Morphosys Potenzial
24.01.00 00:00
at-stoxx
Seit der Emission verfolgen die Analysten von at-stoxx die Entwicklung des Martinsrieder Biotechunternehmens Morphosys (WKN 663200).
Nach den Unternehmensmeldungen in den vergangenen Wochen erscheine ein Update der damals erstellten Analyse notwendig. Dies vor allem vor dem Hintergrund, dass sich sowohl auf dem Gebiet der Produktentwicklung, als auch im Bereich des Patentportfolios einige wichtige Neuerungen ergeben hätten. Nicht zu vergessen seien auch die positiven Meldungen über Geschäftsabschlüsse. Die Experten besuchten dazu das Unternehmen und sprachen mit Finanzvorstand Herrn Dave Lemus und Forschungsvorstand Herrn Dr. Thomas von Rüden.
Für diejenigen, die sich noch nicht intensiver mit MorphoSys beschäftigt haben, hier eine kleine Einführung. Das 1992 gegründete Unternehmen habe als Hauptprodukt die Antikörperbibliothek HuCAL entwickelt. Im Gegensatz zu den bestehenden Methoden, die auf transgene Mäuse zur Herstellung von menschlichen Antikörper setzten, seien synthetische Herstellungsverfahren genutzt worden. Antikörper seien ein Schwerpunkt in der biotechnologischen Medikamentenentwicklung und erfreuten sich einer steigenden Nachfrage von Seiten der Pharmaindustrie. Ein erster Auftrag sei von Boehringer Mannheim (1995) gekommen, weitere Deals seien mit Pharmacia & Upjohn, DuPont Pharmaceuticals, LeukoSite, Chiron, GPC und letztens Bayer abgeschlossen worden. Gegenwind sei von einem britischen Konkurrenzunternehmen (Cambridge Antibody Technologies) gekommen, das auch auf die Entwicklung einer Antikörperbibliothek gesetzt hatte und durch Patentstreitigkeiten die Geschäftstätigkeit von MorphoSys bremsen wollte. Im März des letzten Jahres sei das IPO erfolgt. Anfangs sei die Stimmung noch sehr gut gewesen, doch habe der allgemeine Markttrend, die Unsicherheit durch die Patentverhandlungen und die Nichtbeachtung der Biotechwerte im allgemeinen auf den Kurs gedrückt. Dieser habe das Niveau von 30 bis 35 Euro nicht halten können und auf bis zu 14 Euro nachgegeben, sich aber aufgrund der guten Nachrichten zum Ende des Jahres hin erholt. Eine Produktneuvorstellung (HuCAL-Fab) habe dann zu einer Rallye geführt, die den Kurs auf fast 80 Euro ansteigen ließ. Derzeit konsolidiere die Aktie bei einem Niveau von 70 Euro.
Noch zum Börsengang habe die HuCAL-Bibliothek aus zwei Milliarden Antikörpern bestanden, die auf der Basis von Single-chains entwickelt worden sei. Die Fortentwicklungsmöglichkeiten seien ähnlich wie in der Softwareindustrie angelegt und resultierten in ständig neuen Versionen der Bibliothek. Die im Januar vorgestellte HuCAL-Fab sei auf 10 Milliarden Antikörper angewachsen. Damit sei jedoch der letzte Schritt in Richtung zahlenmäßiger Ausdehnung getan. Nun würden - in den nächsten Versionen - Verbesserungen hinsichtlich der Optimierungsmöglichkeiten der einzelnen Antikörper folgen. Dies sei die logische Konsequenz aus der Konstruktion der Datenbank. Weniger die bloße Masse an Volumen sei es, was nach Ansicht von MorphoSys zähle, sondern die Qualität solle das Produkt ausmachen. So seien die Antikörper, durch die Integration von Schnittstellen an den für die Bindung wichtigen Stellen, mit einer hohen Variabilität ausgestattet und könnten somit schnell den Anforderungen der Kunden angepasst werden - ein wichtiger Vorteil gegenüber den Bibliotheken der Konkurrenz. Das direkte Konkurrenzprodukt des angelsächsischen Unternehmens CAT (Cambridge Antibody Technologies) sei auf der Basis menschlichen Spenderblutes entwickelt worden - HuCAL sei synthetisch hergestellt worden. Da bei CAT die Strukturen der Antikörper daher nicht bekannt seien, könnten sehr schwer gezielte Eingriffe vorgenommen werden, eine gezielte Optimierung sei schwierig. Zudem sei mit HuCAL-Fab ein wichtiger Schritt in Richtung der Entwicklung therapeutischer Antikörper getan worden, was einen bedeutenden Faktor für die Etablierung einer eigenen Produktpipeline darstelle.
