Eskalation im Nahen Osten - Flucht in sichere Häfen
03.03.26 09:22
Nord LB
Hannover (www.aktiencheck.de) - Mit massiven Luftangriffen auf den Iran durch Israel und die USA ist der Konflikt im Nahen Osten am Wochenende erneut militärisch eskaliert, so die NORD LB.
Der erste Schlag habe sich offenbar gezielt gegen die Führung und die Sicherheitskräfte im Iran gerichtet. Dabei seien dutzende hochrangige Vertreter des Regimes getötet worden, unter ihnen auch Irans staatliches und geistliches Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei. Die Schläge seien offenbar monatelang vorbereitet worden, nachdem bereits im vergangenen Juni Israel und die USA unter Verweis auf das iranische Atomprogramm Angriffe geflogen hätten.
Die Kriegsziele seien nun deutlich umfassender als im Juni 2025 und würden die Vernichtung des iranischen Raketen- und Atomprogramms sowie der Marine beinhalten. Implizit werde aber auch ein Regimewechsel angestrebt. Wie lange und wie konsequent die USA und Israel dieses Ziel gemeinsam verfolgen würden, sei eine der entscheidenden Determinanten für die kommenden Wochen. Gerade mit Blick auf die Midterms würden steigender ökonomischer und politischer Druck - etwa durch höhere Energiepreise, eigene Verluste, "Dealangebote" Irans oder wachsenden Druck aus Golfstaaten und der arabischen Welt - hochrelevant sein.
Die neue Eskalation im Nahen Osten würde die Risiken für die Weltwirtschaft und die Märkte erhöhen. Zwar habe sich diese Entwicklung in den vergangenen Tagen und Wochen bereits angedeutet. Nach der Aktion in Venezuela und dem Grönland-Intermezzo habe die US-Administration ihren Fokus zunehmend auf den Iran gerichtet. Trotz gewisser Fortschritte, die der Oman als Vermittler zuletzt gesehen habe, habe sich die US-Seite immer unzufriedener gezeigt. Zudem hätten die USA eine erhebliche militärische Präsenz im Nahen Osten aufgebaut, und Ende vergangener Woche hätten sich die Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Militärschlag verdichtet – u.a. mit dem Abzug von Botschaftspersonal und neuen Reisewarnungen.
Aktuell ließen sich die Auswirkungen kaum abschätzen. Der Iran sei militärisch unterlegen und würde versuchen, rücksichtslos die wirtschaftlichen und politischen Kosten nach oben zu treiben und so den Druck für ein Ende der Angriffe zu erhöhen. Mit Drohnen und ballistischen Raketen seien Israel und Militärbasen der USA in der Region angegriffen worden, aber auch mehrere zivile Ziele in den Golfstaaten. Zudem habe der Iran die Durchfahrt durch die Straße von Hormus untersagt, wodurch in der globalen Energiearterie der Verkehr so gut wie zum Erliegen gekommen sei. Normalerweise würden täglich bis zu 20 Mio. Barrel Öl und ca. 290 Mio. cbm LNG durch die Meerenge transportiert. Ein Ersatz aus anderen Quellen sei daher nicht möglich.
Trotz der Signale im Vorfeld hätten die Finanzmärkte heute mit Risk-off und einer Flucht in sichere Häfen reagiert. Immerhin stabilisiere sich der DAX nach kurzem Abrutschen unter die Marke von 24.700 Punkten. Der Goldpreis lege deutlich zu, bei sicheren Staatsanleihen gebe es hingegen initial kaum Bewegung. Am Ölmarkt seien die Notierungen hingegen deutlich nach oben gegangen, die Marke von 80 USD/b (Brent) sei zunächst nur getestet worden. Die Ankündigung einer Fördererhöhung der OPEC+ ab April habe nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Am Gasmarkt habe sich hingegen ein wesentlich stärkerer Sprung gezeigt, da mit Katar der zweitgrößte LNG-Lieferant der Welt betroffen sei. Die Blockade der Meerenge treffe China nach den Beeinträchtigungen der Öllieferungen aus Venezuela seit Anfang des Jahres besonders.
