Suchen
Login
Anzeige:
Fr, 17. April 2026, 18:02 Uhr

US-Aktien bleiben im Aufwind


14.11.05 09:15
iWatch

Die US-Indices konnten im Wochenverlauf ihre fulminante Aufwärtsbewegung der Vorwoche behaupten, ja sogar fortsetzen, berichtet das EKIP-Team des "iWatch".

Alle drei großen US-Indices würden nur noch zwei bis drei Prozent von den jeweiligen 52-Wochen-Höchstständen entfernt stehen. Diese Entwicklung sei umso erstaunlicher, da noch kein Ende des Zinserhöhungszyklus in Sicht sei und eigentlich das Motto "Never fight the Fed", gelten sollte. Die Börsenregel, die besage, dass man sich während eines Zinserhöhungszyklus mit Aktienengagements zurückhalten sollte, habe auch rückblickend für den großen Teil des Jahresverlaufes 2005 gegolten. Hier hätten sich die US-Indices mehr oder weniger seitwärts bewegt, während andere Indices - vor allem jene in Europa und Asien, hier insbesondere in Japan, - sich mit satten zweistelligen Kursgewinnen davon gestohlen hätten.

Die Performance der US-Aktienmärkte in den vergangenen zwei Wochen nehme aber nun bereits beeindruckende Ausmaße an. Die bisherige Bilanzsaison, die zu einem großen Teil die Erwartungen erfüllen, teilweise sogar habe übertreffen können, habe die Bewertungsniveaus der US-Aktien solide untermauert. Diese würden, gemessen an den S&P-500-Unternehmen, mit einem Kursgewinnverhältnis von 14 auf dem niedrigsten Stand seit 1996 verharren.

Das große Vertrauen der Investoren artikuliere sich auch in einer US-Dollar-Stärke. Die US-Valuta habe im Wochenverlauf sowohl gegenüber dem Euro als auch dem Yen sowie zahlreichen weiteren Devisen neue Zwei-Jahres-Höchststände erreicht. Im Währungsverhältnis zur europäischen Einheitswährung hätten im Tief zwischenzeitlich nur noch 1,1671 US-Dollar gezahlt werden müssen, dass sei so wenig wie zuletzt im Oktober 2003 gewesen. Ein Grund hierfür könnte das zum Jahresende 2005 auslaufende Steuergesetz "Homeland Investment Act" sein. Es ermögliche US-Gesellschaften, die außerhalb der USA tätig seien, Geldvermögen mit hohen steuerlichen Vergünstigungen in die USA zu repatriieren. Dies belaste tendenziell die Währungen, die den Volkswirtschaften zugrunde liegen würden in denen die Vermögen erwirtschaftet worden seien.

Zum anderen gelte natürlich das hohe Zinsdifferenzial von zwei Prozentpunkten gegenüber Europa und bis zu vier Prozent gegenüber Japan als Treiber der momentan zu beobachteten US-Dollar-Aufwertung. Dahingegen sei die Drohkulisse des Zwillings-Defizits, resultierend aus einem hohen Leistungsbilanz- und Haushaltsdefizits zur Zeit stark in den Hintergrund geraten, obgleich die Problematik nicht verschwunden, ja im Gegenteil sogar noch bedrohlicher geworden sei.

Der negative Handelsbilanzsaldo der USA habe im September 2005 rund 66,1 Milliarden US-Dollar betragen und sei damit auf das höchste Niveau der Wirtschaftsgeschichte gestiegen. Die Importe seien um 2,4 Prozent, vor allem aufgrund der hohen Ölpreise im Monat September, gegenüber dem Vormonat gestiegen. Die Exporte hingegen seien um 2,6 Prozent geschrumpft, wobei hier ein Streik bei Boeing einen etwas verzerrenden Charakter ausgeübt habe.

Hier hätten Boeing-Flugzeuge im Wert von 2,5 Milliarden US-Dollar nicht an ausländische Kunden ausgeliefert werden können. Dennoch sei der Anstieg des Handelsbilanzdefizits von zuvor 59,3 Milliarden US-Dollar um knapp 7 Milliarden US-Dollar als horrend zu bezeichnen. Die US-Dollaraufwertung der vergangenen Monate dürfte dazu beitragen, dass der Saldo rasch über die Marke von 70 US-Dollar getrieben werde. Denn es sei bereits heute absehbar, dass die US-Dollar-Stärke den Importsog verstärken und die Exporte der USA erheblich behindern würde. Damit steige der Bedarf an Kapital, den die USA generieren müssten, von zur Zeit 1,5 Milliarden US-Dollar, weiter nach oben an.

Durch die starke Aufwertung des US-Dollars seien die US-Indices, trotz Seitwärtsbewegung im Jahresverlauf 2005 für japanische und europäische Investoren interessant, da diese alleine auf Grund der Wechselkurseffekte zweistellige Renditezuwächse hätten einfahren können. Die Frage sei nun, ob auch für einen amerikanischen Investor das Börsenjahr 2005 noch einen versöhnlichen Abschluss finde. Hierzu wäre eine Jahresschlussrally notwendig, die die in den vergangenen zwei Wochen beobachtete Aufwärtsbewegung prolongiere. Die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario solle im dritten Kapitel erörtert werden.