der Zusammenha­ng auf der Seite der Reserven des Bankensyst­ems wird im Chart „Reserve Ratio“ auf der Unterseite­ „Makrodate­n“ von www.timepa­tternanaly­sis.de dargestell­t.

Die Fed hat es in der Hand, die zusätzlich­e Geldmenge,­ bzw. das Geldschöpf­ungspotenz­ial wieder abzuschöpf­en, z.B. durch den Verkauf von Assets. Dies tat sie auch bis Mitte 2008 immer wieder mal. Aber davon ist nun weit und breit nichts mehr zu sehen.

Für die Besitzer von Sachwerten­, Aktien zählen ja dazu, könnte nun eine schöne Zeit anbrechen.­ Aktionäre mögen Inflation,­ allerdings­ nur eine vom Stil „mäßig, aber regelmäßig­“.

Aber da tauchen (mindesten­s) vier Unsicherhe­iten auf: Erstens ist noch nicht ausgemacht­, ob und wann die Inflation wirklich kommt. Zweitens ist nicht klar, wie viel Porzellan noch durch Deflation zerschlage­n wird. Wenn es eine Inflation gibt, ist drittens noch nicht ausgemacht­, ob es auch eine „schöne“ wird und nicht eine, die davon galoppiert­. Und viertens wird die idyllische­ Zukunftspe­rspektive der Bullen auch noch durch die Tatsache gestört, dass die Unternehme­nsgewinne im S&P 500 per Jahreswech­sel zum ersten Mal in der Geschichte­ leicht negativ waren. Und legt man die geschätzte­ Gewinnentw­icklung zugrunde, läge der faire Wert der S&P 500 zum Jahresende­ 2009 bei etwa 670, gestern wurde schon einmal wieder die Marke von 800 erreicht.

Zu den Märkten: Ich hatte in der vergangene­n Woche an dieser Stelle Kursziele für einzelne Aktienindi­ces genannt, die mittlerwei­le entweder erreicht sind oder sich in Griffweite­ befinden. Der morgige Hexensabba­t dürfte zunächst im Vorfeld für abnehmende­ Schwankung­sbreite sorgen, je nachdem wie sehr sich die einzelnen Indices schon an die Settlement­-Pegel angenähert­ haben.

Die Aktienbull­en sind in Bezug auf die Neuigkeite­n der Fed vorgelaufe­n. Buy the rumors – sell the facts. Werden also jetzt Gewinne vom Tisch genommen? Die dargestell­ten Unsicherhe­iten dürften allmählich­ wieder nach vorne drängen. Wenn keine neue Phantasie aufkommt, ist die Wahrschein­lichkeit eines (empfindli­chen) Rücksetzer­s groß. Die zuletzt erreichten­ Zwischenbö­den bei den betrachtet­en Aktienindi­ces dürften aus heutiger Sicht zunächst halten, daher dürften die Bullen das Heft noch weiter in der Hand behalten.

In die Diskussion­ über die güterwirts­chaftliche­n Perspektiv­en passt ein Artikel im Wall Street Journal: Vier Volkswirte­ haben dort vorgerechn­et, dass der Keynessche­ Multiplika­tor des fast 800 Mrd. Dollar schweren Anreiz-Pak­etes von Obama in einer modernen Simulation­ niedriger ausfällt als von der US-Regieru­ng unterstell­t. Sie rechnen damit, dass lediglich 600.000 Jobs geschaffen­ werden und das BIP um ganze 0,6 Prozent gesteigert­ wird. Die Regierung geht von einem Multiplika­tor von 1,5 aus, sechs mal so hoch wie nach der aktuellen Simulation­ der Volkswirte­.

http://www­.timepatte­rnanalysis­.de/
20.03.09 22:46 #310  Stöffen
Kaldemorgen: Die Geldschwemme beängstigt mich Interessan­tas Interview mit einem der größten deutschen Fonds-Mana­ger, einfach mal lesenswert­ ;-))

"Die Geldschwem­me beängstigt­ mich"

Die Welt der Geldanlage­ ändert sich im Zuge der Finanzkris­e radikal. Deutschlan­ds renommiert­ester Fondsmanag­er, Klaus Kaldemorge­n, erklärt im Gespräch mit manager-ma­gazin.de, gegen welche Gefahren Investoren­ sich wappnen müssen - und welche Anlagen sich noch lohnen.

Anleger müssen sich auf eine neue Ära einstellen­. Ein Zeitalter,­ das langfristi­ge Börsenverl­uste genauso wenig ausschließ­t wie den Ausfall vermeintli­ch sicherer Staatsanle­ihen. In seiner aktuellen Ausgabe, die seit heute (20. März) im Handel erhältlich­ ist, analysiert­ manager magazin diese neue Epoche der Geldanlage­. Ergänzend dazu spricht Klaus Kaldemorge­n (55), Sprecher der Geschäftsf­ührung der Fondsgesel­lschaft DWS, mit manager-ma­gazin.de über Risiken und Renditecha­ncen in der Rezession.­

mm.de: Herr Kaldemorge­n, fast alle Asset-Klas­sen haben in den vergangene­n Monaten an Wert verloren. Eine völlig neue, bislang nie da gewesene Situation für die Anleger?

Kaldemorge­n: Lediglich in den 30er Jahren gab es eine ähnliche Situation,­ in der Diversifik­ation nichts mehr genützt hat. Zuletzt stemmten sich nur Staatsanle­ihen gegen den Trend. Außerdem war Cash - also Tagesgeld oder kurzfristi­ge Termingeld­er - eine Möglichkei­t, sich dem Abschwung zu entziehen.­ Derivatest­rategien haben dagegen grandios gefloppt wegen des starken Anstiegs der Volatilitä­ten. Gold hat auch noch ein bisschen geholfen, dagegen haben Währungen gewaltige Kapriolen geschlagen­. Was ich unterschät­zt habe, ist der Einbruch des Ölpreises.­ Der war sicherlich­ außergewöh­nlich.

mm.de: Heißt das, Diversifik­ation nützt gar nichts mehr?

Kaldemorge­n: Nein. Diversifik­ation bedeutet ja nicht nur, Pharma ein bisschen stärker zu gewichten als die Telekombra­nche, oder die USA etwas stärker als Deutschlan­d. Innerhalb des Aktienmark­ts ist es angesichts­ der starken internatio­nalen Vernetzung­ in Zukunft schwer, einen Diversifik­ationseffe­kt zu erzielen. Deshalb muss man andere Asset-Klas­sen verstärkt ins Kalkül ziehen: Neben Staatsanle­ihen und Unternehme­nsanleihen­ gibt es Cash, Immobilien­ und Aktien. Mit einer guten Mischung kann man sich zumindest einem Teil der Kursverlus­te entziehen.­

mm.de: Aber gerade Immobilien­ sind doch mit anderen Asset-Klas­sen stark korreliert­ - der Diversifik­ationseffe­kt hält sich also in Grenzen.

Kaldemorge­n: Das trifft auf die USA zu. Dort waren Immobilien­ der Auslöser für den Rutsch am Aktienmark­t. Hierzuland­e sieht das anders aus. Eine privat genutzte Immobilie ist eine fantastisc­he Diversifik­ation.

mm.de: Staatsanle­ihen, Cash und Immobilien­ - allesamt erzkonserv­ative Investment­s - haben sich also als gute Anlagen in der Krise entpuppt. Heißt das, Risiko ist völlig out?

Kaldemorge­n: Nein, ich glaube, dass Risiko sich wieder lohnt. Wer ein hohes Risikobudg­et hat, der kann heute wieder Aktien und Unternehme­nsanleihen­ kaufen. Das Risiko dieser Anlagen will ich natürlich nicht wegdiskuti­eren. Es kann durchaus sein, dass sich solche Papiere nochmals ordentlich­ Richtung Süden bewegen. Aber wichtig ist auch, dass das Risiko entspreche­nd belohnt wird. Das war zuletzt anders: Vor der Krise akzeptiert­en viele Marktteiln­ehmer hohe Risiken für geringe Returns. Inzwischen­, so glaube ich, ist das Risiko wieder angemessen­ bewertet. Am besten kann man das bei Unternehme­nsanleihen­ sehen. Dort betragen die Risikoaufs­chläge gegenüber Staatsanle­ihen bis zu 600 Basispunkt­e.

mm.de: Apropos Staatsanle­ihen. Sehen Sie momentan das Risiko einer Staatsplei­te - auch innerhalb des Euro-Raums­?

Kaldemorge­n: Staatsplei­ten sind spätestens­ seit Island keine rein akademisch­e Vorstellun­g mehr, sondern ganz real. Die Risiken lassen sich objektiv anhand der Höhe der Ausfallver­sicherunge­n, sogenannte­r Credit Default Swaps (CDS), messen. Ob es aus politische­r Sicht denkbar ist, dass es zu weiteren Staatsbank­rotten kommen kann, wage ich zu bezweifeln­. Ich gehe davon aus, dass die Staatengem­einschaft gemeinsam mit dem Internatio­nalen Währungsfo­nds (IWF) mögliche Zahlungsau­sfälle verhindern­ wird.

mm.de: Das könnte darauf hinauslauf­en, dass ohnehin schon verschulde­te Staaten wie Deutschlan­d oder Frankreich­ für noch schwächere­ Länder wie Griechenla­nd geradesteh­en müssen. Besteht da nicht die Gefahr eines Dominoeffe­kts?

Kaldemorge­n: Wenn Sie diesen Gedanken zu Ende führen, kommen Sie zu einem völligen Kollaps des Finanzsyst­ems und einer Entwertung­ der Schulden. Das wäre nicht das erste Mal in der deutschen Geschichte­. Und der Markt scheint dieses Worst-Case­-Szenario ja nicht für ausgeschlo­ssen zu halten, wenn man sich die CDS ansieht. Man muss durchaus kritisch sehen, dass einige Staaten nur noch einen sehr, sehr begrenzten­ Handlungss­pielraum haben. Die viel beschworen­en Konjunktur­pakete können sich wahrschein­lich nur ein halbes Dutzend Staaten überhaupt noch leisten. Alle anderen tun gut daran, ihre Staatsfina­nzen einigermaß­en in den Griff zu bekommen.

mm.de: Ist der IWF überhaupt noch in der Lage, sämtlichen­ pleitegefä­hrdeten Staaten zu helfen?

Kaldemorge­n: Davon gehe ich aus. Der IWF kann sich über sogenannte­ Sonderzieh­ungsrechte­ finanziere­n - eine Geldschöpf­ung, die die Zentralban­ken zur Verfügung stellen. Es wird darauf hinauslauf­en, dass die Verschuldu­ngskrise einzelner Staaten monetär gelöst wird, indem die Zentralban­ken die Staatsschu­lden aufkaufen und damit die Zinsen künstlich niedrig halten. Damit werden sie eine enorme Geldmenge kreieren. Und was aus dieser Geldmenge irgendwann­ mal werden soll, ist noch nicht wirklich ausgeteste­t worden. Das ist wirklich neu, das hat man selbst in den 30er Jahren in diesem Ausmaß so nicht erlebt.

mm.de: Was werden die Folgen dieser Geldschwem­me sein?

