freemarkets halten
01.02.00 00:00
at-stoxx
Freemarkets (WKN 928787) sei im Jahre 1995 von Glen Meakem und Sam Kinney gegründet worden, berichten die Analysten von at-stoxx.
Der Hauptsitz des Unternehmens befinde sich in Pittsburgh - neben der Internet Capital Group und Verticalnet also ein weiteres bedeutendes B2B-Unternehmen aus Pennsylvania.
Meakem und Kinney hätten sich vor ihrem Sprung in die Selbständigkeit bei der Unternehmensberatung McKinsey kennengelernt, für die sie beide tätig gewesen seien. Während Kinney als technisches Genie im Hintergrund bleibe, sei Meakem ein begnadeter Motivator und Marketingspezialist. Als CEO verantworte er die operative Führung des Geschäfts. Glen Meakem sei ein amerikanischer Siegertyp wie er im Buche stehe. Der 35jährige habe eine Firma aus dem Nichts geschaffen, hart gearbeitet, mit seiner Frau dafür lange in einer beengten Wohnung gehaust, er habe drei Töchter, sei Offizier der Reserve der US Army und habe sich für den Golfkrieg freiwillig gemeldet. Und natürlich sei er nach eigener Aussage ein "conservative Republican", der wohlwollend mitzähle , wie viel Häuser seine Angestellten schon gebaut, wie viel Ehen sie geschlossen und wie viel Kinder in ihren Familien geboren worden sind.
Zu den aus dem Consumer-Bereich bekannten Internet-Auktionshäusern wie eBay oder Ricardo bestünden hinsichtlich des Geschäftsmodells von Freemarkets zwei gravierende Unterschiede. Zum einen würden hier nicht gebrauchte CD´s oder Modelleisenbahnen versteigert, sondern industrielle Waren oder Rohstoffe. Zum anderen - und das sei der wichtigere Unterschied - führe Freemarkets sogenannte umgekehrte Auktionen durch, wenn auf Käuferseite ein Interesse bestehe. Im eBay-Modell stehe dagegen, wie auf jedem Flohmarkt auch, die Verkäuferseite im Mittelpunkt der Veranstaltung. Der Verkäufer mache den ersten Schritt und biete seine Ware an. Er sei damit die treibende Kraft des Marktes. Die Käufer dagegen würden sich in einer passiven, nur reagierenden Position befinden. Wenn man beispielsweise eine ganz bestimmte Musik-CD suche, werde man in den einschlägigen Rubriken von Ricardo oder eBay prüfen, ob ein entsprechendes Angebot zufällig existiere. Wenn dies nicht der Fall sei, habe man Pech gehabt und müsse sein Glück später nochmals versuchen. Es liege auf der Hand, dass dieses Geschäftsmodell für den allergrößten Teil des B2B vollkommen ungeeignet sei. Solle etwa die Produktion zum Erliegen kommen, nur weil die benötigten Grundstoffe zufällig nicht im Angebot sind oder jemand anders im letzten Moment ein höheres Gebot abgegeben hat? Undenkbar!
Aus diesem Grunde müssten B2B-Auktionen, jedenfalls wenn sie über Räumungsverkäufe und Reststoffverwertung hinausgehen sollen, auch aus der Sicht des Käufers organisiert werden. Der Käufer melde also dem Auktionshaus seinen konkreten Bedarf, und die Befriedigung dieses Bedarfs werde dann zum Gegenstand einer speziell dafür organisierten Auktion gemacht. Die Anbieter der nachgefragten Ware seien dabei genötigt, sich immer weiter zu unterbieten, bis der Anbieter mit dem letztendlich günstigsten Preis den Zuschlag für den Auftrag erhalte.
Die Zahl der Käufer (nachfolgend als Klienten bezeichnet) sei bei diesem Modell naturgemäß deutlich geringer als die Zahl der Anbieter (bei Freemarkets belaufe sich der Unterschied etwa auf Faktor 100). Da der Markt für die Bedürfnisse der Klienten organisiert werde, bestehe zwischen diesen und Freemarkets auch ein engeres Verhältnis als zwischen den Anbietern und dem Auktionshaus. Die Klienten hätten durch das von Freemarkets organisierte Auktionsverfahren ihre Beschaffungskosten für das jeweilige Produkt zwischen 2% und mehr als 25% reduzieren können.
