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Bitcoin: Zwischentief statt Krypto-Winter


21.11.25 10:37
Leverage Shares

Dublin (www.aktiencheck.de) - Die starke Korrektur von Bitcoin hat die Anleger überrascht, so Violeta Todorova, Senior Research Analyst bei Leverage Shares.

Noch vor wenigen Wochen habe die weltweit größte Kryptowährung neue Höchststände nahe 126.000 US-Dollar getestet. Gestern sei sie unter 90.000 US-Dollar gefallen. Dies habe eine Welle der Angst, Zwangsliquidationen und Spekulationen darüber ausgelöst, ob nun ein langer und schmerzhafter Abschwung beginne. Sei dies das erste Kapitel eines neuen Krypto-Winters oder einfach nur ein zeitlich begrenztes Zwischentief und ein starker, aber letztlich gesunder Rückgang innerhalb des anhaltenden Aufwärtstrends? Eine genauere Betrachtung der Marktstruktur, der Positionierung und des makroökonomischen Umfelds deute darauf hin, dass sich Bitcoin möglicherweise einem Tiefpunkt nähere.

Bitcoin-ETFs hätten in diesem Jahr einen Großteil der Rally angetrieben, doch plötzlich seien sie zu einem Kanal für Verkaufsdruck geworden und der jüngste Rückgang um 30% werde zu einer echten Bewährungsprobe für die neue ETF-Anlegerbasis. Bitcoin habe seine Gewinne für das Jahr wieder eingebüßt und liege seit Jahresbeginn um fast fünf Prozent im Minus. Das vierwöchige Bild der Abflüsse aus US-Spot-ETFs habe sich ins Negative gedreht, mit den größten Abflüssen seit der Zulassung vor fast zwei Jahren.

Der Token sei in dieser Woche unter die Marke von 90.000 US-Dollar gefallen und habe damit den niedrigsten Stand seit etwa sieben Monaten erreicht. Damit liege er unter dem durchschnittlichen Einstiegspreis der Käufer von US-Spot-ETFs, der auf etwa 89.600 US-Dollar geschätzt werde - viele der ETF-Investoren seien nun im Minus. Im November seien bereits rund 2,8 Mrd. US-Dollar aus diesen ETFs abgeflossen, zusätzlich zu den rund einer Billion US-Dollar an Marktwertverlusten bei digitalen Vermögenswerten seit dem Höchststand im Oktober. Absicherungen gegen Kursrückgänge auf 85.000 und 80.000 würden auffallend stark nachgefragt. Ein Zeichen dafür, dass Marktteilnehmer weitere kurzfristige Korrekturen nicht ausschlössen.

Dies sei parallel zu einer allgemeinen Verschlechterung der globalen Risikostimmung geschehen. Tech-Aktien seien gefallen, Anleiherenditen seien gestiegen, die Hedging-Kosten seien geklettert und die Aktienvolatilität habe leicht zugenommen. Bitcoin bleibe der schnellste Indikator für die Risikobereitschaft und reagiere als erstes und am aggressivsten.

Kryptowährungen würden stets heftig reagieren, wenn die Risikobereitschaft sinke

Das Muster sei bekannt: Kryptowährungen würden in der Regel als erste und am stärksten reagieren, wenn die Risikobereitschaft nachlasse, während globale Aktien mit geringeren und verzögerten Bewegungen folgen würden. Die tägliche Korrelation von Bitcoin mit dem MSCI World Index habe in den letzten Monaten bei etwa 0,6 gelegen, mit einem Beta von etwa 0,17. Eine Bewegung von 10 Prozent bei Bitcoin könne also einige Tage später zu einer Bewegung von 1,5 bis 2% bei globalen Aktien führen.

Makroökonomische Gegenwinde nähmen zu: Die Fed spiele nicht mit

Die Krypto-Rally zu Beginn dieses Jahres sei durch die Erwartung beflügelt worden, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) mit der mehrfachen Senkung der Leitzinsen beginnen werde. Dieser Optimismus habe sich in den letzten Wochen allerdings weitgehend verflüchtigt. Der längste Shutdown der US-Regierung in der Geschichte habe zu einem Blackout bei den makroökonomischen Daten geführt. Dies habe die Fed zur Vorsicht veranlasst und habe Zweifel an einer weiteren Zinssenkung im Dezember aufkommen lassen. Die Folge: Wenn die Liquidität knapp werde, würden Assets wie Bitcoin dies als Erste spüren. In den letzten Wochen habe Bitcoin als globales Liquiditätsbarometer fungiert und signalisiert, dass das makroökonomische Umfeld kälter werde und die Risikobereitschaft der Anleger nachlasse.

Derzeit sehe die Reaktion des Marktes noch eher nach einer geordneten Risikoreduzierung als nach einer ungeordneten Flucht aus dem Markt aus. Die Volatilität habe sowohl am NASDAQ als auch bei Kryptowährungen zugenommen, doch der VIX-Boden sei nur geringfügig gestiegen. Die Volatilitätsmärkte würden seit Monaten eine Veränderung signalisieren, wobei an immer mehr Tagen die Auf- und Abwärtsbewegungen des Spots mit einer steigenden Volatilität einhergehen würden. Zusammengenommen deute dies auf einen Markt hin, der sich in Stärke abgesichert habe und nun eher dazu neige, Positionen zu reduzieren, als in Panik zu verfallen.

