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Sa, 18. April 2026, 2:02 Uhr

RICARDO.DE AG O.N.

WKN: 702070 / ISIN: DE0007020703

ricardo.de Interview


05.10.99 00:00
Brokerworld-Online

Das Interview mit Dr. Stefan Glänzer und Christoph Linkwitz, Vorstände der ricardo.de AG (WKN 702070), wurde von unserem Kooperationspartner Brokerworld-Online geführt.

BROKERWORLD: Rechnet sich eigentlich die Versteigerung von Neuwaren, bei all den Schnäppchen, die man bei ricardo.de machen kann?

Stefan Glänzer: Ja, sogar sehr gut. Unsere Auktionen starten zwar bei einem Zehntel bis zu einem Viertel des empfohlenen Verkaufspreises, doch unsere Versteigerungen sind so gut besucht, dass wir in der Regel den Zuschlag zu marktüblichen Preisen erteilen. Begehrte Produkte werden manchmal sogar teurer ersteigert, weil sie sonst nur schwer zu erhalten oder einfach Kult sind. Im Schnitt erwirtschaften wir handelsübliche Margen. Da stört uns das eine oder andere Schnäppchen gar nicht. Im Gegenteil: Gute Geschäfte für unsere Kunden sind die beste Werbung für ricardo.de.

BROKERWORLD: Kauft ricardo.de alle Waren selbst ein?

Stefan Glänzer: Wir haben eine eigene, hochkarätige Einkaufsabteilung, versteigern aber einen zunehmenden Teil der Waren auf Kommissionsbasis. Wir streben eine Ausweitung des Kommissionsgeschäfts an, weil wir dabei kein eigenes Kapital einsetzen müssen und die Kommissionen oft sehr attraktiv sind. Um Top-Produkte in der nötigen Stückzahl zu erhalten und schnell liefern zu können, werden wir aber auch weiterhin auf eigene Rechnung handeln.

BROKERWORLD: Laufen Sie dabei nicht Gefahr, auf veralteten Produkten sitzen zu bleiben?

Christoph Linkwitz: Nein, denn wir sind in der komfortablen Lage, alles verkaufen zu können, was wir anbieten. Schließlich bestimmt der Markt den Preis. Wenn wir beispielsweise ein Handy einkaufen, dann wissen wir genau, wann es »unter den Hammer« kommt. Dadurch ist unsere Lagerhaltung sehr gut planbar und wir müssen uns nicht mit Ladenhütern abgeben.

BROKERWORLD: Was passiert, wenn jemand die Ware, die er bei ricardo.de ersteigert hat, nicht bezahlt?

Christoph Linkwitz: Dann bekommt er seine Ware nicht. Denn wir liefern erst nach Zahlungseingang – dann aber sehr schnell. Im schlimmsten Fall verlieren wir also nicht die Ware, wie beim Versandhandel üblich, sondern wir müssen das Produkt einfach nur noch ein zweites Mal versteigern. Das Risiko bei diesem Verfahren ist für uns gering und wir sparen Kosten.

BROKERWORLD: Wie schätzen Sie eigentlich die Gefahr ein, dass ricardo.de durch Server-Ausfälle ähnlich ins Gerede kommt wie die amerikanische Konkurrenz?

Christoph Linkwitz: Die Systemarchitektur bei ricardo.de ist äußerst robust und beeindruckend zuverlässig. Unsere Rechner halten selbst hohem Besucherandrang mühelos stand. Natürlich sind auch wir nicht gegen technische Pannen gefeit, doch wir haben ein Backup-System, das wir im Bedarfsfall sofort einsetzen können. Wir arbeiten mit einer zuverlässigen Systemarchitektur, die gut skalierbar ist. Dadurch hält das System nicht nur Lastspitzen stand, sondern kann auch dem rasanten Wachstum von ricardo.de leicht angepasst werden. Schließlich gehört der außergewöhnlich hohe Besucherandrang von heute bei ricardo.de schon wenige Wochen später zur ganz normalen Alltagsnachfrage.

BROKERWORLD: Laufen Sie bei den vielen Anbietern bei den Auktionen von Privat an Privat Gefahr, zum Marktplatz für Illegales zu werden?

Stefan Wiskemann: Nein. Wir kontrollieren unser Angebot ständig und löschen alles, was nicht in unsere Online-Auktion passt. Auch die Community kontrolliert sich selbst und meldet Angebote, die Anstoß erregen. Wir achten im Private-Channel sehr genau auf die eingestellten Produkte, damit wir das hochwertige Markenimage von ricardo.de und die seriösen Marktteilnehmer nicht gefährden.

