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Fr, 17. April 2026, 13:10 Uhr

SAP SE

WKN: 716460 / ISIN: DE0007164600

SAP Aktie: Evolution durch Disruption


20.03.26 09:51
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.aktiencheck.de) - SAP-Aktienanalyse der Raiffeisen Bank International AG:

Manuel Stahl, Analyst der Raiffeisen Bank International AG (RBI), rät in einer aktuellen Aktienanalyse die Aktie der SAP SE (ISIN: DE0007164600, WKN: 716460, Ticker-Symbol: SAP, NASDAQ OTC-Symbol: SAPGF) weiterhin zu kaufen.

Q4 25: Der währungsbereinigte Umsatz habe zum Jahresende um 9% gegenüber dem Vorjahresquartal auf EUR 9,68 Mrd. gesteigert werden können, womit jedoch die Konsensschätzungen in Höhe von EUR 9,78 Mrd. verfehlt worden seien. Auch das Betriebsergebnis sei trotz eines Zuwachs von 27% auf EUR 2,55 Mrd. hinter den Erwartungen der Analyst:innen von EUR 2,75 Mrd. zurückgeblieben. Lediglich der unverwässerte Gewinn je Aktie (Non-IFRS) habe mit einem Anstieg von 16% auf EUR 1,62 überzeugen können (Konsens: EUR 1,55).

Der wichtige Cloud-Bereich habe im abgelaufenen Quartal einen weiteren währungsbereinigten Umsatzzuwachs von 26% auf EUR 5,61 Mrd. verzeichnet. Zwar habe SAP damit im Rahmen der Konsensschätzungen gelegen, jedoch entspreche die Wachstumsrate einem erneuten Rückgang zum Vorquartal, nachdem sich diese bereits von Q2 auf Q3 2025 von 28% auf 27% verringert habe. Demgegenüber habe der Auftragsbestand für SAPs Cloud Lösungen (Current Cloud Backlog) um 25% (währungsbereinigt) auf EUR 21,05 Mrd. gesteigert werden können. Zum 31.12.2025 hätten die Aufträge (Total Cloud Backlog) im Jahresvergleich sogar um 30% auf einen neuen Rekordstand von EUR 77,3 Mrd. zugelegt. Grund für den Anstieg sei laut CEO Christian Klein vor allem die hohe Nachfrage nach SAP Business AI, welche rund zwei Drittel der Q4-Aufträge ausmache. Dies deute auf eine nach wie vor hohe Nachfrage nach SAPs Cloud Lösungen hin, sodass deutlichere Umsatzanstiege wohl nach hinten verschoben würden, der zugrunde liegende Wachstumspfad der Sparte jedoch intakt bleibe.

Zum Jahresbeginn 2026 hätten sich an den Aktienmärkten die Sorgen über eine mögliche KI-Disruption des Softwaresektors, insbesondere von Software-as-a-Service (SaaS), intensiviert. Mit dem zunehmenden Einsatz von selbstständig arbeitenden KI-Agenten und der Verbreitung von "Vibe Coding" – also dem Programmieren von individualisierter Software auf Basis von Anweisungen durch Chatbots – stünden nämlich einige Software Unternehmen vor der Herausforderung, ihre Geschäftsmodelle entsprechend anzupassen, um von Künstlicher Intelligenz zu profitieren, statt von ihr verdrängt zu werden. Obwohl der gesamte Softwaresektor an den Börsen unter den Befürchtungen gelitten habe, sei eine differenziertere Betrachtung der jeweiligen Unternehmen erforderlich. SAP sollte dementsprechend durch die tiefe Integration in den Arbeitsabläufen ihrer Kund:innen vergleichsweise geschützt sein, während die umfassende Expertise und starke Kapitalbasis die sinnvolle Integration von KI-Funktionen begünstige. Die solide Marktposition dürfte dem Konzern zudem Zeit bei der Ausrollung dieser KI-Features verschaffen, wobei das Unternehmen bereits eine neue Einheit mit Hunderten Mitarbeiter:innen angekündigt habe, welche die Einführung von KI bei Kund:innen vorantreiben solle. Demnach liege der Fokus auf der maßgeschneiderten Entwicklung von KI-Anwendungen. Außerdem solle in den kommenden Jahren von der Erstellung klassischer Funktionen vollständig auf den Bau von KI-Agenten umgeschwenkt werden. Somit rechne Manuel Stahl damit, dass SAP von der Weiterentwicklung von KI profitieren könne, statt davon belastet zu werden. Nichtsdestotrotz stelle das Thema KI-Disruption aktuell einen regelrechten Sentimentkiller für den gesamten Softwaresektor dar, vor dem zurzeit auch SAP nicht gefeit sei.

