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Fr, 17. April 2026, 12:37 Uhr

POPNET INTERNET AG O.N.

WKN: 622810 / ISIN: DE0006228109

PopNet verkaufen


07.02.00 00:00
at-stoxx

Die Analysten von at-stoxx raten dem Anleger derzeit von einem Engagement in Aktien der PopNet (WKN 622810) Internet AG ab.

In der letzten Woche konnte man glücklicher Zeichner von PopNet Aktien zu einem maximalen Emissionspreis von 12,50 Euro werden, so die Experten. Die Zeichnungsfrist sei wegen Überzeichnung bis Dienstag abend verkürzt worden.

Schon während des Bookbuildings habe die Aktie bei Schnigges vorbörslichem Handel ein Vielfaches des Emissionspreises erzielt. Wer also clever gewesen sei und die Aktie zeichnete und welche bekam, habe durch Verkauf am Tag der Erstnotiz seinen Kapitaleinsatz bei geringem Risiko hoch verzinst zurückbekommen. An der Vorbörse sei die Aktie am Freitag schon um 65 Euro gehandelt worden, derzeit koste sie - eine Woche später - knapp 80 Euro. Sind solche Preise gerechtfertigt? Zumal die Emissionsspanne i.d.R. auf Grundlage von Unternehmensbewertungen der Konsortialbanken festgelegt wird? Für die Anlageexperten Ansporn genug, das Unternehmen einmal näher zu beleuchten und zumindest näherungsweise einen "fairen" Unternehmenswert zu ermitteln.

Die PopNet Internet AG sei eine reine Holding-Gesellschaft, d.h. sie betreibe kein eigenes operatives Geschäft, sondern halte 100 % der PopNet Kommunikation GmbH & Co. KG, 40 % der PopNet Agentscape AG und 25 % der PopNet CrossMedia GmbH. Wolle man also Aussagen über die Holding machen, müsse man deren Beteiligungen unter die Lupe nehmen:

PopNet Kommunikation GmbH & Co. KG

Die Fullservice-Multimedia-Agentur biete alles rund um die Konzeption, das Design, die Programmierung und das Hosting von Websites mit z.B. eCommerce-Lösungen und der dazugehörigen Beratungsleistung. Alle angebotenen Leistungen würden in Form von Projekten abgewickelt. Umsatz werde also durch die erfolgreiche Fertigstellung und Abnahme von Projekten generiert. Um allgemein den Umsatzbeitrag einzelner Projekte abzuschätzen sei auf eine Studie der GfK hingewiesen, nach der große deutsche werbetreibende Unternehmen für ihre Webpräsenz im Durchschnitt 457 TDM für Anfangs- und Erweiterungsinvestitionen und 1,4 Mio. DM für Aufbau, Pflege und Mediakosten ausgeben (im Jahr 1999). Passend zu dieser Studie sei, dass der durchschnittliche Umsatz von PopNet Kommunikation 1999 pro wichtigstem Kunden 458 TDM sei (11 Mio. DM / 24 bedeutende Kunden). Aufschlussreich sei auch, dass sich der Anteil der Kunden, mit denen die Gesellschaft 1999 mindestens 250 TDM umsetze, auf 63 % belaufe.

Übrigens, seit der Gründung 1995 sei kein wichtiger Kunde verlorengegangen, im Gegenteil, die Kunden scheinen zufrieden zu sein, denn sie würden weitere Leistungen nachfragen, also z.B. nicht nur die rein werbliche Präsenz im Internet, sondern auch die Integration von eCommerce. Namhafte Kunden seien Axel Springer, BMW, comdirect, BP, Maggi, Siemens. Bedeutend sei die breite Kundenstruktur: Die fünf größten Kunden steuerten lediglich 35 % und der größte Kunde 8% der Umsätze bei. Dies alles ermögliche eine relativ sichere Abschätzung zukünftiger Umsätze auf der Basis der zukünftig erwarteten Projektanzahl. Um diese zumindest global zu beurteilen, sei auf diese Studien hingewiesen: Der eCommerce-Umsatz in Deutschland solle von 1,6 Mrd. $ in 1999 auf 16 Mrd. $ in 2001 steigen (Forrester Research); in den besonders internet-affinen Produktbereichen Reisen, Bücher, Musik und Software würden für Deutschland im Jahr 2002 Umsätze in Höhe von 1,85 Mrd. $ erwartet (Jupiter Communications); der Markt für Internet Consulting werde von 1999 bis 2002 jährliche Wachstumsraten von 31-39% aufweisen.