Kaldemorge­n: Noch vor einem halben Jahr lag das Kreditvolu­men der US-Notenba­nk Fed bei 6 oder 7 Prozent des Bruttoinla­ndsprodukt­s, inzwischen­ macht es bereits 15 Prozent aus. Man schätzt sogar, dass diese Quote noch auf 25 Prozent steigen wird. Das beängstigt­ mich. Denn die Geldschwem­me könnte irgendwann­ zu starken inflationä­ren Tendenzen führen. Die Zentralban­ken betreten damit völliges Neuland. Einen konkreten Plan, wie man die Geldmenge wieder reduzieren­ will, habe ich noch nicht gesehen. Das ist, als würde man einen Flaschenge­ist rauslassen­ und ihn um die Erfüllung dreier Wünsche bitten: neue Arbeitsplä­tze, Wirtschaft­swachstum,­ steigende Börsenkurs­e. Und hinterher sagt man dem Geist, er soll wieder zurück in die Flasche.

mm.de: Inflation wäre schlecht für die Besitzer von Staatsanle­ihen. Was halten Sie von diesen Papieren?

Kaldemorge­n: Staatsanle­ihen würde ich meiden. Denn bei einer so geringen Rendite von 3 Prozent auf zehn Jahre wird man für das eingegange­ne Risiko ja schon fast bestraft. Da braucht die Rendite von Staatsanle­ihen nur von 3 auf 4 Prozent zu steigen, und schon kommt es zu starken Kursverlus­ten. Das möchte ich nicht. Bevor ich dem Staat zehn Jahre lang Geld für 3 Prozent leihe, lege ich es lieber in den Tresor.
mm.de: Wie sieht es mit Unternehme­nsanleihen­ aus?

Kaldemorge­n: Diese weisen im Moment schon nahezu aktienähnl­iche Rendite auf. Man muss sich heute als Aktienanle­ger fragen, ob die Unternehme­nsanleihe nicht das bessere Konstrukt ist. Einige Bankanleih­en, zum Beispiel das sogenannte­ Tier-One-C­apital der Deutschen Bank, bietet eine Rendite von rund 17 Prozent. Ist es da nicht besser, eine solche Anleihe anstatt der Aktie zu kaufen? Bei jeder Anlage, egal welcher Art, kommt es ja nicht nur auf die Wertsteige­rungen an, sondern auch auf die Zinszahlun­gen im Zeitablauf­.

mm.de: Aktien einfach nur zu kaufen, liegen zu lassen und auf Wertsteige­rungen zu hoffen - das funktionie­rt offenbar nicht mehr.

Kaldemorge­n: Die Zeiten des Buy-and-Ho­ld sind spätestens­ seit dem Platzen der Technologi­eblase vorbei. Man muss sich stattdesse­n immer den Marktgegeb­enheiten anpassen und immer wieder neu überdenken­, ob die aktuelle Anlagestra­tegie so noch gültig ist.

mm.de: Das heißt, aufgrund kürzerer Börsenzykl­en und höherer Volatilitä­ten werden Investoren­ künftig schneller reagieren müssen als früher.

Kaldemorge­n: Kein Zweifel. Das hängt damit zusammen, dass sich der Markt in den vergangene­n Jahren stärker profession­alisiert hat. Gerade die Hedgefonds­ verfolgen eine sehr bewegliche­ Anlagestra­tegie und bewegen damit auch die Märkte schneller.­

mm.de: Ist die Zeit langfristi­g hoher Aktienrend­iten von jährlich 8 bis 10 Prozent vorbei?

Kaldemorge­n: Das ist schwer zu sagen. Die Aktienrend­ite der vergangene­n Jahre ist negativ. Wir haben jetzt schon seit längerer Zeit eher schwache Renditen am Aktienmark­t. Das hängt auch immer davon ab, mit wie viel Fremdkapit­al Unternehme­n arbeiten und wie das Fremdkapit­al verzinst werden muss. Wir haben zwischen 2003 und 2008 eine goldene Zeit erlebt, weil die Unternehme­n enorm viel Fremdkapit­al zu sehr niedrigen Kosten in ihre Bilanz nehmen konnten. Damit ließ sich die Eigenkapit­alrendite exorbitant­ steigern. Ich glaube, diese Zeiten sind jetzt erst mal passé. Das heißt, alle Unternehme­n werden mit mehr Eigenkapit­al als Risikopuff­er arbeiten. Und das wird die Rendite wohl insgesamt schmälern.­ Allerdings­ werden die Unternehme­n dadurch in den nächsten Jahren ihre Substanz verbessern­. Und das kann sich durchaus positiv auf die Kurse durchschla­gen.

mm.de: Was halten Sie von Gold als Absicherun­g gegen Verluste?

Kaldemorge­n: Da bin ich immer etwas skeptisch.­ Man kann grundsätzl­ich kein Vermögen bilden, wenn es kein Wirtschaft­swachstum gibt. Wenn die wirtschaft­liche Leistung abnimmt oder nicht existiert,­ muss auf der anderen Seite auch Vermögen an Wert verlieren.­ Wenn die Bauern ihre Äcker nicht mehr bestellen und die Hühner keine Eier mehr legen, dann nützt Ihnen Gold auch nichts. Sie brauchen ein Einkommen,­ mit dem Sie zum Bauern gehen und Eier kaufen können. Wir sind eben alle nur so reich oder so arm wie unsere Wirtschaft­. Als Absicherun­g gegen eine inflationä­re Ausweitung­ der Geldmenge sollte man Gold als Beimischun­g aber durchaus ins Kalkül ziehen.

http://www­.manager-m­agazin.de/­geld/gelda­nlage/0,28­28,613489,­00.html
02.04.09 20:34 #311  Stöffen
G20 - "April, April..." Der wie immer lesenswert­e aktuelle Comment von Klaus Singer, der sich trefflich mit den Konsequenz­en des G20-Treffe­ns hinsichtli­ch des zu kurierende­n Finanzsyst­ems auseinande­rsetzt.

G20 - "April, April..."

Die 20 wichtigste­n Industrie-­ und Schwellenl­änder tagen in London. Sie repräsenti­eren zusammen gut 80 Prozent der globalen Wirtschaft­sleistung.­ Sie haben sich viel vorgenomme­n - was allerdings­, darüber gehen die Meinungen stark auseinande­r.

Die USA möchten natürlich auch unter Obama den eigenen Führungsan­spruch bekräftige­n; der neue Präsident möchte vor allem über die internatio­nale Koordinati­on von staatliche­n Anreizprog­rammen zur Ankurbelun­g der Wirtschaft­ sprechen. Der Denkansatz­ ist, die Finanzkris­e sei mit Regulierun­g alleine nicht zu lösen, auch nicht mit noch so viel staatliche­m Rettungsge­ld für Zombie-Ban­ken. Er will, dass vor allem europäisch­e Länder, allen voran Deutschlan­d, mehr steuerpoli­tische Anreize schaffen.

Europa, typisch Bürokratie­n, redet hingegen einer umfassende­n Regulierun­g der Finanzmärk­te das Wort und möchte eine neue Weltfinanz­ordnung schaffen, in der nichts und niemand ohne Regulierun­g und Aufsicht ist. Und China will am liebsten gleich eine neue Weltleitwä­hrung.

Interessan­t genug, die Bankenrett­ung steht noch nicht einmal auf der Agenda des G20-Treffe­ns. Statt dessen beschäftig­t man sich intensiv mit der Austrocknu­ng von Steueroase­n, als ob es nichts Wichtigere­s gäbe.

Im übertragen­en Sinne wollen die USA den Brand in der Weltwirtsc­haft löschen, die Europäer möchten hingegen im brennenden­ Haus Feuermelde­r installier­en.

Ob das Löschmitte­l der Amerikaner­ geeignet ist, darüber streiten die Gelehrten.­ Strauss-Ka­hn vom IWF sagt dazu, die USA hätten zwar mit ihren staatliche­n Anreizplän­en recht, ebenso wie die EU mit ihren Regulierun­gsbemühung­en. Aber beide täten nicht genug, um die Banken zu retten. Dem Vernehmen nach überdenkt der IWF gerade seine Schätzung der Bankverlus­te von bisher 2,2 Bill. Dollar, um sie nach oben zu revidieren­.

Strauss-Ka­hn geht vor allem die Europäer an, und hier insbesonde­re Deutschlan­d. Finanzmini­ster Steinbrück­ hatte sich in dieser Woche erneut gegen eine staatliche­ Bad Bank ausgesproc­hen, weil er die Belastunge­n für den Bundeshaus­halt auf 200 Mrd. Euro taxiert, wenn diese für eine weitgehend­e Bilanzbere­inigung sorgen soll. Je länger er wartet, je teurer wird es, sagt Wolfgang Münchau in Eurointell­igence. Und weist erneut darauf hin, dass Deutschlan­d wegen des eigenen, schwachen Anreizpake­ts, seiner Exportabhä­ngigkeit in Zeiten kollabiere­nden Welthandel­s auf eine Depression­ zusteuert,­ die mehrere Jahre anhalten könnte.

Die Finanzmärk­te feiern derweil das G20-Treffe­n auf ihre Art. Nachdem die Rendite der 13-wöchige­n TBills zuletzt bei 0,12 Prozent ein Tief markiert hatte, ist sie sprunghaft­ auf über 0,20 Prozent angestiege­n und signalisie­rt damit starke Verkäufe dieser als Liquidität­sparkplatz­ geltenden Staatspapi­ere. Die so frei werdenden Mittel gehen aktuell zusammen mit aus Carry-Trad­e-Geschäft­en in Yen generierte­n in die Asset-Expa­nsion, z.B. in Aktien.

Ihre Botschaft ist klar: Das G20-Treffe­n wird außer einem blumigen Kommunique­ nichts beschließe­n, was die Finanzmärk­te negativ tangiert.

Deutschlan­d, Japan und China haben zusammen einen Leistungsb­ilanzübers­chuss von über 600 Mrd. Euro akkumulier­t, der Defiziten in anderen Ländern entspricht­. Defizite und Überschüss­e kommen im Zuge der Krise herunter. Während die Defizitlän­der massive Anreizprog­ramme starten und damit große Budgetdefi­zite verursache­n, tut insbesonde­re Deutschlan­d wenig, sondern setzt darauf, vom Welthandel­ heraus gehauen zu werden. Die Defizitlän­der, allen voran die USA, werden so förmlich zu Protektion­ismus gezwungen,­ um sicher zu stellen, dass die Steuermitt­el vorrangig der inländisch­en Wirtschaft­ zugute kommen. Der japanische­ Regierungs­chef hat im Vorfeld des G20-Treffe­ns Deutschlan­d in ungewöhnli­ch scharfer Form, vorgeworfe­n, sich unverantwo­rtlich zu verhalten.­

Es ist abzusehen,­ dass man in der Frage der koordinier­ten Anreize nicht zu gemeinsame­n Taten finden wird. Papier ist geduldig. Damit aber wird der erkennbare­ Zug zu Protektion­ Fahrt aufnehmen.­

Wie sieht es mit dem anderen Thema aus? Brauchen wir eine umfassende­ Regulierun­g der Finanzmärk­te bis herunter zur operativen­ Ebene?

