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So, 4. Dezember 2022, 22:40 Uhr

EUR/USD (Euro / US-Dollar)

WKN: 965275 / ISIN: EU0009652759

Währungen: Der Dollar gibt den Ton an


04.08.22 16:50
Citigroup

New York (www.aktiencheck.de) - Gegenüber dem Euro zeigt sich die US-Währung (ISIN EU0009652759 / WKN 965275) so stark wie seit 20 Jahren nicht mehr, so Dirk Hess, Derivateexperte der Citigroup.

Woher rühre diese Dominanz und werde sie zur neuen Normalität? Ein Aspekt sei dabei von entscheidender Bedeutung.

An den Devisenmärkten sorge seit geraumer Zeit die allgemeine Stärke des US-Dollars für reichlich Gesprächsstoff. Auch gegenüber dem Euro habe die US-Valuta in den vergangenen Monaten kräftig aufgewertet. Habe man vor einem Jahr für einen Euro noch rund 1,19 USD erhalten, bekomme man jetzt für eine Einheit der Gemeinschaftswährung nur noch etwa 1,02 USD. Das letzte Mal, dass sich der EUR/USD-Wechselkurs auf Paritätsniveau bewegt habe, sei Anfang 2002 gewesen. Wer es nicht mehr wisse: Der Euro sei damals gerade ein Jahr alt gewesen - zumindest in seiner physischen Form als Bargeld. Als Buchgeld sei die Gemeinschaftswährung bekanntlich schon zwei Jahre früher gestartet - am 1. Januar 1999.

Dass der Greenback - wie der US-Dollar im Finanzjargon auch genannt werde - gegenüber dem Euro deutlich an Wert gewonnen und quasi Paritätsniveau erreicht habe, möge so manchen Anleger erstaunen. Allerdings sei das im Grunde keine Überraschung. Zum einen würden viele Devisenmarktakteure bei ihren Analysen auf konjunkturelle Indikatoren wie etwa das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts schauen. Und je robuster die Wirtschaftsaussichten eines Landes seien, desto fester sollte sich theoretisch der Wechselkurs zeigen. Tatsächlich stehe die US-Wirtschaft trotz der massiven Zinsschritte durch die Notenbank FED im Augenblick noch deutlich besser da als die der EU. Dabei spiele die Realwirtschaft im Devisenhandel eigentlich gar keine so große Rolle.

Laut Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) betrage das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen an den globalen Devisenmärkten etwa 6,5 Billionen US-Dollar, wobei davon rund 1,8 Billionen US-Dollar - also rund ein Viertel des weltweiten Forex-Handels - auf das Währungspaar EUR/USD entfallen würden. Doch nur ein Bruchteil dieser Transaktionen - geschätzt seien es zwischen fünf und zehn Prozent - hätten einen realwirtschaftlichen Hintergrund. Der große Rest sei Finanzmarktgeschäften geschuldet. Dass Konjunkturdaten in der Regel dennoch eine starke Wirkung auf Wechselkurse entfalten würden, liege daran, dass die Finanzmarktakteure bei ihren Wechselkursprognosen ökonomische Entwicklungen in den jeweiligen Währungsräumen sehr wohl große Beachtung schenken würden.

Ein anderer Faktor, der Währungskurse bewege, seien die Zinsen, bzw. die Zinsdifferenzen zwischen zwei Währungsräumen. Dabei gelte: Je höher die Zinsdifferenz, umso attraktiver entsprechende Anlagen, desto stärker die Währung. Von daher hätten auch die aggressiven Leitzinserhöhungen der FED zur Power des Greenbacks beigetragen. Zwar habe auch die EZB zuletzt mit einem Zinsschritt um 0,50 Basispunkte überrascht. Doch noch immer hätten viele Devisenhändler starke Zweifel daran, dass die EZB die gleiche Entschlossenheit bei der Inflationsbekämpfung an den Tag legen werde wie die US-Notenbank. Das zeige sich auch daran, dass der Euro von der besagten Zinserhöhung durch die EZB nur sehr kurz habe profitieren können. Anschließend sei ihm sehr schnell wieder die Luft ausgegangen.

Ungeachtet dessen müssten von höheren Zinsen nicht automatisch positive Effekte für den Dollar ausgehen. Denn mit ihrem aggressiven Vorgehen riskiere die FED, die US-Wirtschaft in eine Krise zu stürzen. Dass der Dollar gegenüber solchen Rezessionsängsten nicht immun sei, sei im Mai und Juni zu beobachten gewesen, als die US-Währung zumindest kurzzeitig etwas zur Schwäche geneigt habe. Dass der Greenback das Geschehen nunmehr wieder dominiere, habe damit zu tun, dass die Rezessionssorgen in der EU ebenfalls deutlich zugenommen hätten. Eine Rezession in den USA möge zwar gegen den Dollar sprechen, aber nur dann, wenn es in Europa nicht zu einer noch schlimmeren Wirtschaftskrise komme. Und genau ein solches Szenario könne derzeit aufgrund eines möglichen Gas-Stopps durch Russland niemand ausschließen.

Fazit: Wie es beim EUR/USD-Wechselkurs weitergehe, dürfte also in hohem Maß von der Energieversorgungslage in Europa abhängen. Für den Euro sollte man vor diesem Hintergrund nicht zu optimistisch sein. Immerhin sei davon auszugehen, dass Russland den Faktor Gas weiterhin als politisches Druckmittel einsetzen werde. Eine schnelle Trendwende beim EUR/USD erscheine daher im Augenblick eher unwahrscheinlich. (04.08.2022/ac/a/m)




 
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