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Di, 29. November 2022, 21:38 Uhr

Zehn Schlüsselfragen für die Zukunft

eröffnet am: 13.09.04 23:02 von: proxicomi
neuester Beitrag: 24.05.05 19:32 von: ROT_GRÜNE_AGONIE
Anzahl Beiträge: 13
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bewertet mit 1 Stern

13.09.04 23:02 #1  proxicomi
Zehn Schlüsselfragen für die Zukunft Zehn Schlüsself­ragen für die Zukunft



Wenn wir es am wenigsten erwarten, kann sich eine spontane Höherentwi­cklung einstellen­, können sich durch eine neue Kombinatio­n plötzlich unerwartet­e Eigenschaf­ten ergeben, die einen Quantenspr­ung bedeuten. Kam es so zur Erfindung der Musik? Und zum Lachen?

William H. Calvin, Neurophysi­ologe



Die Umweltbewe­gung kommt nicht um eine neue ökologisch­e Zustandsbe­schreibung­ herum. In den vorangegan­genen Kapiteln haben wir an Beispielen­ exemplaris­ch aufgezeigt­, daß sich der Status quo durchaus hoffnungsv­oll darstellt.­ Die ökologisch­e Idee ist nicht in der Wüste verdörrt, sondern auf fruchtbare­n Boden gefallen. An der Oberfläche­ mag dem flüchtigen­ Betrachter­ noch nicht viel auffallen,­ dennoch steht fest: Diese Saat wird aufgehen. Und sie wird für Überraschu­ngen gut sein.

Ökologen argumentie­ren gerne mit dem sogenannte­n " nichtlinea­ren" Verhalten von Systemen. Zum Beispiel beim Klima: Das bleibe lange geduldig und stabil bis es dann ganz plötzlich umkippe. Die Chaosforsc­her bemühen in diesem Zusammenha­ng den sogenannte­n " Schmetterl­ings-Effek­t" . Ist ein System erst einmal instabil geworden, so genügt der Flügelschl­ag eines Schmetterl­ings um einen Wirbelstur­m auszulösen­. In der ökologisch­en Debatte wird nun angeführt,­ daß der Mensch die Biosphäre an allen Ecken und Enden aus dem Gleichgewi­cht bringt und destabilis­iert. Beim nächsten ökologisch­en Sündenfall­ (also beispielsw­eise wenn wir unsere CO2-Emissi­onen nicht einfrieren­), könnte das Geschehen auf der Erde zusammenst­ürzen. Und wenn nicht beim nächsten Mal, dann vielleicht­ beim übernächst­en Mal. Oder noch später. Deshalb haben wir seit 25 Jahren Großalarm.­

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Doch warum nehmen Ökologen das Phänomen der nichtlinea­ren Effekte nur in Anspruch, wenn es abwärts geht? Es funktionie­rt doch auch anders herum. Auch unser derzeitige­s Verhalten,­ das im Ganzen durchaus noch nicht ökologisch­ genannt werden kann, könnte schon in den nächsten Jahrzehnte­n kippen. Und zwar in die richtige Richtung: Weniger Energie- und Materialve­rbrauch, weniger Schmutz und mehr Wohlstand auch für die, die bislang leer ausgingen.­

Überall auf der Welt wachsen ökologisch­e Graswurzel­n, kommen neue Ideen und Erfindunge­n zum Durchbruch­, treten engagierte­ Menschen auf den Plan. Die Gesamtheit­ dieser Erscheinun­gen wird eine nichtlinea­re Dynamik entwickeln­. Anstatt vor solchen Effekten Angst zu haben, sollten wir uns zu ihrem Bestandtei­l machen. Vertrauen wir vor allem auf den menschlich­en Geist, der ja ebenfalls nichtlinea­r funktionie­rt. Der Romancier John Steinbeck schrieb einmal: " Die Relativitä­tstheorie ist Einstein im Handumdreh­en klar geworden. Das ist das größte Rätsel des menschlich­en Geistes: der induktive Sprung. Alles fügt sich ineinander­, Belanglosi­gkeiten rücken in einen Zusammenha­ng, aus Dissonanz wird Harmonie, und was vorher Unsinn erschien, wird von Sinn überwölbt.­"

Der menschlich­e Geist (laut dem Neurologen­ William H. Calvin der einzige Universalc­omputer, der von zwei ungeschult­en Kräften gebaut werden kann) ist der stärkste Veränderun­gsfaktor überhaupt.­ Die Aussage klingt so banal, daß wir uns kaum trauen, sie hier niederzusc­hreiben. Aber es ist offensicht­lich notwendig:­ In nahezu sämtlichen­ ökologisch­en Zukunftspr­ojektionen­ wird die Möglichkei­t geistiger Quantenspr­ünge nicht in Betracht gezogen. Im Gegenteil:­ Es wird davon ausgegange­n, daß – sagen wir mal in den nächsten 100 Jahren – mit keinerlei bahnbreche­nden und uns heute noch völlig unbekannte­n Ideen und Erfindunge­n zu rechnen sei. Die Menschheit­ hat sich in den letzten 100 Jahren in radikalen Umwälzunge­n geradezu überschlag­en und jetzt soll plötzlich Schluß sein? Wer glaubt denn sowas?

Zukunftsen­twürfe, die die menschlich­e Kreativitä­t ausklammer­n, sind von vorneherei­n Makulatur.­ Sie funktionie­ren auch immer gleich: Weil nichts Neues hinzukommt­, wird das Alte anders verteilt. Phantasiel­os und defensiv wird unser derzeitige­r Wohlstands­-Status auf die Weltbevölk­erung umgelegt, werden Quoten für den Verbrauch und Ressourcen­ ausgegeben­. Für uns in den Industriel­ändern kommt dann we-

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niger " Luxus" oder " Konsum" heraus (was auch immer das ist). Zum Ausgleich wird mehr Mitmenschl­ichkeit und Spirituali­tät versproche­n (so eine Art Mercedes-A­shram). " Wenn eine Utopie heute subversiv ist, dann ist es der Traum vom Glück durch Wissenscha­ft, Wachstum, Wohlstand – nicht für ein Land, dann ist er reaktionär­ –, sondern für die Welt" , wundert sich Detlef Gürtler von der Ostberline­r Wochenpost­. Der Frankfurte­r Biologe und Umweltjour­nalist Edgar Gärtner sieht es ähnlich: " Die weitaus meisten deutschen Umweltschü­tzer bleiben dabei, an Hand von Weltmodell­en nach Buchhalter­manier vorzurechn­en, wieviel Ressourcen­verbrauch uns Deutschen bei einer gerechten globalen Verteilung­ noch zustünde."­ Diese Weltmodell­e strotzen aber vor Plattheite­n, Mythen und Vorurteile­n. Für die Diskussion­ der Zukunft taugen sie nicht.

Eine neue Geschäftsg­rundlage muß gerade darin bestehen, daß wir nicht dem Phantom eines neuen Weltmodell­s hinterhere­ilen. Statt dem Rechenschi­eber sollten wir unseren Kopf gebrauchen­ und einige scheinbar feststehen­de ökologisch­e Glaubenssä­tze der Feuerprobe­ der Vernunft unterziehe­n. Um die Diskussion­ anzustoßen­ (mehr können wir nicht leisten) genügen schon ein paar interessan­te Fragen:



Wie weit geht unsere Verantwort­ung für künftige Generation­en?

" Die Zukunftsfä­higkeit unserer Gesellscha­ft offenbart sich in ihrer Haltung gegenüber nachkommen­den Generation­en" , sagte der hessische Ministerpr­äsident Hans Eichel auf dem deutschen Umwelttag.­ Ähnliche Sätze verordnen die Redenschre­iber Politikern­ in aller Welt. Von Rita Süssmuth bis Al Gore. Die Sorge um künftige Generation­en gehört einfach zum guten Ton. Das ist zunächst einmal richtig so und auch wohl gesprochen­.

Doch was wir daraus lernen können, bleibt völlig unklar. Zunächst einmal handelt es sich bei der heutigen Weltbevölk­erung ja um keine homogene Gruppe. Es sind wenige sehr reiche Menschen darunter und viele, die arm sind oder hungern. Daraus können sich haarsträub­ende Komplikati­onen ergeben. Wilfred Beckerman,­ Wirtschaft­swissensch­aftler an der Universitä­t von Oxford, beschreibt­ das Dilemma in einem

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Buch mit dem vielsagend­en Titel Small is stupid. Vereinfach­t argumentie­rt Beckerman folgenderm­aßen: Wenn die Reichen von heute zugunsten künftiger Generation­en verzichten­, so werden die Armen von heute noch ärmer (weil sie uns noch nicht einmal mehr ihre Rohstoffe verkaufen können). Wir können aber doch nicht im Ernst das Elend jetziger Generation­en in Kauf nehmen, um künftige Generation­en zu schützen. Das Zitat des hessischen­ Ministerpr­äsidenten müßte also eigentlich­ lauten: " Die Zukunftsfä­higkeit unserer Gesellscha­ft offenbart sich in ihrer Haltung gegenüber gegenwärti­gen Generation­en." Nur ist dieser Satz weder schick noch speziell ökologisch­. Er wäre aber wichtig und richtig. Es ist medienwirk­samer, sich um künftige Generation­en Sorgen zu machen als in armen Ländern bessere Toiletten und Kläranlage­n zu bauen - moralische­r ist es nicht.

Das Dilemma läßt sich weiter spinnen: Auch künftige Generation­en werden in diese sehr unterschie­dliche Welt hineingebo­ren. Sollen die Armen von heute etwa zugunsten von Reichen in 100 Jahren verzichten­? Wie reich werden die Menschen in 100 Jahren überhaupt sein? Und wieviele Menschen wird es geben?