Gerade auf dem Gebiet der Patentstreitigkeiten habe sich durch die Erweiterung der Bibliothek ein zusätzlicher Entspannungsfaktor ergeben. Bisher sei es das Anliegen des Konkurrenten CAT (Cambridge Antibody Technologies) gewesen, die Geschäftsentwicklung von MorphoSys zu bremsen. Dies sei auch möglich gewesen, da die auf Single-chains basierende Bibliothek in einen Patentbereich fiel, den sich CAT gesichert hatte. Die Unsicherheit an der Patentfront habe für Verstimmung bei den Kunden gesorgt. Der für Mai angesetzte Termin beim europäischen Patentamt in München zur Klärung der Streitigkeit sei zweimal verschoben - zur Verhandlung sei es somit erst im Oktober gekommen. Dass CAT auf Zeit gespielt hatte, habe sich in dem Ergebnis gezeigt, das positiv für MorphoSys ausgefallen sei. Ein wichtiger Kernanspruch (Claim 32) im Winter-II-Patent, welches neben dem sogenannten McCafferty-Patent und dem Griffiths-Patent, den Streitpunkt in dem Verfahren darstelle, habe abgeändert werden müssen. Die Fab-Version sei durch Lizenzierung (die Lizenz wurde von Biosite erworben) gesichert, womit sich keine problematische Patentsituation mehr ergeben dürfte. Es könne damit gerechnet werden, dass bei den derzeit noch anhängigen Gerichtsverfahren bis zum Ende des Jahres weitere Fortschritte erzielt werden können. Damit seien entscheidende Negativfaktoren, die bisher den Kurs belasteten, - fast - zur Seite geräumt. Dies sei auch bereits von der Börse gewürdigt worden. Der deutliche Kurssprung am 10.Januar diesen Jahres, als HuCAL-Fab vorgestellt worden sei, sei als Reaktion auf die sich verbessernde Situation sowohl auf der Produktseite, als auch im Patentbereich zu sehen.
Die Wachstumsaussichten für MorphoSys seien zweifellos sehr gut. Zahlreiche bedeutende Medikamente seien bereits auf der Basis von Antikörpern entwickelt worden, der Trend solle sich in den nächsten Jahren noch verstärken. Ein gutes Beispiel für die Marktchancen derartiger Produkte sei Synagis, das gegen RSV eingesetzt werde und aus der Pipeline des US-Unternehmens MedImmune stamme. Synagis verkaufe sich exzellent und erlebe gerade in den letzten Quartalen einen regelrechten Boom. Für die Entwicklung von Therapeutika sei die Verwendung von Antikörpern zu einem wichtigen Faktor geworden. Derzeit dominierten die US-Biotechunternehmen Abgenix (ABGX) und Medarex (MEDX) den Markt. Sie setzten auf Maus-Technologien zur Herstellung der Antikörper.
Diese tierischen Organismen seien derart modifiziert, dass sie Antikörper herstellen könnten, die beim Menschen eingesetzt werden können. würden weisen diese Technologien Nachteile hinsichtlich der Optimierungsfähigkeit und der Produktionsgeschwindigkeit der Antikörper aufweisen. So dauere eine "Maus-Entwicklung" ca. drei bis sechs Monate. Mit HuCAL reduziere sich dieser Zeitraum auf wenige Wochen. Die geringere Zeitdauer sei ein genereller Vorteil beim Einsatz von Bibliotheken, die bessere Optimierbarkeit ein weiterer Vorteil von HuCAL. Derzeit gehe der Trend dahin, bei der Pharmaforschung beide Technologien einzusetzen. Mittelfristig dürfte die Bedeutung der Bibliotheken steigen. Dies begründe sich durch den hohen Effizienzdruck, dem die Pharmaforschung unterliege. Die Nachfrage nach der Bibliothek sei groß. Dies zeigten die Kooperationen, die im letzten Jahr abgeschlossen werden konnten. Herausragend sei der Vertrag mit Bayer, der dem Unternehmen ein Auftragsvolumen sichere, das sich im Bereich von 50 Mio. US$ bewegen dürfte.
