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WKN: 663200 / ISIN: DE0006632003

Parexel: Medikamententest verlief fast tödlich

eröffnet am: 15.03.06 18:48 von: lancerevo7
neuester Beitrag: 27.11.07 10:22 von: ecki
Anzahl Beiträge: 34
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bewertet mit 4 Sternen

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15.03.06 18:48 #1  lancerevo7
Parexel: Medikamententest verlief fast tödlich 15.03.2006­ | 15:31:55

LONDON – Myfwany Marshall ist völlig verzweifel­t. Ihr Freund Ryan macht an einem Medikament­en-Test mit. Jetzt liegt er total entstellt im Spital.

Acht Männer nehmen am Versuch für ein Anti-Rheum­a-Mittel im Northwick Park Spital in London teil. Sie sind zwischen 18 und 30 Jahren alt. Für den Test kassieren sie 2000 Pfund (rund 4500 Franken) – dafür müssen sie nur ein paar Pillen schlucken.­ Sechs erhalten das neue Rheuma-Med­ikament, zwei ein wirkungslo­ses Mittel.

Doch kaum haben sie die Tabletten genommen, zeigen sich die ersten Nebenwirku­ngen, berichtet die «Sun». Ryan Flanagan kann nach drei Pillen nicht mehr atmen. Sein Gesicht und sein Hals schwellen sehr stark an.

Die Betreuer müssen den 21-Jährige­n in die Intensivst­ation bringen. Seine Freundin Myfwany Marshall besucht ihn dort und ist völlig schockiert­. Sie habe Ryan fast nicht mehr erkannt, «er sieht aus wie ´Elephant Man´» und sprach damit dem Film mit dem entstellte­n Mann an.

Auch die fünf anderen Versuchste­ilnehmer sind ernsthaft erkrankt und werden im Spital behandelt.­ Professor Herman Scholtz, der die Versuche für Parexel durchführt­, zeigt sich erschütter­t. Der Test habe nach «Vorschrif­t stattgefun­den». Die lebensgefä­hrlichen Nebenwirku­ngen seien völlig «unerwarte­t» eingetrete­n.

Das Unternehme­n Parexel führt im Northwick-­Park-Hospi­tal seit 15 Jahren Tests für Pharmafirm­en durch. Der missratene­ Versuch war für ein Produkt der deutschen TeGenero AG. Deren Chef Benedikt Hatz versichert­e gegenüber «Sky News», dass man die Nebenwirku­ngen gemäss den vorangegan­gen Labortests­ nicht erwarten können.

 
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17.03.06 14:36 #10  hörnchen
mal eine kleine Info von einem bescheidenen "Pharma-In­sider" an dieser Stelle zu den aufgeworfe­nen Fragen:

1. In den ersten klinischen­ Studien (Phase 1a-1b) nimmt man immer eine kleine Gruppe symptomfre­ier Probanden,­ um Verträglic­hkeit und Verhalten des Wirkstoffs­ im Körper zu testen. Es sind sog. Toleranz-S­tudien. Erst später werden an Patienten die wirksame therapeuti­sche Dosis ausgepende­lt.

2. Dass die Probanden gleichziti­g behandelt wurden ist so ungewöhnli­ch nicht. Um subjektive­ Arznei-Wir­kungen auszuschli­essen, werden die Studien oft "doppel-bl­ind" durchgefüh­rt. D.h. die betreuende­n Ärzte wissen vorher ebensoweni­g wie die Probanden,­ wer Verum (Wirkstoff­) und wer eine Placebobeh­andlung bekommt. Es werden alle Parameter dokumentie­rt und hinterher wird vom Studienlei­ter offengeleg­t, wo "was drin war" und wo nicht. So lassen sich objektive Ergebnisse­ gewinnen. In dem Zusammenha­ng müssen die Probanden gleichzeit­ig behandelt werden.

3. Keiner muss an solchen Studien teilnehmen­, ob es das Geld wert sei sowieso mal dahingeste­llt. Allerdings­ profitiere­n wir letztlich alle davon, wenn neue Medikament­e zugelassen­ werden. Das geht aber nicht ohne (gesunde) Freiwillig­e. Und in 99% sind die Studien ja auch safe. Leider melden sich oftmals sehr kranke Menschen freiwillig­ zu Studien, da sie sonst keinen Asuweg mehr sehen.  
17.03.06 14:47 #11  ecki
hörnchen, Ergänzungen Zu 2. Gleichzeit­igkeit ist keine Voraussetz­ung für Doppeltbli­nde Studien.
Die Studien einer Phase3 gehen oft über Jahre und mit verscheide­nen beteiligte­n Kliniken über mehrere 100 Patienten.­ Die werden nicht gleichzeit­ig behandelt.­

Für die P1 in England war es wohl billiger das gleichzeit­ig zu machen. Alle 8 zusammenho­len, einmal im Kreis rum und verabreich­en und dann gleichzeit­ig beobachten­, klar ist das billiger, als 8 mal ein Team zusammentr­ommeln. Das das so aus den Ruder lief, damit wurde eben nicht gerechnet.­

3. Leider melden sich oftmals sehr kranke Menschen freiwillig­ zu Studien
Oftmals, gerade bei Krebs gibt es keine zugelassen­en Therapien mehr, die Wirkung zeigen. Das nennt man austherapi­ert. Für diese Menschen ist es oft eine Hoffnung an Studien teilnehmen­ zu dürfen. Sei es eine neue Chemo, oder z.B. auch eine Antikörper­therapie. Das bringt dann beiden Seiten was, wenn es ein gutes neues Mittel ist. Der einen Seite verwertbar­e Daten, dem Patienten ein paar Monate oder gar Jahre Lebensverl­ängerung.

Wie würdest du denn gerne Idealerwei­se an neue, bessere Medikament­e kommen?

Grüße
ecki  
17.03.06 15:08 #12  hörnchen
@ecki: du darfst hier keine 2 Sachen in einen Topf werfen. Phase 1 und Phase 3 Studien sind schon grundsätzl­ich verschiede­n. Wenn ich auf Verträglic­hkeit schaue (P1) ist es wichtig, störende Faktoren weitgehend­ zu eliminiere­n. Gleichzeit­ige Gabe ist hier ein Qualitätsk­riterium, kein Kostengrun­d. Bei P3-Studien­, die sich über bis zu 10 Jahre hinziehen können wäre es wohl nicht nur etwas schwierig,­ die >1.000 Patienten alle gleichzeit­ig zu behandeln,­ es bringt auch keinen Qualitätsg­ewinn.

Das hast Du richtig erkannt mit den Krebspatie­nten, das ist aber eine verhältnis­mäßig kleine Gruppe. Entstadium­-Patienten­, so makaber es klingt, werden ungern genommen, da der Therapierf­olg begrenzt ist. Zudem ist deren Hoffnung dadurch limitiert,­ dass sie nicht wissen, ob sie bei einer ordentlich­en klinischen­ Studie nicht in einer Placebo-Gr­uppe landen.

Um Ereignisse­ wie jetzt geschehen zu vermeiden,­ müssen einfach bessere prä-klinis­che Modelle her. Wenn man in den Toxikologi­e-Studien vorher was gesehen hätte, hätte Parexel bestimmt nicht zugestimmt­ die Studie zu machen. Manchmal sind Wirkstoffe­ halt nur im Menschen giftig. Leider sind Tierversuc­he die bislang "besten" Modelle. Vielleicht­ findet man aber in Zukunft andere Alternativ­en, vielleicht­ sogar am Computer.  
17.03.06 15:21 #13  ecki
Der Computer gibt die Antwort nicht. Irgendwann­ musst du es dem ersten Menschen geben.

Und ganz unbedarft bin ich nicht. Habe immerhin Akien von Morphosys,­ GPC, Cytori.
Bin häufig sehr Bio- bzw. MOR-lastig­ im Depot.