Fazit: Die militärische Eskalation im Nahen Osten erhöhe die Risiken für die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte erheblich. Zwar seien bereits höhere Risikoprämien eingepreist gewesen, da sich der Konflikt in den vergangenen Wochen abgezeichnet habe. Gleichwohl würden die erweiterten Kriegsziele und die Konfliktdynamik der ersten Tage - insbesondere Irans Versuch, den Konflikt auszuweiten und in die Länge zu ziehen - für neue Unsicherheiten sorgen, insbesondere an den Energiemärkten. Der Straße von Hormus komme nun eine zentrale Bedeutung zu. Dauer und Intensität der Auseinandersetzung würden wesentlich von den ökonomischen und politischen Kosten des Krieges und der Bereitschaft der Beteiligten abhängen, diese zu tragen - was gerade mit Blick auf die US-Midterms im Herbst nur schwer prognostizierbar sei. (03.03.2026/ac/a/m)
Der erste Schlag habe sich offenbar gezielt gegen die Führung und die Sicherheitskräfte im Iran gerichtet. Dabei seien dutzende hochrangige Vertreter des Regimes getötet worden, unter ihnen auch Irans staatliches und geistliches Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei. Die Schläge seien offenbar monatelang vorbereitet worden, nachdem bereits im vergangenen Juni Israel und die USA unter Verweis auf das iranische Atomprogramm Angriffe geflogen hätten.
Die Kriegsziele seien nun deutlich umfassender als im Juni 2025 und würden die Vernichtung des iranischen Raketen- und Atomprogramms sowie der Marine beinhalten. Implizit werde aber auch ein Regimewechsel angestrebt. Wie lange und wie konsequent die USA und Israel dieses Ziel gemeinsam verfolgen würden, sei eine der entscheidenden Determinanten für die kommenden Wochen. Gerade mit Blick auf die Midterms würden steigender ökonomischer und politischer Druck - etwa durch höhere Energiepreise, eigene Verluste, "Dealangebote" Irans oder wachsenden Druck aus Golfstaaten und der arabischen Welt - hochrelevant sein.
Aktuell ließen sich die Auswirkungen kaum abschätzen. Der Iran sei militärisch unterlegen und würde versuchen, rücksichtslos die wirtschaftlichen und politischen Kosten nach oben zu treiben und so den Druck für ein Ende der Angriffe zu erhöhen. Mit Drohnen und ballistischen Raketen seien Israel und Militärbasen der USA in der Region angegriffen worden, aber auch mehrere zivile Ziele in den Golfstaaten. Zudem habe der Iran die Durchfahrt durch die Straße von Hormus untersagt, wodurch in der globalen Energiearterie der Verkehr so gut wie zum Erliegen gekommen sei. Normalerweise würden täglich bis zu 20 Mio. Barrel Öl und ca. 290 Mio. cbm LNG durch die Meerenge transportiert. Ein Ersatz aus anderen Quellen sei daher nicht möglich.
Trotz der Signale im Vorfeld hätten die Finanzmärkte heute mit Risk-off und einer Flucht in sichere Häfen reagiert. Immerhin stabilisiere sich der DAX nach kurzem Abrutschen unter die Marke von 24.700 Punkten. Der Goldpreis lege deutlich zu, bei sicheren Staatsanleihen gebe es hingegen initial kaum Bewegung. Am Ölmarkt seien die Notierungen hingegen deutlich nach oben gegangen, die Marke von 80 USD/b (Brent) sei zunächst nur getestet worden. Die Ankündigung einer Fördererhöhung der OPEC+ ab April habe nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Am Gasmarkt habe sich hingegen ein wesentlich stärkerer Sprung gezeigt, da mit Katar der zweitgrößte LNG-Lieferant der Welt betroffen sei. Die Blockade der Meerenge treffe China nach den Beeinträchtigungen der Öllieferungen aus Venezuela seit Anfang des Jahres besonders.
Fazit: Die militärische Eskalation im Nahen Osten erhöhe die Risiken für die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte erheblich. Zwar seien bereits höhere Risikoprämien eingepreist gewesen, da sich der Konflikt in den vergangenen Wochen abgezeichnet habe. Gleichwohl würden die erweiterten Kriegsziele und die Konfliktdynamik der ersten Tage - insbesondere Irans Versuch, den Konflikt auszuweiten und in die Länge zu ziehen - für neue Unsicherheiten sorgen, insbesondere an den Energiemärkten. Der Straße von Hormus komme nun eine zentrale Bedeutung zu. Dauer und Intensität der Auseinandersetzung würden wesentlich von den ökonomischen und politischen Kosten des Krieges und der Bereitschaft der Beteiligten abhängen, diese zu tragen - was gerade mit Blick auf die US-Midterms im Herbst nur schwer prognostizierbar sei. (03.03.2026/ac/a/m)
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