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Mo, 30. Januar 2023, 5:01 Uhr

Rettung von Freddie Mac und Fannie Mae begrüßt


10.09.08 13:48
ABN AMRO

Amsterdam (aktiencheck.de AG) - Freddie Mac und Fannie Mae dürfen nicht sterben, deshalb hat nun die US-Regierung die Kontrolle über die beiden Hypothekenbanken übernommen. An der Börse freut man sich, berichtet die ABN AMRO.

Als US-Finanzminister Henry Paulson am letzten Sonntag in Washington vor die Presse getreten sei, habe er eine wahrhaft atemberaubende News zu vermelden gehabt: die Übernahme der Kontrolle bei Fannie Mae und Freddie Mac durch den Staat.

Eine News, die ein absolutes Novum in der Geschichte der USA darstelle. Zwar habe es auch schon in der Vergangenheit hier und da mal staatliche Unterstützungen für in Not geratene Unternehmen gegeben, entweder durch direkte finanzielle Zuwendungen oder durch protektionistische Gesetze, doch mit dem nun erfolgten Engagement bei den beiden Immobilienfinanzierern werde eine neue Größenordnung erreicht. Das Finanzministerium habe sich nämlich bereit erklärt, Vorzugsaktien der beiden Gesellschaften von jeweils bis zu 100 Milliarden US-Dollar zu kaufen. Außerdem werde Paulsons Ministerium Fannie Mae und Freddie Mac kurzfristige Kredite gewähren und auf Hypotheken basierende Wertpapiere am Markt kaufen.

Zudem würden beide Institute unter direkter Leitung der Regulierungsbehörde für Hausfinanzierungen (FHFA) gestellt. Dazu müssten die bisherigen Unternehmenschefs Daniel Mudd und Richard Syron ihre Posten räumen. Neuer Chef bei Fannie Mae werde Herb Allison, er sei zuvor in leitender Position bei Merrill Lynch tätig gewesen, und bei Freddie Mac David Moffett, er komme von US Bancorp.

Das energische Einschreiten der US-Regierung werde verständlich, wenn man bedenke, welche Bedeutung die beiden Immobilienfinanzierer für das politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in den Vereinigten Staaten hätten. "Die Finanzriesen sind so groß und so mit dem Finanzsystem verwoben", so Paulson während der Pressekonferenz, "dass das Scheitern eines der beiden große Unruhe auf unserem Finanzmarkt und in der ganzen Welt auslösen würde". Eine Diagnose, die absolut richtig sei.

Fannie Mae (eigentlicher Name: Federal National Mortgage Association) und Freddie Mac (Federal Home Loan Mortgage Corporation) seien nämlich als staatlich geförderte Banken gegründet und vom Kongress beauftragt worden, das Wohneigentum in den USA zu fördern. Sie würden Hypothekenkredite von Banken kaufen, diese Kredite zusammenfassen und sie als Mortgage Backed Securities auf den Kapitalmarkt bringen. Mit ihren Produkten würden sie fast die Hälfte eines Marktes dominieren, der auf ein Gesamtvolumen von zwölf Billionen US-Dollar geschätzt werde.

Und noch ein Faktor spiele bei der Rettung von Fannie Mae und Freddie Mac eine Rolle: Die USA wollen der Welt ihren Willen und ihre Fähigkeit demonstrieren, die heimische Wirtschaft vor größeren Krise bewahren zu können. Damit solle auch wieder ein Stück Vertrauen bei den ausländischen Kapitalgebern zurückgewonnen werden, auf das die USA bei der Finanzierung ihres defizitären Haushalts so dringend angewiesen seien. Schätzungen nach dürfte jede zehnte US-Hypothek in den Händen ausländischer Anleger sein. Dazu würden institutionelle Investoren genauso wie Regierungen zählen. So würden die Volksrepublik China und Japan zu den größten Gläubigern der beiden Hypothekenbanken gehören. Nach Angaben von Freddie Mac sollten in der Vergangenheit 66 Zentralbanken in die Wertpapiere des Hauses investiert haben.

An der Börse sei das Eingreifen des Staates mit einem wahren Kursfeuerwerk gefeiert worden. "Die Übernahme von Fannie Mae und Freddie Mac", so Lucy MacDonald, Chief Investment Officer für Kapitalanlagen bei RCM Ltd., "ist der Anfang vom Ende des Problems. Damit werden die Finanzaktien vor einem weiteren Absturz bewahrt". Ähnlich zuversichtlich habe sich auch ihr Kollege Brain Barish, Präsident bei Cambiar Investors LLC, geäußert. Allerdings gebe er zu bedenken: "Ich denke nicht, dass nun eine Börsenrallye gerechtfertigt ist. Viele Probleme bleiben, daran hat die Übernahme nichts geändert."

Auch wenn die Probleme nicht gelöst seien, kurzfristig dürfe das Eingreifen des Staates die Aktienmärkte beruhigen. Verlierer würden die Aktionäre von Fannie Mae und Freddie Mac bleiben. Durch die Kapitalerhöhung würden ihre Anteile verwässert. Zudem sei eine Dividendenkürzung beschlossen worden: Statt 35 US-Cent je Aktie würden die Aktionäre nur noch fünf US-Cent erhalten. Dass die beiden Banken börsennotiert seien und gleichzeitig den staatlichen Auftrag hätten, den Immobilienerwerb zu fördern, habe sich als nicht tragfähiger Widerspruch erwiesen.

Das politische Mandat habe eine Kreditexpansion im Immobiliensektor vorgeschrieben. Gegenüber den Aktionären hätten sie dagegen in den Vorjahren die Verpflichtung gehabt, ihr Kreditrisiken zu reduzieren. Die Führung der Bank habe sich für das politische Mandat entschieden - mit den entsprechenden Folgen. (10.09.2008/ac/a/m)