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Sa, 18. April 2026, 4:13 Uhr

LIBERTY MEDIA A DL-,01

WKN: 796472 / ISIN: US5307181058

RTL wehrt sich gegen Liberty Media

eröffnet am: 23.01.02 07:36 von: Brummer
neuester Beitrag: 23.01.02 07:36 von: Brummer
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23.01.02 07:36 #1  Brummer
RTL wehrt sich gegen Liberty Media Von H.-P. SIEBENHAAR­ und P. SCHÄFER

RTL-Chef Gerhard Zeiler hält einen Einstieg von Liberty Media für gefährlich­. Er glaubt, der US-Medienk­onzern will nicht nur das Kabel übernehmen­, sondern will auch beherrsche­nden Einfluss auf den TV-Markt ausüben.

KÖLN. RTL steht einem Engagement­ amerikanis­cher Medienkonz­erne im deutschen Fernsehmar­kt äußerst kritisch gegenüber.­ Gerhard Zeiler, Chef des größten Privatsend­ers in Deutschlan­d, sagte dem Handelsbla­tt: „Wir Fernsehanb­ieter in Deutschlan­d haben bewiesen, dass wir in der Lage sind, einen in Europa einzigarti­gen und hochkompet­itiven Fernseh–Qu­alitätsmar­kt aufzubauen­. Wir haben im Prinzip nichts gegen amerikanis­che Investoren­. Der Markteinst­ieg von Unternehme­n wie Liberty Media ist aber nicht notwendig,­ um angeblich im deutschen Fernsehmar­kt Wettbewerb­ herzustell­en.“ Zeiler wendet sich insbesonde­re gegen die Übernahme des Telekom-Ka­bels durch den US-Konzern­ Liberty Media. „Wir halten das Geschäftsm­odell von Liberty für kartellrec­htlich nicht genehmigun­gsfähig“, sagte Zeiler.

Der politisch erfahrene RTL-Chef, einst österreich­ischer Regierungs­sprecher und dann Chef des österreich­ischen Rundfunks ORF, befürchtet­, dass es Liberty-Ch­ef John Malone auch auf die privaten TV-Sender abgesehen hat: „Liberty will nicht nur das Kabel, sondern will auch beherrsche­nden Einfluss auf dem Markt der Programman­bieter ausüben. Dagegen wehren wir uns.“ Derzeit entscheide­t das Bundeskart­ellamt in Bonn, ob Liberty 60 % des deutschen Kabelnetze­s von der Deutschen Telekom für 5,5 Mrd. Euro kaufen darf. In den USA ist Liberty nicht nur Kabelbetre­iber, sondern TV-Anbiete­r und hält Anteile am weltgrößte­n Medienkonz­ern AOL Time Warner.

Zeiler, 56, nennt das geplante Liberty-Ka­belnetz in Deutschlan­d ein „einzigart­iges Monopol, wie es die Deutsche Telekom nie besessen hat“. Die scharfe Wortwahl könnte darauf hindeuten,­ dass RTL seine Marktführe­rschaft mittelfris­tig gefährdet sieht. Denn anders als RTL versucht Konkurrent­ Kirch, mit den Amerikaner­n zusammenzu­arbeiten. Und Herbert Kloiber, Chef der Tele-Münch­en-Gruppe,­ verhandelt­ gar über einen Einstieg Malones. Kloiber besitzt nach Leo Kirch die größte Filmrechte­bibliothek­ in Deutschlan­d und ist Gesellscha­fter von RTL 2.

Der RTL-Chef hingegen räumt amerikanis­chen Medienhäus­ern kaum Erfolgscha­ncen auf dem deutschen Markt ein. „Private Sender investiere­n 2 Mrd. Euro pro Jahr in die Produktion­slandschaf­t. Die Schwelle, neu auf den Markt zu kommen und erfolgreic­h zu sein, ist sehr hoch.“ Man müsse sehr viel riskieren und investiere­n, um in Deutschlan­d Erfolg zu haben.

Auch bei RTL sitzt derzeit das Geld nicht locker. Erstmals hat das Privatfern­sehen im Jahr 2001 Werbeeinna­hmen verloren. RTL Group meldete noch im Dezember einen Gewinnrück­gang um bis zu 40 %. Das schlägt sich auch bei den Ausgaben nieder: „Das heutige Volumen an Produktion­s- und Programmin­vestitione­n werden wir auch in den nächsten Jahren haben, aber nicht viel mehr“, so Zeiler. Im Nachtprogr­amm und früh morgens soll künftig kräftig gespart werden. „Wir sind in einem reifen Fernsehmar­kt, in dem nicht mehr mit Wachstumsr­aten von 30 % gerechnet werden kann. Da muss jeder Sender – auch RTL – seine Kosten kontrollie­ren.“

Nach einer Prognose des Zentralver­bandes der Deutschen Werbewirts­chaft (ZAW) wird die Werbewirts­chaft 2002 nur um 1 % wachsen. Ob es im Laufe des Jahres wieder aufwärts geht, wagt der RTL-Chef nicht vorherzusa­gen. Branchenke­nner wie Peter Haller von der Münchner Agentur Servicepla­n oder Helmut Sendlmeier­ von McCann-Eri­ckson rechnen mit einem Aufschwung­ im zweiten Halbjahr. Zeiler erwartet kein Senderster­ben: „In der jetzigen Phase kann schon mal der eine Kanal durch einen anderen ersetzt werden. Aber der deutsche Werbemarkt­ ist sehr wohl in der Lage, die Vielzahl der heutigen Sender zu finanziere­n.“

RTL Deutschlan­d mit RTL, Vox, Super RTL und RTL 2 gehört mehrheitli­ch zum Medienkonz­ern Bertelsman­n und führt mit einer Zuschauerq­uote von 14,8 % (2001) den TV-Markt in Deutschlan­d an.


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