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Sa, 1. Oktober 2022, 11:18 Uhr

Rallye

WKN: 878000 / ISIN: FR0000060618

Arbeitsmarktdaten und FED unterbrechen Rallye am Goldmarkt


09.08.22 07:50
Miningscout.de

Der Goldpreis stieg in der letzten Handelswoche weiter und erreichte im Hoch mit 1.795$ den Widerstand bei 1.800$, womit Gold binnen etwas mehr als zwei Wochen um 115$ (+6,8%) angestiegen war. Getrieben wurde diese Rallye von der veränderten Erwartung, die US-Notenbank würde im kommenden Jahr ihren Leitzins wieder senken und die lockere Geldpolitik fortsetzen, nachdem die US-Wirtschaft das zweite Quartal infolge geschrumpft war. Der US-Notenbank gefiel diese Einschätzung des Marktes nicht, weshalb einige Notenbanker sogleich versuchten diese Hoffnungen zu zerschlagen.


Die Notenbankchefin von Cleveland, Loretta Mester, warnte noch am Donnerstag, dass es „notwendig sei, die Zinssätze stärker anzuheben, um die Nachfrage zu beruhigen“. Sie wiederholte, dass sie keine Rezession oder Schwäche sehen würde, welche die aktuell restriktive Geldpolitik gefährden würde. Sie warnte sogar, dass Zinsschritte „stärker vorverlagert werden könnten“, womit sie auf einen weiteren Zinsschritt um nochmals 75 Basispunkte bei der nächsten Notenbanksitzung anspielte. Michelle Bowman der US-Notenbank forderte ebenso weitere Zinsschritte um jeweils 75 Basispunkte, womit der Druck auf die Märkte koordiniert verstärkt wird, was den US-Dollar kurzfristig noch einmal Stärke verleihen und den Goldpreis ausbremsen würde.


Bevor ich die Ereignisse der Vorwoche weiter kommentiere, sei kurz gesagt, dass die Vorstellung, die Notenbank hätte die Aufgabe die Nachfrage zu beruhigen, um dem starken Anstieg der Konsumentenpreise Einhalt zu gebieten, völliger Unsinn ist. Man darf davon ausgehen, dass die Notenbanker dies auch wissen und vielmehr die Bevölkerung für dumm verkaufen. Die aktuell stark steigenden Konsumentenpreise sind ausschließlich auf die Ausweitung der Geldmenge durch die Notenbanken zurückzuführen und nicht auf eine vermeintlich „zu hohe Nachfrage“. Eine Wirtschaft kann nicht zu heiß laufen, zu stark wachsen oder vermeintlich zu wenig Nachfrage erzeugen, wie Notenbanker zur Rechtfertigung ihrer Existenz gerne behaupten. Boom- und Bust-Zyklen werden hingegen durch die Eingriffe des Staates und der Notenbanken in den Markt über künstlich niedrige Zinsen verursacht, sei es über das Privileg der Giralgeldschöpfung oder direkte Staatsfinanzierung über die Druckerpresse. Diese führen zu unrentablen Fehlallokationen von Kapital, die letztlich in einer Rezession wieder bereinigt werden müssen. Die Notenbanken sind kein regulierendes Element in einer grundsätzlich schwankenden Wirtschaftsentwicklung, sondern das destabilisierende Element, einer ohne Interventionen stabil und kontinuierlich wachsenden Wirtschaft.


Die Märkte ignorierten die Drohungen der Notenbanker und stiegen bis Freitagnachmittag weiter an, während man einen schlechten Arbeitsmarktbericht am Freitag bereits eingepreist hatte, nachdem es in den letzten Wochen viele Meldungen über Entlassungen und geplanten Stellenabbau bei großen Unternehmen gab. Schlechte Arbeitsmarktdaten hätten die Erwartung des Marktes, wonach die FED im nächsten Jahr einen Rückzug antreten muss, bestätigt. Stattdessen fielen die Arbeitsmarktdaten schockierend stark aus, womit die Hoffnungen des Marktes brutal zerschlagen wurden und die Rallye am Freitagnachmittag abrupt endete.


Anstatt der erwarteten 250 Tsd. waren es 528 Tsd. neu geschaffener Stellen außerhalb der Landwirtschaft, womit die Androhungen weiterer Zinsanhebungen um jeweils 75 Basispunkte wahrscheinlicher und eine Umkehr der Geldpolitik unwahrscheinlicher wurde. Ein Schelm, wer auf den Gedanken kommt, die Arbeitsmarktdaten würden statistisch verfälscht, um stets das Narrativ der Politik zu bestätigen und die Märkte in gewisse Bahnen zu lenken. Die Arbeitslosigkeit fiel im Juli wieder auf das Niveau vor der Corona-Pandemie und die Arbeitslosenquote sank von 3,6% auf 3,5%. Da Arbeitskräfte erst in einer allgemein wahrgenommenen Rezession prozyklisch entlassen werden, widersprechen die Arbeitsmarktdaten grundsätzlich nicht dem Schrumpfen des BIPs. Dass die US-Wirtschaft trotz vermeintlicher Vollbeschäftigung nicht mehr wächst, zeigt jedoch das Ausmaß der Schäden, die die Nullzinspolitik in den USA und insbesondere in Europa angerichtet hat.