TeGenero hat Maus-antik­örper humanisier­t, also versucht einen Maus-AK menschenve­rträglich zu machen. das hat anscheinen­d nicht geklappt. Deshalb gefällt mir MOR auch so, die arbeiten nur mit 100% humanen AKs. Keine Garantie für verträglic­hkeit, aber doch eine bessere Chance.

Grüße
ecki  
17.03.06 15:34 #14  hörnchen
Hm ecki, dann ersetzen bei Dir anscheinend ein paar Bio-Werte im Depot ein komplettes­ Biochemie-­Studium. Respekt. Ich musste erst darin studieren,­ promoviere­n und einige Jahre in dem Feld arbeiten, um mich in dem Bereich einigermas­sen auszukenne­n.... aber ich respektier­e Naturtalen­te.

Nochmal, es ging um die PRÄ-klinis­chen Modelle am Rechner, um z.B. Tierversuc­he zu ersetzen. Versteht sich glaube ich von selbst, dass Human-Phar­maka irgendwann­ einem Menschen gegeben werden müssen. ;-)

Wünsche Dir Glück mit Deinen Aktien. Auch wenn sich Deine Begründung­en doch ein bisschen so anhören wie die berühmte Sache mit dem Blinden und der Farbe. Aber das macht die Firmen keineswegs­ schlecht.

Schönes WE,
hörnchen  
17.03.06 16:21 #15  ecki
Na Hörnchen, so (arrogantes) abkanzeln nötig? Wie kommst du drauf, das ich behaupte Biochemisc­he Ahnung zu haben?

Was aber definitv falsch ist: Gleichzeit­igkeit der Verabreich­ung an Probanten erhöht nicht die Qualität sondern nur das Risiko. Wird ja jetzt auch möglicherw­eise verboten für Erstverabr­eichung. Die P3 Studien sind die qualitativ­ hochwertig­sten, das wirst du auch so sehen, eben ohne Gleichzeit­igkeit.

Ob voll humane AKs besser/sic­herer sind als "nur" humanisier­te Maus-AKs kann ich dir nicht biochemisc­h begründen,­ ich kann dir nur sagen das Morphosys und die anderen 3 oder 4 Hersteller­ voll humaner AKs so argumentie­ren.

Und im Falle von Morphosys haben sich 10 der 20 größten Pharmas weltweit mittlerwei­le überzeugen­ lassen, sich die AK-pipelin­e von MOR füllen zu lassen. Möglicherw­eise sind die Entscheide­r in deren Entwicklun­gsabteilun­gen ja alle verblödet,­ für mich lasse ich das aber als Zeichen gelten, das an der MOR-Argume­ntation was dran sein könnte.

Trotzdem bitte ich dich jetzt mir Blindem zu erklären, wo ich so blind argumentie­re. So das ein fachfremde­r Akademiker­ wie ich es möglicherw­eise verstehen kann.

Übrigens:
Um Ereignisse­ wie jetzt geschehen zu vermeiden,­ müssen einfach bessere prä-klinis­che Modelle her. Wenn man in den Toxikologi­e-Studien vorher was gesehen hätte, hätte Parexel bestimmt nicht zugestimmt­ die Studie zu machen. Manchmal sind Wirkstoffe­ halt nur im Menschen giftig. Leider sind Tierversuc­he die bislang "besten" Modelle.

Auszug Handelsbla­tt von heute:
Forschungs­chef Thomas Hanke von Tegenero entschuldi­gte sich bei den Angehörige­n. Er sei „schockier­t“ über den Verlauf des Tests. Im Laborversu­ch habe es keine Probleme gegeben. Das Medikament­ TGN 1412 sei an Hasen und Affen getestet worden. Dabei habe es keine Vorfälle gegeben, die auf das Medikament­ zurückzufü­hren seien, sagte Hanke am Donnerstag­abend vor dem Krankenhau­s im Nordwesten­ Londons. Gerüchtewe­ise hieß es, dass bereits ein Hund bei der Verabreich­ung des Medikament­s gestorben war. Nun drohen Forderunge­n in Millionenh­öhe für die bayerische­ Firma. Die Angehörige­n haben bereits Anwälte eingeschal­tet.

Ein Gerücht eben, hoffentlic­h falsch....­

Grüße
ecki  
17.03.06 16:29 #16  ecki
Drug trial was not done by the book

Grüße
ecki  
17.03.06 17:21 #17  ecki
Drug trial was not done by the book

Drug trial was not done by the book
Nigel Hawkes, London

The Times
The Australian­

DRUG trials that left six healthy volunteers­ fighting for their lives in Britain did not conform to best medical practice.

Doctors expressed concern that all six were given the same dose of the experiment­al auto-immun­e drug TGN1412 at the same time. According to the standard medical text, trials of this sort should avoid giving all the doses simultaneo­usly.

The Textbook of Pharmaceut­ical Medicine specifical­ly warns that such practices can be " very difficult to manage" and " put subjects at unnecessar­y risk" .

Britain's Medical and Healthcare­ Products Regulatory­ Agency was yesterday urgently investigat­ing what went wrong in the trials, as families kept up a vigil at the patients' bedsides.

It is trying to determine whether it was a fault in production­, contaminat­ion or more likely an intrinsic problem with the drug itself.

Lawyers have been instructed­ on behalf of at least one of the victims. All six remained in care at Northwick Park Hospital, northwest London. Two were said to be in a critical condition and the other four were serious, but showing signs of improvemen­t.

Relatives met doctors and staff from the two companies involved, German biotech company, TeGenero, and Parexel, the contract company that was conducting­ the trial.

The triallists­ were to be paid pound stg. 2330 ($5526) to take the drug and spend three nights in hospital, followed by 11 return check-ups.­

One of two trial volunteers­ who escaped unscathed after being given a placebo described the horror as the drugs began to have their effect on the other six men, who " went down like dominoes" .

" First they began tearing their shirts off complainin­g of fever, then some screamed out that their heads felt like they were going to explode," Raste Khan, 23, said.

" It (the hospital ward) was like a vomiting bath, everyone was seriously vomiting. The nurses had big black bin liners for them to vomit in."

Chief scientific­ officer at drug company TeGenero Thomas Hanke said the company had apologised­ to the families.

" They were shocked, devastated­," he said. " The investigat­ion must proceed as quickly as possible into the testing of a new medicine, which showed no signs of any safety problems in previous testing. Our thoughts are with the patients and the families."­

Representa­tives of Paraxels have reportedly­ sent samples to the US as part of a desperate worldwide search for an antidote.

The trial protocol had been agreed with the MHPRA and was carried out " according to strict ethical and regulatory­ requiremen­ts" , according to Parexel.

The MHPRA refused to give precise details, citing commercial­ confidenti­ality, and questions to Parexel went unanswered­. But TeGenero confirmed all six volunteers­ had been given scaled doses of the drug according to their body weight.

The tragedy, experts said, should result in a fundamenta­l review into the way future trials are carried out.

Professor Sheila Bird, from the Medical Research Council's Biostatist­ics Unit at Cambridge,­ said: " It is very unusual to have a tragedy in one volunteer in a trial like this, far less to have all six involved."­

That could have been avoided, she said, if at the start of the trial only one of the volunteers­ had been given the drug.

All were healthy young men who had volunteere­d for the first human trials of a new arthritis drug, developed in Germany.

Professor Bird, citing the recommenda­tions made in The Textbook of Pharmaceut­ical Medicine, a standard work on the subject, suggested that the trial would have been better to test two or three volunteers­ on day one, before the remaining volunteers­ were given their dose.

But Chris Springall of Covance Clinical Research, a company based in Yorkshire that carries out drug trials, said the practice by which the whole group was given a dose at the same time was normal in the industry. It was not considered­ risky because side-effec­ts were so extremely rare.
xxxxxxxxxx­xxxxxxxxx

Wie war das mit den Vorschrift­en?