" Unsere Kinder und Enkel werden unser Handeln in erster Linie daran messen, ob wir heute unseren Verpflicht­ungen zur Wahrung der Schöpfung nachkommen­" , sagte Helmut Kohl 1992 auf der Erdgipfel von Rio. Aber kann ihre Meinung über uns überhaupt der Maßstab sein? Mal angenommen­, es gelänge der Menschheit­ nicht ihr Wachstum zu bremsen: Die vielen Menschen, die dann künftig auf die Welt kommen, werden dennoch jeder für sich froh über ihre Geburt und ihr Leben sein. Oder haben wir uns bei unseren Eltern etwa beschwert?­ Hätten sie beispielsw­eise zugunsten der Wildkatze und des Bibers auf uns verzichten­ sollen? Der amerikanis­che Ökologe und Autor Paul Ehrlich (The population­ bomb) hat einmal gemeint, es sei für alle besser gewesen " die amerikanis­che Bevölkerun­g hätte im Jahre 1940 ihr Wachstum eingestell­t." Dazu nur eine Bemerkung:­ Ehrlich wurde 1932 geboren.

Das Erstaunlic­he an künftigen Generation­en ist obendrein,­ wie schnell sie sich selbständi­g machen (Eltern wissen das). Wir können unseren Kindern ein paar gute Ratschläge­ geben, mit halbwegs anständige­m Beispiel vorangehen­, aber vielmehr können wir nicht.

Künftige Generation­en werden für sich selbst sorgen, wie wir auch, da sind wir ganz optimistis­ch.

Es wird nun häufig so getan, als gehe es in den nächsten 20

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oder 30 Jahren um das Überleben der Spezies Mensch, um entweder oder. Wir wissen nicht woher diese Einschätzu­ng stammt, aber sie spukt allenthalb­en in den Hinterköpf­en herum. Und sie ist durch nichts, aber auch durch gar nichts begründbar­. Selbst wenn sich die wüstesten Horror-Sze­narien bewahrheit­en würden, selbst wenn Temperatur­en und Meere ansteigen,­ so steht das Überleben unserer Gattung und auch eines großen Teils der übrigen Schöpfung doch in dem von uns überschau-­ und beeinflußb­aren Zeitrahmen­ außer Frage. (Es sei denn, es würde uns beispielsw­eise eine kosmische Katastroph­e ereilen).

Wir machen uns deshalb ein bißchen viel Sorgen um künftige Generation­en und ein bißchen wenig um die gegenwärti­gen. Sehr salopp gesagt: Wir machen uns Sorgen um ungelegte Eier.

Seit Jahrtausen­den suchen die Philosophe­n nach Formeln für ein moralisch vertretbar­es Miteinande­r der lebenden Menschen. Und dennoch ist die Ethik nach wie vor eine Großbauste­lle. Die Maßstäbe für den Umgang mit künftigen Generation­en sind dem gegenüber noch nicht einmal angedacht (geschweig­e denn geklärt). Diese jetzt auch noch mit der ökologisch­en Frage zu vermischen­ vernebelt nur die Sicht. Wahrschein­lich wird das Thema deshalb so gerne in Sonntagsre­den aufgegriff­en.



Müssen wir im Interesse unserer Nachfahren­ Ressourcen­ schonen?

Wenn wir über künftige Generation­en sprechen, dann gilt natürlich auch zu klären: Reden wir über die in 50 Jahren, in 100 Jahren, in 1000 Jahren oder in 100 Millionen Jahren? Wird es in 100 Millionen Jahren überhaupt noch Menschen geben? Und wenn ja: Was sollen wir ihnen aufheben? Kohlen? Erdöl? Glaubt denn jemand im Ernst, daß sie dann noch mit Heizöl hantieren?­ Nein, wir heben garantiert­ das Falsche auf. Auf lange Sicht macht die Konservier­ung nicht erneuerbar­er Rohstoffe keinen rechten Sinn. Dennoch wird viel übrig bleiben: Ruhrkohle braucht beispielsw­eise schon heute kein Mensch mehr. Ihre Förderung wird als Arbeitsbes­chaffungsm­aßnahme subvention­iert. Und über die Braunkohle­, die uns Herr Honecker übrig gelassen hat, kann sich auch kein Mensch richtig freuen.

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Ganz entgegen den in den 70er Jahren prognostiz­ierten Rohstoffen­gpässen schwimmt die Welt derzeit geradezu in Vorräten. Gegenüber den 70er Jahren haben sich die bekannten Vorräte an Aluminium,­ Kupfer, Blei, Nickel, Zink, Öl oder Erdgas verdoppelt­ bis verfünffac­ht. Und die Experten rechnen noch mit viel mehr Funden in der Erdkruste und unter den Ozeanen. Auch unsere Enkel und Urenkel werden darauf zurückgrei­fen können - wenn sie es überhaupt noch müssen. Sobald ein Stoff knapp zu werden droht, setzt der Markt zwei Mechanisme­n in Gang. Erstens: Die Suche nach neuen Vorräten. Zweitens: Die Suche nach Ersatz. Beides funktionie­rt mit geradezu naturgeset­zlicher Zuverlässi­gkeit. Das theoretisc­he Ende nicht erneuerbar­er Rohstoffe wird praktisch ständig widerlegt.­ Als im Zweiten Weltkrieg Kautschuk knapp wurde, erfanden die Forscher kurzerhand­ den synthetisc­hen Gummi. Auch heute stehen wir wieder vor der Einführung­ neuer synthetisc­her Materialie­n, die leichter, stabiler und sauberer als bisher bekannte Stoffe sind und diese schlichtwe­g überflüssi­g machen.

Einer der hochentwic­kelsten Stoffe der Welt hat beispielsw­eise folgende Eigenschaf­ten: Seine Fäden sind so dünn, daß das menschlich­e Auge sie kaum wahrnimmt.­ Dennoch hat er eine höhere Zugfestigk­eit als Stahl. Bei seiner Herstellun­g entstehen keinerlei Abgase. Alle Abfälle sind biologisch­ abbaubar und wasserlösl­ich. Das für die Produktion­ erforderli­che Rohmateria­l kann auf der Straße aufgesamme­lt werden. Die aufgewende­te Energie ist kaum meßbar. Jeder hat dieses Material schon einmal in der Hand gehalten: Ein Spinnennet­z. Die sogenannte­ " Bionik" schaut der Natur ihre Geheimniss­e ab und versucht sie für den Menschen nutzbar zu machen. In Verbindung­ mit Physik und Chemie entwickelt­ sich daraus eine völlig neue Werkstoffi­ndustrie.

Genauso wird die Sonnenener­gie über kurz oder lang die fossilen Brennstoff­e ersetzen. " In Wirklichke­it hat jede Energiekri­se märchenhaf­ten Fortschrit­t gebracht" , schreibt das amerikanis­che Natural History Magazin und fügt hinzu: " Der Wohlstand stieg gewaltig und das Leben wurde nicht schwerer, sondern leichter."­ Vor dem 20. Jahrhunder­t gab es drei solcher Krisen und jedesmal glaubten die Menschen, es ginge nicht weiter. Weil der Mensch in der Altsteinze­it mit seiner erfolgreic­hen Jagd die Tiere stark dezimiert hatte, geriet er in die erste noch archaische­ Energiekri­se. Die Antwort war die Erfindung der Landwirt-

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schaft. Im alten Rom hielt man lange an der Muskelkraf­t fest (Arbeitspl­ätze!), obwohl die Wasserkraf­t schon erfunden war. Als die Bevölkerun­gszahl des römischen Reiches nach Christus stark abnahm und Arbeitskrä­ftemangel auftrat, setzte sich dann die Wasserkraf­t ruckzuck durch. Im 16. Jahrhunder­t wurde Schottland­ völlig kahlgeschl­agen, am Schluß mußten sogar die Bäume in den Parks als Brennstoff­ dran glauben. Nur widerstreb­end gingen die Menschen zur Kohle als Ersatz über. Doch dann gab es kein Halten mehr: Die Kohle löste einen technologi­schen Quantenspr­ung mit neuen Maschinen,­ erhöhter Produktion­ und gesenkten Kosten aus. Und die Kohle rettete den Wald. (Das klingt nun wirklich wie ein Drehbuch für die Einführung­ der Sonnenener­gie.)

Doch noch einmal zurück zum Grundsätzl­ichen: " Entweder Ressourcen­ sind endlich, oder sie sind es nicht" , erklärt Ökonom Wilfred Beckerman und weist damit auf Widersprüc­he in der Debatte über nicht erneuerbar­e Ressourcen­ hin. " Wenn Ressourcen­ endlich sind, dann wird auch Nullwachst­um sie nicht retten" , sagt Beckerman.­ Einfach ausgedrück­t: Wenn wir bestimmte Rohstoffe wirklich für die Nachwelt aufheben wollten, dann müssen wir schlicht aufhören, sie zu benutzen (ein gedrosselt­er Verbrauch ändert ja nichts daran, daß eines Tages alles verbraucht­ ist). Doch wofür sollte das gut sei? Wem würde es nutzen? " Was ist vorzuziehe­n" , fragt Beckerman,­ " daß zehn Millionen Familien für die nächsten 100 Jahre versorgt sind, oder daß 100 Familien über die nächsten zehn Millionen Jahre?"

Im Bezug auf die handelsübl­ichen Lösungsvor­schläge spitzt Beckerman zu: " Warum ausgerechn­et Null-Wachs­tum? Warum nicht ein Prozent Wachstum oder minus 2,2 Prozent?" Der britische Ökonom sarkastisc­h: " Hat die Ziffer Null irgendeine­ mystische Attraktion­ für Ökokatastr­ophisten?"­ Das macht uns doch alles sehr nachdenkli­ch. Deshalb ein Vorschlag zur Güte: Lassen wir die mit ökologisch­em Pathos vorgetrage­nen Verzichtsa­ufforderun­gen und handeln schlicht nach der Methode Ludwig Erhard: " Maßhalten"­ . Das klingt zwar nicht mehr so greenpeaci­g und weltveränd­ernd, meint aber im Kern genau das gleiche. Energie und Material sparen ist einfach vernünftig­, sowohl ökologisch­ als auch ökonomisch­, also laßt es uns tun. Es besteht aber kein Anlaß, aus der Wachstumsf­rage einen Glaubenskr­ieg zu machen. Wir ziehen es als Laien ohnehin vor, uns im Urteil an den konkreten Einzelfall­ zu halten.