Die guten Arbeitsmarktdaten fielen überraschend gut aus, worauf der Goldpreis mit einem Preisrückgang reagierte 

Nachdem das Narrativ einer nahen Wende in der Geldpolitik mit den sehr guten Arbeitsmarktdaten beerdigt wurde, ging es an den Aktien-, Anleihen und Rohstoffmärkten nach unten. Am Goldmarkt gab es bereits am Freitagvormittag ein kurzfristiges Verkaufssignal bzw. das Signal zu einer kurzfristigen Gewinnmitnahme nach einem abgeschlossenen Impuls an einem Widerstand mit Trendbruch bei 1.890$, doch kam es erst mit den Arbeitsmarktdaten um 14:30 Uhr zu einem schlagartigen Einbruch des Goldpreises auf 1.765$. Der Silberpreis brach zeitweise um 50 US-Cent ein, nachdem zuvor ein ähnliches technisches Signal auftrat. Zum Wochenschluss konnten sich der Gold- und Silberpreis hingegen wieder leicht erholen auf 1.776$ bzw. 19.86$. Platin war hingegen sehr stark und kletterte weiter auf 929$, nachdem der Platinmarkt zuletzt heillos überverkauft war, wie die Positionierung der Spekulanten am Terminmarkt zeigte.


Die Minenaktien im HUI-Goldminenindex gaben hingegen im Wochenverlauf etwas nach auf 205 Punkte (-1,3%). Obwohl der Goldpreis seit dem Tief bei 1.680$ wieder deutlich angestiegen ist, zögern Investoren noch Minenaktien zu kaufen, was das bärische Sentiment widerspiegelt. Wenn die Notenbanken im kommenden Jahre angesichts einer Rezession die Geldpolitik wieder lockern und klar wird, dass es mehr anstatt weniger Liquidität geben wird, werden die Minen zusammen mit dem Goldpreis wieder haussieren, weshalb ich auf dem aktuellen Level ein gutes Kaufniveau auf Sicht eines Jahres sehe.


Platin führte die Gewinnerliste in der letzten Handelswoche an

Die Zinsen für zehnjährige US-Staatsanleihen stiegen weiter auf 2,84% an, nachdem sie in den letzten Wochen in Erwartung einer Änderung in der Geldpolitik gefallen waren. Durch das neue EU-Rettungsprogamm der EZB am Anleihenmarkt (TPI) sind die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen von Italien um ein Prozent und die von Griechenland um 1,5% gesunken. Dies hat zu der absurden Situation geführt, dass die Zinsen in den USA nur um 0,2% unter der Rendite der entsprechenden Staatsanleihen der Pleitekandidaten Italien und Griechenland gehandelt werden. Die Zinskurve in den USA (-0,34%) und Kanada (-0,49%) ist negativ, was ebenso auf eine bevorstehende bzw. schon bestehende Rezession hindeutet.


Der Zinsmarkt zeigt den Weg in die Rezession

Die Bank of England hatte vergangene Woche ihren Leitzins um 50 Basispunkte auf 1,75% angehoben, womit sie der EZB ein ganzes Stück voraus ist. Die Märkte hatten jedoch mehr erwartet, worauf das britische Pfund einen US-Cent einbrach. Nachdem es jedoch 22 US-Cent im letzten Jahr zum US-Dollar verloren hatte und das Sentiment extrem bärisch ist, gehe ich schon bald von einer deutlichen Gegenbewegung aus, doch spätestens Ende des Jahres. Der US-Dollar ist aktuell überbewertet, doch wird dieser als ein sicherer Hafen gesehen und aktuell noch gekauft. Der USD-Index befindet sich jedoch in der letzten Phase der Aufwärtsbewegung und dieser wird in den nächsten Monaten sein Hoch ausbilden und von da an zyklisch über das nächste Jahr hinweg fallen, während es eine Rallye beim Pfund, Yen und womöglich auch dem Euro zum Dollar geben wird. Die genannten Fiat-Währungen werten jedoch nicht wirklich auf, sondern der Dollar wird nur im Abwertungswettlauf wieder aufholen, weshalb nach dem Hoch im USD-Index auch der Goldpreis in US-Dollar zu einem neuen Allzeithoch aufbrechen wird.


Auch im Vereinigten Königreich steigen die Zinsen an

Es waren primär die steigenden Zinsen und die Hausse des US-Dollars, die zu der Korrektur am Goldmarkt in den letzten Monaten geführt hatten. Dies wird mit einer Rezession und einer wieder lockeren Geldpolitik in den USA ein Ende finden und der Goldpreis wieder ansteigen. Das neue EU-Rettungsprogramm (TPI) der Europäischen Zentralbank zeigt bereits, dass die Notenbanken eine Zinsbildung am Markt nicht zulassen können, da die überschuldeten Nationen sonst schnell bankrottgehen würden. Vielmehr müssen die Zinsen über längere Zeit künstlich niedrig gehalten werden, während die Inflation die Schulden sukzessive entwertet. Dabei wird jedoch auch die Kaufkraft der Fiat-Währungen und somit alle Vermögen entwertet, weshalb sich alle schon bald um Gold und Silber als sichere Häfen reißen werden.


Letzte Woche wurde in den USA ein 740 Mrd. US-Dollar schweres „Inflationsbekämpfungsgesetz“ verabschiedet. Da das Gesetz nichts anderes bewirkt, als mehr Geld auszugeben, das entweder über höhere direkte Steuern oder indirekt über Schulden finanziert werden muss, wird es die Inflation letztlich nur noch weiter anheizen. Wenige Unternehmen werden Subventionen erhalten, um die Halbleiterindustrie in den USA auszubauen und den Klimawandel zu bekämpfen. Diese planwirtschaftlichen Maßnahmen werden mit dem Geld der Steuerzahler finanziert werden, weshalb man auch die Steuerbehörden personell massiv ausbauen will, um die Bevölkerung höchstmöglich besteuern zu können. Das einzige Gesetz, das die Regierung verabschieden könnte, um die Inflation zu adressieren, wäre den eigenen Haushalt zu beschneiden, doch stattdessen weitet man diesen aus. Es ist eine Mogelpackung, die nur noch die Wenigsten nicht durchschauen.



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