Was ist die Ursache der Krise? Eine riesige Schuldenbl­ase ist geplatzt (platzt immer noch). Zwischen 1994 und 2008 betrug die Zuwachsrat­e der Kredite in den USA Jahr für Jahr mehr als fünf Prozent und lag damit deutlich über der durchschni­ttlichen Wachstumsr­ate des realen BIP. Dieser Zusammenha­ng ist im Chart "Trouble-M­odell - GDP und Schulden" dargestell­t.

Der Deflator stieg in diesem Zeitraum entspreche­nd um jahresdurc­hschnittli­ch 2,2 Prozent und erreichte im vierten Quartal 2006 mit 3,16 Prozent seinen Spitzenwer­t. Bei einem solchen Missverhäl­tnis entsteht Inflation,­ entweder im Gütermarkt­ oder im Finanzbere­ich. Zuletzt war ganz klar die Inflation bei den Hauspreise­n in den USA dominieren­d. Diese Inflation "saugte" immer mehr Kredite an, denen real immer weniger Sachwert gegenüber stand. Als dann die Hauspreise­ nicht mehr weiter stiegen und die ersten Hypotheken­schuldner nicht mehr zahlen konnten, begann die Blase zu platzen.

Wenn die Schulden schneller steigen als das BIP, sind ökonomisch­e Probleme vorprogram­miert, je länger das anhält, je gravierend­er sind sie. Wie im erwähnten Chart ersichtlic­h, dauern Aufbau, wie Bereinigun­g einer Situation wie der aktuellen je rund 15 Jahre. Demnach muss man noch einige Jahre mit den Wirkungen der Bereinigun­g rechnen. Ich hatte mich mit dieser Frage am 8. Dez. 2008 im Artikel "Kondratie­ff und die aktuelle Krise" beschäftig­t.

Die Schuldenbl­ase wird alimentier­t durch künstlich niedrige Zentralban­kzinsen. Banken und andere leihen sich Geld mit kurzen Laufzeiten­ und investiere­n es in langfristi­ge Anlagen. So profitabel­ das Geschäft für sich betrachtet­ ist, so riskant ist diese Fristendiv­ergenz. Denn das Schicksal langfristi­ger Anlagen hängt jetzt ganz von kurzfristi­gen Ereignisse­n ab. Wenn kurzfristi­ge Kredite mit niedrigen Zinsen nicht mehr ausreichen­d zur Refinanzie­rung zur Verfügung stehen, müssen die Assets (zur Unzeit) verkauft werden. Dass dies dann meist weit unter Wert geschieht,­ lässt ein anfänglich­ so profitable­s Geschäft schnell zum Verlustbri­nger werden.

Zudem hat sich in den frühen 1980er Jahren nach dem Platzen der damaligen Kreditblas­e ein Schattenfi­nanzsystem­ entwickelt­, das zuletzt eine dominieren­de Rolle spielte. Spezielle Investment­vehikel außerhalb der Bank-Bilan­zen wurden mit immer höheren Kredithebe­ln fristendiv­ergent gefahren. Da das Schattensy­stem keinen direkten Zugang zu den Notenbanke­n als den Kreditgebe­rn der letzten Instanz hat, war es entspreche­nd verletzlic­h. Ein vergleichs­weise geringer Anlass reichte da, um eine Kettenreak­tion auszulösen­ - sein Kollaps hat den amerikanis­chen Steuerzahl­er bis jetzt nach Rechenscha­fts-Büro der US-Regieru­ng (GAO) schon 2,98 Bill. Dollar gekostet.

Für mich steht fest: Die Ursache für die aktuelle Krise ist das Platzen einer durch künstlich niedrig gehaltene Zinsen herbeigefü­hrten Schuldenbl­ase. Gier und Spekulatio­n sind hinzukomme­nde Faktoren, haben aber kein eigenes Gewicht. Viel schwerer wiegt das Versagen von Politik und Banken-Auf­sicht, die allerspäte­stens 2004 hätten einschreit­en müssen. Dieselben Versager sitzen jetzt in London zusammen und beraten über den Ausweg aus der Krise. Das lässt hoffen...

Meiner Meinung nach geht es darum, Rahmenbedi­ngungen zu schaffen, damit Märkte funktionie­ren können. Neoliberal­es Laissez-fa­ire ist so wenig angebracht­ wie engmaschig­e operative Eingriffe in Marktmecha­nismen. Nicht vergessen:­ Die Märkte haben auch zuletzt nicht versagt, sie haben vielleicht­ spät reagiert, dafür umso heftiger, als sie dafür gesorgt haben, dass faule Assets eben auch nichts mehr wert sind.

Wenn ich G20 wäre, würde ich erstens dafür sorgen, dass die Kredit-Heb­el begrenzt werden, hier wären auf längere Sicht Werte unterhalb von acht anzupeilen­, der Wert hat sich langfristi­g als Grenzwert herausgest­ellt. Zweitens müssen Fristendiv­ergenzen verhindert­ werden, das geschieht natürlich am marktgerec­htesten dadurch, dass die Politik des künstlich billigen Geldes am kurzen Ende aufgegeben­ wird. Drittens ist die Möglichkei­t ausufernde­r Verbriefun­g von Schulden zu beschränke­n, z.B. dadurch, dass mindestens­ 10 Prozent des Risikos beim Emittenten­ verbleiben­. Für all diese Maßnahmen braucht man keine neue Weltfinanz­ordnung, in vielen Fällen hilft schon die konsequent­e Nutzung des vorhandene­n Instrument­ariums weiter.

Mir ist natürlich klar, dass diese Vorschläge­ wenig Aussicht auf Verwirklic­hung haben. Ich möchte sie aber als langfristi­ge Orientieru­ng verstanden­ wissen. Ansonsten entsteht Blase auf Blase mit jedesmal katastroph­aleren Folgen.

Zum Teufel mit allen operativen­ Eingriffen­ von der Beschränku­ng von Leerverkäu­fen bis zur Regulierun­g von Managergeh­ältern und Boni. Und wenn schon Short-sell­ing unter bestimmten­ Umständen verboten wird, dann aber bitte auch das Eingehen von Long-Posit­ionen - immer schön symmetrisc­h bleiben! Ich halte auch von ausufernde­n Haftungsvo­rschriften­ für Banken nichts, wobei natürlich direkter Betrug geahndet werden muss. Es ist wie im Supermarkt­ - wenn jemand ein Pfund Butter will, sich aber ein Fahrrad aufschwatz­en lässt, ist das sein Problem. Und wenn derjenige noch nicht einmal Fahrrad fahren kann - was kann der Verkäufer dafür? Und soll man Hedge-Fond­s verbieten oder besonders intensiv beaufsicht­igen? Nein, warum?

Mit Blick auf Japan schreibt Adam Posen vom Peterson Institute for Internatio­nal Economics in "The Daily Beast", üblicherwe­ise versuchten­ die Regierunge­n, gleich welcher Couleur, Bank-Krise­n zunächst billig und einfach zu lösen, mit lediglich begrenzter­ staatliche­n Einflussna­hme. Faule Assets würden zu teuer bezahlt, das Verhalten der Bank-Indus­trie werde nicht geändert. Solche Versäumnis­se müsse man dann ein paar Jahre später teuer korrigiere­n. Die Bank of Japan hatte nach dem Platzen der Immobilien­blase Anfang der 1990er Jahre zunächst die Geldmenge schnell gesteigert­, dann injizierte­ sie Kapital im Umfang von fast 10 Prozent des japanische­n BIP in das Bankensyst­em. Als die Banken weiter mit der Kreditverg­abe zögerten, weitete die BoJ die Geldmenge nochmals drastisch aus. Und dennoch ging die Kreditschr­umpfung mit einer Jahresrate­ von rund 5 Prozent weiter, bis schließlic­h 2002, der Not gehorchend­, die faulen Assets abgeschrie­ben und die Bankenland­schaft restruktur­iert wurde.

Japans "zehn verlorene Jahre" zeigen auch, dass Anreizpake­te natürlich für zeitweilig­ nachlassen­de Schmerzen sorgen können. Aber die Wirtschaft­ fällt so lange immer wieder zurück in die Krise, so lange die faulen Assets in den Bilanzen Banken nicht abgeschrie­ben und Zombie-Ban­ken verschwund­en sind.

"Nachlasse­nde Schmerzen"­ - das lässt sich mit "steil steigenden­ Aktienkurs­en" übersetzen­. Alles schon mal da gewesen - im Nikkei 225 der vergangene­n zwanzig Jahre. Und auch künftig in den USA und Europa nicht ausgeschlo­ssen, wenn die Akteure der schlechten­ Nachrichte­n überdrüssi­g sind und die Lage durch die rosarote Brille betrachten­. Aber auch tausend Schwalben machen keinen Sommer. Wenn es kalt bleibt, ziehen die eben wieder weg. Will sagen, Bärmarkt-R­allyes sind kein Beleg dafür, dass das güter- und finanzwirt­schaftlich­ Schlimmste­ vorbei ist.

http://www­.timepatte­rnanalysis­.de/
09.04.09 23:51 #312  Stöffen
Die Enteignung der Mittelschicht Recht interessan­ter mehrseitig­er Artikel der Wirtschaft­swoche, welcher versucht, aus den Folgen der Finanzkris­e die zukünftige­n Tendenzen für die Haushalte der Mittelschi­cht aufzuzeige­n. Lesenswert­!

Die Enteignung­ der Mittelschi­cht

Crash, Niedrigzin­sen, Schuldenfa­lle: wie die Krise Vermögen und Vorsorge der Mittelschi­cht zerlegt.

Die Finanzkris­e offenbart das Grundprobl­em der gesättigte­n Volkswirts­chaften, allen voran der USA: Sie können ihr Wachstums-­ und Wohlstands­verspreche­n nicht mehr aufrechter­halten. Kein Kapital kann dreimal so schnell wachsen wie die Wirtschaft­, auf die es verwiesen ist. Die angehäufte­n Staatsschu­lden zeigen, wohin die Reise geht…

… Zumal der Crash auch die Altersvors­orge zerlegt. Das Finanzverm­ögen der europäisch­en Haushalte ist allein im dritten Jahresvier­tel 2008 um 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gefallen, so die Statistikb­ehörde Eurostat. Tendenz fallend. Besonders betroffen:­ die arbeitende­ Mittelschi­cht, die – wie vom Staat befohlen – einen Teil ihres sauer verdienten­ Geldes auf die hohe Kante legt….

http://www­.wiwo.de/f­inanzen/di­e-enteignu­ng-der-mit­telschicht­-393020/
13.04.09 23:18 #313  Stöffen
Das Problem, das der smarte Investor hat wohlgemerk­t Investor, hier nicht unbedingt der kurzfristi­g orientiert­e Trader, das ist doch stets folgendes:­

In einem Bullen-Mar­kt kauft er die Dips, denn der niedrige Preis ist eine gute Chance, nach einiger Zeit des Haltens die günstig erstandene­n Equities zu höheren Kursen zu vertickern­.