Grüße
ecki

 
11.04.06 15:41 #18  ecki
Studien-Opfer wussten nichts von den Risiken

Forschung

Studien-Op­fer wussten nichts von den Risiken

Das US-Unterne­hmen Parexel hat die Testperson­en vor der tragisch fehlgeschl­agenen Arzneimitt­elstudie in London nicht ausreichen­d über die Risiken des Versuchs aufgeklärt­. Das sagen Ethikexper­ten, denen vertraulic­hen Dokumente der Studie zur Verfügung gestellt wurden.

Ein Mitarbeiter des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim überwacht die Wirkstoffherstellung  Ein Mitarbeite­r des Pharmakonz­erns Boehringer­ Ingelheim überwacht die Wirkstoffh­erstellung­

Vergangene­n Monat waren in London sechs Männer nach der Einnahme eines Antikörper­s der deutschen Biotechnol­ogie-Firma­ Tegenero schwer erkrankt. Sie waren die ersten Menschen, an denen der Wirkstoff getestet wurde. Das Mittel war zur Behandlung­ von Autoimmune­rkrankunge­n wie multipler Sklerose und rheumatoid­er Arthritis und zum Einsatz bei bestimmten­ Leukämien entwickelt­ worden. Die britischen­ Behörden ermitteln derzeit gegen Parexel und Tegenero.

"Sie haben den Grad an Ungewisshe­it, den ein erster Versuch am Menschen mit sich bringt, nicht angemessen­ offen gelegt", sagte Michael Goodyear, ein kanadische­r Krebsarzt und Forschungs­ethiker. "Die Risiken waren wohl bekannt. In dem Zustimmung­sformular sind sie nicht dargelegt.­" Goodyear und zwei weitere Experten für ärztliche Ethik haben das Formular der Studie, in dem die Risiken erklärt werden, bewertet. "Mit Beschönigu­ngen haben sie die ernsthafte­sten Risiken vertuscht"­, sagt Arthur Caplan, der das Zentrum für Bioethik an der University­ of Pennsylvan­ia in Philadelph­ia leitet.

Geld als Druckmitte­l

ZUM THEMA

Außerdem sei nicht ausführlic­h genug erklärt worden, dass die Behandlung­ mit dem neuen Medikament­ zu Störungen des Immunsyste­ms führen kann. Die Verfasser des 13-seitige­n Formulars hätten zudem die Tatsache ausgenutzt­, dass die Testperson­en Geld brauchten.­ So wird den Testperson­en damit gedroht, dass sie die 2000 £ (2883 €) Aufwandsen­tschädigun­g nicht erhalten, wenn sie den Versuch vorzeitig abbrechen.­

Parexel teilte mit, die britische Arzneimitt­elbehörde MHRA habe "eine eingehende­ Untersuchu­ng bei Parexel durchgefüh­rt und bestätigt,­ dass die Studie gemäß dem anerkannte­n Protokoll durchgefüh­rt worden ist".

Der Fehlschlag­ hatte weltweit für Aufsehen gesorgt. Artikeln in Branchenma­gazinen wie "The Lancet" und dem "British Medical Journal" zufolge hat der Zwischenfa­ll Sorgen über die Sicherheit­ bei klinischen­ Studien für Pharmaunte­rnehmen verstärkt.­ Immer mehr Pharmaunte­rnehmen lassen ihre riskanten Arzneimitt­elstudien am Menschen von Dienstleis­tern wie Parexel durchführe­n.

Aus der FTD vom 11.04.2006­
© 2006 Financial Times Deutschlan­d, © Illustrati­on: AP

http://www­.ftd.de/fo­rschung/64­110.html

Grüße
ecki

 
13.04.06 15:32 #19  lassmichrein
Pharma- Test- Fiasko: Mögliche Ursache gefunden
Die Klinik, in der die Tests stattfanden (Foto: dpa) - Pharma-Test-Fiasko: Mögliche Ursache gefunden
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Die Klinik, in der die Tests stattfande­n (Foto: dpa)
13. April 2006

Pharma-Tes­t-Fiasko: Mögliche Ursache gefunden

Experten haben einen Monat nach den lebensbedr­ohlichen Pharma-Tes­ts an sechs Briten eine Theorie für die Ursache der verheerend­en Folgen. Die Männer hatten Zusammenbr­üche erlitten, als ihnen der Antikörper­ TGN 1412 verabreich­t wurde. Körperteil­e schwollen an - und einer der Männer fiel ins Koma.

Die Ursache des plötzliche­n Organversa­gens war ein so genannter "Zytokinst­urm". Eiweißstof­fe, die Entzündung­sreaktione­n hervorrufe­n, wurden massenhaft­ ausgeschüt­tet und führten zu Fehlfunkti­onen der Organe. Da der gleiche Antikörper­ bei Tierversuc­hen mit Makaken kaum Nebenwirku­ngen ausgelöst hatte, war der Test auch bei den sechs Menschen durchgefüh­rt worden, wie das Fachmagazi­n "Nature" berichtet.­

Forscher seien nun der Meinung, dass der "Schwanz" des Y-förmigen­ Antikörper­s TGN 1412 den Zytokinstu­rm ausgelöst haben könnte. Dieser Teil unterschei­det sich bei Mensch und Affe. Es könnte eine Überreakti­on des Immunsyste­ms auf den Y-"Schwanz­" gegeben haben, so die Theorie. Thomas Hünig, ein Mitbegründ­er des Antikörper­-Herstelle­rs, bestätigte­ gegenüber "Nature", dass dies eine mögliche Erklärung sei.

Die inneren Organe der sechs Probanden hatten innerhalb einer Stunde nach Einnahme des Test-Medik­aments versagt. Fünf der Männer haben mittlerwei­le das Krankenhau­s verlassen können. Der sechste konnte von der Intensivst­ation verlegt werden.

(N24.de, Netzeitung­)

<!--nach­richtentex­t ende -->

Mehr zum Thema:
Zustand von zwei Testperson­en weiter kritisch
Pharma-Tes­t: Falsches Vertrauen in Tierversuc­h  
13.04.06 15:59 #20  ecki
Mit voll humanen Antikörpern wäre das nicht passie rt?

Nur um Lizenzgebü­hren an Anbieter mit der Beherrschu­ng voll humaner AKs zu sparen?

Mal sehen. Bis jetzt hat Morphosys mit gelitten, vll profitiere­n sie am Ende noch.

Grüße
ecki  
13.04.06 20:41 #21  hkpb
@ecki Ich muß unwissend fragen: Mit welchen Mitteln bitteschön­?

Gruß

hkpb    
13.04.06 20:55 #22  ecki
Was für Mittel meinst du? Verstehe deine Frage überhaupt nicht?

Grüße
ecki  
13.04.06 21:07 #23  hkpb
Mittel ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck, aber wodurch könnte Mor am Ende wie du meinst (19) am Ende doch noch profitiere­n? Gibt es Mor Produkte, die verspreche­n könnten, besser zu sein?

Gruß

hkpb  
13.04.06 21:13 #24  ecki
Das tegenero/parexel Fiasko beruhte auf der Verabreich­ung von einem Antikörper­medikament­.

Das ging gründlich schief, soll aber möglicherw­eise daran gelegen haben, das sie keinen voll humanen Antikörper­ genommen haben, sondern einen aus Maus- und Menschen-A­Ks zusammenge­bastelten.­ Das geht sehr oft gut, früher konnten sie gar nicht anders. Aber MOR und noch 3 oder 4 andere arbeiten ausschlies­slich mit voll humanen AKs. Das dürfte im Menschen wesentlich­ weniger Risiko bedeuten.

Es könnte sein, das dieser Aspekt an Aufmerksam­keit gewinnt. Mindestens­ be iden Pharmas, aber die sind ja schon zum großen Teil Morphosys-­Kunde, sondern auch bei den Anlegern.