Die Aufgabe von Freemarkets bestehe nun einerseits darin, eine elektronische Handelsplattform zur Verfügung zu stellen, über welche die beschriebenen "downward price"-Auktionen abgewickelt werden können. Das Unternehmen entwickle dafür seit 1995 sein BidWare genanntes Handelssystem kontinuierlich weiter. BidWare sei in der Lage, das Auktionsgeschehen online und realtime abzuwickeln. Es sei auch möglich, komplizierte technische und qualitative Parameter abzubilden. Zum Beispiel werde es für einen Stromproduzenten nicht allein auf den Preis einer technologisch aufwendigen Turbine oder eines Generators ankommen, sondern es werde von mindestens genauso hoher Bedeutung sein, welche technologischen Möglichkeiten das Gerät biete. Natürlich sei BidWare auch in der Lage Multi-Währungs Auktionen zu verwalten, damit Gebote auch aus dem Ausland einfach erfolgen können.
Darüber hinaus fungiere Freemarkets aber auch als Market Maker (im wahrsten Wortsinne). Wie bereits beschrieben, könnten B2B-Auktionen nicht nach dem Zufallsprinzip ablaufen. Sobald ein Klient Freemarkets mit der Durchführung einer Auktion beauftragt habe, organisiere man den konkreten Marktplatz.
Insbesondere müssten (durchaus in Zusammenarbeit mit dem Klienten) Anbieter identifiziert und für die Auktion gewonnen werden. Durch die nun schon mehrjährige Erfahrung in diesem Bereich, verfüge Freemarkets über beträchtliches Know-how als Market Maker. Insbesondere könne man eine große Datenbank mit potentiellen Anbietern für dutzende Produktkategorien und zahlreiche persönliche Beziehungen nutzen. Letztlich sei diese Dienstleistung für den Erfolg von Freemarkets entscheidender als die technische Plattform.
Das Unternehmen erziele Erlöse, indem es für seine Dienstleistungen verschiedene Gebühren erhebe. Der Hauptteil der Umsätze resultiere aus mit den Klienten fest vereinbarten Gebührensätzen für die Abwicklung einer bestimmten Auktion, bzw. einer ganzen Folge von Auktionen, um über einen bestimmten Zeitraum den Bezug von Produkten sicherzustellen. Diese Serviceverträge könnten sich über wenige Monate oder auch mehrere Jahre erstrecken. Darüber hinaus würden im Einzelfall Erfolgsprämien vereinbart, die die Klienten an Freemarkets zu zahlen haben, wenn ein bestimmtes Einsparpotential für sie erreicht wird. Auch von zum Zuge gekommenen Anbietern würden Transaktionsgebühren erhoben, dies allerdings mit abnehmender Tendenz. Schließlich sei es für die Plattform besser, möglichst viele Anbieter in die gnadenlosen Preiskämpfe einzubinden, als diese (ohnehin taktisch schwächste) Gruppe mit zusätzlichen Gebühren abzuschrecken. Freemarkets habe dabei seine Gebühren im Verhältnis zum gehandelten Volumen seit 1996 kontinuierlich steigern können (von 0,3 Prozent des gehandeltes Volumens in 1996 auf 0,05 Prozent in 1999):
Das Unternehmen habe in seinem ersten vollständigen Geschäftsjahr, also 1996, lediglich 400.000 $ umgesetzt. Seitdem habe man sich mit, für US-Verhältnisse, relativ bescheidenen Venture-Capital-Mitteln Stück für Stück nach oben geboxt. Es müsse bei allen Überlegungen, die zu Freemarkets angestellt werden, die Tatsache eine angemessene Berücksichtigung finden, dass das Unternehmen erst seit seinem IPO am 10.12.1999 über die finanziellen Möglichkeiten verfüge, um seine Expansion in großem Stil voranzutreiben. Das über die Plattform abgewickelte Transaktionsvolumen sei dennoch schnell gestiegen. Auffällig sei, mit wie wenigen Klienten Freemarkets dieses Volumen generiert habe (1996 sei mit acht Klienten ein Transaktionsvolumen von 124 Mio. US$ abgewickelt worden, bis zum dritten Quartal 1999 habe man es mit 18 Klienten auf ein Transaktionsvolumen von 1,363 Mrd. US$ gebracht. Da es Freemarkets gelinge, die durchschnittlichen Transaktionsprovisionen von Jahr zu Jahr zu steigern, würden die Umsätze verhältnismäßig schneller als das Transaktionsvolumen wachsen. Die Experten erwarten für die nahe und mittlere Zukunft eine deutliche Beschleunigung des Wachstums. Seit Ende des Jahres 1999 investiere das Unternehmen erhebliche Beträge in seine Vermarktung und in den Personalaufbau. Die Steigerung von 1998 bis zum dritten Quartal 1999 belaufe sich auf beeindruckende 760%. Dieser Aufwand trage offensichtlich erste Früchte. Freemarkets habe am 19.01.2000 gemeldet, dass sich die Zahl der Klienten allein vom dritten zum vierten Quartal 1999 von 18 auf 34 beinahe verdoppelt habe. Dies sollte sich schon bald in deutlich steigenden Umsätzen niederschlagen, heißt es. Positiv sei in diesem Zusammenhang anzumerken, dass Freemarkets zwischenzeitlich in den europäischen Markt eingedrungen sei. Am 10.01.2000 sei gemeldet worden, dass die europäische Niederlassung in Brüssel mit 35 Mitarbeitern (die immerhin 15 Sprachen abdeckten!) ihre Arbeit aufgenommen habe.