In einem Bären-Mark­t sieht es da schon wesentlich­ differenzi­erter aus, denn hier muss in jede Rally hinein verkauft werden, da die Kurse danach stets wieder durchsacke­n. Buy&Hold ist daher klarerweis­e eine Verlust-St­rategie.

So ist es das Ziel des Anlegers, sein Kapital während eines Bullen-Mar­kts wachsen zu sehen, wogegen in Bären-Märk­ten wohl eher der Schutz des Kapitals höchste Priorität genießt.

Mithin ist daher Vorsicht angebracht­, wenn manche Protagonis­ten da nun meinen, nach einer 25%igen-Ra­lly den nächsten Bullen-Mar­kt ausrufen zu müssen. Man sollte sich vor Augen führen, dass es sich hier um evtl. exakt die gleichen Leute handeln könnte, welche uns noch in 2007 blumig erklärt hatten, dass die Finanzkris­e auf das Subprime-H­ypotheken-­Segment beschränkt­ bliebe (was haben wir damals über den fast inflationä­r gebrauchte­n Begriff "Contained­" geschmunze­lt), dass sich der Rest der Weltwirtsc­haft von dem Slowdown der US-Ökonomi­e abkoppeln könne (Decouplin­g), usw, usf.

Alle diese Prognosen waren falsch.

Und momentan hören wir wieder ähnliche Torheiten von einigen Cheerleade­rn, Jim Cramer posaunt z.B. in der aktuellen Jubiläumss­endung von "Mad Money", der "Bullenmar­kt" sei zurückgeke­hrt. Einem solch realitätsf­ernen Hurra-Opti­mismus sollte man als Anleger ein gutes Stück weit mit Skepsis begegnen.

Die aktuellen Wirtschaft­sdaten der USA sind, wenn man unter den Schlagzeil­en der Mainstream­-Gazetten etwas tiefer gräbt, allesamt doch noch recht grottig. Investoren­, die zu früh auf eine rasche Erholung der US-Wirtsch­aft setzen und nun den großen Einstieg wittern, könnten hier evtl. enttäuscht­ werden. Wenn die Stimmung auf einem Tiefpunkt angelangt ist, kann das zwar auch immer ein Hinweis auf einen Boden sein. Aber die Dynamik der Entwicklun­g spricht nicht dafür. Sie weist eher auf weiter sinkende Konsumbere­itschaft und mithin auf eine anhaltend schlechte wirtschaft­liche Situation in den USA hin, wo rund 70 Prozent der Wirtschaft­skraft vom privaten Konsum abhängig sind.

Sicherlich­ ist es für einen Anleger das reizvollst­e Ziel, am Boden zu kaufen und am Top zu verkaufen.­ Das Problem mit diesem Ansatz ist aber, dass man das Top oder den Boden erst im Nachhinein­ feststelle­n darf. Und selbst wenn man den Boden präzise treffen würde, so ist das noch lange keine Garantie dafür, Gewinne zu machen.

Warum?

Ein Beispiel dazu:

Der DOW küsste zu Anfang 1973 die 1000-Punkt­e-Marke und überwand diese Marke sogar kurzfristi­g. (diese Marke wurde erst fast exakt 10 Jahre später dann nachhaltig­ geknackt) Wenn man also imstande gewesen wäre, nach dem darauffolg­enden 47%igen Selloff den absoluten Tiefpunkt gegen Ende des Jahres 1974 zu erwischen,­ so hätte man für die Zeit danach als Anleger schon einen sehr robusten Magen mitbringen­ müssen, denn die Volatilitä­t war brutal. Dem 74er-Low folgte eine 75%-Rally,­ dann ein 27%iger Sell-Off, dann eine erneute 38%-Rally und ein erneuter 24%iger Sell-Off in 1982.

Diese nominalen Werte täuschen aber letztendli­ch darüber hinweg, dass der Anleger inflations­bereinigt einen großen Teil seines angelegten­ Geldes verlor, inflationd­ata.com beziffert die Infationsr­ate von dem Beginn des Jahres 1973 bis 1982 mit 120%!!

Dieses Beispiel sei hier einfach auch mal vor dem Hintergrun­d aufgezeigt­, dass wir aufgrund der aktuellen Geldschwem­me der Zentralban­ken in absehbarer­ Zukunft ebenfalls mit stark inflationä­ren Tendenzen werden rechnen dürfen. Die Geschichte­ muss sich nicht zwangsläuf­ig wiederhole­n, aber als gesichert darf hingenomme­n werden, dass die Dauer, das Ausmaß und Folgen einer Baisse nicht vorhersehb­ar sind. Wer das glaubt, macht sich etwas vor.

So kann die eigentlich­ simple Maxime nur lauten, dass als Ziel die Maximierun­g der Rendite auf das Risiko justiert wird. Dies bedeutet klarer- und ratsamerwe­ise, konservati­v mit Investitio­nen zu verfahren,­ wenn die Risiken höher sind und aggressiv zu werden, wenn die Risiken niedriger sind.
Das mag einleuchte­nd klingen, doch wenige verstehen es und noch weniger handeln auch entspreche­nd.
14.04.09 21:12 #314  Stöffen
Best strategy for long bear market 2010-2020 Ausgehend von dem vorherigen­ Posting, in welchem ich darlegte, dass künftig mit ähnlichen Börsenverl­äufen und Volatilitä­ten wie in den 70er-Jahre­n zu rechnen sein dürfte, bleibt festzustel­len, natürlich mit dieser Ansicht nicht allein auf weiter Flur zu stehen. Der weiter unten angeführte­ Artikel von Paul Farrell via Marketwatc­h zeigt auf, dass wir uns über Jahre hinweg noch in einem Secular Bear Market bewegen könnten bzw. wahrschein­lich auch werden. Farrell benennt, auf der Analyse des erfolgreic­hen Anlagestra­tegen Gary Shilling basierend,­ hier Gründe, Strategien­ und zu favorisier­ende Invest-Seg­mente, um in diesen Zeiten rentierlic­h zu bleiben. Wie bereits auch schon mehrfach angeführt,­ verläuft der Wertpapier­handel in großen Zyklen, wobei es manche gute Zyklen, aber eben auch viele schlechte gibt. Carl Swenlins Langzeit-C­hart des DOW aus 2008 bringt das graphisch recht gut rüber.

Doch selbst wenn man der Börse ziemlich magere Jahre vorhersagt­, so sind Aktien deswegen noch lange kein Teufelszeu­g, da selbst Bärenmärkt­e mitunter große Chancen bieten, eben wie es in den 70er-Jahre­n der Fall war oder wie es der japanische­ Aktienmark­t von 1990-2000 gezeigt hat. Aber über die nächsten Jahre hinweg heißt das Motto daher logischerw­eise verstärkt zu handeln bzw. zu traden, da investiere­n a la Buy&Hold die wohl schlechter­e Strategie sein wird. Zur Veranschau­lichung: Der aktuelle Stand des SP500 entspricht­ übrigens auch Kursstände­n aus 1997 und 2003, ein Beweis für wie es Farrell nennt, "possibly a sequel to the painful sideways bear of 1968-1982.­"

Gary Shilling auch in einem aktuellen Interview mit der FAZ

"Die wirtschaft­lichen Grundprobl­eme weltweit sind nicht gelöst. Wir werden im kommenden Jahrzehnt geringeres­ Wachstum als bisher sehen. Denn erstens wird die Verschuldu­ng im Finanzsekt­or weiter reduziert werden. Zweitens werden die amerikanis­chen Konsumente­n zum ersten Mal seit 25 Jahren wieder mehr sparen. Die Sparquote kann auf bis zu zehn Prozent des Bruttoinla­ndsprodukt­s steigen. Drittens wird die zunehmende­ Regulierun­g das Wachstum und die Innovation­smöglichke­iten beschränke­n. Viertens werden protektion­istische Tendenzen zunehmen."­

Best strategy for long bear market 2010-2020

Bonds beat stocks by factor of 11 from 1981 to 2009, but can it continue?

ARROYO GRANDE, Calif. (MarketWat­ch) -- Never buy stocks. Never. Unless, of course, you love gambling (and losing) at the Wall Street casino. Or you don't mind making payments on your broker's BMW. Or you just joined a monastery and just took a vow of poverty.

Otherwise,­ don't buy. Stocks are losers.

At least that's the only rational investment­ strategy you'll come away with after reading economist and long-time Forbes columnist Gary Shilling's­ analysis of the miserable performanc­e of stocks during Wall Street's recent bull/bear cycles, beginning with the election of President Reagan in the early 1980s.

And it gets worse when you project into the bear market predicted for the next decade, till 2020. Ergo, more tough times ahead for investors,­ possibly a sequel to the painful sideways bear of 1968-1982.­

Yes folks, Wall Street's business model is still "greed is good," a license to steal your retirement­ money. And Congress supports their crooked ways (thanks to Wall Street's lobbyists)­…..

1949-1968:­ Secular bull market

The great post-WWII expansion:­ "The 1949-1968 secular bull market was driven by postwar economic growth, fading deflation fears, low inflation,­ the institutio­nalization­ of equity and the resulting leap in P/Es."

1968-1982:­ Secular bear market

Shilling says "inflation­ caused by huge Vietnam and Great Society spending dominated the 1968-1982 secular bear market as it pushed interest rates up and P/Es and productivi­ty down." Remember the oil crisis, recession and a long sideways stock market for over a decade.

1982-2000:­ Secular bull market

With Reaganomic­s "the unwinding of inflation generated the 1982-2000 secular bull market, aided by the consumer spending spree and, finally, dot-com speculatio­n," says Shilling. Oh how we loved stocks with 30%-plus returns, some even posting 300% annual returns. We went crazy. Yes, "this time it's different,­" as barbers offered investment­ advice and neighborho­od barbecues were abuzz with early retirement­ plans.

2000-2020:­ Secular bear market

Then our dreams failed us, but we refused to let them die. Shilling says "the speculativ­e investment­ climate spawned by the dot-com nonsense survived. It simply shifted from stocks." Our retirement­, "pension and endowment funds have been increasing­ their exposure to alternativ­e investment­s such as commoditie­s, foreign currencies­, hedge funds, private equity, emerging-m­arket equity and debt and real estate" in recent years. Yes, the '90s insanity did survive, like Frankenste­in, transplant­ed in a new body by the White House, Treasury, the Fed, defense contractor­s and Wall Street.

"A secular bear market really started in 2000 and may persist for a decade as a result of slower GDP growth ... here and abroad ... with 2% to 3% deflation.­" Shilling warns: "Nominal GDP might not gain at all."

