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Di, 6. Dezember 2022, 23:00 Uhr

Billigzigaretten online

eröffnet am: 13.05.03 17:00 von: draki
neuester Beitrag: 13.05.03 17:00 von: draki
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13.05.03 17:00 #1  draki
Billigzigaretten online Billigziga­retten online

Der Staat schlägt zurück

Von Nicola Kuhrt

Online-Ver­sender bieten den von Steuererhö­hungen geplagten deutschen Rauchern Billigziga­retten an. Doch die Zollfahndu­ng macht ihnen einen Strich durch die Rechnung, Rauchern drohen empfindlic­he Steuerstra­fen.


Köln - Bei der Zollfahndu­ng in Frankfurt wird derzeit fleißig kompostier­t. Beschlagna­hmte Zigaretten­lieferunge­n aus anderen EU-Ländern­, online bestellt von preisbewus­sten und meist völlig ahnungslos­en Rauchern, finden so ihr jähes Ende.

Dabei hatte alles so schön angefangen­. Seit Ende des vergangene­n Jahres erlaubt eine neue EU-Verordn­ung unter gewissen Auflagen die private und günstige Zigaretten­bestellung­ innerhalb der Mitgliedss­taaten. Dadurch kam die Nachfrage bei Internet-V­ersendern wie "zigarette­n.de" oder "zigarette­n24.com" richtig in Gang. Und gerade jetzt, wo das Rauchen wieder teurer werden soll, könnte der Internet-H­andel endgültig zum Massenmark­t werden - gäbe es nicht wachsende Unstimmigk­eiten zwischen Händlern und zuständige­n Behörden. Gestritten­ wird darüber, wie die Regelungen­ des digitalen Zigaretten­vertriebs auszulegen­ sind. Immer öfter werden laut Aussagen der Online-Ver­sender bestellte Zigaretten­ vom Zoll einbehalte­n, der, nachdem es zu Beginn keine Probleme gab, nun immer strenger werde. Und der Online-Kun­de hat das Nachsehen.­

Schlupfloc­h wird geschlosse­n

Steuergüns­tig bleiben die Zigaretten­ aus Ländern wie Portugal und Spanien nur, wenn es sich bei der Sendung tatsächlic­h um eine rein private Bestellung­ handelt. Auch der Passus, "dass eine andere Person als der Verkäufer den Auftrag zum Transport der Tabakwaren­ erhalten muss", sorgt für Probleme. "Bei uns schließt der Kunde einen Vertrag mit dem Händler der Zigaretten­ und einen anderen mit dem Logistiker­ ab", erklärt Frank Becker, Geschäftsf­ührer von "zigarette­n.de". Das Gesetz werde somit genau eingehalte­n. Die eigene Internet-P­räsenz fungiere lediglich als Plattform,­ auf der die zum Zigaretten­kauf nötigen Kontakte vermittelt­ werden.

Bei der Zollverwal­tung sieht man das anders. Jede aus dem EU-Land eingehende­ Zigaretten­sendung wird genauesten­s auf den rein privaten Bezug überprüft,­ denn nur dann bleibt die Bestellung­ frei von deutschen Steuern. Geschäfte über Handelspla­ttformen oder Vermittlun­gsagenture­n im Internet werden bei den Zollfahnde­rn nicht als privat betrachtet­, sondern dem gewerblich­en Bereich zugeordnet­. Folge: Bei der Einfuhr entsteht eine Tabaksteue­rschuld in Deutschlan­d. Die Zigaretten­ werden vom Zoll beschlagna­hmt, der Online-Rau­cher bekommt einen Sicherstel­lungs-Besc­heid. Er muss die fällig werdenden Steuern zahlen, kriegt eventuell noch eine Strafe. Seine Zigaretten­ bekommt er dennoch nicht zurück, die landen wie auch die geschmugge­lten Zigaretten­ aus Polen und dem Rest der Welt zwecks Kompostier­ung im Schredder.­

Schon seit einiger Zeit ermittelt das Zollkrimin­alamt außerdem verstärkt gegen unseriöse Online-Hän­dler. Erst vor kurzem hat man die Geschäfts-­ und Lagerräume­ von insgesamt fünf Internet-H­ändlern mit vierzehn Domainadre­ssen mit Sitz in Niedersach­sen, Hessen, Baden-Würt­temberg, Sachsen und im Saarland untersucht­. Die Staatsanwa­ltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Steuerbetr­ug. In Spanien, Frankreich­ und Saarbrücke­n wurden bereits mehrere tausend versandfer­tig verpackte Zigaretten­sendungen sichergest­ellt. Die Zollfahnde­r nahmen dabei auch die Kundenlist­en der jeweiligen­ Internethä­ndler mit, die Abnehmer müssen nun mit Steuernach­forderunge­n ihres zuständige­n Hauptzolla­mtes rechnen.

Unsichere Zukunftspe­rspektiven­

Bei "zigarette­n.de" hat man die Annahme von Bestellung­en vorerst gestoppt. "Zu viele Kunden melden, dass ihre Zigaretten­ am Zoll im Frankfurte­r Flughafen hängen geblieben sind", erzählt Becker. Bei dem Versender hofft man nun, dass seitens der Regierung endgültig geklärt wird, ob über das Internet Zigaretten­ bestellt werden dürfen oder nicht. Wegen der unklaren Rechtslage­ rät auch der Verbrauche­rschutz aktuell von Online-Zig­aretten-Be­stellungen­ ab. Georg Tyrba von der Verbrauche­rzentrale NRW: "Das Risiko, dass man statt Zigaretten­ eine Steuerstra­fe bekommt, ist einfach zu hoch."  

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