Freemarkets gelinge es mittlerweile, eine auskömmliche Rohertragsmarge von ca. 45% zu erwirtschaften, die in Zukunft durchaus noch ansteigen könnte. Nachdem man im Jahre 1998 bereits profitabel gearbeitet hatte, stehe seit 1999 die Umsetzung einer aggressiven Expansionsstrategie im Vordergrund, welche das Unternehmen wieder tief in die roten Zahlen geführt habe. Strategisch sei diese Entscheidung jedoch die einzig vernünftige, denn Marktanteile seien jetzt zu sichern. Das Volumen des von Freemarkets adressierten Beschaffungsmarktes betrage nach Angaben des Unternehmens 5.000 Milliarden US $. Die Experten wollen hier nicht abschließend darüber befinden, ob diese Zahl völlig zutreffend ist, in welchem Maße dieser Markt zukünftig im Internet abgebildet sein wird und welchen Marktanteil Freemarkets letztlich erobern kann. Sie halten es jedoch für sehr wahrscheinlich, dass der Markt ein gewaltiges Potential hat, das sich im Laufe der nächsten Jahre erschließen werde. Freemarkets könnte in wenigen Jahren durchaus ein Handelsvolumen im dreistelligen Milliarden US $ -Bereich über seine Plattform abwickeln. Die Anlagestrategen rechnen damit, dass die Transaktionsgebühren im Verhältnis zum Transaktionsvolumen weiter steigen werden. Mittelfristig sollten durchaus 2% bis 3% erreichbar sein. Freemarkets würde dann einen Umsatz von möglicherweise mehreren Milliarden US $ bei hohen Nettomargen erzielen können.
Eine Investition in Freemarkets sei mit überdurchschnittlichen Risiken behaftet.
Eine erhebliche Gefahr resultiere aus dem Umstand, dass Freemarkets einen bedeutenden Teil seiner Umsätze mit einem (ehemals zwei) Großkunden erziele. Im ersten Halbjahr 1999 seien beinahe 50%(!) des Umsatzes nur durch den Klienten United Technologies generiert worden. Weitere 18% habe der Großkunde General Motors beigesteuert. Der Wegfall eines so wichtigen Kunden hätte sehr negative Auswirkungen auf den Geschäftserfolg von Freemarkets. Und tatsächlich sei genau dies geschehen. Am 04.01.2000 habe Freemarkets den Verlust seines zweitgrößten Kunden, eben General Motors, bekanntgeben müssen. GM sei auf die (brandneue) Auktionsplattform von Commerce One gewechselt. Auch wenn in dieser Entscheidung eher ein Votum für Commerce One (immerhin gehöre Commerce One teilweise GM!) als gegen Freemarkets zu sehen sei, breche für das Auktionshaus doch einiges an aktuellem Umsatz und noch deutlich mehr an Zukunftsphantasie weg. Es sei genau diese Meldung gewesen, die den Aktienkurs um 50% nach unten befördert habe. Andererseits schwinde die Abhängigkeit von den Großkunden mit dem ständigen Wachstum der Plattform. GM sei zum Beispiel im vierten Quartal 1999 nur noch für 10% der Gesamtumsätze verantwortlich gewesen. Die Kooperation mit United sei wichtiger, scheine aber auch stabiler zu sein (United sei mit einem bescheidenen Betrag sogar an Freemarkets beteiligt).
