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Fr, 17. April 2026, 14:55 Uhr

Rentenmarkt im Fokus


08.12.06 16:19
LRP

Mainz (aktiencheck.de AG) - Die letzte Soft landing-Debatte für die US-Wirtschaft liegt kaum ein halbes Jahr zurück, berichten die Analysten der LRP Landesbank Rheinland-Pfalz.

Damals habe der Konsum in den USA verstärkt Anlass zur Sorge geboten. Derzeit sei es der ISM-Index, der mit seinem jüngsten Rutsch unter die Expansionsgrenze von 50 Punkten ein merklich moderateres Expansionsniveau für die weltweit größte Volkswirtschaft signalisiere. Seit im Juni vermehrt konjunkturelle Schwächesignale aufgetreten seien, habe sich nicht zuletzt im Zuge einer durch nachgebende Energiepreise genährte Entkrampfung der Inflationsbefürchtungen die Inversion der Zinsstrukturkurve in den USA fortgesetzt.

Im Euroraum habe sich entsprechend die Kurve weiter verflacht. Gleichzeitig sei jedoch der Renditeabstand zwischen zehnjährigen Treasuries und Bundesanleihen im Zuge eines relativ robusteren Leitzins- und Konjunkturszenarios für den Euroraum von seinem Hoch bei gut 120 Basispunkten auf aktuell gut 75 Basispunkte gesunken.

Konjunkturell ergebe sich derzeit für die USA kein stimmiges Bild. Abwärtsrisiken würden nach dem Rutsch des Dezember-ISM unter 50 Punkte vor allem für das verarbeitende Gewerbe bestehen. Der Immobilienmarkt rechtfertige mit der Stabilisierung bei einigen Indikatoren immerhin Hoffnungen auf eine Bodenbildung.

Ein geradezu konjunkturfreundliches Indiz liefere demgegenüber der Anstieg des ISM Dienstleistungsindex auf 58,9 (zuvor 57,1) Punkte. Umstritten bleibe jedoch, ob die im Zuge schwacher Wirtschaftsdaten gefallenen Renditen im Falle besserer Datenveröffentlichungen wieder deutlich zulegen würden. Schließlich seien im Szenario 1994/95, zu dem sich an den Kapitalmärkten derzeit einige Parallelen ziehen lassen, robuste Wirtschaftsdaten und sinkende Renditen dank inflationsarmen Wachstums über lange Zeit gut vereinbar gewesen.

Die leichte Aufwärtsrevision der Produktivität für Q3 auf +0,2 (zuvor ±0) Prozent sowie die gleichzeitige Abwärtsrevision der Lohnstückkosten auf +2,3 (zuvor +3,8) Prozent deute zwar in Richtung dieses positiven 90er-Szenarios. Auf der anderen Seite aber könnte die aktuelle Dollarschwäche künftig Aufwärtsdruck für die Renditen erzeugen, um eine gewisse Attraktivität von Dollar-Anlagen zu erhalten und damit weiterhin benötigte Auslandsgelder in den Greenback zu locken.

Auf europäischer Seite dürfte nicht zuletzt der feste Euro die EZB veranlasst haben, nach der jüngsten Heraufsetzung des Schlüsselzinses auf 3,5 Prozent eine zunächst stark an künftigen Daten orientierte Haltung einzunehmen. Im Hintergrund könnte aber möglicherweise auch die Antizipation einer Zenitbildung bei wichtigen europäischen Frühindikatoren wie dem ifo-Geschäftsklima sowie nachlassende Inflationsfixierung (Absenkung der Inflationsprognose 2007 auf 2,0 nach zuvor 2,4 Prozent) eine Rolle spielen. In diesem Szenario würden vorerst kürzere bis mittlere Laufzeiten die bevorzugte Anlagealternative darstellen, zumal längere Bindungsfristen kaum eine adäquate Mehrverzinsung bieten würden. (08.12.2006/ac/a/m)





 
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