In den vergangenen Jahren habe sich SAP immer mehr vom traditionellen Lizenzmodell entfernt, um sich dem margenträchtigeren Abo-Modell für ihre Cloud-Angebote und befristete On-Premise-Softwarelizenzen anzunähern. Dadurch hätten die wiederkehrenden Subskriptionserlöse im Geschäftsjahr 2025 währungsbereinigt um 26% auf EUR 21,3 Mrd. gesteigert werden können. Im selben Zeitraum seien die lediglich zu einem einmaligen Geldfluss führenden Softwarelizenzerlöse erwartungsgemäß deutlich um 27% auf EUR 1,0 Mrd. gefallen. Nun stehe aber der nächste Umbruch in der Preisgestaltung bevor. Durch den zunehmenden Einsatz von KI-Agenten, die Aufgaben für Mitarbeiter:innen übernehmen, würden nämlich deutlich weniger Nutzer:innen und somit weniger Abonnements von Unternehmen benötigt werden. Folglich solle die Abrechnung künftig nicht mehr vorwiegend nach der Anzahl der Nutzer:innen, sondern nach der KI-Nutzungsmenge erfolgen. Da Manuel Stahl ohnehin von einem schrittweisen Wegfall des klassischen "Per-Seat"-Verrechnungsmodells ausgehe, betrachte er SAPs frühzeitige Anpassung an die neuen Gegebenheiten als überaus positiv an.

Neben den Sorgen über KI-Disruption sei nun auch der Iran-Krieg als Belastungsfaktor für die globalen und insbesondere europäischen Aktienmärkte in den Fokus gerückt. SAP sollte von den damit einhergehenden unmittelbaren Anstiegen der Öl- und Gaspreise weitgehend abgeschirmt sein, sodass sich erst eine längere Andauer des Konflikts und dessen negative konjunkturelle Auswirkungen spürbar auf die Nachfrage nach der Software des deutschen Unternehmens niederschlagen dürften. Die an den Börsen zu beobachtende Unsicherheit mache aber auch vor SAP nicht halt.

Die signifikanten Kursrückgänge der letzten Wochen und Monate schlügen sich inzwischen deutlich in der Bewertung von SAP nieder. Somit handele die Aktie nun wieder 9% unter dem durchschnittlichen zukunftsgerichteten KGV der vergangenen fünf Jahre, während der Bewertungsabschlag gegenüber den Branchen-Peers inzwischen bei 18% liege. Trotz der im Zuge der Disruptionssorgen herabgesetzten Gewinnerwartungen sei der Anteilsschein folglich so günstig wie zuletzt gegen Jahresende 2023.

Ausblick: Für das Geschäftsjahr 2026 prognostiziere SAP Clouderlöse in einer Spanne von EUR 25,8 Mrd. bis EUR 26,2 Mrd., was einem währungsbereinigten Wachstum zwischen 23% und 25% entspreche. Somit rechne der Konzern mit einer im Vergleich zum Vorjahr (+26%) etwas schwächeren Umsatzentwicklung. Auch das währungsbereinigte Betriebsergebnis dürfte mit einem prognostizierten Wachstum von 14% bis 18% auf EUR 11,9 Mrd. bis EUR 12,3 Mrd. nicht an die Zuwachsrate des Jahres 2025 mit +31% herankommen. Zudem rechne SAP mit einem leicht schwächeren währungsbereinigten Wachstum hinsichtlich der Auftragseingänge (Current Cloud Backlog), nachdem sich dieses im Jahr 2025 auf +25% belaufen habe. Die Ankündigung eines Aktienrückkaufprogramms mit einem Volumen von bis zu EUR 10 Mrd. habe die Anlegerschaft kaum über den mauen Ausblick hinwegtrösten können. Wenige Wochen später habe die Führungsebene zudem eine Dividendenerhöhung von 6,4% auf EUR 2,50 je Aktie für das Geschäftsjahr 2025 vorgeschlagen.

Die SAP-Aktie habe in den vergangenen Monaten unter erheblichem Abgabedruck gestanden. Dies lasse sich einerseits fundamental durch das zuletzt erneut verlangsamte Cloud-Wachstum und den schwachen Ausblick für das Geschäftsjahr 2026 erklären. Andererseits seien zum Jahresbeginn sentimentseitig Sorgen über KI-Disruption im Softwaresektor in den Fokus gerückt, was den Kurs von SAP weiter habe abtauchen lassen. Wenngleich sich das Unternehmenswachstum nach wie vor auf einem soliden Niveau befinde, erkenne Manuel Stahl die Bedenken hinsichtlich einer abnehmenden Wachstumsdynamik an und berücksichtige diese auch in seinem Kursziel. Er sehe das Geschäftsmodell von SAP durch die von KI ausgehende Disruption jedoch nicht sonderlich gefährdet, wobei die Skepsis gegenüber Softwareunternehmen aktuell bereits ausreiche, um das Kurspotenzial zu dämpfen. Zudem werde die Aktienperformance durch den aktuellen Iran-Krieg belastet, obwohl sich dessen Auswirkungen auf das Geschäft von SAP kurzfristig in Grenzen halten sollten.

Dementsprechend senke Manuel Stahl sein Kursziel deutlich von EUR 260,00 auf EUR 200,00, was angesichts der starken Kursrückgänge und der nun günstigeren Bewertung nach wie vor einer klaren KAUF-Empfehlung entspreche. Das Kursziel basiere auf einem relativen Bewertungsansatz, der eine historisch angemessene Bewertung im Vergleich zur eigenen fünfjährigen Historie sowie zum Gesamtmarkt und zum Sektor berücksichtige. (Analyse vom 20.03.2026)

Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU für das genannte Analysten-Haus:

Offenlegung von Umständen und Interessen, die die Objektivität der RBI gefährden könnten: www.raiffeisenresearch.com/disclosuresobjectivity (20.03.2026/ac/a/d)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.





 
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