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Fr, 17. April 2026, 15:58 Uhr

Erste Lockerungen - Wirtschaft hofft und bangt


20.04.20 10:05
DZ BANK

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Mit kleinen Schritten soll in Deutschland langsam wieder der Alltag einkehren, so Marcus Landau, Senior Manager Public Distribution bei der DZ BANK.

Die in der letzten Woche verkündeten Lockerungen der Corona-Beschränkungen seien ein Anfang. Doch die Schäden für die Wirtschaft dürften enorm sein und eine Rezession gelte als sicher.

Am Mittwoch letzter Woche hätten sich Bund und Länder auf Lockerungen in der Corona-Krise geeinigt. Unter anderem dürften ab dieser Woche erste Geschäfte unter Einhaltung von Hygienemaßnahmen wieder öffnen. Obwohl die neuen Regelungen unter dem Strich begrüßt würden, gebe es auch kritische Stimmen. Auf wenig Verständnis stoße beispielsweise die Obergrenze für die Ladengröße. Demnach dürften nur Geschäfte öffnen, welche nicht größer als 800 Quadratmeter seien. Laut verschiedenen Handelsverbänden sei diese Vorgabe willkürlich und führe zu Wettbewerbsverzerrungen und Rechtsunsicherheit. Mit den richtigen Abstands- und Hygieneregeln wäre ihrer Ansicht nach auch eine Öffnung von größeren Geschäften möglich.

Ebenfalls wenig zufrieden mit den Lockerungen sei das Gastgewerbe. Denn nach wie vor müssten Restaurants, Bars, Cafés und Hotels geschlossen bleiben und ein Ende dieser Vorkehrung sei vorerst nicht in Sicht. Um ein Hotel- und Gaststättensterben zu verhindern, würden die entsprechenden Verbände daher neue - über die bisherigen Hilfsprogramme hinausgehende - Rettungs- und Entschädigungsfonds fordern.

Wie schlecht es um die Weltwirtschaft derzeit bestellt sei, werde an den jüngsten Konjunkturdaten aus den USA deutlich. Der viel beachteten Einzelhandelsumsätze seien im März gegenüber dem Vormonat um 8,7% gefallen - dies sei der größte Rückgang aller Zeiten. Während die Verkäufe von Autos, Möbeln und Textilien teils um die Hälfte eingebrochen seien, habe sich die Lebensmittelbranche über ein Umsatzplus von 25% freuen können. Der schwache Konsum und die geringe Nachfrage hätten auch massive Auswirkungen auf das Verarbeitende Gewerbe. So habe die US-Industrieproduktion im März mit -5,4% den stärksten Einbruch seit 1946 verzeichnet. Gleichzeitig schieße die Zahl der Arbeitslosenanträge nach oben.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) habe in seinem jüngsten Konjunkturausblick auch noch einmal auf den Ernst der Lage hingewiesen. Die Experten aus Washington würden in diesem Jahr mit einem Einbruch der Weltwirtschaft um rund 3% rechnen. Zum Vergleich: In der Finanzkrise sei lediglich ein Rückgang von 0,1% zu verbuchen gewesen. Während 2009 die Schwellenländer die Weltwirtschaft noch am Laufen gehalten hätten, sei die Corona-Krise ein globales Problem. Vor allem Industrieländer wie Deutschland, die USA und Frankreich würden aller Voraussicht nach mit einer massiven Rezession konfrontiert werden. Allein für Deutschland erwarte der IWF in diesem Jahr einen Rückgang des BIP von 7%.

Doch es gebe auch Hoffnung. Während in Deutschland die ersten Lockerungen verkündet worden seien, sei in Ländern wie beispielsweise China schon eine Erholung der Wirtschaft zu beobachten. Zudem würden die weltweiten Hilfspakete und Konjunkturprogramme Wirkung zeigen. Daher blicke auch der IWF positiv in die Zukunft und prognostiziere bereits für 2021 ein Wachstum der Weltwirtschaft von 5,8%. (Ausgabe vom 17.04.2020) (20.04.2020/ac/a/m)