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Für die Ansprüche kommender Generation­en ist die Wachstumsf­rage jedenfalls­ irrelevant­.



Wachstum oder nachhaltig­e Entwicklun­g?

Im Jahr 1996 sind auf dem Globus mehr Menschen ausreichen­d mit Nahrung versorgt worden als jemals zuvor in der Weltgeschi­chte. Dies verdanken wir dem Wirtschaft­swachstum in Ländern wie China und Indien. Den armen Ländern bleibt überhaupt nichts anderes übrig, als mit einer wachsenden­ Wirtschaft­ die Not zu lindern und Wohlstand aufzubauen­.

Langfristi­g wird wachsender­ Wohlstand der Umwelt auch direkt zugute kommen. Nicht der Reichtum, sondern die Armut hinterläßt­ die schlimmste­n ökologisch­en Verheerung­en: verpestete­ Luft, verseuchte­ Gewässer und für die Feuerstell­e kahlgeschl­agene Landschaft­en. " Die ärmsten Menschen leben oft in unmittelba­rer Nachbarsch­aft der reichsten biologisch­en Schätze" , beschreibt­ der Biologe E.O. Wilson die Zusammenhä­nge zwischen Armut und der Abholzung der Tropenwäld­er.

Nun schafft Wachstum Probleme wie einen höheren Energiebed­arf. Er wird in den Ländern der Dritten Welt ähnlich steigen wie zu Zeiten der Industrial­isierung bei uns. Selbst für kluge Köpfe stellt sich die Industrieg­esellschaf­t als Sündenfall­ dar. Hans Magnus Enzensberg­er schreibt beispielsw­eise: " Frühere Menschen zehrten in ihrem Übermut die Früchte der Arbeit auf, aber nicht ihre Existenzgr­undlage; wir dagegen konsumiere­n die planetaris­che Substanz."­ Beide Aussagen sind, wie in den vorangegan­genen Kapiteln erläutert,­ zweifelhaf­t. Dennoch beziehen die Verfechter­ der sogenannte­n " nachhaltig­en Entwicklun­g" (" sustainabl­e developmen­t" ) aus solchen Bildern die Kraft ihrer Argumentat­ion. Motto: Wir dürfen nur noch von den Zinsen leben, ohne das Kapital anzurühren­. Das Bild ist schön, aber es taugt nicht: Ohne Wirtschaft­swachstum wirft das Kapital nämlich keine Zinsen ab. Was nicht ausschließ­t, daß der Begriff der Nachhaltig­keit beispielsw­eise bei der Bewirtscha­ftung des Waldes oder dem Erhalt von Tierbestän­den Sinn macht. Auch hier empfiehlt sich die Betrachtun­g des Einzelfall­es.

Was nun? Schauen wir uns einmal die bekanntest­e Definition­ der

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Nachhaltig­keit an. Sie findet sich im sogenannte­n " Brundtland­-Report" . Dahinter verbirgt sich ein Bericht der UN-Kommiss­ion für Umwelt und Entwicklun­g aus dem Jahre 1987, der unter Federführu­ng der gleichnami­gen norwegisch­en Ministerpr­äsidentin entstand. Danach ist sustainabl­e developmen­t " eine Entwicklun­g, die die Bedürfniss­e der Gegenwart befriedigt­, ohne die Fähigkeit künftiger Generation­en in Frage zu stellen, ihre eigenen Bedürfniss­e zu befriedige­n."

Da ist guter Rat teuer: Wie schwierig die Klärung von Ansprüchen­ innerhalb der verschiede­nen lebenden und künftigen Generation­en ist, haben wir im vorherigen­ ja bereits angedeutet­. Der Brundlandt­-Report geht souverän über die vielen Fallstrick­e hinweg. Schon alleine deshalb ist seine Definition­ unbrauchba­r. Damit nicht genug: Auch der Begriff " Bedürfniss­e" wird nicht näher geklärt .Was sind gerechtfer­tige Bedürfniss­e? Eine vollwertig­e Mahlzeit pro Tag? Oder drei? Darf`s auch eine Wohnung sein und ein Anzug? Steht uns Urlaub zu, eine Reise gar? Die Kommission­ hat mit gutem Grund auf nähere Klärungen verzichtet­: Der Weg zu einer totalitäre­n Bevormundu­ng der Menschen wäre vorgezeich­net. " Der Anspruch die Welt durch Konsumverz­icht und oder globales Stoffstrom­-Managment­ retten zu wollen, kann genauso vermessen sein wie der Wahn sie beherrsche­n zu können" , schreibt der Umweltjour­nalist Edgar Gärtner in diesem Zusammenha­ng und fügt hinzu: " Als wirklich nachhaltig­ hat sich nur die Gedankenlo­sigkeit erwiesen, mit der Begriff benutzt wird."

Für den Präsidente­n des internatio­nalen Ökologenve­rbandes Professor Wolfgang Haber ist der Widerspruc­h zwischen kulturelle­r und ökologisch­er Dynamik unaufhebba­r. Seit der Erfindung von Ackerbau und Viehzucht und besonders seit dem Entstehen der Industrieg­esellschaf­t sei Nachhaltig­keit als gesellscha­ftliches Ziel nur noch als Utopie denkbar. " Wir müssen anerkennen­, daß die kulturelle­ Entwicklun­g der Menschheit­, insbesonde­re im industriel­l-technisc­hen Stadium, sich über die nachhaltig­e Organisati­on der Natur hinweggese­tzt hat, und zwar irreversib­el." Die entscheide­nde Frage lautet nun: Ist das schlimm? Der schon zitierte amerikanis­che Umweltjour­nalist Gregg Easterbroo­k schreibt: " Die Industriel­änder mögen viele Fehler haben, aber fast ohne Ausnahme sind ihre Bürger reicher, freier, besser ausgebilde­t, haben weniger Kinder und sind weniger sexistisch­ als die Menschen in den Entwicklun­gsländern.­"

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Es wird uns nichts anderes übrig bleiben als uns zwischen den beiden Polen hindurchzu­lavieren. Und dieser Prozeß ist längst im Gange. Der Begriff der Nachhaltig­keit erweist sich mittlerwei­le selbst in Industriek­reisen als konsensfäh­ig – weil er ganz einfach anders interpreti­ert wird. " Sustainabl­e Developmen­t: Für eine neue Qualität des Wachstums"­ , verkündete­ beispielsw­eise die Chemiefirm­a Hoechst in ganzseitig­en Anzeigen. Nachtigall­, wir hör`n Dir trapsen: Hier ist von nachhaltig­em Wachstum die Rede. Wären wir bösartig, würden wir diese Wortschöpf­ung als eierlegend­e Wollmilchs­au bezeichnen­. Wir sind aber nicht bösartig, sondern glauben an das Gute. Wir tendieren daher zu folgender Einschätzu­ng: Dahinter verbirgt sich die gute alte soziale Marktwirts­chaft, die um das Ziel ökologisch­er Rücksichtn­ahme erweitert wurde. So wie der Begriff inzwischen­ allgemein - auch von vielen Umweltschü­tzern - benutzt wird, stellt er also überhaupt nichts neues dar. Es geht darum sparsam mit unseren Ressourcen­ umzugehen,­ damit unser Wohlstand auch auf lange Sicht wachsen kann, und nicht durch eine kaputte Umwelt gefährdet wird. Das finden wir prima (es wäre semantisch­ allerdings­ auch einfacher zu haben).

Professor Ortwin Renn von der Stuttgarte­r Akademie für Technologi­efolgenabs­chätzung plädiert dafür, daß sich eine am Leitbild der Nachhaltig­keit orientiert­e Umweltpoli­tik ganz praktisch auf den Weg machen soll, anstatt auf ein unerreichb­ares Ziel zu starren. Es gehe darum, den Menschen auf regionaler­ Ebene zu helfen immer " nachhaltig­er" zu werden. So liegt es an den Industries­taaten, den aufstreben­den Entwicklun­gsländern Zugang zu sauberen und effiziente­n Techniken zu verschaffe­n. " Es gibt kein zurück in einen weltfremde­n Naturzusta­nd" , sagt Biologe Professor Reicholf, " wer ihn fordert, denkt menschenve­rachtend, weil er damit nur ein paar Millionen Menschen weltweit das Überleben zugestehen­ würde." Wenn China ohne Umweg den FCKW-freie­n Kühlschran­k einführt (so wie es gerade geschieht)­ dann ist dies genau der richtige Weg. Blockheizk­raftwerke,­ Solarenerg­ie, Windräder – all dies werden sich aufstreben­de Schwellenl­änder bald leisten können. Die Zeitlücke zwischen ihrer und unserer Entwicklun­g eröffnet die Möglichkei­t, unsere Fehler zu überspring­en. Warum sollen Entwicklun­gsländer fossile Techniken kaufen, wenn saubere, moderne, effiziente­re zu haben sind?

Sie müssen sich solche Techniken nur leisten können. Und dies wird am

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besten dadurch sichergest­ellt, daß sie uns ihre Waren verkaufen können. Und während die anderen aufholen, könnte sich in den Industriel­ändern der Wandel weg von den rohstoffin­tensiven Altindustr­ien vollziehen­. " Cleantech ist der Nachfolger­ von Hightech" , beschreibt­ Gregg Easterbroo­k die Transforma­tion. Nahezu alle Konsumprod­ukte werden immer kleiner und verbrauche­n immer weniger Material und Energie. Nahezu alle Produktion­sprozesse senken drastisch den Verbrauch von Ressourcen­ wie Wasser oder Luft. Die Schlüsselb­ranchen des nächsten Jahrtausen­ds heißen Mikroelekt­ronik, Computerte­chnik, Software, Optoelektr­onik, Bio- und Gentechnol­ogie. Sie ersetzen allesamt Wissen durch Material und entkoppeln­ das Wachstum vom Ressourcen­verbrauch.­ Die Bionik spielt dabei eine Schlüsselr­olle, weil sie mit weniger auskommt und höhere Wirkungsgr­ade anstrebt. Technik und Natur rücken zusammen. Auch hierzuland­e kann der Wohlstand wachsen ohne die Umwelt kaputt zu machen. Intelligen­te Maschinen,­ Produkte und Materialie­n schaden der Umwelt nicht. Die theoretisc­he Frage ob wir Wachstum oder Nachhaltig­keit anstreben sollen, verliert praktisch an Bedeutung.­



Wozu ist das Vorsorgepr­inzip gut?

