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Mo, 30. Januar 2023, 6:13 Uhr

Rohstoffmarkt spekulative Gelder fließen ab


16.09.08 09:57
ABN AMRO

Amsterdam (aktiencheck.de AG) - Im Juli war es soweit - der Rohstoffsektor schwenkte ins Minus, berichtet die ABN AMRO in ihrer aktuellen Ausgabe "Märkte & Zertifikate weekly".

Immerhin habe sich damit dieser Sektor der Baisse an den Aktienmärkten lange Zeit entziehen können. Der Rogers International Commodity TR Index notiere mittlerweile wieder in der Nähe seines Jahresanfangsniveaus, habe aber gemessen an seinem Allzeithoch Anfang Juli 2008 rund 26 Prozent an Wert verloren. Die Frage bleibe, ob es sich bei dieser Entwicklung um eine normale Korrektur im Aufwärtstrend oder um eine Trendwende handle.

Mache man sich auf die Suche nach einer Antwort und schaue sich die Preisentwicklung der Rohstoffe in den zurückliegenden Monaten an, falle auf, dass viele von ihnen ihren letzten Hype nach oben erfahren hätten, als am Horizont schon längst das Rezessionsungetüm aufgetaucht gewesen sei. Spätestens im ersten Halbjahr 2007, als die Immobilienkrise in den USA ihre ersten Runden gedreht habe, hätten die Rohstoffe angesichts schwächerer Aussichten für die Wirtschaft den Rückwärtsgang einlegen müssen. Das gelte insbesondere für den Ölpreis, der noch bis Mitte 2008 habe kräftig zulegen können. Es scheine also so zu sein, dass nicht allein fundamental begründete Aussichten die Rohstoffpreise nach oben getrieben hätten.

Einen maßgeblichen Einfluss auf die Rohstoffpreise dürfte auch das Verhalten der Anleger gehabt haben. Auf der Suche nach neuen Investitionsmöglichkeiten außerhalb der Aktien- und Anleihemärkte sei in den letzten Jahren viel Geld in den Rohstoffmarkt geflossen. Im ersten Quartal des laufenden Jahres dürften es zum Beispiel über 40 Milliarden US-Dollar gewesen sein, die allein von Hedgefonds und Commodity-Trading-Advisors (CTAs) in den Rohstoffmarkt gepumpt worden seien. Vernünftige Überlegungen wie etwa die Absicherung gegen die Dollarschwäche und gegen die Inflation dürften hier eine Rolle gespielt haben.

Marktbeobachter würden jetzt darauf setzen, dass sich die Verkäufe bei vielen Rohstoffen noch eine Zeitlang fortsetzen würden, in das spekulative Geld damit aus dem Sektor hinaus fließe. Rund 40 Prozent der Analysten würden in aktuellen Umfragen in den kommenden vier Wochen einen weiter fallenden Ölpreis erwarten und jeweils 30 Prozent würden von einer Seitwärts- beziehungsweise Aufwärtsbewegung ausgehen. Mittel- bis langfristig würden dann ohnehin wieder die fundamentalen Rahmenbedingungen in den Vordergrund rücken. Und hier werde für die weitere Preisentwicklung der Rohstoffe entscheidend sein, ob es in den USA zu einer Rezession komme und ob sich diese negativ auf die Emerging Markets, insbesondere auf China, auswirken werde.

Optimistisch stimme, dass sich nach Ansicht der Mehrheit der Volkswirte Asien von einem Abschwung in den USA abkoppeln könne und sich damit als neue Lokomotive für die Weltwirtschaft erweise. (Ausgabe 38) (16.09.2008/ac/a/m)