Es zeigt sich in diesem Vorgang jedoch auch eine andere Schwäche des Business-Modells. Die Umsätze seien bei Freemarkets nicht annähernd so nachhaltig, wie zum Beispiel bei Ariba oder Commerce One. Freemarkets installiere bei den Handelspartnern keine eigene Software, die Abhängigkeit der Kunden bleibe damit gering. Ein Wechsel der Plattform sei - wie der GM-Vorgang gezeigt habe - einfach und schnell durchführbar.
Einige Aktionäre würden Freemarkets vorwerfen, das Unternehmen hätte bereits seit längerer Zeit von dem beabsichtigten Rückzug GM´s gewusst, diese Information aber zurückgehalten und somit die Anleger getäuscht und übervorteilt. Mehrere Anwaltskanzleien in den Vereinigten Staaten hätten bereits Sammelklagen gegen Freemarkets angestrengt. Auch wenn die Analysten davon ausgehen, dass die Vorwürfe nicht stichhaltig sind, verbleibe auch hier ein gewisses Risiko.
In dem zunehmenden Konkurrenzkampf bestehe ein weiteres Risiko. Insbesondere Ariba und Commerce One scheinen sich auf dem Weg zu B2B-Komplettanbietern zu befinden. Die entsprechende Auktionstechnologie habe man kurzerhand aufgekauft - Ariba habe dafür TradingDynamics übernommen und Commerce One habe sich CommerceBid.com einverleibt.
Beachtet werden müsse auch, dass der Free Float des Papiers sehr gering sei. Lediglich die 3,6 Millionen Aktien, die im Zuge des IPO veräußert worden seien, seien frei handelbar. Weitere ca. 30 Millionen Aktien würden im Moment noch vertraglich vereinbarten Handelssperren unterliegen. Diese Papiere würden im Laufe der Zeit jedoch zum Verkauf frei. Allein 25 Millionen Aktien dürften 180 Tage nach der Emission verkauft werden. Dies dürfte wohl besonders im Juni den Kurs merklich belasten.
Letztlich sei auch die Bewertung des Unternehmens bereits an einem Punkt angekommen, wo im Falle einer negativen Nachricht ein erhebliches Rückschlagpotential bestehe. Wie es sich für einen B2B-Wert gehöre, sei Freemarkets exorbitant hoch bewertet. Bei einem für 1999 geschätzten Umsatz von 20 Millionen US $ (natürlich bei noch höheren Verlusten) würden gegenwärtig für das Unternehmen ca. 10 Milliarden US $ gezahlt. Das KUV betrage damit sage und schreibe 500. Die Experten haben eine Modellrechnung aufgemacht, um zu prüfen, welche Entwicklung des Unternehmens erfolgen müsste, um das heutige Kursniveau zu rechtfertigen. Die künftigen Gewinne seien dabei mit 13% abgezinst worden, um dem erhöhten Risiko einigermaßen gerecht zu werden. Weiterhin sei ein ewiges Wachstum von 4% (real) unterstellt worden - eine aggressive Annahme!
Nochmals; die folgenden Daten sind keine Prognose unsererseits sondern zeigen auf, was notwendig wäre, um die gegenwärtigen Kurse zu rechtfertigen. Der Ertragswert bei Abzinsung der Gewinne mit 13% betrage 282 US $. Bedenklich stimme auch der Umstand, dass Freemarkets bereits halb so hoch bewertet sei wie eBay. Für eBay erwarten die Experten für das Jahr 2001 einen Umsatz von bis zu einer Milliarde US $, ein schwarzes Nettoergebnis und die Verteidigung der Marktführerschaft. Freemarkets sollte umsatzseitig 2001 noch weit hinter eBay zurückbleiben, werde aller Voraussicht nach Verluste machen und wohl auch keine so dominante Marktposition wie eBay besetzen können. Natürlich würden sich dem Business-Modell von Freemarkets langfristig mehr Wachstumschancen als dem eBay-Modell bieten - klar sei aber auch, dass sehr viel Phantasie im Kurs stecke, möglicherweise schon zu viel.