PopNet Agentscape AG

Die Gesellschaft entwickle und vertreibe Basis-Technologie für sozial-orientierte Internet-Benutzerschnittstellen-Agenten und darauf basierende Systeme, Applikationen und Dienste sowie Beratung und Projektdurchführung. An der Entwicklung der Agenten-Software Si.MON (Social intelligent Match & Organizing Netware) sei seit 1997 gearbeitet worden, so dass das Unternehmen zukünftig in der Lage sein werde, seine Leistungen in den folgenden Bereichen anzubieten:

· Software-Entwicklung - Realisierung komplexer Software-Lösungen auf Basis
agentengestützter Technologien
· Interaktionsdesign - Gestaltung der Interaktion zwischen Mensch und
Computer über soziale Interfaces
· Plattform-Entwicklung - Mit www.Flirtmaschine.de werde das Unternehmen die
erste Si.MON-basierte Plattform (als Schnittstelle zum Menschen bzw.
Si.MON-Anwendung) im Internet etablieren.
Die Konzeption und Entwicklung weiterer Plattformen werde angestrebt.

Bei der Flirtmaschine werde anhand des Surfverhaltens des Benutzers ein Interessensprofil erstellt und auf diese Weise versucht, einen Kontakt mit gleichgesinnten zu vermitteln.

Die zukünftige Ausrichtung der PopNet Agentscape sehe neben dem Angebot weiterer Plattformen und der Realisierung von Kundenprojekten die Entwicklung differenzierter Produkte auf Basis der Software Si.MON vor. Diese Palette reiche von der Si.MON Professional Edition (High End-Lösungen für mittlere und große Unternehmen) über die Si.MON Standard Edition (Komplettlösungen für KMUs), den Si.MON Server (kommerzieller Agentenmarktplatz) bis hin zum Si.MON GO (Desktop-Lösungen für Endverbraucher).

Die durch die entwickelte Agentensoftware abgedeckten Anwendungsgebiete sind nach Einschätzung der Experten sehr vielseitig. Die amerikanische Supermarktkette Wal Mart hatte beispielsweise festgestellt, dass sie besonders hohe Verkaufszahlen bei Bier erzielte, wenn sie das Bier neben den Windeln platzierte. Offenbar kauften viele junge Väter neben den Windeln auch noch Bier. Bei virtuellen Shops bestünden noch viel umfassendere Möglichkeiten bei der Abstimmung des Angebots auf die Bedürfnisse des Kunden. Der Shop-Betreiber könne dadurch den Umsatz erhöhen und den Profit steigern. Gleichzeitig werde sich der Kunde möglicherweise überdurchschnittlich gut in dem Laden zurecht finden und daher gerne wieder kommen.

Erst ab diesem Jahr solle Umsatz durch Verkauf der Software an andere Unternehmen entstehen. In welcher Größenordnung sich dieser bewegen werde, sei schwer abschätzbar. Dennoch würden die Planzahlen der Gesellschaft solche geschätzten Umsätze enthalten. Grundsätzlich sollte man hier sehr vorsichtig sein, da der Erfolg des Vorhabens noch nicht absehbar sei.
PopNet CrossMedia GmbH

Der Firmenname verrate schon die wesentliche Strategie: Hier solle das eShopping-Portal GOLD zusammen mit der Zeitschrift GOLD Verbraucher auf synergetische Weise dazu verleiten, viele Pageviews auf der Website GOLD und eine hohe Auflage des Printmediums GOLD zu erzeugen. Geld solle hier durch Werbung auf der Website und in der Zeitschrift, sowie durch Verkauf des Printmediums verdient werden. Künftig könnten die Experten sich vorstellen, dass PopNet Provisionen erhalte von Händlern, die auf der Portalseite Shops betreiben.

