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Mo, 20. April 2026, 0:34 Uhr

Das Ende der Globalisierung?


11.11.23 17:11
fairesearch

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Kann das möglich sein, dass wir das Ende der Globalisierung in der Weltwirtschaft gerade erleben, fragt Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Lange Zeit sei in der Globalisierung eine Methode gesehen worden, Güter und Leistungen mittels des internationalen Handels preiswerter für alle Nachfrager herzustellen. Regionen würden ihre Produktion auf bestimmte Produkte konzentrieren und könnten diese in großen Stückzahlen billiger herstellen. Durch den weltweiten Warenaustausch würden dadurch alle Verbraucher profitieren, was die Weltwirtschaft insgesamt beflügele.

Das Chart des IWF zeige, dass der Anteil des internationalen Handels am BIP seit Ende des Zweiten Weltkrieges immer mehr zugenommen habe. Gemessen werde die Summe aus Exporten und Importen, geteilt durch das BIP.

Eine Vielzahl von Schocks in den letzten drei Jahren habe die herkömmliche Weisheit der wirtschaftlichen Integration verunsichert und weitverbreitete Forderungen nach protektionistischer und nationalistischer Politik geschürt. Die Globalisierung habe zu einer allzu starken Abhängigkeit von diesen Billigproduzenten geführt. Nicht erst die große Abhängigkeit von russischen Erdgasimporten für deutsche Verbraucher und Konsumenten habe dies deutlich vor Augen geführt. Die deutsche Industrie sei einmal führend in der Entwicklung und Herstellung von Solarmodulen gewesen, doch die billigere chinesische Konkurrenz habe die weltweite Nachfrage an sich gezogen und China zu einem Monopolisten transferiert.

Gegenwärtig leiden wir unter der starken Abhängigkeit von Medikamenten und pharmazeutischen Artikeln von Indien und China, so die Experten von "fairesearch". In diesen Ländern könnten diese Produkte billiger hergestellt werden und hätten dadurch die europäische Position schrumpfen lassen. Antibiotika seien früher von der Hoechst AG hergestellt worden, ausreichend für ganz Deutschland. Jetzt seien die Produktionsanlagen zu einer Art Museum degeneriert. Lieferengpässe, gewollt oder ungewollt, würden die Gesundheit in europäischen Ländern beeinträchtigen.

In der Zukunft könnten sich die dadurch entstehenden Handelskonflikte sogar noch durch die neu entflammten geopolitischen Turbulenzen verschärfen. Der Krieg in der Ukraine und das Ende der Weizenexporte hauptsächlich in die Dritte Welt hätten den Auftakt gemacht. Jetzt komme auch noch der Krieg im Nahen Osten dazu, der sich bei einer weiteren Eskalation zum 3. Weltkrieg entwickeln könnte. Ein weiterer negativer Höhepunkt drohe durch die Taiwan-Krise.

In Deutschland seien die Einfuhren aus China besonders stark gestiegen, demzufolge aber auch die Abhängigkeit.

Folgerung: Die geopolitischen Turbulenzen hätten das Erfordernis größerer nationaler Unabhängigkeit aufgezeigt. Wenn die Billigprodukte aus Übersee durch heimische Produktion ganz oder teilweise ersetzt würden, dann würden die Preise im Inland hierfür unweigerlich steigen. (Ausgabe vom 09.11.2023) (11.11.2023/ac/a/m)





 
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