BROKERWORLD: Inzwischen gibt es ja zahlreiche Online-Auktionshäuser in Deutschland. Schadet ricardo.de die Konkurrenz?

Christoph Linkwitz: Im Gegenteil. Die Versteigerungen im Internet sind durch die vielen Angebote inzwischen zu einer allseits bekannten und akzeptierten E-Commerce-Form geworden. Gerade weil der Markt so lebendig ist, konnten sich die neuen Online-Auktionen bei den Kunden so schnell durchsetzen; ricardo.de hat als Marktführer davon profitiert.

BROKERWORLD: Aber sind die Markteintrittsbarrieren nicht so gering, dass Ihnen auf Dauer allein die Vielzahl der Mitbewerber zu schaffen macht?

Christoph Linkwitz: Nein, denn zu einem erfolgreichen Auftritt am Markt gehört mehr als ein paar Zeilen Software und ein Internetanschluss. Ganz unabhängig davon, dass wir über eine einmalige technologische Plattform verfügen, gelten auch im World Wide Web die Regeln der Marktwirtschaft. Und da ist nicht nur das gute Produkt, sondern auch die Marke entscheidend. In Deutschland ist ricardo.de mit 51 Prozent die bekannteste Marke. Das ist ein Wert, den später gegründete Auktionshäuser selbst mit Millionenaufwand kaum noch erreichen dürften. Welchen Wert dieser »First Mover Advantage« hat, zeigt sich unter den Buchhändlern im Web bei Amazon, die mit ihrem Startvorteil eine nahezu unangreifbare Marke geschaffen haben. ricardo.de ist auf dem besten Weg, dieses Erfolgsrezept bei Online-Auktionen in Europa zu wiederholen.

BROKERWORLD: Ist das Drei-Säulen-Modell mit dem Live-, Nonstop- und Private-Channel effektiv?

Stefan Glänzer: Unbedingt. Unser hoher Bekanntheitsgrad und die Beliebtheit bei den Online-Nutzern ergibt sich aus dem Geschäftsmodell von ricardo.de. Wir haben mit unseren Live-, Nonstop und Private Channels als einziges Online-Auktionshaus ein umfassendes Angebot. Das generiert Synergieeffekte, die uns einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil verschaffen. So hat der Live-Channel einen hohen Unterhaltungswert, der für eine intensive Kundenbindung sorgt. Gleichzeitig erhalten wir durch Live-Auktionen mit attraktiven Sachspenden von Prominenten sehr viel Aufmerksamkeit und ein positives Medienecho. Ähnlich trägt auch der Nonstop-Channel zum Image von ricardo.de bei. Durch ihn werden wir zum Marktplatz für hochwertige Markenprodukte, was sich wiederum positiv auf den Private-Channel auswirkt, in dem entsprechend hochwertige Waren gehandelt werden. Dieser Erfolg ist messbar. Der durchschnittliche Warenwert in den Privatauktionen liegt bei ricardo.de mit rund 200 DM etwa drei bis viermal höher als bei den unmittelbaren Konkurrenten.

BROKERWORLD: Sind die Werbeauffwendungen bei ricardo.de sehr hoch?

Stefan Glänzer: Nein. ricardo.de hat zwar einen beachtlichen Werbeetat, doch einen erheblichen Teil unserer Medialeistung erhalten wir über Kooperationen, in denen wir beispielsweise Banner auf unserer Website gegen Online-Werbung tauschen. Sehr stark zu unserer Markenbekanntheit beigetragen haben aber auch die zahlreichen PR-Maßnahmen, die zu einer konstanten Medienpräsenz von ricardo.de beitragen.

BROKERWORLD: All das ändert aber noch nichts an den roten Zahlen in der ricardo.de-Bilanz. Wann schreibt ricardo.de schwarze Zahlen?

Christoph Linkwitz: Wir rechnen damit, in etwa zwei Jahren den Break-even zu erreichen. Man muss beachten, dass ricardo.de noch ein noch junges Unternehmen in einem stark expandierenden Markt ist. In der nächsten Zeit wird es vor allem darum gehen, eine starke europäische Marke aufzubauen und Marktanteile zu sichern. Dabei spielt die Geschwindigkeit eine große Rolle. Zur Zeit werden im Internet noch die »Claims« abgesteckt. Wer dabei zu langsam ist, verpasst entscheidende Vorteile, die sich aus der Sicherung der Marktanteile ergeben. Nach einer Konsolidierung des Marktes zahlen sich die Anfangsinvestitionen potenziert aus. ricardo.de wird so hoch bewertet, weil wir bewiesen haben, dass wir im E-Commerce zu den Schnellsten gehören, die sich auf Dauer die größten Marktanteile und damit auch die besten Ertragschancen sichern.