Erwähnenswert sei, dass der Vorstandsvorsitzende Werner Marcinowski die Stadtillustrierte PRINZ gründete. PRINZ habe eine Auflagenstärke von über 200 000 Stück erreicht. In den USA würden Printmagazine die sich dem Thema E-Commerce widmen derzeit wie Pilze aus dem Boden schießen. Insbesondere brauchten sie sich über ihre Werbeauslastung keine Sorgen machen, da die "dotcoms" irgendwo ihr Werbebuget unterbringen müssten. Möglicherweise könne GOLD einen ähnlichen Erfolg in Deutschland erzielen. Voraussetzung für einen Erfolg sei, dass das Printmedium GOLD für die Web-Community inhaltlich interessant gestaltet wird. Inwieweit allerdings Synergien zwischen Webseite und Zeitschrift erzielt werden können, bleibe abzuwarten.

Die Holding PopNet Internet habe die Aufgabe, zusammenwirkende Effekte zwischen den drei Beteiligungen anzuregen. Damit sei z.B. gemeint, dass Konsumenten, die durch das Printmedium GOLD auf die Website GOLD gelockt werden, dort Links zu Firmensites anklicken, die von PopNet gestaltet sind. Auf diesen Sites würden die Konsumenten mit der Agentensoftware interagieren. Allgemeiner ausgedrückt: PopNet sei sowohl angebots- als auch nachfrageseitig im Internet tätig und realisiere dort Umsatzpotentiale. So oder ähnlich sehe die Vision der Unternehmer aus. Vor allem die Synergien zwischen den drei Beteiligungen sollte man sich näher ansehen. Ein Synergie-Effekt drücke aus, dass mehr Umsatz oder weniger Kosten durch das Zusammenlegen von Einheiten entstehen. In diesem Fall solle mehr Umsatz entstehen. Das Mehr an Umsatz im Bereich CrossMedia sei - wie dargelegt - kaum vorhanden. Steige die Zahl der akquirierten Website-Projekte oder verkauften Agentensoftware durch die Existenz von GOLD oder umgekehrt? Hierfür gebe es keinen Grund.

Es sei aber denkbar, dass ein PopNet Kommunikation-Projekt mit dem Kauf von Agentensoftware verbunden wird. Bedenke man jedoch die sehr speziellen Anwendungsbereiche der Agentensoftware, werde es nur vereinzelt zu derartigen Fällen kommen. Fazit: Hohe Synergien seien unwahrscheinlich, zumindest seien sie aufgrund der sehr frühen Entwicklungsphase von Agentscape und CrossMedia noch nicht abzusehen. Die Analysten bewerten daher die Beteiligungen einzeln.

Für PopNet Kommunikation gebe es eine hinreichend große Zahl börsennotierter Vergleichsunternehmen, um einen Peer-Group-Vergleich durchzuführen. Die Daten der Peer-Group seien (Kurs-Umsatz-Verhältnis 2001/Kurs-Gewinn-Verhältnis 2001): Kabel New Media (9,13/172), I-D Media (10,39/negativ), Pixelpark (31,05/2630), SinnerSchrader (24,48/269,05), WWL Internet (12/142,86), Agency.com (n.a./534,82), IXL Enterprises(n.a./89,77), Razorfish (n.a./117,19), USWeb (n.a./27,02). Das durchschnittliche KUV/KGV dieser Unternehmen liege folglich bei 17,41/497,84. Damit wäre eine PopNet Aktie bei einem 2001er Umsatz von 57,375 Mio. DM / Gewinn von 1,497 Mio. DM und 9,5 Mio. Aktien 53,76 Euro / 40,11 Euro wert. Diese Zahlen würden aber sogleich relativiert durch die geringe Aussagekraft der Multiplikatoren. Z.B. führe eine Überbewertung der Vergleichsunternehmen zu einer Überbewertung des zu bewertenden Unternehmens. Weiterhin liege in der untersuchten Branche die Gewinnschwelle der Gesellschaften noch in der Zukunft, und es würden starke Gewinnwachstumsraten erwartet. Wenn nun ein Unternehmen in einem Jahr Verlust bzw. einen sehr kleinen Gewinn erwirtschafte führe dies zu einem negativen bzw. einem sehr hohen KGV. Damit führe die Bewertung eines Vergleichsunternehmens mit diesen Multiplikatoren zu negativen bzw. zu sehr hohen fairen Werten. Im Übrigen fehle der Multiplikatormethode die saubere Verknüpfung von fairen Werten mit dem Ziel der Endvermögensmaximierung.