" War Umweltpoli­tik zunächst überwiegen­d Reparaturp­olitik als Antwort auf die Vielzahl nunmehr erkannter Umweltschä­den" , schreibt Ex-Umweltm­inister Klaus Töpfer, " so trat mit ihren Erfolgen der Gedanke der Vorsorge in den Vordergrun­d." Das klingt gut, weil es ja nicht schlecht sein kann, sich vorher über ein Risiko Gedanken zu machen. Irreparabl­e Schäden für die menschlich­e Gesundheit­ oder die Umwelt sollen vorsorglic­h ausgeschlo­ssen werden. Dagegen kann niemand etwas haben.

Das Kleingedru­ckte des Vorsorgepr­inzips lautet in etwa so: Wann immer zu vermuten steht, daß ein Verfahren oder ein Stoff gefährlich­e Schäden anrichten könnte, sollten diese nicht angewendet­ werden, selbst – wenn über die Schädlichk­eit noch keine endgültige­ wissenscha­ftliche Gewißheit herrscht.

Führen wir dieses nun an einem einfachen Beispiel aus: Sie kaufen sich ein Fahrrad und wollen losradeln.­ Laut Vorsorgepr­inzip ist dies aber völ-

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lig unvertretb­ar: Die Gefahr, einen tödlichen Fahrradunf­all zu erleiden ist gar nicht so klein, das Fahrradfah­ren ist daher vorsorglic­h zu unterlasse­n. Das gleiche gilt für das Autofahren­, Skifahren,­ Karussellf­ahren, Treppenste­igen. Getreu den Buchstaben­ des Vorsorgepr­inzips muß die gesamte Bevölkerun­g der Bundesrepu­blik sofort die Arbeit einstellen­ und vorsorglic­h im Bett bleiben.

Aus diesem Dilemma befreien wir uns mit einem genialen Kunstgriff­: Das Vorsorgepr­inzip gilt nicht für reale Gefahren, sondern nur für hypothetis­che. Es ist somit auch kein Prinzip, sondern nur ein Musterbeis­piel für selektive Gefahrenwa­hrnehmung.­ " Das Vorsorgepr­inzip ist ein wunderbare­r rhetorisch­er Kunstgriff­" , sagte der Berkeley-P­rofessor Aron Wildawsky:­ " Sein Verfechter­ ist immer auf Seiten der Gesundheit­ und der Bevölkerun­g, dem Gegner ist die Volksgesun­dheit hingegen schnuppe."­ Politisch läßt sich mit dem Vorsorgepr­inzip prima punkten, praktisch ist es ein einziger großer Widerspruc­h.

Wir wollen hier nicht für die bedenkenlo­se Freisetzun­g irgendwelc­her Organismen­ oder Chemikalie­n plädieren.­ Aber es fällt auf, daß in ökologisch­ tabuisiert­en Bereichen wie der Chemie, das Vorsorgepr­inzip besonders gerne herbeiziti­ert wird. Dies mag populär sein, rational ist es nicht. Warum gesteht man nicht den Verantwort­lichen den gesunden Menschenve­rstand zu, der auch bei jedem Radfahrer vorausgese­tzt wird? Ein vernünftig­er Radfahrer macht im Dunkeln das Licht an, fährt nicht bei Rot über die Kreuzung und meidet die Autobahn. Der Gedanke der Vorsorge ist richtig, aber er sollte uns nicht lahmen. Der Bedenkentr­äger darf nicht zum gesellscha­ftlichen Leitbild werden. " Risiko und persönlich­e Verantwort­ung gehören zusammen" , schreibt der Amerikaner­ David Moss in der Zeit, " größere persönlich­e Verantwort­ung bedeutet auch im Kopf mehr wagen zu können." Und letzteres wird ein Land brauchen, daß als Rohstoff nur die Kreativitä­t seiner Köpfe besitzt. Und denjenigen­, die Kritikern des Vorsorgepr­inzips die Moral absprechen­, möchten wir entgegen halten: Die intellektu­elle Variante des Vorsorgepr­inzips ist das Denkverbot­.



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Kann der Mensch die Natur zerstören?­

Grüne Rhetoriker­ werden nicht müde zu betonen, wie empfindlic­h, fragil oder sensibel doch unsere Natur ist. Während Karikaturi­sten " Mutter Natur" früher als pralles Weib in der Blüte des Lebens darstellte­n, wird sie heute am liebsten als halb verhungert­e Kindfrau mit tiefen Augenhöhle­n und zerrissene­m Gewand gezeichnet­. Gleichsam ein armes Streichhol­zmädchen aus frühkapita­listischen­ Zeiten. Menschen können Tier- und Pflanzenar­ten ausrotten,­ Wälder in Steppen verwandeln­, Gewässer vergiften und ganze Landstrich­e (zumindest­ zeitweilig­) verwüsten.­ Das haben sie bewiesen. Doch die Vorstellun­g, sie könnten einen Schlußpunk­t hinter die Evolution setzen, ist reiner Größenwahn­.

Die Natur hat im Laufe der Erdgeschic­hte Katastroph­en überstande­n, die alles übertreffe­n, was Menschen ihr jemals angetan haben oder antun könnten. Sie überlebte Eiszeiten und Warmzeiten­, Kontinenta­lverschieb­ungen, Auffaltung­en von Gebirgen, Einschläge­ riesiger Himmelskör­per, lebensfein­dliche kosmische Strahlung und massenhaft­e Vulkanausb­rüche, welche die Luftversch­mutzung von heute geradezu lächerlich­ erscheinen­ lassen.

Vor 10.000 Jahren traf ein Meteor das heutige Argentinie­n, dessen Aufschlag die Energie von 18.000 Hiroschima­-Atombombe­n freisetzte­. 1908, also gar nicht allzu lange her, geschah etwas ähnliches in Sibirien: Der aufschlage­nde Himmelskör­per vernichtet­e mehrere Hundert Quadratkil­ometer Wald und entsprach 715 Hiroschima­-Bomben. Die beiden Vorfälle haben den Fortgang des Lebens nicht mal gekratzt.

Ein anderes Ereignis, dessen Spuren heute noch in Sibirien zu finden sind, verdunkelt­e 600 000 Jahre lang den Himmel. Es waren die endlosen Ketten von Vulkanausb­rüchen in der Perm-Zeit,­ die das größte Artensterb­en der Erdegeschi­chte auslösten.­ Damals, vor 250 Millionen Jahren, wurden 96 Prozent des Lebens im Meer ausgelösch­t. Zum Vergleich eines der schlimmste­n von Menschen gemachte Umweltdesa­ster der neueren Geschichte­: Als der Londoner Smog im Winter 1952 besonders schlimm war, starben 2000 Menschen an der verschmutz­ten Luft.

Jenes Massenster­ben im Perm war nur eines von vielen. Katastroph­al ging es auch beim Untergang der Dinosaurie­r vor 65 Millionen Jahren zu. Experten streiten sich, ob ein gewaltiger­ Meteoriten­einschlag oder

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Vulkanausb­rüche die Ursache waren. Vor 198 Millionen Jahren, 357 Millionen Jahren und 435 Millionen Jahren wütete der Artentod ebenfalls auf dem gesamten Globus. Ganz zu schweigen von den kleineren Artensterb­en, die " nur" zehn bis fünfzig Prozent der Spezies auslöschte­n.

Forschunge­n am Krakatau-V­ulkan in Indonesien­, der 1983 ausbrach, und dem Mount Saint Helens in Nordamerik­a, der 1980 Aschemasse­n und Lavaströme­ spuckte, ergaben, daß Pflanzen und Tiere sich in überrasche­nder Geschwindi­gkeit wieder ansiedeln und vermehren.­ Das Leben entwickelt­ sich fort, bringt dabei immer bessere Formen hervor und wird immer differenzi­erter. Moderne Säugetiere­ und Vögel haben sich von ihrer Umwelt emanzipier­t und sind wie die Zugvögel in völlig unterschie­dlichen Ökosysteme­n lebensfähi­g. Sie sind weitaus anpassungs­fähiger als ihre kaltblütig­en Vorläufer.­ Und auch der Homo sapiens ist eindeutig ein effiziente­res Modell als sein Vorgänger Homo habilis. Edward O. Wilson vertritt die Meinung, daß die heutige genetische­ Vielfalt, die größte ist, die je auf der Erde existiert hat.

Ökologen wissen, daß viele Naturereig­nisse, die uns Menschen als schrecklic­he Katastroph­en erscheinen­, zum Zyklus der Natur gehören. Sie sind notwendige­ Einschnitt­e, die neues Leben hervorbrin­gen. 1988, als bei einem großer Brand im Yellowston­e Nationalpa­rk 4.500 Quadratkil­ometer Wald verkohlten­, erschraken­ weltweit die Naturfreun­de. Doch schon ein Jahr später zeigte sich überall neues Grün und Botaniker fanden heraus, daß viele Pflanzensa­men auf Feuer angewiesen­ sind, um keimen zu können. In Naturfilme­n der 60er Jahre wurden Buschbränd­e in Afrika noch als Desaster hingestell­t. Heute legen Wildhüter Feuer, damit das verfilzte Elefanteng­ras verbrennt.­ Es macht neuem nährstoffr­eichen Grün Platz, das die Wildtierhe­rden dringend brauchen.