Freemarkets sei ein rasant wachsendes B2B-Auktionshaus mit einem funktionierenden Geschäftsmodell. Das Unternehmen sei in seinem Markt seit einigen Jahren etabliert und verfüge seit kurzem über die finanziellen Ressourcen, um eine aggressive Wachstumsstrategie umzusetzen. Der von Freemarkets adressierte Markt biete enorme Expansionschancen. Andererseits bestünden gerade für Freemarkets auch überdurchschnittliche Risiken (siehe oben).
Die Bewertung des Unternehmens sei nach Einschätzung der Experten auch unter diesem Aspekt so ambitioniert, dass die Analysten bestenfalls ein Halten bestehender Positionen empfehlen können. Lediglich ein hochspekulativer Investor, der im B2B-Bereich an allen relevanten Unternehmen beteiligt sein wolle, könne vorsichtige Käufe in Betracht ziehen.
Der Hauptsitz des Unternehmens befinde sich in Pittsburgh - neben der Internet Capital Group und Verticalnet also ein weiteres bedeutendes B2B-Unternehmen aus Pennsylvania.
Meakem und Kinney hätten sich vor ihrem Sprung in die Selbständigkeit bei der Unternehmensberatung McKinsey kennengelernt, für die sie beide tätig gewesen seien. Während Kinney als technisches Genie im Hintergrund bleibe, sei Meakem ein begnadeter Motivator und Marketingspezialist. Als CEO verantworte er die operative Führung des Geschäfts. Glen Meakem sei ein amerikanischer Siegertyp wie er im Buche stehe. Der 35jährige habe eine Firma aus dem Nichts geschaffen, hart gearbeitet, mit seiner Frau dafür lange in einer beengten Wohnung gehaust, er habe drei Töchter, sei Offizier der Reserve der US Army und habe sich für den Golfkrieg freiwillig gemeldet. Und natürlich sei er nach eigener Aussage ein "conservative Republican", der wohlwollend mitzähle , wie viel Häuser seine Angestellten schon gebaut, wie viel Ehen sie geschlossen und wie viel Kinder in ihren Familien geboren worden sind.
Zu den aus dem Consumer-Bereich bekannten Internet-Auktionshäusern wie eBay oder Ricardo bestünden hinsichtlich des Geschäftsmodells von Freemarkets zwei gravierende Unterschiede. Zum einen würden hier nicht gebrauchte CD´s oder Modelleisenbahnen versteigert, sondern industrielle Waren oder Rohstoffe. Zum anderen - und das sei der wichtigere Unterschied - führe Freemarkets sogenannte umgekehrte Auktionen durch, wenn auf Käuferseite ein Interesse bestehe. Im eBay-Modell stehe dagegen, wie auf jedem Flohmarkt auch, die Verkäuferseite im Mittelpunkt der Veranstaltung. Der Verkäufer mache den ersten Schritt und biete seine Ware an. Er sei damit die treibende Kraft des Marktes. Die Käufer dagegen würden sich in einer passiven, nur reagierenden Position befinden. Wenn man beispielsweise eine ganz bestimmte Musik-CD suche, werde man in den einschlägigen Rubriken von Ricardo oder eBay prüfen, ob ein entsprechendes Angebot zufällig existiere. Wenn dies nicht der Fall sei, habe man Pech gehabt und müsse sein Glück später nochmals versuchen. Es liege auf der Hand, dass dieses Geschäftsmodell für den allergrößten Teil des B2B vollkommen ungeeignet sei. Solle etwa die Produktion zum Erliegen kommen, nur weil die benötigten Grundstoffe zufällig nicht im Angebot sind oder jemand anders im letzten Moment ein höheres Gebot abgegeben hat? Undenkbar!
Aus diesem Grunde müssten B2B-Auktionen, jedenfalls wenn sie über Räumungsverkäufe und Reststoffverwertung hinausgehen sollen, auch aus der Sicht des Käufers organisiert werden. Der Käufer melde also dem Auktionshaus seinen konkreten Bedarf, und die Befriedigung dieses Bedarfs werde dann zum Gegenstand einer speziell dafür organisierten Auktion gemacht. Die Anbieter der nachgefragten Ware seien dabei genötigt, sich immer weiter zu unterbieten, bis der Anbieter mit dem letztendlich günstigsten Preis den Zuschlag für den Auftrag erhalte.