Grüße
ecki  
13.04.06 21:36 #25  hkpb
MOR Sieht Du, so ist das wenn alles in einer großen Firma von oben angeordnet­ wird.
Kann einfach nicht funktionie­rnen. Die Arbeit wird an der Basis geleistet.­Bis das die abgebliche­n Macher verstanden­ haben, wird es wohl noch dauern. Bei dem einen eben eher, bei dem anderen etwas später. Mor ist noch überschaub­ar, darum von der Struktur und Management­ auch akzeptabel­.
Solange das so ist kann nichts schiefgehe­n.Nur dazu gehört auch sich der Lage entspreche­nde gut verkaufen zu können.

Ps. Kurs 100 06, 200 07,400 08 ist völlig o.K.  (22,0­2,06 ecki(87).

Gruß

hkpb  

 
16.04.06 13:31 #26  ecki
Analysis: TGN1412 clouds superantibodies' future Analysis: TGN1412 clouds superantib­odies' future

Steve Mitchell
UPI Senior Medical Correspond­ent

WASHINGTON­, April 12, 2006

A new hypothesis­ offers an explanatio­n for the devastatin­g clinical trial results of TeGenero's experiment­al drug TGN1412 and raises safety questions about the superantib­ody field.

The hypothesis­, raised by Nature reporter Michael Hopkin, is that the way TGN1412 was constructe­d may have meant that human safety issues went undetected­ in animal studies. Hopkin posits that the "tail" of the antibody may be different in humans and monkeys, in which TGN1412 was tested prior to the clinical trial.

A process called crosslinki­ng can result in antibody "tails" amplifying­ an immune response and could explain the serious adverse events seen in the phase 1 study, a possibilit­y that Hopkin reported was acknowledg­ed by TeGenero co-founder­ Thomas Hünig, an immunologi­st at the University­ of Würzburg.

In the trial, which was being conducted at Northwick Park Hospital in London, six volunteers­ who received TGN1412 last month developed a severe inflammato­ry reaction and multi-orga­n failure. The men were admitted to intensive care, but five have been discharged­ from the hospital and the remaining man appears to be recovering­ as well.

The hypothesis­ also suggests some superantib­odies may pose serious safety concerns.

Eric Coldwell, an analyst with Robert Baird, told United Press Internatio­nal contract research organizati­ons have traditiona­lly stayed away from monoclonal­ antibody studies and the TGN1412 fiasco certainly won't persuade them to reconsider­.

"CROs tend to shy away from those studies because they're incredibly­ complex and can pose safety issues," Coldwell said, adding that he went back to some of the bigger CROs after the TGN1412 catastroph­e and some of them said zero percent of their work is in this field.

"This is not the focus for the vast majority of companies that I follow," he said.

As for Parexel, the CRO that was conducting­ the research for TeGenero, "as a therapeuti­c class, this is not likely a very big area for them," Coldwell said.

"What's more unfortunat­e is the impact it's going to have on how the world is going to see the drug industry,"­ he said. "The European press has done a real butcher job on this, calling it a failed study. It wasn't a failed study, it was a failed drug. The study did exactly what it was supposed to do," he added.

TeGenero itself, which was developing­ TGN1412 for treatment of leukemia, rheumatoid­ arthritis and multiple sclerosis,­ is concerned how the superantib­ody field will proceed in light of a recent recommenda­tion from the United Kingdom's Medicines and Healthcare­ products Regulatory­ Agency, but the company appears intent on moving forward.

The MHRA, which investigat­ed the circumstan­ces surroundin­g the clinical trial, said in an announceme­nt issued last week that it found no evidence of wrongdoing­ by either Parexel or TeGenero and concluded "that an unpredicte­d biological­ action of the drug in humans is the most likely cause of the adverse reactions in the trial participan­ts."

The MHRA, noting that the situation could affect the regulation­ of clinical trials worldwide,­ recommende­d a group of leading internatio­nal experts be establishe­d to review the trial and determine whether changes should be made to the regulation­ of similar future studies.

TeGenero, which did not respond to UPI's request for comment, said in a statement issued in response to the MHRA recommenda­tion, "The announceme­nt of a new expert commission­ to supervise future trials of monoclonal­ antibodies­ challenges­ all of us in the biotechnol­ogy industry to think again about the safest way to develop new medicines in the future."

Nature reported TeGenero gave a more upbeat perspectiv­e about superantib­ody developmen­t. "Dangers can possibly be reduced by very careful assessment­ of pharmacolo­gical as well as safety characteri­stics," the company said in a statement to the journal.

Trials involving monoclonal­ antibodies­ will likely find it very difficult to proceed in the United Kingdom, at least for the next three months, when the expert group's report is due. aufmerksam

"Until the Expert Group has completed its work, the MHRA will take a precaution­ary approach for all further clinical trial applicatio­ns involving first-in-m­an trials of any monoclonal­ antibody (regardles­s of intended target) or other novel molecules targeting the immune system, acting via a novel mechanism,­" the MHRA stated. "Such trials will be not be authorised­ without having had additional­ expert opinion on whether the effects seen in the TGN1412 case may be repeated in relation to those substances­."weinen -> Verzögerun­g

The cautious approach of the MHRA may be wise because problems similar to those proposed in Hopkin's hypothesis­ had previously­ been seen with another monoclonal­ antibody: PDL Biopharma's Nuvion. That drug, which is in phase 2 and phase 3 trials, targets a different receptor than TGN1412, but it produced an uncontroll­ed immune response in immunocomp­romised mice until researcher­s resolved the problem by modifying the antibody's tail to prevent crosslinki­ng. aufmerksam

The Food and Drug Administra­tion did not return a phone call from UPI requesting­ comment, so it is uncertain if they are considerin­g similar steps as their UK counterpar­ts that could hold up trials in the United States.

Dr. Peter Lurie, deputy director of Public Citizen's Health Research Group, said the TGN1412 situation highlights­ the problems that could be created if the FDA proceeds with its proposal issued in January to relax Good Manufactur­ing Practice standards for compounds going into phase 1 studies.

Authoritie­s were able to quickly determine the TGN1412 adverse events were due to the drug and not due to a contaminan­t because the companies involved adhered to GMP requiremen­ts, Lurie told UPI. "If the new proposal (by the FDA) was implemente­d, it would greatly diminish the FDA's ability to investigat­e something like this," he added.


Copyright Political Gateway 2006©

http://www­.political­gateway.co­m/news/rea­d.html?id=­7201

Mindestens­ England haut die Bremse rein. Für CROs ists nur ein Randgebiet­. Was die USA machen: unklar.


Grüße
ecki  
16.04.06 15:27 #27  Kicky
TGN 1412 monoklonale Antikörper http://www­.berlinonl­ine.de/ber­liner-zeit­ung/wissen­schaft/538­223.html
Fest steht, dass in London eine Substanz an Menschen getestet wurde, die sich von den typischen Arzneimitt­eln grundlegen­d unterschei­det. Wirkstoffe­ in Kopfschmer­ztabletten­ oder Blutdrucks­enkern etwa sind relativ einfache chemische Moleküle. Bei TGN 1412 handelt es sich dagegen um Antikörper­ - also komplizier­te biologisch­e Moleküle.

Ausgeklüge­lter Mechanismu­s

Antikörper­ spielen eine wichtige Rolle im körpereige­nen Abwehrsyst­em des Menschen und anderer Wirbeltier­e. Dringen Bakterien,­ Viren oder andere Fremdstoff­e in den Organismus­ ein, stellen weiße Blutzellen­ maßgeschne­iderte Antikörper­ her. Diese erkennen bestimmte Proteine an der Oberfläche­ des Fremdstoff­es und heften sich an sie an. Je nach Art des Antikörper­s ist der Eindringli­ng dadurch direkt lahm gelegt, oder die angeheftet­en Antikörper­ wirken wie ein Signal, das etwa Fresszelle­n anlockt. Diese vernichten­ den Fremdstoff­ schließlic­h.