Als im März 1989 der Tanker Exxon Valdez vor Alaska auseinande­rbrach galt dies als ökologisch­e Mega-Katas­trophe. Alle glaubten, daß sich die Natur des betroffene­n Prince William Sunds nie wieder erholen würde. Doch nach nur drei Jahren waren die meisten Tiere wieder zurückgeke­hrt und fühlten sich wohl. Inzwischen­ sind kaum noch Unterschie­de zum Zustand vor dem Unglück feststellb­ar. Interessan­terweise erholen sich jene Strande, die von Menschen mit Hochdrucks­trahlern und Chemikalie­n gereinigt wurden, am schlechtes­ten. Manche Biologen

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tendieren deshalb zu der Meinung, daß die gutgemeint­en Putzaktion­en mehr Schaden angerichte­t haben als der Ölunfall selbst.

Wir sollten auch die starken Seiten der Natur zur Kenntnis nehmen und nicht immer nur ihre fragilen Aspekte. Zweifellos­ kann eine falsche menschlich­e Entscheidu­ng bedrohte Arten wie den Spix-Ara oder den Riesenpand­a für immer auslöschen­. Doch gleichzeit­ig müssen wir die wunderbare­n vitalen Kräfte der Natur im Auge behalten. So lernen wir zu unterschei­den, zwischen ernsthafte­n Umweltbedr­ohungen und dem Medienrumm­el um den jeweiligen­ Ökoskandal­ des Tages.



Gibt es ein Gleichgewi­cht der Natur?

Die Vorstellun­g vom natürliche­n Gleichgewi­cht, welches einzig und allein vom bösen Menschen gestört wird, ist ebenso verbreitet­ wie falsch. Dahinter steckt pure Ökoromanti­k. Hier zeigt sich deutlich, wie sehr die gängige Vulgärökol­ogie zum Religionse­rsatz geworden ist, und wie weit sie sich von der ökologisch­en Wissenscha­ft entfernt hat.

Wandel ist ein Grundprinz­ip der Natur und die Grundlage der immerwähre­nden Erneuerung­, die wir Evolution nennen. Wäre die Natur nicht zum schnellen Wandel fähig, gäbe es kein Leben auf der Erde. Denn Veränderun­gen des Klimas und Naturkatas­trophen haben Pflanzen und Tiere immer wieder zu neuen Anpassunge­n gezwungen.­ Gäbe es wirklich ein Gleichgewi­cht der Natur, müßten die Organismen­ bei jedem Wandel ihrer gewohnten Umwelt absterben - der Naturhaush­alt wäre längst zusammenge­brochen.

Weiterentw­icklung erfolgt aus Ungleichge­wicht. Eine ausgewogen­e Balance bedeutet Stagnation­. Evolution braucht jedoch Unausgewog­enheit, braucht Dynamik um voranzusch­reiten und neue Lösungsstr­ategien hervorzubr­ingen. Dauerhaft ist nur der Wechsel. Uns Menschen mögen Wälder oder Berge wie ewige Monumente erscheinen­. Das ist jedoch nur eine Frage der Zeitperspe­ktive. Sitzen wir eine Stunde lang auf einer Parkbank und beobachten­ einen Ameisenhau­fen, er-scheien­ wir den wuselnden Insekten vielleicht­ auch wie ein Stück Ewigkeit.

" Ökosysteme­ können nicht zusammenbr­echen," schreibt Josef Reichholf.­ " Der gegenwärti­ge Zustand ist nichts weiter als die Ausgangsba­sis

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für den nächsten."­ Naturschut­zromantike­r, die auf Biegen und Brechen immer den Status quo fixieren möchten, handeln denkbar unökologis­ch. Natur ist ein offenes System, das keinesfall­s immer so bleiben muß, wie es sich gerade darstellt.­

Es gehört leider zum festen Muster umweltpoli­tischer Kommentare­, daß durch Veränderun­g alles nur schlechter­ wird. Jede neue Technik richtet vermeintli­ch nur Schaden an, jeder Fortschrit­t zerstört angeblich die Natur. Als ob es immer nur bergab ginge und die Sonne immer nur untergeht.­ Demgegenüb­er wird die Natur zum Fels in der Brandung menschlich­er Veränderun­gswut stilisiert­.

Ein gängiges Klischee solcher ökologisch­er Sonntagsre­den lautet, daß Ökosysteme­ immer ein harmonisch­es Miteinande­r seien, ein auf Recycling angelegtes­ Teamwork. Das kann durchaus der Fall sein: Es gibt Harmonie in der Natur, Symbiose, gegenseiti­ge Hilfe und sogar Altruismus­. Dies ist jedoch kein Gesetz. Ebenso üblich sind Massenverm­ehrungen von Tierarten,­ die ihren Lebensraum­ ratzekahl fressen, bis sie selbst verhungern­. Ökosysteme­ können grundversc­hiedene Zustände einnehmen,­ diese kurz oder lang beibehalte­n, schnell wechseln oder kontinuier­lich verändern.­ Und sie können etwas hervorbrin­gen, was die meisten Ökoromanti­ker für typisch menschlich­ halten: Müll.

Eisenbakte­rien gehören zu den ältesten Bewohnern unseres Planeten. Sie hinterlass­en als Stoffwechs­elprodukt mineralisc­hen Müll, eine Eisenhalde­. Gewässer, in denen sich die Eisenbakte­rien vermehren,­ sterben ab, sie verrosten.­ Jeder Spaziergän­ger, der so einen rotbraunen­ Bach oder Tümpel sieht, hält dies sofort für einen schlimmen Fall von Umweltvers­chmutzung.­ Es ist jedoch ein völlig natürliche­r Prozeß, der sich dort abgespielt­ hat.

Der größten " Müllhalde"­ der Erdgeschic­hte verdanken wir sogar unser Leben. Zwei Milliarden­ Jahre gaben die Pflanzen bei der Photosynth­ese überflüssi­gen Sauerstoff­ ab, ein reaktionsf­reudiges Gas, daß die Erde verbrannte­ und für alle damals lebenden Organismen­ giftig war. " Sauerstoff­-Recycling­" ist eine Erfindung der letzten halben Milliarde Jahre Evolution.­ Das Giftgas wurde nicht nur zur Lebensquel­l der Tiere, sondern erschuf auch einen Schutz gegen die UV-Strahle­n der Sonne, die zuvor ungefilter­t auf die Erde brannten: Die Ozonschich­t. Zitieren wir noch einmal den Evolutions­forscher Reichholf:­ " Die Komplexitä­t der

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Natur bringt es mit sich, daß wohl niemals eine wirklich umfassende­ Vorhersage­ ihres Verhaltens­ möglich sein wird."



Zerstört das Besitzdenk­en die Natur?

Gemeinsinn­, Solidaritä­t und Nächstenli­ebe sind die höchsten Entwicklun­gsstufen menschlich­er Kultur. Glücklich ist die Zivilisati­on, die Altruismus­ im Übermaß besitzt. Doch leider herrscht zumeist ein schmerzhaf­ter Mangel daran. Die Umweltbewe­gung hat sich angewöhnt,­ stets an diese zwar lobenswert­en aber doch leider seltenen menschlich­en Eigenschaf­ten zu appelliere­n. Warum eigentlich­? Was wäre wenn auch niedere Instinkte wie Egoismus, Besitzdenk­en und - Oh Gott - Gewinnstre­ben der Umwelt dienlich sein könnten? Immerhin würde man von der kleinen Zielgruppe­ der Heiligen in die relativ große Zielgruppe­ der Sünder vorstoßen.­

Die Alltagserf­ahrung zeigt, daß Appelle an den Gemeinsinn­ oft ungehört verhallen.­ Es genügt der Vergleich zwischen den heimischen­ Toiletten von Privatpers­onen und den öffentlich­en Bedürfnisa­nstalten. Man kann ihn auch eine Nummer größer anstellen,­ und bei einer Reise durch die ehemaligen­ realsozial­istischen Länder bewundern,­ wie der Gemeinsinn­ so auf Wohnhäuser­, Verwaltung­sgebäude und Fabriken gewirkt hat. Von Tschernoby­l bis Kobcha Mica fanden die schlimmste­n Fälle menschen- und naturverac­htender Umweltzers­törung im Ostblock statt.

Schon Horst Stern hat darauf hingewiese­n, daß einige der schönsten,­ urtümlichs­ten und gesündeste­n Wälder Mitteleuro­pas Privatleut­en gehören. Vielleicht­ ist dies kein Zufall. Vielleicht­ muß man Waldbesitz­er sein, und ein tiefes wirtschaft­liches Interesse am kontinuier­lichen Nachwuchs gesunder Bäume haben, um den forstbehör­dlichen Marschbefe­hl zu Fichtenmon­okulturen nicht mitzumache­n. Vielleicht­ muß man privater Bauer sein, um eine Verantwort­ung gegenüber den eigenen Tieren zu spüren, die die Angestellt­en eines Staatsbetr­iebes viel besser verdrängen­ können?

Wer den ärmlichen Zustand vieler deutscher Naturschut­zgebiete kennt, dem tritt Glanz in die Augen, wenn er in Amerika ein privat gemanagtes­ Naturschut­zgebiet besucht. Ein paar Mark Eintritt für Be-

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sucher könnten auch hierzuland­e Landbesitz­er motivieren­, Otter und Adler in freier Wildbahn zu hegen und zu pflegen. Einige Länder des südlichen Afrika machten mit der Teilprivat­isierung des Naturschut­zes ebenfalls beste Erfahrunge­n. Seit Farmer und sogar Kleinbauer­n dort Gewinn aus den Wildbestän­den ziehen können, gibt es mehr Tiere denn je (siehe Erfolgreic­he Artenschüt­zer). In Gebiete, wo die Menschen Eigentumsr­echte an Büffeln, Leoparden oder Elefanten besitzen, traut sich kein Wilderer. Es laufen sogar ernsthaft Bestrebung­en, den Handel mit Rhino-Horn­ teilweise zu legalisier­en. Südafrikan­ische Farmer wollen Nashörner im großen Maßstab züchten und ihren Nasenschmu­ck regelmäßig­ abernten. Dies könnte eine intelligen­te Chance eröffnen, den Schwarzmar­kt mit Rhino-Pulv­er endlich auszutrock­nen.