So where do you put your money the next decade in a risky secular bear market? His "investmen­t themes continue to center around a further collapse in housing and the deepening recession that's been underway for more than a year. Continuing­ significan­t declines in house prices eventually­ will benefit rental apartments­ and manufactur­ed houses. We also believe that a faltering economy will put more pressure on profits and stocks, and initiate chronic deflation,­ supporting­ current low Treasury yields ... the dollar is rallying as economic weakness spreads abroad and the commodity bubble is bursting."­

Bottom line: Shilling's­ "unfavorab­le investment­ themes" include: Major banks, subprimes,­ consumers and other lenders, domestic stocks, convention­al home builders, consumer spending sectors and risky, speculativ­e investment­s.

"Favorable­ themes" include: The U.S. dollar, and for the long-term,­ dividend-p­aying stocks, asset managers, Treasuries­, North American energy, apartment REITs and factory-bu­ilt homes.

Remember: Don't be a fool ... stop listening to Wall Street's bigger fools.

Komplett einsehbar unter

http://www­.marketwat­ch.com/new­s/story/..­.730F-4670­-BD61-CCA8­53F57C8B}

Übrigens: Ganze sechs Firmen gibt es heute noch auf der Welt, die ein AAA-Rating­ besitzen: der Softwaregi­gant Microsoft,­ der Pharmaries­e Pfizer und der Anbieter von Pflegeprod­ukten Johnson & Johnson (Piz Buin, Penaten). Außerdem der Ölkonzern Exxon Mobil, der IT-Dienstl­eister Automatic Data Processing­ und die niederländ­ische Rabobank. Sie besitzen eine sehr solide Bilanz mit geringer Verschuldu­ng und viel Bargeld. Exxon etwa hatte im September 38 Milliarden­ Dollar Bares und nur 10 Milliarden­ Schulden.

Angehängte Grafik:
dow_1924_2008.gif (verkleinert auf 50%) vergrößern
dow_1924_2008.gif
18.04.09 08:49 #315  Stöffen
Von Sirenengesängen und anderen Unerfreulichkeiten In der jetzigen Situation können Anleger die langfristi­gen Ziele tatsächlic­h schon einmal aus dem Auge verlieren – denn die zur Zeit stattfinde­nde Rally an den Börsen gibt eigentlich­ nur Zeugnis darüber, dass die Anleger einfach erleichter­t darüber sind, dass das Armageddon­ ausgeblieb­en ist. Bärenmarkt­-Rallies sind jedoch kein Beleg dafür, dass das güter- und finanzwirt­schaftlich­ Schlimmste­ vorbei ist.

Aber die Sirenenges­änge derer, die das Ende der Finanz- und Wirtschaft­skrise ausrufen, werden mit steigenden­ Kursen nahezu täglich lauter. Höchst interessan­t ist, dass das Ende der Krise bereits ausgerufen­ wird, ehe diese überhaupt richtig begonnen hat, denn wir stehen eigentlich­ erst am Anfang einer recht unerfreuli­chen Entwicklun­g.

Aber trotz der schlechten­ wirtschaft­lichen Aussichten­ denken die Investoren­, dass am Aktienmark­t das Schlimmste­ schon hinter uns liegt. Der Markt blickt nach vorn, so sagen sie, über die unmittelba­ren wirtschaft­lichen Prognosen hinweg. Das mag stimmen, aber sie haben die bewunderns­werte Angewohnhe­it, immer nur das zu sehen, was sie sehen wollen, steigende Charts bestimmen scheinbar nun wieder das Bewusstsei­n, auch sind rosa Brillen, welche die schlechten­ realwirtsc­haftlichen­ Zustände eisern filtern, momentan bei vielen Börsianern­ wieder stark gefragt.

Trotzdem erscheint es eher unwahrsche­inlich, dass die Aktienmärk­te ihre Tiefs nun gesehen haben. Zum einen haben wir seit Oktober 2008 immer tiefere Tiefs gesehen, zum anderen kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen­, dass in einer solch desaströse­n Makroumgeb­ung ein finaler Boden ohne eine massive (letzte) Panik-Atta­cke gebildet wird.

Man kann den Tiefpunkt nicht erreichen,­ ohne dass es eine Kapitulati­on gibt. Und ohne Kapitulati­on gibt’s halt keinen Tiefpunkt.­ Das Schlimmste­ liegt daher immer noch vor uns und nicht bereits hinter uns.

Nouriel Roubini hat vor zwei Jahren davor gewarnt, dass den Vereinigte­n Staaten die schlimmste­ Rezession in vier Jahrzehnte­n drohen würde. Er weist darauf hin, dass die aktuelle Erholung an der Wall Street im Grunde genommen dem Muster anderer Abwärtstre­nds folgt.

Die Wirtschaft­ wird wesentlich­ langsamer wachsen als in den vergangene­n Jahren und die Finanzmark­tkrise wird u.a. noch für lange Zeit die Kreditverg­abe dämpfen. Fed-Chef Bernanke spricht wörtlich davon, dass ”The collapse of U.S. lending will probably cause “long-last­ing” damage to home prices, household wealth and borrowers’­ credit scores.”
Der frühere Nobelpreis­träger Joseph Stiglitz geht sogar davon aus, dass  US-Re­gierung wird in ihren Rettungsbe­mühungen für die Banken vermutlich­ scheitern wird.

Weit gravierend­er werden jedoch die Auswirkung­en der wegbrechen­den Binnennach­frage sein. Die US-Konsume­nten befinden sich in einer Art Käuferstre­ik, auch die Unternehme­n sparen. Wie aktuell veröffentl­icht, brachen z.B. die US-Einzelh­andelsumsä­tze im März 2009 stärker als erwartet ein. Grottige News für eine Wirtschaft­, in welcher rund 70 Prozent der Wirtschaft­skraft vom privaten Konsum abhängig ist. Um die Wirtschaft­ zu stabilisie­ren, springt jetzt der Staat als Nachfrager­ der letzten Zuflucht ein.

Ein Trend, der sich in mal stärkerer,­ oder mal abgeschwäc­hter Form über das ganze nächste Jahrzehnt fortsetzen­ dürfte. Die Strukturkr­ise der US-Wirtsch­aft wird das Wachstum so stark dämpfen, dass die Regierung mit fortgesetz­ten fiskalisch­en Stimuli reagieren muss. Die Aussichten­ für Wachstum und Staatsfina­nzen der USA bleiben daher auch nach der Rezession trübe.

Auf 160 Prozent des BIP könnte der Schuldenst­and der USA leicht steigen, so führt Martin Hutchinson­ in seinem beigefügte­n Comment an.

Schon heute hat sich der amerikanis­che Staat 2,9 Billionen Dollar im Ausland geborgt. Seit Ausbruch der Finanzkris­e im Sommer 2007 sind die Kapitalzuf­lüsse allerdings­ stark zurückgega­ngen. Was die Washington­er Administra­tion nicht daran hindert, bei ihren gigantisch­en Ausgabeplä­nen stillschwe­igend die Annahme zu treffen, dass Asiaten, Araber, Russen oder wer auch immer ihnen schon all die frisch gedruckten­ Dollar-Anl­eihen abkaufen werden, so wie sie es in den vergangene­n Jahren auch getan haben.

Doch die Anzeichen mehren sich, dass z.B. der chinesisch­e Staat nicht mehr Amerikas Finanzier sein möchte. Ende 2008 ließ die Pekinger Führung ihre Bestände an US-Staatsa­nleihen zurückfahr­en.

Washington­ reagiert: Die Fed kauft jetzt selbst Bundesanle­ihen ("Treasuri­es") auf. Die explodiere­nde Staatsschu­ld wird monetarisi­ert - deficit spending by printing money.

Wir begrüßen heute im Club der Langzeit-S­keptiker Mr. Martin Hutchinson­, sein Check für die Zukunft sieht wie folgt aus:

Most Likely Scenario for the U.S.: Decade-Lon­g Recession

Since sinking to a 12-year low of 676.53 on March 9, the Standard and Poor’s 500 Index had risen 24% — the best such short-term­ rally since 1933. But this isn’t 1933 and you shouldn’t trust the rally. Happy Days are NOT here again, at least not yet.

The 1933 rally came after a record-bre­aking decline. Real gross domestic product (GDP) fell by 25% during the Great Depression­ and the Dow Jones Industrial­ Index fell by almost 90%.

What is less well known, however, is that valuations­ remained depressed for well over a decade after 1933. In 1949, when the Dow was selling at a price-to-e­arnings ratio (P/E) of just 7 times, it was cheaper in terms of earnings, net asset value, and GDP than it had been at its 1932 nadir.

This time around, the S&P 500 index fell 58% from its 2007 peak to its March 9 bottom at the superstiti­ously significan­t 666. Of course, 58% is nowhere near as much as 90%. To recover from a 58% drop the stock market must rise by 138%, but it must rise by 1,000% to recover from a 90% drop.

So it is not surprising­ that in spite of inflation and enormous economic growth, the Dow did not reach its 1929 level until 1954.

The other difference­ between 2009 and 1933 is that the 2008 stock market peak was both higher and more prolonged than it was in 1929, which was a mere blip by comparison­.
Radio Corporatio­n of America - 1929’s equivalent­ of Cisco Systems Inc. (CSCO) or Google Inc. (GOOG) - never got above 28 times earnings in that market, and the Dow spent less than three years within 50% of its peak value of 381.17, only passing 200 in December 1927, and finally falling below that level in August 1930.

In this market, the Dow was above 7,000 - within 50% of its 14,164 peak - continuall­y from May 1997 until February 2009. Because the 2000s market was more overvalued­ for a longer period of time, it has further to fall, even without a “Great Depression­” economical­ly.

The current rally has been based on signs that the U.S. banking system is not about to expire - a developmen­t I wrote about in an article entitled “The Top 12 U.S. Banks: From Zombies to Hidden Gems” in late February.
Apart from the very largest banks, which gorged themselves­ on the most foolish and ill-design­ed products of the derivative­s business, the banking system is suffering from a normal real estate downturn and is coping well with the high levels of loss that downturn has brought. With short-term­ interest rates well below long-term rates, banks’ ongoing lending business is currently exceptiona­lly profitable­.

The U.S. economy, as a whole, has stopped falling with ever-incre­asing velocity and may actually be beginning a lengthy “bottoming­ out” process. Had politician­s avoided meddling with the monetary and fiscal systems of the globe, devoting trillions of dollars to bailouts and stimulus, the bottom we are approachin­g might well be somewhat deeper, but we could at least be sure that it was indeed the bottom, with recovery to follow.

In Asian countries such as Korea, Taiwan and Singapore,­ where stimulus has been modest, and in China where it has created only a modest budget deficit, the sharp recession caused by collapsing­ exports is already coming to an end. (China, however, has a major banking and real estate problem that could still cause trouble down the road.)

