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Mi, 8. Dezember 2021, 13:44 Uhr

ifo Geschäftsklima: Unternehmen rechnen mit länger anhaltenden Belastungen


25.10.21 12:43
Nord LB

Hannover (www.aktiencheck.de) - Heute Vormittag hat das Münchner ifo-Institut aktuelle Ergebnisse seiner Konjunkturumfrage unter rund 9.000 deutschen Unternehmen veröffentlicht, so die Analysten der Nord LB.

Im Berichtsmonat Oktober habe sich die seit vier Monaten anhaltende Stimmungseintrübung in der deutschen Wirtschaft fortgesetzt. Das ifo-Geschäftsklima für die gewerbliche Wirtschaft habe sich auf nur noch 97,7 Punkte reduziert. Die meisten zuvor befragten Analysten und Volkswirte hätten mit einem erneuten Rücksetzer in dieser Größenordnung gerechnet.

Wie schon im September seien sowohl die aktuelle Lage als auch die Geschäftserwartungen schlechter als im Vormonat eingeschätzt worden. Bei den Geschäftserwartungen sei es im Oktober sogar wieder beschleunigt abwärts gegangen. Mit nur noch 95,4 Punkten werde hier der tiefste Stand seit Februar markiert. Zwar liege der Wert noch immer über dem Vorkrisenniveau, mit einem weiteren Rückgang in der Größenordnung des laufenden Monats würde diese Marke jedoch erreicht.

Schon fast überraschend robust präsentiere sich im Oktober die Lagekomponente. Zwar hätten die Unternehmen die aktuelle Situation etwas weniger positiv als im Vormonat eingeschätzt, ein ausgeprägter Rückgang sei jedoch ausgeblieben. Die zugehörige ifo-Zeitreihe habe sich nur leicht auf 100,1 Punkte verringert und verharre damit weiterhin oberhalb des Vorkrisenniveaus. Die Vorgaben unter anderem von den Umfragen von sentix und ZEW hätten hier durchaus eine schlechtere Entwicklung angedeutet.

Die anhaltenden Liefer- und Materialengpässe würden die Achillesferse für die deutsche Industrie und die gesamte konjunkturelle Entwicklung bleiben. Inzwischen würden sich auch Hinweise darauf mehren, dass die seit Monaten anhaltende Knappheitssituation in der Industrie nun auf weitere Wirtschaftsbereiche überzuspringen drohe. So werde auch im Einzelhandel mit Blick auf das wichtige Weihnachtsgeschäft bei immer mehr Gütern eine Knappheit befürchtet, die zumindest deutlich längere Lieferzeiten oder Preiserhöhungen zur Folge haben dürften.

Entsprechend beschränke sich die Stimmungseintrübung, anders als im Vormonat, nicht mehr nur auf das Verarbeitende Gewerbe. Mit Ausnahme des Bauhauptgewerbes habe sich die Wirtschaftsstimmung in allen Bereichen abgekühlt. Derzeit würden offenbar nur noch wenige Unternehmen Hoffnung auf eine schnelle Lösung der Probleme in der deutschen Wirtschaft hegen. Neben Knappheiten würden sich die Unternehmen auch Belastungen durch den kräftigen Energiepreisschub gegenübersehen.

Die Corona-Infektionszahlen, die zuletzt in der Wahrnehmung etwas in den Hintergrund getreten waren, scheinen zudem wieder stärker anzusteigen, so die Analysten der Nord LB. Zwar sei wegen der Impfungen die Lage nicht vergleichbar mit den Entwicklungen vor einem Jahr. Sollte sich der Trend jedoch weiter fortsetzen, wären erneute negative Auswirkungen auf das Verbrauchervertrauen in den kommenden Wintermonaten nicht auszuschließen. Im EZB-Rat würden vor allem die Tauben auf die zunehmenden Abwärtsrisiken für die Konjunktur hinweisen, was angesichts der zugleich erhöhten Inflationsrisiken zu Kontroversen mit dem Falkenlager führen dürfte. Im Ergebnis werde im Dezember nur ein vorsichtiger und langsamer Ausstieg aus dem PEPP im Laufe des Jahres 2022 mehrheitsfähig sein.

Die Stimmung in den deutschen Unternehmen habe sich auch im Oktober weiter verschlechtert. Der ifo-Geschäftsklimaindex sei auf 97,7 Punkte zurückgegangen. Vor allem die Geschäftserwartungen seien deutlich nach unten korrigiert worden. Immer mehr Unternehmen scheinen sich auf längere Belastungen durch Knappheiten einzustellen oder fürchten gar ein Übergreifen auf weitere Wirtschaftsbereiche wie den Handel, so die Analysten der Nord LB. Mit dem zusätzlichen Energiepreisschub würden sich die Konjunktur- und Inflationsrisiken weiter erhöhen. Im EZB-Rat seien kontroverse Debatten wahrscheinlich, das Taubenlager - strukturell in der Mehrheit - dürfte sich jedoch bei den für Dezember angekündigten Beschlüssen zum PEPP durchsetzen. (25.10.2021/ac/a/m)