Die Zahl der Käufer (nachfolgend als Klienten bezeichnet) sei bei diesem Modell naturgemäß deutlich geringer als die Zahl der Anbieter (bei Freemarkets belaufe sich der Unterschied etwa auf Faktor 100). Da der Markt für die Bedürfnisse der Klienten organisiert werde, bestehe zwischen diesen und Freemarkets auch ein engeres Verhältnis als zwischen den Anbietern und dem Auktionshaus. Die Klienten hätten durch das von Freemarkets organisierte Auktionsverfahren ihre Beschaffungskosten für das jeweilige Produkt zwischen 2% und mehr als 25% reduzieren können.
Die Aufgabe von Freemarkets bestehe nun einerseits darin, eine elektronische Handelsplattform zur Verfügung zu stellen, über welche die beschriebenen "downward price"-Auktionen abgewickelt werden können. Das Unternehmen entwickle dafür seit 1995 sein BidWare genanntes Handelssystem kontinuierlich weiter. BidWare sei in der Lage, das Auktionsgeschehen online und realtime abzuwickeln. Es sei auch möglich, komplizierte technische und qualitative Parameter abzubilden. Zum Beispiel werde es für einen Stromproduzenten nicht allein auf den Preis einer technologisch aufwendigen Turbine oder eines Generators ankommen, sondern es werde von mindestens genauso hoher Bedeutung sein, welche technologischen Möglichkeiten das Gerät biete. Natürlich sei BidWare auch in der Lage Multi-Währungs Auktionen zu verwalten, damit Gebote auch aus dem Ausland einfach erfolgen können.
Darüber hinaus fungiere Freemarkets aber auch als Market Maker (im wahrsten Wortsinne). Wie bereits beschrieben, könnten B2B-Auktionen nicht nach dem Zufallsprinzip ablaufen. Sobald ein Klient Freemarkets mit der Durchführung einer Auktion beauftragt habe, organisiere man den konkreten Marktplatz.
Insbesondere müssten (durchaus in Zusammenarbeit mit dem Klienten) Anbieter identifiziert und für die Auktion gewonnen werden. Durch die nun schon mehrjährige Erfahrung in diesem Bereich, verfüge Freemarkets über beträchtliches Know-how als Market Maker. Insbesondere könne man eine große Datenbank mit potentiellen Anbietern für dutzende Produktkategorien und zahlreiche persönliche Beziehungen nutzen. Letztlich sei diese Dienstleistung für den Erfolg von Freemarkets entscheidender als die technische Plattform.
Das Unternehmen erziele Erlöse, indem es für seine Dienstleistungen verschiedene Gebühren erhebe. Der Hauptteil der Umsätze resultiere aus mit den Klienten fest vereinbarten Gebührensätzen für die Abwicklung einer bestimmten Auktion, bzw. einer ganzen Folge von Auktionen, um über einen bestimmten Zeitraum den Bezug von Produkten sicherzustellen. Diese Serviceverträge könnten sich über wenige Monate oder auch mehrere Jahre erstrecken. Darüber hinaus würden im Einzelfall Erfolgsprämien vereinbart, die die Klienten an Freemarkets zu zahlen haben, wenn ein bestimmtes Einsparpotential für sie erreicht wird. Auch von zum Zuge gekommenen Anbietern würden Transaktionsgebühren erhoben, dies allerdings mit abnehmender Tendenz. Schließlich sei es für die Plattform besser, möglichst viele Anbieter in die gnadenlosen Preiskämpfe einzubinden, als diese (ohnehin taktisch schwächste) Gruppe mit zusätzlichen Gebühren abzuschrecken. Freemarkets habe dabei seine Gebühren im Verhältnis zum gehandelten Volumen seit 1996 kontinuierlich steigern können (von 0,3 Prozent des gehandeltes Volumens in 1996 auf 0,05 Prozent in 1999):