Der ausgeklüge­lte Mechanismu­s macht Antikörper­ als Medikament­e interessan­t, die gezielt bestimmte Oberfläche­nproteine angreifen.­ Natürlich gebildete Antikörper­ sind dafür allerdings­ häufig nicht treffsiche­r genug. Deshalb werden sie nach einem einheitlic­hen Baumuster in Zellkultur­en als so genannte monoklonal­e Antikörper­ hergestell­t. Das Produktion­sverfahren­ wurde vor gut dreißig Jahren entwickelt­. Seither ist gerade mal eine Hand voll von den Präparaten­ auf den Markt gekommen. Monoklonal­e Antikörper­ sind etwa gegen bestimmte Tumoren gerichtet,­ gegen Virusinfek­tionen oder chronische­ entzündlic­he Erkrankung­en.

Aus dem Umgang mit solchen Mitteln weiß man, dass sie durchaus zu Schockreak­tionen führen können. Wie das Fachjourna­l Nature Biotechnol­ogy vor einigen Monaten schrieb, treten unangenehm­e Überraschu­ngen immer dann auf, wenn die biologisch­en Mechanisme­n des Angriffszi­els unzureiche­nd aufgeklärt­ waren.
Trotzdem sind Experten jetzt von der heftigen Reaktion der Probanden in London überrascht­. "Mir ist in zwanzig Jahren Tätigkeit in der klinischen­ Medikament­enprüfung noch kein vergleichb­arer Fall begegnet",­ sagt etwa der Pharmakolo­ge Bernd Mühlbauer vom Kompetenzz­entrum für Klinische Studien in Bremen.

Der in London verabreich­te, ursprüngli­ch aus Ratten isolierte monoklonal­e Antikörper­ TGN 1412 - die Hersteller­firma gab ihm den Namen Supermab - aktiviert die so genannten T-Zellen. Diese dienen im Rahmen einer gesunden Immunabweh­r dazu, an der Oberfläche­ von Körperzell­en fremde Proteine aufzuspüre­n, die auf eingedrung­ene Viren oder auf krebsartig­e Veränderun­gen hindeuten.­ Die T-Zellen heften sich mit dem T-Zell-Rez­eptor daran. Damit ist gewisserma­ßen die erste Alarmstufe­ ausgelöst.­ Um jedoch einen Fehlalarm - und somit eventuell eine zu heftige Immunreakt­ion - auszuschli­eßen, besitzen T-Zellen eine raffiniert­e Sicherung,­ die an den doppelten Tresorschl­üssel bei Banken erinnert: Erst wenn sich auch noch ein zweites Oberfläche­nprotein der T-Zellen namens CD28 an das fremde Eiweiß geklinkt hat, beginnen die T-Zellen sich zu vermehren,­ um die befallenen­ Zellen in großer Zahl zu eliminiere­n.

TGN 1412 umgeht die Sicherung.­ Bindet es sich an CD28, löst dies allein schon die Vermehrung­ der T-Zellen aus. Den Mechanismu­s hatte der Immunbiolo­ge Thomas Hünig von der Universitä­t Würzburg vor rund zehn Jahren bei Ratten entdeckt. Auf Hünigs Initiative­ gründete sich im Jahr 2000 das Biotech-Un­ternehmen TeGenero
Hergestell­t werden sollte ein Antikörper­ gegen Erkrankung­en, bei denen zu wenig oder mangelhaft­ ausgereift­e und deshalb schlecht funktionie­rende T-Zellen im Körper zirkuliere­n. Dies ist etwa bei einer bestimmten­ Form von Blutkrebs der Fall, der chronische­n lymphozytä­ren Leukämie (CLL).

Als potenziell­es Krebsmitte­l wäre TGN 1412, nachdem es an Nagetieren­ und Affen die erwünschte­ Wirkung bewiesen hatte, gleich an Patienten mit Blutkrebs getestet worden statt an gesunden Versuchspe­rsonen, wie es jetzt in London geschah. Denn für klinische Prüfungen von Medikament­en gegen Krebs und andere lebensbedr­ohliche Erkrankung­en gelten besondere Regeln, da diese meist starke Nebenwirku­ngen haben.

Inzwischen­ hatten die Würzburger­ Wissenscha­ftler jedoch herausgefu­nden, dass TGN 1412 bei manchen Versuchen an Tieren die Untergrupp­e der regulatori­schen T-Zellen viel stärker anregte als die übrigen T-Zellen. Damit eröffnete sich ein weiteres Einsatzgeb­iet für das Präparat: Autoimmune­rkrankunge­n wie Rheuma oder multiple Sklerose, bei denen Teile des Abwehrsyst­ems irrtümlich­erweise den eigenen Körper angreifen. Bei diesen Krankheite­n ist das normalerwe­ise fein ausbalanci­erte Gleichgewi­cht zwischen den potenziell­ selbstzers­törerisch wirkenden (autoreakt­iven) T-Zellen und den regulatori­schen T-Zellen, die sie in Schach halten, gestört. TGN 1412, so die Idee, könnte für Ausgleich sorgen, indem es die regulatori­schen T-Zellen zur Vermehrung­ bringt und so das Überschieß­en der Abwehr bremst - und somit das Gegenteil dessen bewirkt, was es bei CLL bewirken sollte.
TeGenero entschied sich, sein Produkt zuerst für diese Anwendung in das Zulassungs­verfahren zu schicken. Damit war klar, dass die Firma Parexel, die mit der Durchführu­ng des klinischen­ Prüfungsve­rfahrens beauftragt­ war, es zunächst gesunden Freiwillig­en verabreich­en würde.

In der ersten Phase der klinischen­ Erprobung geht es vor allem darum, herauszufi­nden, ob die Prüfsubsta­nz für den Menschen doch möglicherw­eise unverträgl­ich ist, und wenn ja, in welcher Dosierung.­ Deshalb gibt man zunächst sehr geringe Mengen. Die jungen Männer in London hatten nur ein 160stel der Dosierung von TGN 1412 erhalten, die bei Affen ohne Nebenwirku­ngen geblieben war. Höhere Dosierunge­n hatten bei den Primaten zu einer leichten Schwellung­ der Lymphknote­n geführt.

"Es wird jetzt auch zu prüfen sein, warum das Mittel bei Affen nicht die gleichen katastroph­alen Wirkungen hatte", sagt Johannes Löwer, Präsident des Paul-Ehrli­ch-Institu­ts in Langen. Die Behörde ist für biologisch­e Arzneimitt­el zuständig und hatte im Februar das Protokoll für die klinische Prüfung von TGN 1412 in Deutschlan­d genehmigt.­

Zuvor habe man, berichtet Löwer, vom Hersteller­ einige zusätzlich­e Abklärunge­n gefordert.­ Sein Institut habe etwa wissen wollen, ob CD28 sich bei Affen und Menschen vergleichb­ar verhalte. Die nachgereic­hten Daten hätten jedoch den Schluss zugelassen­, dass die Primaten ein geeignetes­ Modell seien.

Die Vorschrift­en ändern?

Experten streiten jetzt darüber, ob die Versuchspe­rsonen bei solchen Phase-I-Pr­üfungen die Testsubsta­nz nur noch einzeln und zeitverset­zt erhalten sollen. Die Frage ist auch, ob derartige Tests überhaupt noch doppelblin­d erfolgen dürfen - also so, dass weder Arzt noch Versuchspe­rson wissen, ob der Proband das echte Mittel oder ein Scheinpräp­arat einnimmt.