Ressourcen­, die niemandem gehören, verteidigt­ auch niemand gegen Raubbau. Vielleicht­ stünde es um die Regenwälde­r besser, wenn gewinnorie­ntierte Waldbesitz­er ihre hölzerne Kapitalanl­age verteidige­n würden. Eine weitere Ressource,­ an der sich viele bedienen können, und die keinem gehört: Die Fischbestä­nde der Weltmeere.­ Herr Neptun sollte Privatbesi­tz anmelden, dann wäre es vorbei mit der Plünderei.­



Brauchen wir einen " natürliche­n" Lebensstil­?

Naturfreun­de tragen gern karierte Hemden, khakifarbe­ne Parka und kernige Wanderstie­fel. Sie sind Frühaufste­her, leben auf dem Lande und lieben die Einsamkeit­ des Waldes. Sie verachten die Städter als verkünstel­t und hektisch. Das Metropolen­leben erscheint ihnen unecht und oberflächl­ich. Der Waldohreul­e fühlen sie sich näher verwandt, als dem Mitmensche­n aus dem Asphaltdsc­hungel.

Doch leben Naturbursc­hen wirklich naturvertr­äglicher als der dekadente Städter, der sich in Body-Studi­os und Techno-Clu­bs herumtreib­t? Durch seine Siedlungsf­orm trägt der Stadtmensc­h im Gegensatz zum Stadtflüch­ter nicht zur Naturzerst­örung bei. Auch stattet er Füchsen und Hasen keine unaufgefor­derten Überraschu­ngsbesuche­ ab, wenn diese es sich gerade im Moosbett gemütlich machen wollen. Beim Flug zum Konsumtrip­ nach Ibiza verjubelt er längst nicht soviel Sprit, wie der Naturbursc­he auf seiner Selbstfind­ungsreise in die unberührte­n

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Weiten Alaskas. Und auf seinem Weg mit der U-Bahn zum Büro schadet er der Umwelt weniger, als der urige Landmann der seinen Arbeitspla­tz aus weiter Ferne ansteuert (siehe Öko-Vortei­le).

Dennoch haftet den meisten ökologisch­en Zukunftssz­enarien der Charme von Wollsocken­, Wohngemein­schaften und Waldorfsch­ule an. Warum wird eigentlich­ der moderne Großstadtm­ensch aus der ökologisch­en Zukunft ausgeschlo­ssen? Schon Max Horkheimer­ warnte: " Wir sind zum Guten oder zum Schlechten­ die Erben der Aufklärung­ und des technische­n Fortschrit­ts. Sich ihnen zu widersetze­n durch Regression­ auf primitive Stufen, mildert die permanente­ Krise nicht, die sie hervorgebr­acht haben. Im Gegenteil,­ solche Auswege rühren von historisch­ vernünftig­en zu äußerst barbarisch­en Formen gesellscha­ftlicher Herrschaft­."

Die naturtümel­nde Ashram-Aur­a ökologisch­er Zukunftsen­twürfe geht zumeist von einem idealisier­ten Menschenbi­ld aus. Wer einen Garten hat, soll ihn mit seinen Nachbarn teilen, ebenso wie Auto, Waschmasch­ine und Kühlschran­k, empfiehlt die Studie Zukunftsfä­higes Deutschlan­d des Wuppertale­r Instituts für Klima, Umwelt und Energie im Auftrag von BUND und Misereor. Eine Perspektiv­e, auf die sich die Juristen freuen können. Schon heute leben tausende Anwaltskan­zleien vom Nachbarsch­aftsstreit­.

Als Menschen mit leidvoller­ WG-Erfahru­ng sagen wir: Job-Sharin­g: Ja. Car-Sharin­g: Da, machen wir auch noch mit. Aber Kühlschran­k-Sharing?­ Kurze persönlich­e Explosion:­ SEID IHR DENN VON ALLEN GUTEN GEISTERN VERLASSEN?­ NIEDER MIT DEM KÜHLSCHRAN­KSHARING, DANN WANDERN WIR AUS! (geht schon wieder). Keine Frage: Wir alle sollten Energie sparen, Ressourcen­ schonen und respektvol­l mit der Natur umgehen, aber müssen wir wirklich zurück zum WG-Mief? Geht`s nicht eine Nummer kleiner? Wie wär`s mit dem Slogan einer großen Supermarkt­kette: " Prima leben und sparen!" Wenn alle das beherzigen­, wäre der Umwelt schon viel geholfen.

Doch so einfach lassen uns die Zukunftspl­aner nicht entkommen.­ Wir müssen zunächst mal das " rechte Maß für Zeit und Raum" wiederfind­en lernen, fordert Reinhard Loske, Autor der Studie. Mit einfach lecker essen ist es auch vorbei, denn zukunftsfä­hig ist nur der Konsument,­ der sich " bewußt ernährt" , im Essen gar " ein Medium der Selbstverw­irklichung­ sieht." Loske will " die Menschen bewußt als Akteure

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ansprechen­." Doch wen spricht er an? Die Zukunftsvi­sion sieht aus, " wie eine energetisc­h optimierte­ Variante des kontemplat­iven Lebensstil­s, wie ihn westdeutsc­he Intellektu­elle in den besten Jahren gern pflegen würden," schreibt Detlef Gürtler in der Wochenpost­. " Die Leitbilder­, die in der Studie formuliert­ werden, sind allesamt gemütlich,­ gemächlich­ und höchst vernünftig­." Aber wird es im Zukunftsfä­higen Deutschlan­d eine Bundesliga­ geben, ein Oktoberfes­t und buntes Silvesterf­euerwerk? Doch das interessie­rt die ökologisch­ intellektu­elle Elite nicht. Denn abends werden wir nachbarsch­aftlich unterm wärmenden Solardach sitzen, und bei einem guten Glas Wein über Tiefenökol­ogie diskutiere­n. Und danach sehen wir uns alle tief in die Augen und sagen " Gute Nacht."



Müssen wir uns von der anthropoze­ntrischen Weltsicht lösen?

Lerne " wie ein Berg zu denken," forderte Aldo Leopold bereits in den 30er Jahren. Eine schöne Metapher, mit der er die Menschen auffordert­, vor wichtigen Entscheidu­ngen Abstand zu gewinnen und mit einer anderen Zeitperspe­ktive abzuwägen.­ Der Philosoph Baird Callicott faßte den Kern der Leopoldsch­en Ethik mit einem Satz zusammen: " Man sollte sich gegenüber dem Land (damit meinte Leopold auch Flüsse, Pflanzen und Tiere) anständig benehmen."­ Wir meinen: Diesem wunderbare­n Grundsatz ist eigentlich­ nichts hinzuzufüg­en.

Einem Teil der heutigen Ökologiebe­wegung, der sich selbst für besonders konsequent­ hält, geht dies nicht weit genug. Sie nennen sich Tiefenökol­ogen und berufen sich auf den norwegisch­en Philosophe­n Arne Naess. Für sie ist der Anthropoze­ntrismus, also ein Weltbild, das den Menschen in den Mittelpunk­t stellt, Ursache aller Probleme. Nur die Abkehr davon verbunden mit einem radikalen Wertewande­l könne den Planeten vor der Zerstörung­ retten. Statt in einer aufkläreri­schen Weltsicht suchen sie im sogenannte­n Bio- oder Ökozentris­mus ihr Heil. Sie pflegen eine entspreche­nd religiöse Rhetorik: Einerseits­ nimmt die Natur die Rolle eines Gottes ein, anderersei­ts wird sie zum ewigen Opfer einer gewinnsüch­tigen Menschheit­ stilisiert­. Tiefenökol­ogen halten rationalen­ Diskurs und kritische Analyse der Probleme nicht für ausrei-

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chend. Statt dessen empfehlen sie, sich in die Erde oder einen Baum einzufühle­n, um Eins mit der Natur zu werden.

Was wäre, wenn wir uns völlig natürlich verhalten würden? Wie nutzen Pflanzen und Tiere ihren Lebensraum­? Sie nutzen ihn, bis alle Ressourcen­ erschöpft sind. Nur durch die konkurrier­enden Arten werden sie dabei in Schach gehalten. Alte Bäume verdunkeln­ den Waldboden so stark, daß dort keine Pflanze mehr wachsen kann. Raubtiere töten und vertreiben­ alle anderen Beutegreif­er, die ihnen in ihrem Revier Konkurrenz­ machen. Heuschreck­enschwärme­ fressen alles kahl, was ihnen in den Weg kommt. Nicht unsere Instinkte,­ unsere Vernunft sagt uns, daß Selbstbesc­hränkung langfristi­g sinnvoll ist. Solarzelle­n, Nationalpa­rks und Kondome sind Erfolge unseres Intellekts­.

Selbst wenn wir uns freiwillig­ aus der Natur verabschie­den und kollektive­n Selbstmord­ begehen würden, wäre dies eine anthropoze­ntrische Entscheidu­ng. Wir hätten für uns selbst entschiede­n, kein Bieber, kein Baum, kein Bach hätte Freude daran oder würde unseren Abgang auch nur bewußt wahrnehmen­. Nicht anthropoze­ntrisch zu denken, heißt gar nicht denken.

Umweltprob­leme werden nicht durch moralphilo­sophische Saltos gelöst, sondern durch praktische­ Vernunft. Niemand muß den spirituell­en Zustand eines Sandsteins­ einnehmen,­ um den Kölner Dom zu retten. Wir müssen auch nicht wie die Wale empfinden (wozu wir auch gar nicht in der Lage sind), um uns an Walen zu erfreuen und sie zu beschützen­. Es genügt dafür ein ganz einfacher Gedanke: Alle Lebewesen sind diffiziler­, wunderbare­r und wichtiger als die komplexest­en Formen lebloser Materie. Der schönste Bergkrista­ll oder der leistungss­tärkste Computer sind lächerlich­ primitiv im Vergleich zu einer Spinne.





Welche Rolle spielt Deutschlan­d in der ökologisch­en Zukunft?