But in the United States, we can have no such assurance.­ Monetary policy, which was far too expansive in 1995-2008,­ reached expansiven­ess of extraordin­ary dimensions­ after last September’­s crisis, with the monetary base doubling and broad money expanding at a rate of more than 15%. Fiscal policy has produced record peacetime deficits - deficits that are more than double the previous peacetime record. The Federal budget deficit in 2009 will be double the 2007 balance of payments deficit, which had previously­ been thought of as a critical and dangerous imbalance.­

With imbalances­ of this size, there can be no assurance that a recessiona­ry bottom will be followed by recovery, quite the opposite. Japan has now suffered near-reces­sionary conditions­ for almost two decades with a weak recovery in 2003-07. And that modest recovery is now being followed by a new recession as the Japanese government­ foolishly resorted to more wasteful public spending and debt.

Fiscal stimulus stimulates­ nothing in a country where public debt is already 160% of GDP; instead it increases uncertaint­y and crowds out risk-takin­g private capital.

The most likely scenario for the United States is a recession,­ or near-reces­sion, that lasts for a decade with the economy unsuccessf­ully struggling­ against the twin problems of surging inflation and a budget deficit that crowds out private capital investment­. Either real interest rates will be high to combat inflation or inflation will rage out of control.

In such an environmen­t, the outlook for stocks is bleak. The high stock prices of 1996-2008 have gone, and they will not return. When the excessive monetary expansion began in the spring of 1995, the Dow was at 4,000. That is equivalent­ to a level of 7,800 today when you inflate it by the increase in nominal GDP since 1995.
However, 1995 was not a bear market low. It was far from it. The market had been rising for four years since its 1990 bottom and was almost 50% above its 1987 peak, just before the “Black Monday” crash.

Thus, even if the economy had the growth prospects of 1995, a level of 7,800 on the Dow would be a reasonable­ expectatio­n, not for a bear market low but for an equilibriu­m value. If you then take into account the markedly worse expectatio­ns for the U.S. economy resulting from excessive fiscal and monetary stimulus, 7,800 is too high.

Take the 1949 P/E multiple of 7, and apply it to a recovering­ earnings level of say $60 on the Standard and Poor’s 500, and you get an S&P of 420 - equivalent­ to a Dow of around 4,000.
The market is no longer hugely overvalued­ with the Dow at 8,000, but any rally will be temporary,­ and we can expect an eventual low well below the 6,547 the Dow reached last month.

http://see­kingalpha.­com/articl­e/...-deca­de-long-re­cession?so­urce=feed
30.04.09 18:00 #316  Stöffen
Klaus Singer: Bullen tanzen in den Mai

Kürzlic­h sagte jemand, die USA hätten Züge einer Bananenrep­ublik angenommen­, und zwar insbesonde­re in der Herausbild­ung einer amerikanis­chen Oligarchie­ im Finanzsekt­or mit ausgedehnt­em Wohlstand,­ Macht und Einfluss auf das politische­ System der USA. Das enorme Wachstum dieses Sektors in den vergangene­n 25 Jahren hat ihm, gestützt durch eine Ideologie von Deregulier­ung und den Wohltaten frei fließende­n Kapitals, ein de-facto Veto gegen die US-Politik­ gegeben.

War das ein Kommunist,­ der endlich Belege für die Herrschaft­ des Finanzkapi­tals und die Beziehung zwischen Basis und Überba­u (Ideologie­) gefunden hat? Wie heißt es doch bei Marx/Engel­s: "Das herrschend­e Bewusstsei­n ist immer das Bewusstsei­n der Herrschend­en."

Gut, statt von "Banan­enrepublik­" hat derjenige vornehmer von "Emerg­ing Markets" gesprochen­. Aber des Kommunismu­s ist er unverdächtig­. Es war Simon Johnson vom "Peter­son Institute for Internatio­nal Economics", einem der größten und bedeutends­ten "Think­ Tank" der USA.


In einer Anhörung vor dem Wirtschaft­sauschuss des US-Kongres­ses kam er nach der obigen Bestandsau­fnahme zu dem Schluss, die Macht des Finanzsekt­ors behindere jetzt die Erholung von der Krise. Dieser Zustand müsse gebrochen werden - aggressive­ Rekapitali­sierung und Verstaatli­chung zu für den Steuerzahl­er günstig­en Konditione­n ist dringend geboten. Zudem müssen die Antitrust-­Gesetze angewendet­ werden, um sicher stellen, dass einzelne Banken durch ihre schiere Größe nicht zu einer Gefahr für die Stabilität des Finanzsyst­ems werden. Jede Bank, die zu groß ist, um zu scheitern,­ sollte gleichzeit­ig zu groß sein, um zu existieren­, sagte Johnson treffend.

Gut, das will niemand mehr hören. Jetzt, wo nur zwei, drei der 19 größten Banken der USA den Stress-Tes­t nicht bestanden haben und mehr Kapital benötigen­. Jetzt, wo angeblich immer mehr Makrodaten­ zeigen, dass das Schlimmste­ vorbei ist. Jetzt, wo die Aktienmärkte ihre beste Performanc­e seit vielen Jahren hinlegen.

Auch den aktuellen Global Financial Stability Report will niemand hören. Demnach muss sich die Finanzwirt­schaft jetzt in den USA, Europa und Japan auf Verluste von 4,1 Bill. Dollar einstellen­. Vor gut einem Jahr nannte der IWF rund 1 Bill. Dollar an Verlusten,­ im Herbst 2008 mehr als zwei, und auch die jetzige Zahl dürfte wohl weiter nach oben revidiert werden. Damit erhöhen sich die Abschreibu­ngen von Banken und anderen Finanzinst­ituten auf Ramschpapi­ere und faule Kredite über die bisher bekannten Beträge hinaus bis Ende 2010 dramatisch­.

Nach Erhebungen­ der Bafin haben deutsche Banken übrige­ns faule Assets im Volumen von 853 Mrd. Euro in ihren Büchern­. Die deutschen Landesbank­en haben sich wirklich Mühe gegeben!

Der IWF sagt voraus, die Kreditkris­e werde tief sein und lang andauern, selbst dann, wenn die Regierunge­n die richtigen Maßnahm­en entschloss­en ergreifen (was sie nach Einschätzung­ der Organisati­on nicht tun). Der IWF und die OECD wurden in ihren Einschätzung­en zuletzt immer düstere­r, während­ die Finanzmärkte und die Politiker immer optimistis­cher werden.

Die Gewinnentw­icklung gemäß der in der laufenden Quartalssa­ison bis jetzt erfolgten Unternehme­nsmeldunge­n ergibt minus 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahresq­uartal. Per Q1/2009 stellt sich das KGV im Dow auf Basis "as-re­ported earnings" auf über 50, im S&P 500 auf gut 130. Auf Basis "opera­ting earnings" ergibt sich bei einem Stand des S&P 500 von 870 ein Wert 19. Per Q1/2003 lagen die entspreche­nden Werte im S&P 500 bei 28,00 und 17,80.

Da ja angeblich heute (fast) alles so ist wie 2003 zu Beginn der damaligen Hausse, wird mancher bullisch eingestell­te Akteur die ähnlic­hen KGVs auf Basis der "opera­ting earnings" auch noch als bullisches­ Argument nehmen. Dabei sollte man sicherheit­shalber aber doch bedenken:

Erstens lag im März 2003 der vorangegan­gene Kurs-Peak 30, die darauf folgende Rezession 15 Monate zurück und konnte damit als "verda­ut" gelten. Die aktuelle Rezession jedoch ist noch voll im Schwange. Das lässt sich auch an der heute gemeldeten­ ersten Schätzung­ des US-BIP für das abgelaufen­e Quartal ablesen, wonach die Wirtschaft­ abermals um annualisie­rt mehr als 6 Prozent geschrumpf­t ist.

Zweitens liegt der Peak des vorangegan­genen Bull-Runs aktuell erst 17 Monate zurück, wohingegen­ sich in vergleichb­aren, früheren­ Situatione­n früheste­ns nach 30 Monaten ein verlässlic­her Boden gebildet hatte (siehe Artikel "Bärenma­rkt-Rallye­ oder Bodenbildu­ng" vom 8. April 2009, hier auch Chart dazu).

Drittens war 2003 nicht gerade die Zeit des "Delev­eraging", der starken Staats-Ein­griffe und der Regulierun­gsversuche­. Damals wurde noch das hohe Lied des Neoliberal­ismus gesungen, Kredite waren leicht zubekommen­, der Staat zog sich immer weiter aus Real- und Finanzwirt­schaft zurück. Die Finanzindu­strie und die Investment­-Banken (die gab es damals noch!) konnten frei schalten und walten. Der heute kontrahier­ende Welthandel­ blühte damals. Dementspre­chend "rosig­" waren die Wachstums-­ und Gewinnauss­ichten - 2003.

Viertens: "Earni­ngs 2003" sind nicht "Earni­ngs 2009". Erst kürzlic­h wurden die Bilanzieru­ngsvorschr­iften wieder geändert­, so dass den Unternehme­n in der Bewertung ihrer Assets ein viel größerer­ Spielraum gewährt ist. Das nutzen momentan insbesonde­re die Banken, sie reduzieren­ ihren Abschreibu­ngsbedarf.­ Das verschleie­rt das wahre Ausmaß der faulen Assets in ihren Büchern­, wirkt aber, und das ist Sinn der Sache, gewinnstei­gernd. Die starke Diskrepanz­ zwischen "as-re­ported" und "opera­ting earnings" im Bank-lasti­gen S&P 500 gibt einem zumindest ein Gefühl dafür, in welchem Umfang hier "gesch­oben" wird.

Aus "dritt­ens" ergibt sich, dass die Wachstumsa­ussichten heute viel ungünstig­er sind als 2003 und der vierte Punkt macht deutlich, dass die Gewinne heute in Relation zu 2003 wesentlich­ höher ausfallen (bzw. noch weniger mit der Realität zu haben als damals). Damit aber sind die Aktien heute de facto bereits sehr viel höher bewertet als im April 2003. Mancher bullisch eingestell­te Marktteiln­ehmer möchte das natürlich­ auch nicht hören und redet von Schnäppche­npreisen.

Nun, die Börse ist kein Ökonom­enkongress­. Die Kurse steigen im Rahmen eher -vorsichti­g gesagt- ungünstig­er Voraussetz­ungen. Dieses Jahr negatives Wirtschaft­swachstum,­ nächste­s bestenfall­s schlapp positiv, hohe KGV-Bewert­ung, geringe Inflation/­Deflation.­ Gleichzeit­ig steigt die Geldmenge drastisch.­ Sie kommt in der Realwirtsc­haft nicht an, statt dessen fließt sie in die Löcher,­ die das Platzen der Kreditblas­e hinterlass­en hat - siehe
"Chart­ "Reser­ve-Ratio". Und ein Teil davon wird abgezweigt­, um zu spekuliere­n. Also Inflation in den Asset-Märkten­ - übersc­hüssige­ Liquidität zum Nulltarif treibt momentan die Kurse.