Das Unternehmen habe in seinem ersten vollständigen Geschäftsjahr, also 1996, lediglich 400.000 $ umgesetzt. Seitdem habe man sich mit, für US-Verhältnisse, relativ bescheidenen Venture-Capital-Mitteln Stück für Stück nach oben geboxt. Es müsse bei allen Überlegungen, die zu Freemarkets angestellt werden, die Tatsache eine angemessene Berücksichtigung finden, dass das Unternehmen erst seit seinem IPO am 10.12.1999 über die finanziellen Möglichkeiten verfüge, um seine Expansion in großem Stil voranzutreiben. Das über die Plattform abgewickelte Transaktionsvolumen sei dennoch schnell gestiegen. Auffällig sei, mit wie wenigen Klienten Freemarkets dieses Volumen generiert habe (1996 sei mit acht Klienten ein Transaktionsvolumen von 124 Mio. US$ abgewickelt worden, bis zum dritten Quartal 1999 habe man es mit 18 Klienten auf ein Transaktionsvolumen von 1,363 Mrd. US$ gebracht. Da es Freemarkets gelinge, die durchschnittlichen Transaktionsprovisionen von Jahr zu Jahr zu steigern, würden die Umsätze verhältnismäßig schneller als das Transaktionsvolumen wachsen. Die Experten erwarten für die nahe und mittlere Zukunft eine deutliche Beschleunigung des Wachstums. Seit Ende des Jahres 1999 investiere das Unternehmen erhebliche Beträge in seine Vermarktung und in den Personalaufbau. Die Steigerung von 1998 bis zum dritten Quartal 1999 belaufe sich auf beeindruckende 760%. Dieser Aufwand trage offensichtlich erste Früchte. Freemarkets habe am 19.01.2000 gemeldet, dass sich die Zahl der Klienten allein vom dritten zum vierten Quartal 1999 von 18 auf 34 beinahe verdoppelt habe. Dies sollte sich schon bald in deutlich steigenden Umsätzen niederschlagen, heißt es. Positiv sei in diesem Zusammenhang anzumerken, dass Freemarkets zwischenzeitlich in den europäischen Markt eingedrungen sei. Am 10.01.2000 sei gemeldet worden, dass die europäische Niederlassung in Brüssel mit 35 Mitarbeitern (die immerhin 15 Sprachen abdeckten!) ihre Arbeit aufgenommen habe.
Eine Investition in Freemarkets sei mit überdurchschnittlichen Risiken behaftet.
Eine erhebliche Gefahr resultiere aus dem Umstand, dass Freemarkets einen bedeutenden Teil seiner Umsätze mit einem (ehemals zwei) Großkunden erziele. Im ersten Halbjahr 1999 seien beinahe 50%(!) des Umsatzes nur durch den Klienten United Technologies generiert worden. Weitere 18% habe der Großkunde General Motors beigesteuert. Der Wegfall eines so wichtigen Kunden hätte sehr negative Auswirkungen auf den Geschäftserfolg von Freemarkets. Und tatsächlich sei genau dies geschehen. Am 04.01.2000 habe Freemarkets den Verlust seines zweitgrößten Kunden, eben General Motors, bekanntgeben müssen. GM sei auf die (brandneue) Auktionsplattform von Commerce One gewechselt. Auch wenn in dieser Entscheidung eher ein Votum für Commerce One (immerhin gehöre Commerce One teilweise GM!) als gegen Freemarkets zu sehen sei, breche für das Auktionshaus doch einiges an aktuellem Umsatz und noch deutlich mehr an Zukunftsphantasie weg. Es sei genau diese Meldung gewesen, die den Aktienkurs um 50% nach unten befördert habe. Andererseits schwinde die Abhängigkeit von den Großkunden mit dem ständigen Wachstum der Plattform. GM sei zum Beispiel im vierten Quartal 1999 nur noch für 10% der Gesamtumsätze verantwortlich gewesen. Die Kooperation mit United sei wichtiger, scheine aber auch stabiler zu sein (United sei mit einem bescheidenen Betrag sogar an Freemarkets beteiligt).
Es zeigt sich in diesem Vorgang jedoch auch eine andere Schwäche des Business-Modells. Die Umsätze seien bei Freemarkets nicht annähernd so nachhaltig, wie zum Beispiel bei Ariba oder Commerce One. Freemarkets installiere bei den Handelspartnern keine eigene Software, die Abhängigkeit der Kunden bleibe damit gering. Ein Wechsel der Plattform sei - wie der GM-Vorgang gezeigt habe - einfach und schnell durchführbar.