Warum dies kein Krypto-Winter sei - zumindest noch nicht

Der Begriff "Krypto-Winter" sei zu einer Kurzform und Synonym für tiefe, anhaltende Abschwünge geworden. Die Experten von Leverage Shares würden jedoch nicht glauben, dass ein Winter gekommen sei. Der Abwärtstrend bei Bitcoin werde durch makroökonomische Unsicherheit und nicht durch strukturelle Schwäche angetrieben und die Aussichten für 2026 würden vielversprechend bleiben. Bitcoin befinde sich zwar technisch gesehen in einem Bärenmarkt, es gebe jedoch keine Anzeichen für systemische Belastungen. Frühere Bärenmärkte hätten mit euphorischen Höchstständen begonnen, was in diesem Zyklus nicht der Fall sei. Die aktuelle Korrektur sei typisch für das historische Verhalten von Bitcoin, bei dem Rückgänge von 25% bis 30% häufig in der Mitte eines Bullenmarktes und nicht am Ende auftreten würden.

Es scheine, dass einer der Hauptgründe für den aktuellen Ausverkauf die US-Geldpolitik sei. Wenn die Fed die Lockerung verzögere, könne sich die Liquidität so weit verschlechtern, dass es zu einem tieferen Abschwung komme. Aber ohne dieses Szenario befinde sich Bitcoin eher in einer starken Korrektur als in einem primären Abwärtstrend.

Die treffendste Beschreibung wäre wohl eine klassische Krypto-Bereinigung, die zwar hart genug sei, um Neulinge abzuschrecken, aber für eine langfristige Positionierung gesund sei, denn die Verkäufe würden in erster Linie von kurzfristigen Anlegern stammen. Langfristig orientierte Anleger würden dagegen weiterhin zukaufen. Und was wichtig sei: Im Gegensatz zum FTX-bedingten Zusammenbruch von 2022 habe kein größerer institutioneller Ausfall den Rückgang ausgelöst.

Historisch gesehen würden Bitcoin-Zyklen einen "Flush-Out-Monat" beinhalten, einen Zeitraum, in dem Long-Positionen heftig abgebaut würden, die Stimmung stark negativ werde und die sozialen Medien voller Verzweiflung seien. Diese Momente seien zwar unangenehm, würden aber oft den Grundstein für die nächste Aufwärtsbewegung legen. Dies scheine einer dieser Momente zu sein.

Worauf sich Anleger jetzt konzentrieren sollten

Die wichtigste Erkenntnis sei, dass es sich hierbei nicht um den Zusammenbruch von 2022 handele. Die Fundamentaldaten seien stärker, die Regulierung klarer, die institutionelle Akzeptanz breiter und die Marktstrukturen robuster. Aber die Volatilität sei real und könnte sich verschlimmern, wenn sich das makroökonomische Umfeld weiter abschwäche.

Zu den wichtigen Risiken, die es zu beobachten gelte, würden ein mögliches Ausbleiben der Zinssenkung im Dezember, eine tiefere Korrektur bei Technologieaktien, beschleunigte ETF-Abflüsse und eine anhaltende Verschlechterung der Liquidität gehören. Auf der positiven Seite könnten die sich stabilisierende Risikobereitschaft bei globalen Aktien und sich abzeichnende Akkumulationszonen um die 80.000 Dollar-Marke eine Grundlage für eine eventuelle Erholung bilden.

Die nächsten wichtigen Impulse würden aus den Vereinigten Staaten kommen: die Gewinne von NVIDIA, die am Mittwochabend die Erwartungen der Analysten übertroffen hätten, der verspätete Arbeitsmarktbericht sowie die nächsten Inflationszahlen und schließlich die Sitzung der Fed am 10. Dezember.

Bitcoin-Rückgang: Statt Zusammenbruch erneute Beschleunigung?

Der Einbruch von Bitcoin sei dramatisch, aber die Struktur dieser Bewegung ähnele eher einer heftigen Korrektur in der Mitte des Zyklus als dem Beginn eines mehrjährigen Krypto-Winters. Die Angst sei groß, die Schlagzeilen seien düster und die Geduld werde auf die Probe gestellt. Aber historisch gesehen seien dies genau die Bedingungen, unter denen sich langfristig still und leise Tiefpunkte bilden würden. Wenn sich dieser Zyklus wie gewohnt wiederhole, könnte die nächste bedeutende Bewegung kein Zusammenbruch, sondern eine erneute Beschleunigung sein.

Vorerst sollten Anleger einen kühlen Kopf bewahren, bis wir klare Anzeichen dafür sehen, dass der Ausverkauf vorbei ist und die Fed weiter im Auge behalten, so die Experten von Leverage Shares. Der kalte Wind, der heute durch die Kryptowelt wehe, komme nicht aus der Branche selbst. Er wehe aus Washington herüber. (Ausgabe vom 20.11.2025) (21.11.2025/ac/a/m)





 
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