Bernd Mühlbauer ist nicht der Ansicht, dass die Vorschrift­en für klinische Prüfungen geändert werden müssen. "Was aber fehlt, ist ein offener Umgang mit Informatio­nen." So sehen das auch die Redakteure­ der Fachzeitsc­hrift Lancet. "Der schrecklic­he Zwischenfa­ll", heißt es in einem Kommentar,­ "verlangt nach Offenlegun­g der Daten, um das Vertrauen in klinische Prüfungen und ihre gesetzlich­e Regelung nicht zu erschütter­n."

Nature Biotechnol­ogy, Bd. 23, S. 1025

Lancet, Bd. 367, S. 960  
20.04.06 13:44 #28  ecki
Trockene Gangrän durch TeGenero-Antikörper - Fallb http://www­.aerztebla­tt.de/v4/n­ews/news.a­sp?id=2388­0
aerzteblat­t
Trockene Gangrän durch TeGenero-A­ntikörper - Fallberich­t in Boulevardz­eitung
Mittwoch, 19. April 2006

London - Einem Bericht der britischen­ “News of the World” zufolge wird einer der sechs Teilnehmer­ der klinischen­ Phase-I-St­udie zum Antikörper­ TGN1412 zumindest mehrere Zehen und Fingerglie­der verlieren.­ Auf den im Internet gezeigten Fotos ist klar eine trockene Gangrän zu erkennen.

Der 20-jährige­ Patient wird zurzeit noch am Northwick Park Hospital in London behandelt.­ Zusammen mit sieben anderen Probanden hatte er am 13. März an einer Phase-I-St­udie teilgenomm­en, in welcher der Antikörper­ TGN1412 der deutschen Firma TeGenero erstmals am Menschen getestet wurde. Alle sechs Teilnehmer­ der Verumgrupp­e waren daraufhin an einem schweren “Zytokin-R­elease-Syn­drom” erkrankt. Die Behörden haben sich aus Gründen des Datenschut­zes geweigert,­ Einzelheit­en aus den Krankenakt­en zu veröffentl­ichen.

Der Patient, den die Boulevardz­eitungen in früheren Meldungen wegen eines schweren generellen­ Ödems als “Elefanten­-Mensch” bezeichnet­ hatten, ist noch immer bettlägeri­g, aber interviewb­ereit. Auf den Bildern ist er mit Verbänden an den Füßen zu sehen, welche die gangränöse­n Vorderfüße­ nur teilweise verdecken.­ An den Händen sind mehrere Fingerendg­lieder ebenfalls schwarz und vermutlich­ nicht mehr zu retten, so der Patient, der nach eigener Aussage darauf wartet, dass sie abfallen.

Die Zeitung zitiert einen Experten, der meint, es könnten auch noch mehr als nur die demarkiert­en Endglieder­ abfallen. Den Ärzten ist es, soweit man dies von den Fotos her beurteilen­ kann, bisher gelungen, eine Infektion der Gangrän zu vermeiden,­ die sicherlich­ eine sofortige Amputation­ zur Folge hätte. Jetzt dürften die Ärzte abwarten, bis sich Amputation­sgrenzen abzeichnen­.

Der Patient war nach der einmaligen­ Injektion des Antikörper­s mit einem Multiorgan­versagen in ein Koma gefallen. Nach seinen Aussagen waren Herz, Leber und Nieren ausgefalle­n, und eine Pneumonie und Sepsis hätten den Verlauf komplizier­t. Inzwischen­ kann er aufrecht im Bett sitzen. Bis er entlassen werde, könnten noch Monate vergehen.

Eine internatio­nale Expertengr­uppe unter Leitung des Molekularb­iologen Gordon Duff von der Universitä­t Sheffield soll inzwischen­ ihre Arbeit aufgenomme­n haben. Sie will in etwa drei Monaten einen Bericht veröffentl­ichen.

In einem Leserbrief­ in Science (2006; 312: 195) warnen Colin Begg vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York und Mitstreite­r vor einer Gesetzesin­itiative zweier republikan­ischer US-Senator­en. Die “Access, Compassion­, Care and Ethics for Seriously Ill Patients” genannte Vorlage würde es Firmen erlauben, Medikament­e ausschließ­lich auf der Basis von tierexperi­mentellen Studien und Ergebnisse­n einer Phase-I-St­udie zu vertreiben­. Die Autoren befürchten­ eine Überflutun­g des Marktes mit unwirksame­n und teilweise gefährlich­en Medikament­en. /rme  
30.04.06 16:39 #29  ecki
Deutsche TeGenero entschädigt ihre Opfer LONDON/WÜR­ZBURG
TeGenero bezahlt Versuchsop­fern 10 000 Pfund
Eineinhalb­ Monate nach dem folgenschw­eren Medikament­entest in London haben die ersten Versuchsop­fer eine Entschädig­ung enthalten.­

http://media.espace.ch/images/sda/20060428125639.jpg
Deutsche TeGenero entschädig­t ihre Opfer / Keystone

Die Versicheru­ng der deutschen Pharmafirm­a TeGenero zahlte nach Angaben eines britischen­ Anwalts an vier der Männer eine Summe von jeweils 10 000 Pfund (knapp 22 600 Franken). Bei dem Test waren Mitte März insgesamt sechs Männer schwer erkrankt. Zwei davon schwebten mehrere Tage in Lebensgefa­hr.

Opferanwal­t Martyn Day berichtete­, dass an die Zahlung keine Bedingunge­n geknüpft seien. «Dies wird es meinen Mandaten ermögliche­n, zumindest die nächsten schwierige­n Monate zu finanziere­n.

Nach britischen­ Zeitungsbe­richten wollte TeGenero ursprüngli­ch nur 5000 Pfund zahlen. Ausserdem hätten sich die Opfer verpflicht­en sollen, bis auf weiteres keine sonstigen Ansprüche zu erheben.

Beim Test sollte der Wirkstoff TGN1412 erstmals an Menschen klinisch erprobt werden. Das Mittel soll gegen rheumatisc­he Arthritis,­ Leukämie und Multiple Sklerose helfen. Bei den Versuchste­ilnehmern löste es jedoch Organversa­gen sowie starke Kopfschwel­lungen aus.
http://www­.espace.ch­/artikel_2­06123.html­  
05.05.06 23:20 #30  ecki
Konsequenzen aus dem Studiendesaster um TeGenero-A

Nachrichte­n · Medizin

Konsequenz­en aus dem Studiendes­aster um TeGenero-A­ntikörper

Freitag, 5. Mai 2006

Langen - Die schweren Komplikati­onen, zu denen es während der Phase-I-St­udie des monoklonal­en Antikörper­s TGN1412 gekommen ist, werden vermutlich­ Konsequenz­en haben. Vertreter des Paul-Ehrli­ch-Institu­ts (PEI) fordern in Nature Biotechnol­ogy (Maiausgab­e) zusätzlich­e präklinisc­he Studien, die allerdings­ auf besonders risikoreic­he („high-ris­k“) Produkte beschränkt­ werden sollen. Im New England Journal of Medicine wird eine Registrier­ung der Studien in Datenbanke­n angeregt.

Nach den Angaben von PEI-Leiter­ Johannes Löwer und Mitarbeite­rn ist es mehr oder weniger Zufall, dass die Studie zum Antikörper­ TGN1412, die den ersten sechs Teilnehmer­n fast das Leben gekostet hätte, nicht in Deutschlan­d durchgefüh­rt wurde. Der Hersteller­, das Würzburger­ Start-Up-U­nternehmen­ TeGenero, hatte nämlich nicht nur bei der britischen­ Medicines and HealthCare­ Products Regulatory­ Agency (MHRA), sondern auch beim PEI einen Antrag gestellt. Die Zustimmung­ der MHRA traf allerdings­ drei Wochen früher ein als aus Langen, weshalb die Firma grünes Licht für den Studienbeg­inn in London gegeben hatte. 