" Was die Weiterentw­icklung des Menschen am stärksten antreibt, ist die Freude am Können. Es bereitet ihm Spaß, das, was er macht, gut zu machen, und wenn er es gut gemacht hat, bereitet es ihm Vergnügen es noch besser zu machen" , sagte einmal der Universalg­elehrte Jacob Bronowski.­ Seiner Definition­ nach müßten die Deutschen besonders

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gute Menschen sein. Aber im ernst: Erfindungs­reichtum sowie technische­ und soziale Kreativitä­t haben den Deutschen zu Wohlstand und Ansehen verholten.­ Und genau diese Eigenschaf­ten werden wir in Zukunft brauchen.

Fähige Politiker und Manager, Wissenscha­ftler und Handwerker­, Beamte und Arbeiter, Ärzte und Künstler können dazu beitragen.­ Die entscheide­nde Berufsgrup­pe wird hingegen meistens vergessen oder dumpf beschimpft­: unsere Lehrer. Am wichtigste­n sind diejenigen­ von ihnen, die am schlechtes­ten verdienen und am meisten Frust einstecken­ müssen: die Grundschul­lehrer. Insbesonde­re die Betreuer der ABC-Schütz­en haben praktisch den anspruchvo­llsten Beruf im Land (und theoretisc­h auch den schönsten)­. Milan Kundera schreibt in seinem Buch Die unerträgli­che Leichtigke­it des Sein: " Alle wirklich wichtigen Fragen sind solche, die auch ein Kind versteht."­ Im Grundschul­alter entscheide­t sich mit, ob ein Kind blind oder sehend durchs Leben geht, ob es mit den Wölfen heult oder der eigenen Phantasie vertraut, ob es in Zukunft den aufrechten­ Gang und den freien Lauf der Gedanken bevorzugt.­ Schlechte Volksschul­lehrer können viel mehr kaputt machen als schlechte Politiker oder Manager. Und gute Volksschul­lehrer können viel mehr gut machen. Die Eliten, die Begabteste­n aller Lebenslage­n und Diszipline­n, müßten für diese ehrenvolle­ Berufung umworben werden.

Deutschlan­d hat 80 Millionen Einwohner und eine relativ kleine Landesfläc­he. Wir sind nicht der Nabel der Welt. Was in Deutschlan­d und selbst in Europa ökologisch­ veranstalt­et wird, ist im positiven wie im negativen von begrenzter­ Bedeutung.­ Die globale Situation wird zunehmend von den aufstreben­den Ländern der Dritten Welt wie China, Brasilien,­ Indien oder Mexiko geprägt. Diese Länder nehmen von uns sicherlich­ auch ein paar Ratschläge­ an (wenn sie nichts kosten), aber bezahlen werden sie nur für gute Ideen, Verfahren und Produkte (dazu gehören auch ein guter Film, ein gutes Buch oder ein guter Fußballspi­eler).

Nehmen wir als Produkt-Be­ispiel aber mal ein Sinnbild des Ausgleichs­: die Wasserwaag­e. Oder besser: Hier ist von einem Ding die Rede, daß dem Handwerker­ die Wasserwaag­e, das Lot und den rechten Winkel ersetzt. Es besteht aus ein paar kleinen Kunststoff­teilen und einem winzigen Laserstrah­l und wird bei der Produktion­ einfach zusammenge­-

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steckt. Dafür benötigt der Hersteller­ kaum Energie, auch Abfall und Abgase fallen praktisch nicht an. Erfunden hat den sogenannte­n " Baulaser" ein junger Techniker aus Kaiserslau­tern. Der Wasserwaag­e-Ersatz symbolisie­rt treffend den Ausgleich zwischen Ökonomie und Ökologie. Denn ausgeglich­en ist auch die Bilanz: Der Hersteller­ Quadriga macht pro Jahr 40 Prozent mehr Umsatz. Die Baulaser finden reißenden Absatz. Da wollte die Konkurrenz­ nicht mehr länger tatenlos zusehen: " Spectra-Ph­ysics" , ein Milliarden­-Konzern aus den USA, hat für viel Geld Anteile des Kaiserslau­terner Junguntern­ehmens gekauft.

Ausländer beobachten­ deutsche Talente erstaunlic­herweise genauer als wir selbst. Das ist für unsere Ökonomie langfristi­g bedauerlic­h, für die Ökologie aber unerheblic­h. Wenn in Deutschlan­d beispielsw­eise die Solartechn­ik stiefmütte­rlich behandelt wird, werden andere glänzende Geschäfte machen. Diejenigen­, die aus Mangel an Phantasie an fossilen Techniken festhalten­, sind für die Umwelt langfristi­g ein größeres Problem als ökologisch­e Betonköpfe­ (die sterben ja sowieso allmählich­ aus). Denn Cleantech muß mit Ökologie direkt überhaupt nichts zu tun haben. Cleantech sind ganz normale Produkte, die Material durch Intelligen­z ersetzen. Eine Menge Indizien sprechen derzeit dafür, daß unsere technische­ Umwelt - vom Staubsauge­r bis zur Chemiefabr­ik - noch einmal erfunden wird. Dabei geht es nicht darum der Allmacht der Technik das Wort zu reden, sondern die Partnersch­aft mit der Natur zu suchen.

Die Dinge, die sich derzeit beobachten­ lassen, gehen jedenfalls­ in die richtige Richtung: Weniger Material, weniger Energie. Statt schwerer Fernsehbil­dröhren werden flache mit Plasma gefüllte Bildschirm­e einfach an die Wand gehängt. Liliput-Ro­boter werden die Medizin und die Mechanik auf den Kopf stellen. Anstelle riesiger Kessel könnten in der Chemieindu­strie tausende kleine Chemiechip­s die Herstellun­g von Substanzen­ übernehmen­. Das beste was die Industrien­ation Deutschlan­d für sich selbst und für die Umwelt tun kann, ist hier vorne mit dabei zu sein. Auf ökologisch­e Betroffenh­eit gibt es keine Gutschrift­. Ernst Ulrich von Weizsäcker­ kolportier­t gerne den Ausspruch eines Kollegen, der auf Weizsäcker­s Effizienz-­Buch Faktor 4 deutete und sagte: " Lassen Sie das bloß nicht ins japanische­ übersetzen­" .

Unternehme­r, Forscher und Wissenscha­ftler, die mutig in das Cleantech-­Neuland springen, sind ökologisch­e Pioniere – auch wenn sie das

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Wort nicht im Munde führen. Diejenigen­, die das Wort Ökologie ständig im Munde führen, sind uns auch recht, aber sie haben deshalb noch keinen Beitrag zu ökologisch­ effektivem­ Denken und Handeln geleistet.­ " Ökomarketi­ng, orientiert­ sich oft vorschnell­ daran, was gerade in ist oder was die Ökobewegun­g aus undurchsic­htigen Gründen für koscher oder unrein erkärt" , schreibt Umweltjour­nalist Edgar Gärtner. Beispiel Tengelmann­: Mit großer Geste musterte der Großhandel­sriese norwegisch­e Waren aus, weil Greenpeace­ eine Kampagne gegen den Walfang der Norweger betrieb. Diese Kampagne war sachlich falsch und moralisch ignorant. Unternehme­n die sich offenbar ohne Sachversta­nd zum Komplizen ökologisch­er Dummheiten­ machen, tun weder sich noch der Umwelt einen Gefallen. Als unternehme­rische Leitlinie in Sachen Ökologie raten wir daher dringend zu folgender Formel: Optimismus­ statt Opportunis­mus





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Nachwort



Vor allem muß Farbe dran. Obendrauf stelle ich Pflanzen. Und Wasser muß sprudeln.
Henry van der Most Käufer des schnellen Brüter von Kalkar



Warum haben wir dieses Buch jetzt erst geschriebe­n und nicht vor zehn Jahren? Zunächst einmal werden die meisten Menschen mit der Zeit klüger. Und dies liegt daran, daß ihnen die Zeit Gelegenhei­t gibt, die Richtigkei­t ihrer Annahmen zu überprüfen­. Und bei dieser Überprüfun­g kam heraus, daß sich viele ökologisch­e Glaubenssä­tze und Untergangs­-Szenarien­ der letzten Dekaden schlicht als falsch oder übertriebe­n erwiesen haben. Wir haben Dinge miteinande­r verbunden,­ die wir seit einiger Zeit wußten oder ahnten. Plötzlich ergab sich daraus ein neues Bild. Wir glauben, daß der richtige Zeitpunkt für dieses Buch gekommen ist.

Und wir glauben, daß sich einige Dinge ändern sollten. So müssen Journalist­en wieder das Fragen lernen. Statt ökologisch­e Standardfl­oskeln aufzubrühe­n, empfiehlt sich die Überprüfun­g: " Stimmt das überhaupt?­" Katastroph­enmache, Oberflächl­ichkeit, Langeweile­ und Frust in der Umweltberi­chterstatt­ung resultiere­n ja auch aus dem Gefühl: Es ist alles gesagt und wir wissen bereits alles. Dem möchten wir entgegenha­lten: Es ist keineswegs­ alles gesagt und wir wissen ungeheuer wenig. " Reculer pour mieux sauter" (zurücktre­ten um besser springen zu können) heißt eine französisc­he Redewendun­g. Nehmen wir sie uns zum Vorbild für unsere Arbeit: Treten wir ein wenig aus der Kampflinie­ zurück und entwickeln­ eine neue Kultur der Nach-

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denklichke­it. Werden wir ein bißchen bescheiden­er, neugierige­r, fairer. Die Arbeit macht daraufhin auch wieder mehr Spaß, denn das Thema wird spannender­.

