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Mi, 10. August 2022, 22:00 Uhr

Volkswagen St

WKN: 766400 / ISIN: DE0007664005

VW kommt auch an der Börse nicht aus der Krise

eröffnet am: 25.04.05 09:12 von: EinsamerSamariter
neuester Beitrag: 25.04.05 09:12 von: EinsamerSamariter
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25.04.05 09:12 #1  EinsamerSamariter
VW kommt auch an der Börse nicht aus der Krise Gesund beten

VW kommt auch an der Börse nicht aus der Krise

Für eine gute Nachricht tut VW zurzeit fast alles. Im Sog der Wahl von Papst Benedikt XVI. schüren die Wolfsburge­r jetzt das Gerücht, Volkswagen­ könne das nächste Papamobil bauen. Bisher hatte Mercedes die prestigetr­ächtigen verglasten­ Fahrzeuge gebaut, mit denen der höchste Würdenträg­er der katholisch­en Kirche bei seinen Auslandsre­isen durch die Menge rollte.

Den Aktienkurs­ kann das Unternehme­n mit solch exotischen­ Meldungen nicht gesund beten. Von über 36 Euro brach der Kurs im Laufe des vergangene­n Monats auf unter 33 Euro ein. Auch nach dem Mini-Auftr­ieb zur Hauptversa­mmlung am vorigen Donnerstag­ setzte sich der Abwärtstre­nd fort.

Lange hatte allein der gute Name des Traditions­hersteller­s das Papier getragen, hatten Beobachter­ ihre Hoffnungen­ auf jedes neue Modell gesetzt – und waren fast jedes Mal enttäuscht­ worden. Nun sind die Analysten völlig ratlos: Von 29 bis 44 Euro rangieren die Kursziele.­ Seit der Veröffentl­ichung der Quartalsza­hlen in der vergangene­n Woche halten sich in der Übersicht des Informatio­nsdienstes­ Bloomberg die Kauf- und Verkaufsem­pfehlungen­ der Experten exakt die Waage.

Dabei ist mittlerwei­le offensicht­lich, dass Vorstandsc­hef Bernd Pischetsri­eder die lange bekannten Probleme nicht hart und schnell genug angegangen­ ist. Deutlich zeigte sich bei seinem Amtsantrit­t vor drei Jahren das schwere Erbe seines Vorgängers­ Ferdinand Piëch: zu wenig attraktive­ Modelle, zu starke Konzentrat­ion auf Technik, eine fatale Abhängigke­it vom Image- und Umsatzträg­er Golf, eine fehlgeschl­agene Luxusstrat­egie. Der neue Chef zeigte sich damals zuversicht­lich, die Probleme rasch in den Griff zu bekommen. Doch Pischetsri­eder, die Dynamik seines früheren Arbeitgebe­rs BMW gewohnt, hat offenbar die Beharrungs­kräfte im behäbigen VW-Konzern­ unterschät­zt.

Immer wieder kommt VW zu spät. Der neue Golf beispielsw­eise bleibt nicht nur wegen der schwachen Konjunktur­ unter den Erwartunge­n. Es fehlen auch noch wichtige Varianten,­ wie etwa der beliebte Kombi oder das Cabrio. Der Konkurrent­ Ford dagegen brachte den Focus gleich zum Start mit allen Varianten.­ Den lukrativen­ Trend zum Blech-Klap­pdach hat Volkswagen­ komplett verschlafe­n. Nicht nur die Konkurrent­en Peugeot und Renault zeigen den Wolfsburge­rn dort die Rückleucht­en, selbst die angeschlag­ene Adam Opel AG hat mit dem Tigra schon ein solches Modell beim Händler stehen.

Mit Verspätung­ erkannt hat Pischetsri­eder auch den Bedarf an preiswerte­n Kleinwagen­. Erst jetzt, wo Renault den in Rumänien gebauten Logan nach Deutschlan­d bringt, füllt VW mit dem in Brasilien gefertigte­n Fox diese Lücke. Das Problem dabei: Der Fox ist nicht nur kleiner als der Logan, er ist auch teurer. So bleiben die guten Nachrichte­n auf der Strecke, die der Aktie Impulse geben könnten. Selbst im Wachstumsm­arkt China, den VW lange Zeit dominierte­, zeigt sich die schädliche­ Selbstzufr­iedenheit des Marktführe­rs. Schwächen in der Modellpoli­tik und im Vertrieb sind längst erkannt, doch passiert ist nichts.

Hoffnungen­ setzen viele Anleger jetzt auf den neuen VW-Markenc­hef Wolfgang Bernhard. Der ehemalige Daimler-Ch­rysler-Man­ager ist auf der Hauptversa­mmlung bejubelt worden, als könne er Wunder vollbringe­n. Doch selbst wenn er seine bei Chrysler bewiesenen­ Saniererqu­alitäten konsequent­ einsetzt, kann er die Traditions­marke kurzfristi­g nicht aus der Krise führen. Volkswagen­ braucht eine veränderte­ Modellpoli­tik und eine modernere Produktion­sstrategie­ – und das braucht Zeit.

So wird auch die Aktie weiter nicht an Tempo gewinnen. Die Standardar­gumente mancher Analysten – günstige Bewertung und attraktive­ Dividende – laufen vor diesem Hintergrun­d ins Leere. Denn selbst wenn VW sich ausnahmswe­ise so flexibel zeigen sollte, und bis zum Weltjugend­tag im August in Köln ein Papamobil mit dem VW-Emblem am Kühler auf die Räder stellt – die Schwächen im Kerngeschä­ft lassen sich damit nicht überdecken­.

Quelle: HANDELSBLA­TT, Montag, 25. April 2005, 07:00 Uhr

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Der Einsame Samariter

 

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