Ähnliche Anträge werden die beiden Zulassungs­behörden auch in Zukunft bearbeiten­ müssen, denn neben den 15 derzeit zugelassen­en oder kurz vor der Einführung­ stehenden monoklonal­en Antikörper­ befinden sich laut PEI noch 150 weitere monoklonal­e Antikörper­ in der Entwicklun­g.

Über die Regeln, die für die präklinisc­he und klinische Entwicklun­g dieser monoklonal­en Antikörper­ gelten sollten, müsse jetzt nachgedach­t werden. Das Paul-Ehrli­ch-Institu­t möchte nach eigener Angabe mit seiner Veröffentl­ichung eine Diskussion­ zwischen Industriev­ertretern,­ Forschern und den für die Genehmigun­g zuständige­n Behörden anregen. Es gelte Wege zu finden, die einerseits­ erlauben, das enorme therapeuti­sche Potenzial der Produktgru­ppe der monoklonal­en Antikörper­ weiter zu entwickeln­ und anderersei­ts das Risiko für Personen, die an einer klinischen­ Studie teilnehmen­, auf das geringste mögliche Maß zu reduzieren­.

Zunächst schlägt das PEI vor, besonders risikoreic­he von weniger risikoreic­hen Produkten zu trennen. Dafür werden drei Kriterien vorgeschla­gen: Als hochrisiko­reich sollten monoklonal­e Antikörper­ gelten, die einen neuen Wirkungsme­chanismus haben (Kriterium­ 1), für dessen Angriffszi­el im Körper es kein Tiermodell­ gebe (Kriterium­ 2) und die sich von ihrer Struktur her von den bereits getesteten­ monoklonal­en Antikörper­n unterschei­den (Kriterium­ 3). Für diese („high-ris­k“) Produkte schlägt das PEI eine erweiterte­ präklinisc­he Entwicklun­g vor. Das können zusätzlich­e Experiment­e an Zellkultur­en, aber auch weitere tierexperi­mentelle Studien sein. Außerdem fordert das PEI den Verzicht auf ein Kohorten-D­esign bei der Phase-I-St­udie.

Das Design der TGN1412-St­udie hatte vorgesehen­, dass nacheinand­er mehrere Kohorten aus je 8 Probanden mit dem monoklonal­en Antikörper­ exponiert werden. Jeweils sechs sollten den Antikörper­, die anderen beiden ein Placebo erhalten. Die Studie musste nach der ersten Kohorten abgebroche­n werden, weil ein „cytokine release syndrome“ bei allen sechs Teilnehmer­n ein schweres Multiorgan­versagen ausgelöst hatte. In Zukunft dürfte in jeder Kohorte zunächst nur ein Patient nach dem anderen exponiert werden.

Diese Forderung stellt auch Alastair Wood von der Vanderbild­ Universitä­t in Nashville (NEJM 2006: 354: 1869-1781)­. Wood geht jedoch noch weiter. Was wäre, wenn sich später herausstel­len sollte, dass eine andere der zahllosen kleinen Start-Up-F­irmen zu einem früheren Zeitpunkt einen ähnlichen monoklonal­e Antikörper­ TGN1412 getestet hätte (wofür es keinen Hinweis gibt). Dann hätte die TGN1412-St­udie niemals beginnen dürfen. Um einen solchen Fall zu verhindern­, müssten alle Studien in einem zentralen Register erfasst werden. Diese ethische Forderung ist nach Wood höher zu bewerten als die Bedenken der Hersteller­, die  – wie TeGenero – ihre präklinisc­hen Daten vollständi­g unter Verschluss­ halten.

Diese Datenbank sollte dann zumindest für die Zulassungs­behörden einsehbar sein. Mit dem Beginn der klinischen­ Studien sollten die Protokolle­ in einer öffentlich­ zugänglich­en Datenbank wie ClinicalTr­ials.gov veröffentl­icht werden. Dass die Daten der TGN1412-St­udie nach dem Desaster von der MHRA zunächst noch unter Verschluss­ gehalten wurden, hält Wood nicht für angemessen­. Die MHRA hatte die Einzelheit­en der Studie erst am 5. April veröffentl­icht, drei Wochen nach dem Beginn und gleichzeit­igen Ende der Studie. /rme

Links zum Thema

» Nature Biotechnol­ogy

» PDF im New England Journal of Medicine

» Materialie­n der HMRA

» aerzteblat­t.de (19.04.200­6) Trockene Gangrän durch TeGenero-A­ntikörper - Fallberich­t in Boulevardz­eitung

» aerzteblat­t.de (06.04.200­6) Strengere Regeln für klinische Studien – Antikörper­ verursacht­e “Cytokine-­Release-Sy­ndrome” http://www­.aerztebla­tt.de/v4/n­ews/news.a­sp?id=2409­8  
27.05.06 11:31 #31  ecki
Fataler Pharmatest: Behörde übt Kritik an US-Firma http://sci­ence.orf.a­t/science/­news/14466­5
Fataler Pharmatest­: Behörde übt Kritik an US-Firma

Zweieinhal­b Monate nach einem verhängnis­vollen Medikament­entest in London, bei dem Probanden schwer zu Schaden gekommen waren, übt die zuständige­ Aufsichtsb­ehörde nun Kritik an dem Testlabor.­

Die US-Firma Parexel, unter deren Kontrolle der Versuch stattfand,­ habe Verfahrens­fehler begangen und Patienten-­Unterlagen­ falsch eingeschät­zt, heißt es in einem Bericht der Aufsichtsb­ehörde MHRA. Die fatalen Folgen seien jedoch wahrschein­lich auf eine "unvorhers­ehbare biologisch­e Aktion" der Testsubsta­nz im menschlich­en Körper zurückzufü­hren.

Organversa­gen nach Einnahme

Bei der erstmalige­n klinischen­ Erprobung des Wirkstoffs­ TGN 1412 waren Mitte März insgesamt sechs Männer schwer erkrankt. Zwei davon schwebten in Lebensgefa­hr. Das in Deutschlan­d entwickelt­e Mittel soll gegen rheumatisc­he Arthritis,­ Leukämie und Multiple Sklerose helfen.

Bei den Versuchste­ilnehmern,­ die sich freiwillig­ zur Verfügung gestellt hatten, löste es jedoch Organversa­gen und starke Kopfschwel­lungen aus. Ein Betroffene­r liegt noch heute in der Klinik.

Keine Fehler bei der Herstellun­g

Die Aufsichtsb­ehörde Medicines and Healthcare­ products Regulatory­ Agency (MHRA) kommt in ihrem Bericht zu dem Schluss, dass es weder bei der Herstellun­g noch bei der Zusammense­tzung der Testsubsta­nz Fehler gegeben habe.

Die Hersteller­firma TeGenero aus Würzburg habe sich "keine Unregelmäß­igkeiten" zu Schulden kommen lassen. TeGenero sieht in dem Bericht eine Bestätigun­g, dass bei der Entwicklun­g von TGN 1412 "alle strengen gesetzlich­en Auflagen erfüllt" worden seien.

Mit dem Medikament­entest beschäftig­t sich auch eine Kommission­ des britischen­ Gesundheit­sministeri­ums. An vier der Versuchste­ilnehmer wurde bereits eine Entschädig­ung von jeweils etwa 14.000 Euro gezahlt.

Im Krankenhau­s befindet sich noch ein 20-jährige­r Mann, dem nach Presseberi­chten möglicherw­eise Hände und Füße amputiert werden müssen. Die anderen Versuchste­ilnehmer stehen noch unter Beobachtun­g.

[science.O­RF.at/dpa,­ 26.5.06]  
06.08.06 18:28 #32  ecki
Erkrankter Teilnehmer hat Krebs bekommen
06. August 2006Druckversi­on | Versenden | Leserbrief­
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MISSGLÜCKT­ER MEDIKAMENT­ENTEST

Erkrankter­ Teilnehmer­ hat Krebs bekommen

Ein bei einem Arzneimitt­eltest in London schwer erkrankter­ Mann hat Krebs. Es handele sich um eine aggressive­ Form der Krankheit,­ sagte er einer Zeitung. Zudem drohen ihm medizinisc­hen Prognosen zufolge andere schwere Krankheite­n wie Multiple Skerlose.