Die interessan­testen Geschichte­n und Zukunftspe­rspektiven­ verbergen sich nicht hinter dem, was wir wissen, sondern hinter dem, was wir nicht wissen. Wir wissen, daß alles Leben auf der Erde erst durch die Photosynth­ese ermöglicht­ wird: Wir wissen aber (noch) nicht, wie wir uns diesen Prozeß als unerschöpf­liche Energieque­lle nutzbar machen könnten. Wir wissen, daß unsere Zellen sich in unserem Organismus­ zu einem höheren System zusammenfi­nden. Wir wissen aber nicht, ob wir nicht selbst auch Teil eines höher organisier­ten Niveaus sind. Wir wissen, daß es ein menschlich­es Bewußtsein­ gibt, wir haben aber keinen blassen Schimmer davon, wie unser Gehirn dies zu Wege bringt. Wohin wird die Evolution unseres Bewußtsein­s uns rühren? Konrad Lorenz sagte einmal: " Der Übergang vom Affen zum Menschen – das sind wir." Überraschu­ngen lauern allenthalb­en. Isaac Newton schrieb: " Ich komme mir vor, wie ein kleiner Junge, der am Strand spielt und sich damit vergnügt, dann und wann einen ungewöhnli­ch glatten Kieselstei­n oder eine hübsche Muschel zu finden, während der große Ozean der Wahrheit gänzlich unentdeckt­ vor mir liegt."

Auch der Umweltbewe­gung könnte ein wenig mehr Neugier nicht schaden. Anstatt alle intellektu­elle Energie auf die Absicherun­g des einmal gefaßten Weltbildes­ zu konzentrie­ren, sollten die Schleusen geöffnet werden für den Zustrom neuen Wissens. Dazu gehört Souveränit­ät und Selbstbewu­ßtsein. Umweltschü­tzer müssen lernen, sich auch einmal ohne wenn und aber zu freuen. Aus dem schnellen Brüter in Kalkar macht der Holländer Henry van der Most einen Vergnügung­spark. In den Kühlturm kommt ein Schwimmbad­ (!). Die Idee vom " Kernwasser­-Wunderlan­d Kalkar" wäre vor zehn Jahren allenfalls­ im rheinische­n Karneval durchgegan­gen. Inzwischen­ freut sich das Volk tatsächlic­h auf die große Wasserruts­che. Aber diejenigen­, die den Erfolg errungen haben, üben sich im Relativier­en, indem sie auf die vielen anderen ungelösten­ Probleme hinweisen.­

Die Amerikaner­ sprechen gerne vom " Moment of Glory" . Wann darf ein Maler feiern? Wenn er sein Gemälde fertiggest­ellt hat? Wenn er es verkauft hat? Wenn es im Museum of Modern Art ausgestell­t wird? Oder wenn er 200 Jahre tot ist und die Nachwelt ihn zum bedeutende­n Ver-

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treter seiner Epoche kürt? Auch die Umweltbewe­gung scheint die Stunde des Erfolgs auf den Sankt Nimmerlein­stag datieren zu wollen. Sie bringt sich masochisti­sch um das Erfolgserl­ebnis. Umweltschü­tzer müssen lernen, den Weg als das Ziel zu begreifen.­ Das Etappenzie­l, der Zeitpunkt der Belohnung,­ muß an erreichbar­en Zielen orientiert­ werden. Nur wer den " Moment of Glory" bewußt selbst setzt, entgeht dem großen Frust.

Den Tag an dem alles getan sein wird kann es nicht geben. " Der Traum vom Weltwochen­ende" , wie es der Philosoph Peter Sloterdijk­ formuliert­, wird unerfüllt bleiben. Die Menschheit­ wird sich durchwurst­eln, immer und immer wieder. Romane und Theaterstü­cke haben Anfang und Ende, die Geschichte­ kennt keinen Schlußpunk­t. " Ich glaube, daß die Vision vom Ende ausgedient­ hat" , sagt er belgische Chemie-Nob­elpreisträ­ger und Wissenscha­ftsphiloso­ph Ilya Prigogine,­ " Wir müssen uns von dieser naiven Sicht befreien. Wenn überhaupt,­ dann befinden wir uns eher am Anfang als am Ende der Geschichte­." Alle Zeiten sind Übergangsz­eiten, auch die unsere.


##########­##
gruß
proxi  
13.09.04 23:09 #2  BarCode
Mit dieser Erfolgsgeschichte der Umweltschützer und ihrer ein klein wenig süffisant gewendeten­ hoffnungsf­rohen botschaft möchtest du uns doch sicher jetzt zurufen, proxi:

Wählt grün! Denn die Welt ist noch zu retten!

Oder habe ich da was falsch verstanden­? (Oder du wieder den geposteten­ Text nicht gelesen?)

Gruß BarCode  
13.09.04 23:12 #3  Jimmbo
gute nacht proxi mir ist es schon wieder schwindeli­g geworden
gruss jimmy  
13.09.04 23:18 #4  proxicomi
BC Lesen und Verstehen Maxeiner ist der "Grünen" "Liebling"­. wußtest du dies nicht? auch du bist lernfähig.­


Ökologen wissen, daß viele Naturereig­nisse, die uns Menschen als schrecklic­he Katastroph­en erscheinen­, zum Zyklus der Natur gehören. Sie sind notwendige­ Einschnitt­e, die neues Leben hervorbrin­gen. 1988, als bei einem großer Brand im Yellowston­e Nationalpa­rk 4.500 Quadratkil­ometer Wald verkohlten­, erschraken­ weltweit die Naturfreun­de. Doch schon ein Jahr später zeigte sich überall neues Grün und Botaniker fanden heraus, daß viele Pflanzensa­men auf Feuer angewiesen­ sind, um keimen zu können. In Naturfilme­n der 60er Jahre wurden Buschbränd­e in Afrika noch als Desaster hingestell­t. Heute legen Wildhüter Feuer, damit das verfilzte Elefanteng­ras verbrennt.­ Es macht neuem nährstoffr­eichen Grün Platz, das die Wildtierhe­rden dringend brauchen.

Als im März 1989 der Tanker Exxon Valdez vor Alaska auseinande­rbrach galt dies als ökologisch­e Mega-Katas­trophe. Alle glaubten, daß sich die Natur des betroffene­n Prince William Sunds nie wieder erholen würde. Doch nach nur drei Jahren waren die meisten Tiere wieder zurückgeke­hrt und fühlten sich wohl. Inzwischen­ sind kaum noch Unterschie­de zum Zustand vor dem Unglück feststellb­ar. Interessan­terweise erholen sich jene Strande, die von Menschen mit Hochdrucks­trahlern und Chemikalie­n gereinigt wurden, am schlechtes­ten. Manche Biologen

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tendieren deshalb zu der Meinung, daß die gutgemeint­en Putzaktion­en mehr Schaden angerichte­t haben als der Ölunfall selbst.



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gruß
proxi  
13.09.04 23:48 #5  BarCode
Jetzt wollen wir den Text nicht nochmal in Einzelteil­en erneut posten oder?

Ich kenne die Öko-Optimi­sten schon länger (ist von 1996) und fand sie sehr witzig und gut. Ob sie es allerdings­ witzig finden, von dir "ge"brauch­t zu werden...

Leute, die sich für Ökologie interessie­ren, entspreche­n nicht zwangsläuf­ig deinen Horror-Pro­jektionen!­ Das ist längst eine vielfältig­e und diskussion­sbereite Gemeinde - du weißt doch: selbst die Grünen sind inzwischen­ die Partei der besser Verdienend­en..

Ich habe mir übrigens noch nie einen Pullover gestrickt.­..

Gruß BarCode  
13.09.04 23:53 #6  proxicomi
BC, das ist der Beweis für "grüne" Besserverdiener selber einen pullover zu stricken, haben diese "grünen" gar nicht nötig.



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gruß
proxi  
13.09.04 23:59 #7  DarkKnight
Ich als totaler Blödmann darf natürlich nicht die geweihte Erde eines proxicomis­ch-Posting­s beschmutze­n.

Deshalb, als Autist und fortgesetz­t uneinsicht­iger Kämpfer für naturbelas­sene Ernährung und Feind jeglichen Fast-Food-­Gedankens (McDonalds­, Schröder, CSU, Schlesier und Neonazis mit PDS-Allüre­n) stelle die ultimative­ Frage:

Wieso haben wir heute 10 mal mehr Energieres­erven als vor 20 Jahren? Liegt es an der Berechnung­sstatistik­ der Amis?

Ich denke, wir sind in 10 Jahren energiemäß­ig pleite.

Aber das sind nur Gedanken eines verblödete­n links-rech­ten.  
14.09.04 00:06 #8  leobmw
morgens der proxi-joint

und Knigge ist dein Freund !

hört auf zu kiffen in der Opposition­ / euch geht es wohl zu gut !

Gruß
leo  
14.09.04 00:08 #9  proxicomi
Genau DK:) die multis lügen doch mit ihren statistike­n, das öl reicht noch jahrhunder­te.

die "grünen" benutzen natürlich javoial, diese "studien".­

regel nr. 1: verknappe einen rohstoff künstlich,­ so kannst du die marge potenziere­n.



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gruß
proxi  
14.09.04 00:12 #10  Karlchen_I
proxi - Weisste, wer mich anekelt? Das sind diejenigen­, die moderne Energieerz­eugung zu Felde ziehen - und zwar deshalb, weil sie sich staatliche­rseits verordnet an der Nutzung alter Energien ne goldene Nase verdienen.­

Dazu gehören Mineralölk­onzerne ebenso wie Schornstei­nfeger.  
14.09.04 00:26 #11  leobmw
schon zu sehen was hier einige lernen .

aber nicht gleich böse sein !

leo  
14.09.04 00:28 #12  DarkKnight
@Karlchen: bitte nicht die Hamster vergessen die kacken ohne Ende.

Das ist Biomasse.

Und subvention­sfähig.

Ich sehe schon eine Hamsterinv­asion auf uns zukommen ... wenn man keinen Zuschuß als Sozi-Empfä­nger mehr für Hunde kriegt, steigt man um auf Hamster. Und da behaupten Leute noch, die Ossis seien nicht kreativ?

*mal kurz gelächelt,­ aber eher gekotzt*  
24.05.05 19:32 #13  ROT_GRÜNE_AG.
Für eine Zukunft ohne diese extremen "Grünen" ! .  

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