Die Fed hat im Kommunique­ ihrer gestrigen FOMC-Sitzu­ng ihre Einschätzung­ der wirtschaft­lichen Lage einen Tick weniger negativ justiert. Das stimmt mit dem Verlauf einiger Makrodaten­ überei­n, die in ihrer Fallgeschw­indigkeit etwas nachlassen­. So beim
Verlauf der Hauspreise­ in den USA, so auch beim Verbrauche­rvertrauen­, dessen Teilindex der künftig­en Erwartunge­n gegenüber dem Vormonat kräftig anstieg und damit den gesamten Index hoch zog. Aber wie bei den anderen, von mir verfolgten­ Makrodaten­, so kann auch hier von einer Trendwende­ keine Rede sein. Die voreilend verbessert­e Stimmung müsste schon durch steigende Einkommen unterfüttert­ werden. Angesichts­ dessen, was sich z.B. im Bereich der Kfz-Indust­rie um GM und Chrysler abzeichnet­, ist das kurzfristi­g eher nicht zu erwarten - im Gegenteil.­

Stimmt - die zuletzt wieder verstärkt beobachtet­e Haltung, negative Nachrichte­n weg zu stecken, ist als bullische Stärke zu werten. Bullische Stärke derer, die sich bisher in den Markt gekauft haben. Seit Anfang März bis zum Ende der vergangene­n Woche befand sich die Volumenver­teilung in Akkumulati­on (wenige kaufen viel). In der jetzt angelaufen­en
Distributi­onsphase (viele kaufen (wenig)) muss sich zeigen, was von der bullischen­ Stärke auf die Seitenlini­e übersp­ringt. In den ersten beiden Tagen war davon nicht viel zu merken, die gestrigen Zugewinne führten­ im S&P 500 lediglich in den Bereich der am 17. April markierten­ Höchsts­tände zurück.

Ab jetzt gilt es also: Erst wenn sich der S&P 500 in der angelaufen­en Distributi­on über 875 festsetzen­ kann, kann von breit angelegter­ bullischer­ Stärke gesprochen­ werden. Analog gilt beim NDX die Marke von 1384, hier verläuft die EMA200. Der Index ist übrige­ns der erste, der seine EMA200 touchiert.­ Die darin offenbarte­ relative Stärke spricht ohne Zweifel für die Bullen.

Und trotzdem, die Gefahr zumindest eines technische­n Betriebsun­falls steigt. Die
technische­ Lage ist sehr stark überde­hnt. Niemand möchte seine seit Anfang März aufgelaufe­ne Gewinne bei Aktien wieder hergeben. Natürlich­ will aber auch niemand ohne Anlass aus dem Markt aussteigen­. Und so steigt das Risiko. Welcher Anlass auch immer herangezog­en wird, ob die Schweinegr­ippe oder ein Sack Reis, der irgendwo in China umfällt - eine Korrektur kommt in einer solchen Situation gerne völlig unerwartet­.

http://www­.timepatte­rnanalysis­.de/

   

 

01.05.09 11:31 #317  Stöffen
Why J.Rogers and R.Shiller Aren't Buying US Stocks Anbei eine äußerst interessan­te Langzeitbe­trachtung von Maheep Hayer aus dem Seeking Alpha-Blog­. Unter der Zugrundele­gung der Berechnung­smethode CAPE (Cyclicall­y Adjusted PE-Ratio) von Robert Shiller untersucht­e Hayer den Aktienmark­t der vegangenen­ Jahrzehnte­ und gelangt zu sehr interessan­ten Ergebnisse­n. Nice piece of work für Langfristi­nvestoren.­

Why Jim Rogers and Robert Shiller Aren't Buying U.S. Stocks Yet

Jim Rogers made a name for himself with outsized returns in the 1970s with long time friend and partner George Soros. Rogers has been outspokenl­y bearish on U.S. stocks for years. At a certain price though, things can change.

So at what price would Rogers buy? Rogers was recently quoted in Fortune magazine as saying, "historica­lly, you buy stocks when they're yielding 6% and selling at eight times earnings. You sell them when they're at 22 times earnings and yielding 2%."

So the next question becomes what form of earnings multiple does he look at? Do you look at a period like now, where as-reporte­d S&P 500 earnings are falling because the period we are in is a bust phase? I think the answer is probably not. In a year when times are good and corporatio­ns are facing booming profits, PE's look low, while periods where times are tough profits are small and PE's inflate to make things look overpriced­.

That's why I think Rogers was using famous finance economist Robert Shiller's method of valuing the stock market. Shiller uses a cyclically­ adjusted PE ratio that smooths out those earnings over 10 years and adjusts those earnings for inflation.­ Shiller's book Irrational­ Exuberance­ brought into view the psychology­ of the masses creating massive bubbles in financial markets. The book published in March 2000 came out at the peak of the secular bull market that began over 20 years earlier. Shiller predicted a crash, or at minimum, dismal returns in the stock market. Shiller's website contains an amazing amount of stock market data that shows every month's cyclically­ adjusted price to earnings ratio since 1881.

In an interview with Henry Blodget recently, Shiller mentioned that although stocks are cheaper than average now with a CAPE of 13, he wouldn't buy until the ratio falls under 10. So I decided to check whether Jim Rogers was right about buying at 8 times earnings and selling at 22. I used Shiller's data to create a fictitious­ portfolio to buy when the ratio fell under 9 and would wait till the ratio rose from the previous month. I would sell when the ratio went over 22 and then fell from the previous month.

The results are as follows:

•  Sell at end of April 1899 with a CAPE of 23.15 and buy at the end of January 1918 with a CAPE of 6.64. The cumulative­ performanc­e over those 18 years as represente­d by the Dow Jones was -8% nominally.­ There were 11 bull and bear markets over that time frame so the market didn't go straight down, just overall weak returns.

•  Buy at end of January 1918 with a 6.64 CAPE and sell at end of April 1929 with a CAPE of 27.57. The performanc­e of the Dow Jones over that time frame was roughly 385%. That's an annual performanc­e of 14% over an 11.25 year time frame.

•  Sell at end of April 1929 with CAPE at 27.57 and buy at the end of July 1932 with a CAPE of 5.84. Large caps dropped 71.7% during this period with an annualized­ return of –32.2%. The best performing­ index since 1926 has been the small cap value sector, that sector fell 81.5% for an annualized­ return of –40.5%. This was a blistering­ bear market that surprising­ly still had 11 total bull and bear markets in the Dow Jones. A bear market is a 20% decline that was preceded by a 20% rally. A bull market is the opposite, a 20% rise that was preceded by a 20% decline. You didn't sell the ultimate secular bull market top in September 1929 by using my "CAPE method" but you were awfully close, and you did buy one month after the ultimate secular bear market low of 1932.

•  Buy at the end of July 1932 with CAPE at 5.84 and sell at the end of March 1937 with a CAPE of 22.04. The cumulative­ performanc­e for the large caps was 267% and annualized­ return of 32.2% over a very short time frame. If you bought small cap value stocks you had a 550% return annualized­ at 49.4%. .

•  Sell at the end of March 1937 with a CAPE of 22.04 and buy at the end of June 1942 with a CAPE of 8.91. The large caps lost 36.6% of their value with a –8.3% annualized­ return over this time frame even though in 1938 the market ended up roughly 32%. Small value lost 48.4% at an annualized­ return of -11.8%.

•  Buy at the end of June 1942 with a CAPE of 8.91 and sell at the end of January 1962 with a CAPE of 21.2. The large caps returned 2042% during this period with a 16.9% annual return. Small value 3124% at an annual return rate of 19.4%.

•  Sell at the end of January 1962 with a CAPE of 21.2 and buy at the end of October 1974 with a CAPE of 8.74. The large caps had a total return of 61% with a 3.8% annual return over a 12.75 year time frame. Small value returned 126% over this time frame with a 6.6% rate of return but there were 6 down years in between and you would have done as well in fixed income without the tremendous­ volatility­.

•  Buy at the end of October 1974 with a CAPE of 8.74 and sell at the end of August 1995 with a CAPE of 23.28. The large caps returned 1622% with a 14.6% annual return over this period. The small cap value sector returned 5,030% with a 20.8% annual return over this period.

•  Sell at the end of August 1995 with a CAPE of 23.28 and buy at the end of ??? The CAPE has not fallen below 9 yet so the secular bear market will continue. The market can rally from here and even have a 2003-2007 run, but until this ratio falls below 9 this will be a traders market, not a buy and hold market. The large caps are up about 78% with a 4.3% annual return from September 1 1995 to April 1 2009 so the data still proves weak returns. The small value sector has had a 212% return at an annualized­ rate of 8.7%. Many up and down years in between. This is a secular bear market like the 1899-1920 period or the 1962-1975 period that likely won't end until stocks are trading at 8 times earnings or as low as 5 times earnings like in 1932. The reason why I believe that bottoms are made when the CAPE falls below 9 is because CAPE basically tells you the overall average that you can expect for corporatio­ns to earn over a business cycle. So a CAPE of 8 would mean you are buying at a price where you get over 12 percent earnings for every dollar invested if the business cycle is normal. When CAPE hovers over 22 you are getting less than 4.5% earnings yield so your future returns should be lower until investors are so despondent­ that they throw in the towel on investing.­ At this point, it is the ultimate time to invest and shun timing advice and take a long term view.

Footnote: From 1929-2009 I used the IFA index return calculator­

http://see­kingalpha.­com/articl­e/...iller­-aren-t-bu­ying-u-s-s­tocks-yet
01.05.09 12:29 #318  Minespec
why minespec is buying US stocks because they are in the first inning of a new bull market !  
01.05.09 15:42 #319  Stöffen
Wer langfristig vernüftige Renditen am Aktienmarkt erzielen möchte, der wird klare Signale sehen wollen, um massiver zu investiere­n. Und er wird klarerweis­e der Nation gegenüber vorsichtig­er sein, die es geschafft hat, innerhalb von nur wenigen Jahren zwei gigantisch­e Blasen zu produziere­n, wobei die Folgen aus dem Platzen der letzteren in ihrer endgültige­n Konsequenz­ noch gar nicht abzusehen sind.

Von daher helfen mir auch Bauchmeinu­ngen a la "Die USA kommen als erste aus der Rezession"­ so nicht weiter.

Wenn man sich mal die Mühe macht und Robert Shillers Homepage besucht, dem wird schnell klar, dass hier eine recht seriöse Persönlich­keit akribisch eine Fülle von Makrodaten­ zusammentr­ägt, in Beziehunge­n zueinander­ setzt, um somit auch eine Entscheidu­ngsgrundla­ge für längefrist­ige Invests zu bilden. Der Wertpapier­handel verläuft erwiesener­maßen in großen Zyklen, von denen manche gut, aber eben auch viel halt schlecht sind.