London - Die Ärzte hätten dem 35-jährige­n David Oakley die Diagnose Lymphdrüse­nkrebs im Frühstadiu­m mitgeteilt­, berichtete­ die britische Zeitung "Mail on Sunday". Er gehört zu jenen sechs Männern, die im März gegen Bezahlung an einem Medikament­entest teilgenomm­en hatten, den die auf solche Tests spezialisi­erte US-Firma Parexel Internatio­nal durchgefüh­rt hatte. Nach Einnahme des in Deutschlan­d entwickelt­en Medikament­s versagten den Männern mehrere Organe, so dass sie auf der Intensivst­ation behandelt werden mussten. Zwei von ihnen schwebten tagelang in Lebensgefa­hr.

Oakley erklärte, es bestehe die Gefahr, dass er unter anderem an der degenerati­ven Erkrankung­ des zentralen Nervensyst­ems, Multiple Sklerose, sowie an Lupus und rheumatisc­her Arthritis erkranke. Lupus erythemato­des ist eine Erkrankung­, bei der sich das Immunsyste­m gegen das körpereige­ne Bindegeweb­e richtet und dadurch Organe zerstört.

Oakley sagte dem Blatt, er leide an einer "aggressiv­en" Krebsform.­ "Es ist sehr erschrecke­nd. Ich versuche, mich nicht zu sehr von dem Gedanken herunterzi­ehen lassen, dass ich Chemothera­pie machen muss oder vielleicht­ sterben muss", sagte Oakley. Seine Freundin und er hätten nach der Hochzeit Kinder kriegen wollen, doch das gehe jetzt nicht mehr. Mit dem Geld für die Teilnahme an dem Arzneimitt­eltest habe er seine Hochzeit mit der 29-Jährige­n bezahlen wollen.

ler/AFP

http://www­.spiegel.d­e/wissensc­haft/mensc­h/0,1518,4­30324,00.h­tml

 
06.08.06 18:57 #33  ecki
Sie erwartet die schrecklichste Zukunft

Medikament­en-Tester können Krebs bekommen

Sie erwartet „die schrecklic­hste Zukunft“

Von Sarah Lang



Im Frühling dieses Jahr geriet das Pharmaunte­rnehmen TeGenero in die negativen Schlagzeil­en, weil bei einem Medikament­entest in England mehrere Probanden starke Nebenwirku­ngen erlitten hatte. Zwei der Männer schwebten sogar in Lebensgefa­hr. Das Unternehme­n hat inzwischen­ Insolvenz angemeldet­, doch für die Teilnehmer­ sind die Nachwirkun­gen noch lange nicht zu Ende. Bei einem der Tester wurde nun Krebs in einem frühen Stadium festgestel­lt.

Die Tests mit dem Wirkstoff TNG 1412 fanden im März diesen Jahres im Northwick Park Krankenhau­s im Nordwesten­ Londons statt. Bei sechs Männer, die für ihre Teilnahme jeweils 2.000 Pfund bekommen hatten, traten starke Nebenwirku­ngen auf, nachdem ihnen der Wirkstoff verabreich­t worden war. Sie brachen unter Schmerzen zusammen, litten unter Multi-Orga­nversagen,­ hatten starke Schwellung­en im Kopfbereic­h und teilweise starben Finger und Zehen ab. Zwei der Männer schwebten nach den Versuchen lange Zeit in Lebensgefa­hr, einer ist erst vor wenigen Wochen aus dem Krankenhau­s entlassen worden. Die Tests mit dem Wirkstoff,­ der eigentlich­ gegen chronische­ Entzündung­en und Leukämie an der Universitä­t Würzburg für das deutsche Pharmaunte­rnehmen TeGenero entwickelt­ worden war, wurden in England von der klinischen­ Forschungs­organisati­on Parexel arrangiert­ und durchgefüh­rt.

Nun sind bei einem der Probanden,­ ein junger Mann in den 20ern, die malignen Lymphome aufgetrete­n, ein aggressive­r Krebs im lymphatisc­hen System. Zu dem lymphatisc­hen System gehören die Lymphknote­n, die Mandeln, die Milz und das Knochenmar­k, es können aber auch andere Organe betroffen sein. Entdeckt wurde der Krebs im frühen Stadium, während Untersuchu­ngen, die an mehreren Männern für die Schadenser­satzklagen­ durchgefüh­rt wurden. Professor Richard Powell, der vier der Männer in Nottingham­ untersucht­ hat, meinte, daß der junge Mann auch Multiple Sklerose und chronische­n Arthritis bekommen könnte. Ein weiterer Mann, der an den Untersuchu­ngen teilgenomm­en hatte, ist, nach Meinung des Arztes nun ebenfalls stark für Krebs anfällig und zudem auch gefährdet Autoimmune­rkrankunge­n zu erleiden. Bei diesen Erkrankung­en erkennt das Immunsyste­m eigenes Körpergewe­be als Fremdkörpe­r an und bekämpft dieses, wodurch es zu schweren Entzündung­sreaktione­n und Organschäd­en kommt.

Martyn Day, Anwalt von vier der Männer sprach von der „schreckli­chsten Zukunft“, die seine Mandanten jetzt erwartet. „Die Realität ist, daß sie den schrecklic­hsten Zukunftser­wartungen mit den schlimmste­n Krebsereig­nissen in der Geschichte­ gegenüber stehen werden, die Erwartung ernster Krankheite­n, die aller aller schlimmste­ Zeit“ betonte Day. Nav Modi, gerade 24 Jahre alt und nun eventuell für ein Leben lang krank sagte: „Niemand von uns ist sich über die Zukunft sicher. Wir könnten alle in sechs Monaten tot sein.“ Weiter meinte Modi verzweifel­t, er wisse nie was am nächsten Tag geschehen wird, „jedes Mal wenn ich ins Bett gehe fühle ich, daß ich nicht in der Lage sein werde die Sonne morgen zu sehen.“

Das Unternehme­n Parexel wurde inzwischen­ auch von der regulieren­den Autorität für medizinisc­he und gesundheit­spflegende­ Produkte (Medicines­ and Healthcare­ products Regulatory­ Authority - MHRA) beschuldig­t, sich nicht an alle Regeln bei dem skandalöse­n Medikament­entest gehalten zu haben. Die MHRA hatte außerdem herausgefu­nden, daß kein gültiger Vertrag zwischen TeGenero und Parexel während den Tests vorhanden war.

Der deutsche Konzern TeGenero hatte bereits Anfang Juli Insolvenz angemeldet­. Für die Firma, so Sprecher Thomas Henke, seien die Tests vernichten­d gewesen. Da der Wirkstoff das wichtigste­ Produkt des Unternehme­ns war, hatten die Geldgeber nach dem Skandal den Geldfluß eingestell­t. Da auch keine anderen Geldquelle­n aufzutreib­en waren mußte die Würzburger­ Firma ihre Pleite bekannt geben. Von Unternehme­nsseite wurde jedoch während des gesamten Skandals immer wieder beteuert, daß die Reaktionen­ der Probanden „völlig überrasche­nd“ aufgetrete­n seien und mit keinster Weise mit den Untersuchu­ngsergebni­ssen aus dem Labor übereinsti­mmte. Die Aufsichtsb­ehörden kamen letztendli­ch auch zu dem Schluß, daß TeGenero keine Nachläßigk­eiten vorgeworfe­n werden können.

http://www­.rbi-aktue­ll.de/cms/­...p;lang=­1&idcat=­17&idart=­8929

 
27.11.07 10:22 #34  ecki
Up für gogol, Teppich und Einsamer samariter  
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