BROKERWORLD: Wofür wird die ricardo.de Aktiengesellschaft die Erlöse aus dem Börsengang verwenden?

Christoph Linkwitz: Wir investieren natürlich stark im Marketingbereich. Ohne Werbung kommt auch ricardo.de nicht aus – gerade wenn es darum geht, unsere Führungsposition auszubauen. Ein wichtiger Posten ist natürlich auch der Aus- und Aufbau unseres Kerngeschäfts. Zum einen ist da der Aufbau des Business-to-Business-Channels zu nennen und zum anderen die Internationalisierung. Die hohe Kapitalisierung erleichtert den Geschäftsaufbau und potentielle »mergers and acquisitions«.

BROKERWORLD: In der Vergangenheit gab es Gerüchte um eine angebliche Rechtsunsicherheit bei den Business-to-Consumer-Auktionen
von ricardo.de. Können Sie das aufklären?

Stefan Glänzer: Die Rechtssicherheit bei Online-Auktionen ist gewährleistet. Die Legalität der Versteigerungen von Neuwaren im Internet steht nicht in Frage. Ein Versuch des Vereins hamburgischer Auktionatoren, uns die Versteigerung neuwertiger Waren untersagen zu lassen, ist vom Landgericht Hamburg in allen Punkten abgewiesen worden. Die Auseinandersetzung beruhte auf einem antiquierten Paragraphen in der Gewerbeordnung. Der zuständige Bund-Länder-Ausschuss gelangte im vergangenen Jahr zu der Auffassung, dass § 34 b der Gewerbeordnung nicht anwendbar sei, weil es an einer zeitlichen und örtlichen Begrenzung fehle, was zu den wesentlichen Merkmalen einer Auktion gehört. Die Hamburger Wirtschaftsbehörde, die in diesem Fall für die Anwendung der Gewerbeordnung verantwortlich ist, hat diese Auffassung übernommen. Ähnlich äußert sich auch Michael Arnold vom Bundesverband Deutscher Auktionatoren: »Online-Auktionen sind gar keine Auktionen.« Insofern bestehen keine Zweifel daran, dass ricardo.de im Einklang mit der gültigen Rechtsauffassung handelt.

BROKERWORLD: In der Presse war auch etwas über drohende Patentverletzungen zu lesen. Was ist da dran?

Stefan Wiskemann: Nichts. Hintergrund dieses Themas ist das Patent eines amerikanischen E-Commerce-Anbieters, der sich in den USA das Recht hat patentieren lassen, unmittelbar nach dem Kauf eine Bestätigungs-E-Mail zu verschicken. Ob er dieses Patent auch in Europa durchsetzen kann, erscheint sehr fraglich. Es würde der gesamten E-Commerce-Branche das Recht verweigert, in der Sekunde nach dem Kauf eine E-Mail zur Bestätigung des Kaufs zu verschicken. Würde dieses Patent gewährt, wäre das allerdings nicht erheblich und würde unser Geschäft nicht beeinträchtigen. Ob eine Bestätigungs-E-Mail eine Sekunde oder eine Minute nach dem Kauf abgeschickt wird, ist für den Kunden egal, würde aber die rechtliche Situation zu unseren Gunsten wenden. Dieses Patent ist für die Konkurrenz unter dem Strich nichts wert, weil jeder es durch eine kaum spürbare Verzögerung sofort umgehen kann.

BROKERWORLD: Wie sehen Sie die weitere Entwicklung von ricardo.de?

Christoph Linkwitz: Ein Blick auf die Kurven all unserer Key-Value-Driver, wie der Kundenentwicklung oder den Page Impressions, zeigt, wie steil der Trend bei ricardo.de nach oben weist. Damit können wir die in uns gesetzten Erwartungen mehr als erfüllen und zeigen, dass wir das Potential in diesem Geschäftsmodell optimal realisieren. Das schnelle Wachstum wird die Entwicklung von ricardo.de auch in den nächsten Jahren kennzeichnen. Wir blicken deshalb ausgesprochen optimistisch in die Zukunft.





 
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