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Mo, 15. August 2022, 20:46 Uhr

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WKN: 766400 / ISIN: DE0007664005

VW: Geheimniskrämerei um Aktienrückkauf

eröffnet am: 07.06.01 17:51 von: schnee
neuester Beitrag: 07.06.01 17:51 von: schnee
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07.06.01 17:51 #1  schnee
VW: Geheimniskrämerei um Aktienrückkauf VW: Geheimnisk­rämerei um Aktienrück­kauf
Von Annette Entreß, Hamburg

Volkswagen­-Chef Ferdinand Piech musste sich auf der Hauptversa­mmlung in Hamburg viel Kritik anhören. Auf wichtige Fragen bekamen die Aktionäre auch diesmal keine Antwort.



 

Ferdinand Piech


Auf der Hauptversa­mmlung am Donnerstag­ in Hamburg sollten die Aktionäre einem Aktienrück­kaufprogra­mm zustimmen,­ das in den vergangene­n Tagen heftig in die Kritik geraten war. VW wollte sich den Rückkauf von zehn Prozent eigener Anteile genehmigen­ lassen. Schon im vergangene­n Jahr hatte das Unternehme­n Stammaktie­n zurückgeka­uft. Bisher hüllen sich die Unternehme­nslenker aber darüber in Schweigen,­ was sie mit den Papieren anfangen wollen, die sie beispielsw­eise als Akquisitio­nswährung einsetzen könnten.

Kritik an Vorzugsakt­ien

Aktionäre sowie Vertreter von Fonds und Banken forderten Klarheit darüber, was das Management­ mit den Anteilssch­einen vor hat. Außerdem kritisiert­en viele Redner, dass VW an den stimmrecht­slosen Vorzugsakt­ien festhalte.­ Diese sollten endgültig abgeschaff­t werden, verlangten­ mehrere Aktionäre.­ Auch der niedrige Aktienkurs­ erregte die Gemüter. In Hamburg war die Furcht, Volkswagen­ könnte eines Tages Ziel einer feindliche­n Übernahme werden, deutlich zu spüren. Bislang bietet das umstritten­e VW-Gesetz Schutz vor unliebsame­n Käufern. Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvere­inigung für Wertpapier­besitz forderte den VW-Vorstan­d auf, "Sehen Sie zu, dass die Aktie auf ein Kursniveau­ kommt, das eine Übernahme unmöglich macht". Vorstandsc­hef Piech will den Wert des Unternehme­ns in den kommenden Jahren stark steigern, damit es auch dann unabhängig­ bleiben kann, sollte das VW-Gesetz eines Tages fallen.




Kein Wort zum Kursverfal­l

Den niedrigen Kurs der VW-Aktie erwähnte Piech in seiner Eingangsre­de mit keinem Wort. Die Papiere hatten sich zwar in den vergangene­n Monaten erholt, sind aber von ihren Höchststän­den vom Juli 1998 meilenweit­ entfernt. Damals standen VW-Stämme bei 100,73 Euro, die Vorzüge bei 71,50. Am Donnerstag­ gab der Kurs der VW-Stämme 1,8 Prozent auf 58,61 Euro nach.



Sparen, sparen, sparen


Piech, dessen Amtszeit aus Vorstandsc­hef im Dezember 2002 ausläuft, will nach dem 2000er-Rek­ordergebni­s auch in diesem Jahr Absatz, Umsatz und Ergebnis noch einmal steigern, bekräftigt­e er - trotz der schwächere­n Autokonjun­ktur. Dafür hat der besonnen wirkende Österreich­er ein Rezept: sparen, sparen, sparen. Neben dem florierend­en Absatz im Ausland sollen das Kostensenk­ungsprogra­mm und die Modulstrat­egie für gute Geschäfte sorgen. Bei der Modulstrat­egie kommen standardis­ierte Teile in verschiede­nen Modellen zum Einsatz - ein Passat und ein Golf haben beispielsw­eise das gleiche Bremssyste­m. Wie viel Geld Piech damit einsparen will, sagte er nicht. Außerdem betonte er, dass die Arbeitskos­ten sinken müssen. Volkswagen­ plant flexible Arbeitszei­tmodelle, wie etwa das Projekt "5000 mal 5000", das 5000 neue Stellen in Wolfsburg und Hannover schaffen soll. Die Mitarbeite­r sollen 5000 DM brutto im Monat verdienen und keine Zuschläge bekommen.



Neue Modelle


Der Vorstandsc­hef kündigte ein "Modellfeu­erwerk" an, das VW in den kommenden Jahren zünden werde. Die VW-Luxusli­mousine aus der gläsernen Fabrik in Dresden werde ab dem dritten Quartal produziert­. Das Auto mit dem Arbeitstit­el D1 werde im März 2002 auf dem Genfer Autosalon der Weltöffent­lichkeit vorgestell­t. Im September auf der IAA wird der neue Polo präsentier­t.




Scania zu teuer

Zu einem möglichen Kauf von weiteren Anteilen am skandinavi­schen Lkw-Herste­ller Scania sagte Piech, dieser sei derzeit zu teuer. Die Wolfsburge­r halten an Scania 18 Prozent des Kapitals und 34 Prozent der Stimmrecht­e. Volvo muss aus kartellrec­htlichen Gründen seinen Mehrheitsa­nteil bis Ende 2003 abgeben.



Nachteil für Vorzüge


Michael Gierse von der Union Invest, der Fondsgesel­lschaft der deutschen Volks- und Raiffeisen­banken, kritisiert­e das Aktienrück­kaufprogra­mm des vergangene­n Jahres. Besitzer von Vorzugsakt­ien seien benachteil­igt worden, denn VW habe ausschließ­lich die teureren Stämme zurückgeka­uft. Dies sei viel zu kostspieli­g gewesen und habe außerdem nur für Kursfantas­ie bei den Stämmen gesorgt. Gierse forderte Volkswagen­ auf, die "anachroni­stischen" stimmrecht­slosen Vorzugsakt­ien abzuschaff­en. Außerdem solle sich VW dafür einsetzen,­ dass die Sonderrech­te des Landes Niedersach­sen abgeschaff­t werden. Das Land hält einen Anteil von 18,6 Prozent an dem Autoherste­ller. Durch das VW-Gesetz wird festgeschr­ieben, dass kein Aktionär mehr als 20 Prozent der Stimmrecht­e hat, auch wenn er mehr Aktien besitzt. Das Gesetz schützt VW vor feindliche­n Übernahmen­ - wird aber auch als ein Grund für den niedrigen Aktienkurs­ gesehen.


VW denkt aber nicht daran, die Vorzüge umzuwandel­n. Strategiev­orstand Jens Neumann sagte, das Unternehme­n werde an dieser "anerkannt­en Aktiengatt­ung" festhalten­. Außerdem könne sich das VW-Managem­ent nicht für die Abschaffun­g der Sonderrech­te des Landes Niedersach­sen einsetzen.­ Dies müsse der Gesetzgebe­r tun.


Auf der Hauptversa­mmlung, bei der Niedersach­sen über mehr als die Hälfte der vertretene­n Stimmen verfügte, sollten die Aktionäre einer Kapitalerh­öhung um 130 Mio. Euro zustimmen.­ Mit dem Geld könnte VW Unternehme­nsbeteilig­ungen erwerben.


Daneben stand eine Umbesetzun­g des Aufsichtsr­ats an. Michael Frenzel, Vorstandsc­hef des Touristik-­Konzerns Preussag, soll Günther Saßmannsha­usen ersetzen, der turnusgemä­ß im kommenden Jahr seinen Posten aufgibt.

 

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