Der ermittelte faire Wert mit 13,90 Euro liege knapp über dem Emissionspreis von 12,50 Euro, jedoch weit unter dem aktuellen Börsenkurs. In einem optimistischeren Szenario gingen die Analysten davon aus, dass sich der Umsatz der Gesellschaften PopNet Kommunikation und Agentscape zusammen ab 2003 um 80% mit jährlicher Abschwächung um 10 %-Punkte erhöht. Dann würde sich 2009 ein Umsatz von 350 Mio. Euro ergeben. Man bedenke, die beim Peer-Group-Vergleich angeführte Konkurrenz zusammengenommen habe 1999 einen Umsatz von 800 Mio. Euro erzielt, die deutschen Gesellschaften hiervon lediglich 17,66 Mio. Euro. Man erinnere sich weiterhin, wenn ein durchschnittliches Projekt 250.000 Euro umsetze, dann müssten 1400 Projekte im Jahr 2009 realisiert werden. Das seien 6 Projekte pro Arbeitstag (1999 insgesamt ca. 25-30 Projekte!). Wenn ein Teil des Umsatzes durch Verkauf der Agentensoftware erzielt werde, würden die Zahlen der durchzuführenden Projekte leicht geringer ausfallen. Für PopNet CrossMedia werde angenommen der Umsatz steige 2001 um 70 % mit jährlicher Abschwächung um 10%-Punkte. Im Jahr 2009 wäre ein Umsatz von 336 Mio. DM erreicht, und das durch Verkauf von Werbefläche und Zeitschrift. Dieser Umsatz reiche in die Größenordnung des Umsatzes, der durch den Verkaufserlös (ohne Werbung) der FAZ erzielt wird. Bei sonst konstanten Annahmen ergebe sich ein fairer Unternehmenswert von ca. 30 Euro pro Aktie.

Im Geschäftsbereich PopNet Kommunikation stecke nach Einschätzung der Experten relativ wenig Möglichkeit, exorbitante Gewinne zu erwirtschaften, da die Kosten eher proportional zu den Umsätzen steigen dürften. Hier würden die Kosten nämlich im wesentlichen Personalkosten beinhalten und es werde stets so sein, dass eine Mindest-Mannstundenzahl für einzelne Projekte gebraucht wird. Mit anderen Worten, man könne nicht mit großen Skaleneffekten wie bei reinen Softwarehäusern rechnen, wenn man annehme, die Zahl der Projekte sei nicht beliebig steigerbar.

Die hohen Kurse der PopNet Aktie könnten sich also nicht allein aus den Planzahlen oder dem optimistischeren Szenario begründen, sondern aus den kaum abschätzbaren weiteren Potentialen der Agentensoftware und des eShopping-Portals mit Zeitschrift. PopNet kündige außerdem an, mit dem Emissionserlös strategische Beteiligungen einzugehen. Hier könnten sich Synergien ergeben, die einen höheren fairen Aktienwert rechtfertigen.

Die mit vergleichbaren Unternehmen wie Pixelpark erzielten Gewinne reizten die Aktionärsphantasie. Szenarien, die eintreten müssten, damit ein Kurs von 80 Euro gerechtfertigt wäre, seien aus heutiger Sicht nicht ersichtlich. Deshalb raten die Experten bei dem derzeitigen Kurs zum Verkauf. Aufgrund der phantasieträchtigen Geschäftsfelder könne natürlich nicht ausgeschlossen werden, dass der Kurs kurz- bis mittelfristig weiter steigt. Der Anleger solle jedoch bedenken, dass das Chance/Risiko-Verhältnis langfristig keine Gewinne erwarten lasse. Es sei wahrscheinlicher, dass sich ein Börsenkurs auf den fairen Wert hinbewegt als umgekehrt.





 
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