Einige Aktionäre würden Freemarkets vorwerfen, das Unternehmen hätte bereits seit längerer Zeit von dem beabsichtigten Rückzug GM´s gewusst, diese Information aber zurückgehalten und somit die Anleger getäuscht und übervorteilt. Mehrere Anwaltskanzleien in den Vereinigten Staaten hätten bereits Sammelklagen gegen Freemarkets angestrengt. Auch wenn die Analysten davon ausgehen, dass die Vorwürfe nicht stichhaltig sind, verbleibe auch hier ein gewisses Risiko.
In dem zunehmenden Konkurrenzkampf bestehe ein weiteres Risiko. Insbesondere Ariba und Commerce One scheinen sich auf dem Weg zu B2B-Komplettanbietern zu befinden. Die entsprechende Auktionstechnologie habe man kurzerhand aufgekauft - Ariba habe dafür TradingDynamics übernommen und Commerce One habe sich CommerceBid.com einverleibt.
Beachtet werden müsse auch, dass der Free Float des Papiers sehr gering sei. Lediglich die 3,6 Millionen Aktien, die im Zuge des IPO veräußert worden seien, seien frei handelbar. Weitere ca. 30 Millionen Aktien würden im Moment noch vertraglich vereinbarten Handelssperren unterliegen. Diese Papiere würden im Laufe der Zeit jedoch zum Verkauf frei. Allein 25 Millionen Aktien dürften 180 Tage nach der Emission verkauft werden. Dies dürfte wohl besonders im Juni den Kurs merklich belasten.
Letztlich sei auch die Bewertung des Unternehmens bereits an einem Punkt angekommen, wo im Falle einer negativen Nachricht ein erhebliches Rückschlagpotential bestehe. Wie es sich für einen B2B-Wert gehöre, sei Freemarkets exorbitant hoch bewertet. Bei einem für 1999 geschätzten Umsatz von 20 Millionen US $ (natürlich bei noch höheren Verlusten) würden gegenwärtig für das Unternehmen ca. 10 Milliarden US $ gezahlt. Das KUV betrage damit sage und schreibe 500. Die Experten haben eine Modellrechnung aufgemacht, um zu prüfen, welche Entwicklung des Unternehmens erfolgen müsste, um das heutige Kursniveau zu rechtfertigen. Die künftigen Gewinne seien dabei mit 13% abgezinst worden, um dem erhöhten Risiko einigermaßen gerecht zu werden. Weiterhin sei ein ewiges Wachstum von 4% (real) unterstellt worden - eine aggressive Annahme!
Nochmals; die folgenden Daten sind keine Prognose unsererseits sondern zeigen auf, was notwendig wäre, um die gegenwärtigen Kurse zu rechtfertigen. Der Ertragswert bei Abzinsung der Gewinne mit 13% betrage 282 US $. Bedenklich stimme auch der Umstand, dass Freemarkets bereits halb so hoch bewertet sei wie eBay. Für eBay erwarten die Experten für das Jahr 2001 einen Umsatz von bis zu einer Milliarde US $, ein schwarzes Nettoergebnis und die Verteidigung der Marktführerschaft. Freemarkets sollte umsatzseitig 2001 noch weit hinter eBay zurückbleiben, werde aller Voraussicht nach Verluste machen und wohl auch keine so dominante Marktposition wie eBay besetzen können. Natürlich würden sich dem Business-Modell von Freemarkets langfristig mehr Wachstumschancen als dem eBay-Modell bieten - klar sei aber auch, dass sehr viel Phantasie im Kurs stecke, möglicherweise schon zu viel.
Freemarkets sei ein rasant wachsendes B2B-Auktionshaus mit einem funktionierenden Geschäftsmodell. Das Unternehmen sei in seinem Markt seit einigen Jahren etabliert und verfüge seit kurzem über die finanziellen Ressourcen, um eine aggressive Wachstumsstrategie umzusetzen. Der von Freemarkets adressierte Markt biete enorme Expansionschancen. Andererseits bestünden gerade für Freemarkets auch überdurchschnittliche Risiken (siehe oben).
Die Bewertung des Unternehmens sei nach Einschätzung der Experten auch unter diesem Aspekt so ambitioniert, dass die Analysten bestenfalls ein Halten bestehender Positionen empfehlen können. Lediglich ein hochspekulativer Investor, der im B2B-Bereich an allen relevanten Unternehmen beteiligt sein wolle, könne vorsichtige Käufe in Betracht ziehen.
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