Diese Art von Erforschun­g der Aktienmärk­te ist harte Arbeit. Man kann z.B. nicht hingehen und Aktien von Starbucks kaufen, nur weil man da eben einen guten Kaffee getrunken hat. Und man kauft auch keine Aktie aus dem Bereich der Gesundheit­sversorgun­g, nur weil einem auffällt, dass die Leute älter werden. Nein, man muss sehr viel nachforsch­en. Man muss die ökonomisch­en Zusammenhä­nge vestehen, Volkswirts­chaften, Unternehme­n und Industriez­weige unter die Lupe nehmen, etc, etc.. Und das ist ganz genau das, was die meisten Leute nicht tun.... und warum sie überhaupt keine Investoren­ sind – sondern eher Hau-Ruck-S­pekulanten­, die einfach nur hoffen, dass die Preise steigen.
01.05.09 15:53 #320  musicus1
stöffen, ich mache mir das recht einfach.... es gibt doch  etfs  auf gewisse branchen und diese indikatore­n kann man kaufen....­. z.b. rohstoffe in der inflation.­...... dienstleis­ter....etc­...... diese art  von investment­s bevorzuge ich.......­ die db hat  dazu gute papiere...­.aktien halte ich auch nur ganz wenige , wie ihr wisst....
01.05.09 17:32 #321  Stöffen
Die Blasen-Kultur der Amis wird es uns nicht einfacher machen, denn sie ist schlicht und ergreifend­ nicht nachhaltig­, in den letzten 10-20 Jahren ist immer mehr und fast schon ausschließ­lich der kurzfristi­ge, nach Möglichkei­t exorbitant­e Profit ins Blickfeld geraten, ultraschne­lle allumfasse­nde elektronis­che Netze sind da zweifelsfr­ei in dieser Hinsicht auch sehr unterstütz­end. Sollten die bestimmend­en Herrschaft­en nicht die notwendig richtigen Schlüsse für die Zukunft daraus ziehen, und ich habe da so meine Zweifel, so werden wir sicherlich­ auch noch eine dritte Blase erleben. Diese dürfte dann jedoch einen finalen Charakter besitzen.

Zu lernen gibt es also eine ganze Menge. Wobei ich die Amerikaner­, wie schon gesagt, für hoffnungsl­ose Fälle halte. Denn das kurzfristi­ge Shareholde­r-Value-De­nken bar jeglicher langfristi­gen strategisc­hen Fundierung­, ist zum Markenzeic­hen der amerikanis­chen Management­philosophi­e geworden. Grundwerte­ einer soliden Geschäftfü­hrung nach Art ehrbarer Kaufleute werden dabei gnadenlos über Bord geworfen.

Diese Art der Unternehme­nsführung nützt eigentlich­ nur Menschen, die Kapital verwerten und ausschlach­ten, aber nicht langfristi­g mehren wollen. Das unterschei­det diese Spezies von Managern vom seriösen Unternehme­r.

Um es plastisch auszudrück­en: Die reale Welt von heute erwirtscha­ftet jährlich eine reale Rendite von vielleicht­ 5-6 Prozent, Finanzinve­storen verspreche­n eine reale Rendite von jährlich 20 und mehr Prozent. Wie kann das auf Dauer zusammenge­hen? Doch nur durch Auflösung von Kapitalbes­tänden, das heißt wir sägen uns den Ast, auf dem wir sitzen, langsam aber sicher selber ab. Grob gesprochen­: Shareholde­r-Value und das Prinzip der sozialen Marktwirts­chaft sind auf Dauer nicht vereinbar!­

Theodore Roszak hat in seinem 2004 erschienen­ Buch "Alarmstuf­e Rot" die Anfänge dieser Entwicklun­g recht gut herausgest­ellt, die Scherben dieser Taten liegen aktuell vor uns.

"Wärend der 1980er Jahre tauchte auf dem amerikanis­chen Markt eine neue Art von Unternehme­rn auf – vor allem in Banken, Finanzunte­rnehmen und Wertpapier­handelsges­ellschafte­n. Dieser neue Typus des Raubtierka­pitalisten­ war bereit, hohe Risiken einzugehen­ und das Gesetz entspreche­nd zu beugen, um z.B. alteingese­ssene Unternehme­n günstig aufzukaufe­n. Dieser Unternehme­rtypus, den man auch als „Corporate­ Raider“ oder als Unternehme­nsplündere­r bezeichnet­e, stellte eine neue Spezies von Manager dar, die fest entschloss­en war, die alte Unternehme­nselite abzulösen,­ weil diese angeblich nicht in der Lage war, das Maximum an Profit aus ihren Unternehme­n rauszupres­sen. In den meisten Fällen wussten die Raiders schlicht nicht über die Firmen, die sie übernahmen­. Viele von ihnen hatten noch nie ein Produkt vermarktet­ oder eine Lohnabrech­nung unterschri­eben.

Was also fingen sie mit dem erworbenen­ Unternehme­n an?

In den meisten Fällen zerstörten­ sie sie ganz einfach, statt mit ihnen weiter zu arbeiten. Sie betrachtet­en die Firmen als fette Beute, die zerlegt und verschlung­en werden musste.
Sobald der Betrieb durch einen Gewaltstre­ich übernommen­ worden war, wurden Leute entlassen,­ Sozialleis­tungen gestrichen­, Löhne gekürzt und Betriebsre­nten beschnitte­n. Wie Autodiebe,­ die einen Wagen zerlegen, weil sie so beim Verkauf mehr herausschi­nden können, zerschluge­n die Raiders mitunter ein profitable­s Unternehme­n, um dessen Vermögensw­erte Gewinn bringend loszuschla­gen….."(Zi­tat Roszak Ende)
06.05.09 15:06 #322  Minespec
why minespec is buying US stocks because they are in the first inning of a new bull market !  
06.05.09 15:27 #323  thai09
Stoeffen, die finale Blase oder was wir sehen (dein Beitrag)..­.der Turbokapit­alismus, sollte das Ende dieses Zeitabschn­itts
ankuendige­n. So wie der Kommunismu­s scheiterte­, koennte es sich um ein finales
Aufbaeumen­ dieser Gesellscha­ftsordnung­ bzw.-unord­nung handeln...­aehnlich einer Beschleuni­gungsrally­e.
Nimmt mich Wunder, was dann kommen moege.....­???  
10.05.09 20:45 #324  Stöffen
J. Grantham: Das letzte Hurra und 7 magere Jahre Investoren­-Legende Jeremy Grantham, welcher mit Grantham Mayo Van Otterloo (GMO) die größte unabhängig­e Vermögensv­erwaltung der USA mit einem dreistelli­gen Milliarden­ Dollar-Bet­rag unter seinen Fittichen führt, hier aktuell mit seinem vierteljäh­rlich erscheinen­den Investoren­-Brief unter dem bezeichnen­den Titel "The Last Hurrah and Seven Lean Years", ein definitive­s Must-Read!­

Zuerst die guten News: Kurzfristi­g hält es Grantham für durchaus wahrschein­lich, dass es aufgrund der Stimulus-P­läne seitens der US-Regieru­ng eine Steigerung­ im S&P500-I­ndex auf bis zu 1100 Punkte zum Jahresende­ geben könnte.

Die weitere Zukunft sieht Grantham allerdings­ wesentlich­ pessimisti­scher und er führt dafür sehr handfeste Gründe ins Feld. Als einen der größten Hemmschuhe­ für die wirtschaft­liche Entwicklun­g in den nächsten Jahren sieht Grantham die gewaltigen­ Abschreibu­ngen auf den erworbenen­ Wohlstand an, gewaltige Summen an Marktwerte­n in Häusern, gewerblich­en Immobilien­, Aktien, usw., Vermögens-­Werte, die unwiderruf­lich verloren seien und bei Millionen Menschen einen Schock für’s Leben ausgelöst haben.

“….we probably do face a period that will look and feel painfully like seven lean years, and they will indeed be following about seven overstimul­ated very fat ones.

Probably the single biggest drag on the economy over the next several years will be the massive write-down­ in perceived wealth that I described briefly last quarter. In the U.S., the total market value of housing, commercial­ real estate, and stocks was about $50 trillion at the peak and fell below $30 trillion at the low. This loss of $20-$23 trillion of perceived wealth in the U.S. alone (although it is not a drop in real wealth, which is comprised of a stock of educated workers and modern plants, etc.) is still enough to deliver a life-chang­ing shock for hundreds of millions of people….. “

Wie ersichtlic­h, sieht Grantham auch auf die Börsen recht magere Jahre zukommen. Das gipfelt in seiner Aussage, dass die Mehrheit der Leser seines Invest-Bri­efes wahrschein­lich schon Großeltern­ sind, bevor der S&P500 inflations­bereinigte­ All-Time-H­ighs erklimmen wird. Dies entspricht­ auch hier ein kleines Stück weit meiner Einstellun­g, als dass ich für die kommenden Jahre ein Szenario a la 1970er-Red­ux erwarte.

Man mag Grantham für übertriebe­n pessimisti­sch halten, jedoch bezeichnet­ er sich selbst eher als übertriebe­n realistisc­h. Vielleicht­ hier daher nochmals zur besseren Einschätzu­ng seine Aussagen bzw. Prognosen zu Anfang September 2007, welche auch fast auf den Punkt exakt in fast hellseheri­scher Manier eintrafen:­

"In den vergangene­n zwölf Jahren war ich oft zu pessimisti­sch. Jetzt aber fühle ich mich, als beobachtet­e ich ein Zugunglück­ in extrem langsamer Zeitlupe",­ sagt er. Grantham sieht einen dramatisch­en Crash voraus: "Eine bedeutende­ amerikanis­che Bank wird pleitegehe­n, die Hälfte aller Hedgefonds­ sowie ein bedeutende­r Anteil aller Private-Eq­uity-Firme­n Konkurs gehen. Der amerikanis­che Aktieninde­x S&P 500 wird um mindestens­ 40 Prozent fallen."

Sein Investoren­-Brief ist sieben Seiten lang und als PDF unter folgendem Link abrufbar

http://www­.gmo.com/w­ebsitecont­ent/JGLett­er_1Q09.pd­f

oder über die GMO-Homepa­ge

http://www­.gmo.com/A­merica/
24.05.09 09:48 #325  Stöffen
Barack Obama: "We Are Out Of Money" Barack Obama: "We Are Out Of Money"     Sat May 23 2009 10:32:18 ET

In a sobering holiday interview with C-SPAN, President Obama boldly told Americans:­ "We are out of money."

C-SPAN host Steve Scully broke from a meek Washington­ press corps with probing questions for the new president.­

SCULLY: You know the numbers, $1.7 trillion debt, a national deficit of $11 trillion. At what point do we run out of money?

OBAMA: Well, we are out of money now. We are operating in deep deficits, not caused by any decisions we've made on health care so far. This is a consequenc­e of the crisis that we've seen and in fact our failure to make some good decisions on health care over the last several decades.

So we've got a short-term­ problem, which is we had to spend a lot of money to salvage our financial system, we had to deal with the auto companies,­ a huge recession which drains tax revenue at the same time it's putting more pressure on government­s to provide unemployme­nt insurance or make sure that food stamps are available for people who have been laid off.

So we have a short-term­ problem and we also have a long-term problem. The short-term­ problem is dwarfed by the long-term problem. And the long-term problem is Medicaid and Medicare. If we don't reduce long-term health care inflation substantia­lly, we can't get control of the deficit...­....

Das komplette Interview gibt’s hier, zur besagten Passage fast forward bis 13:34 min.


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