Im optimistischsten Szenario, d.h. wenn alle Meilensteine erreicht werden, könnte das Volumen sogar auf 100 Mio. US$ anwachsen. Wie den Analysten bestätigt worden sei, würden derzeit mit etwa zehn bis fünfzehn Unternehmen Verhandlungen geführt. Ziel sei es, zwischen drei und sechs Abschlüsse im Jahr zu machen. Zur Debatte stehe auch die Ergänzung des Unternehmens durch die Akquisition einer aussichtsreichen Pipeline (z.B. durch die Übernahme eines Unternehmens, das sich bereits eine Expertise bei der Entwicklung von Wirkstoffen erworben hat). Genaue Pläne bestünden derzeit zwar noch nicht, es solle das Produktgeschäft jedoch gestärkt werden. Dies heiße nicht, dass sich MorphoSys auf absehbare Zeit zu einem Produktentwickler wandeln wird, sondern Ziel solle es sein, die Wertschöpfung zu erhöhen. Denn bisher erhalte das Unternehmen - wenn ein Medikament am Markt eingeführt wird - eine Umsatzbeteiligung im lediglich einstelligen Prozentbereich...
Zweifellos bedürfe es bei MorphoSys noch einiger Schritte, bis die absolute Vergleichbarkeit mit den US-Unternehmen gegeben sei:
Validierung der Technologie: Die neue Antikörperbibliothek HuCAL-Fab müsse beweisen, dass die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt werden können. Dies solle im Laufe dieses Jahres geschehen.
Beendigung der Patentstreitigkeiten: Der laufende Rechtsstreit wirke sich nicht gerade förderlich für die Entwicklung der beteiligten Unternehmen aus. Auch hier solle es im Laufe des Jahres zu einer Entscheidung kommen.
Ausbau der Pipeline: Bisher verfüge MorphoSys über Wirkstoffe, bzw. entwickele zusammen mit Partnern Wirkstoffe, die sich vornehmlich in vorklinischen Tests befinden. Zur Entwicklung von Wirkstoffen sei eine eigene Abteilung gegründet worden. Wie bereits oben angesprochen, könne man sich bei MorphoSys aber auch sehr gut die Ergänzung der eigenen Pipeline per Zukauf vorstellen. Das Resultat solle die Steigerung der Wertschöpfung durch die Kombination von fremder und eigener Entwicklungsarbeit sein. Zudem würden sich die mittel- bis langfristigen Umsatzpotentiale dadurch enorm erhöhen.
Sollten die angesprochenen Punkte umgesetzt werden, so sei die MorphoSys AG vom Unternehmensentwicklungsstand her auf dem gleichen Niveau wie die US-amerikanische Konkurrenz. Die Grundlagen dafür seien gelegt, bzw. würden im laufenden Jahr gelegt. Bewertung Aus den gerade angesprochenen Gründen müsse in der Bewertung der MorphoSys ein Abschlag zu den Vergleichsunternehmen aus den Vereinigten Staaten vorgenommen werden. Sehe man sich als Vergleichsmaßstab deren Marktkapitalisierung an, so zeigten sich die Zukunftspotentiale für MorphoSys. Denn der Bereich der Antikörperforschung werde weiterhin zu den interessantesten Gebieten der biopharmazeutischen Forschung zählen. Für die derzeit führenden Unternehmen - auf dem Gebiet Maus-Technologie, also Abgenix und Medarex - würden aktuell etwa je 2 Mrd. US$ bezahlt. MorphoSys werde derzeit mit ca. 250 Mio. US$ bewertet. Dies entspreche einem Abschlag von fast 90%. Dieser Bewertungsunterschied sollte - gerade auch hinsichtlich der sich verbessernden Unternehmenssituation - nicht mehr lange Bestand haben. Die Positionierung als führender Anbieter von Antikörperbibliotheken sollte der Börse mindestens 500 Mio. US$ Wert sein. Dies wäre ein Abschlag von immer noch 75% zu den Marktführern und dürfte die mit dem Unternehmen verbundenen Risiken beinhalten. Diese Marktkapitalisierung entspräche einem Kurs von knapp 140 Euro. Sollte bis zum Jahresende die angedeutete Verbesserung der Unternehmenssituation eintreten, so dürfte sich der Bewertungsunterschied nochmals verringern. Es gelte folglich, die weitere Entwicklung zu beobachten.
Trotz des rasanten Kursanstieges in den letzten Wochen habe die Aktie von MorphoSys in Augen der Anlageexperten weiterhin Potential und sollte eine gute Kurschance bieten. Die Beseitigung von Problemfeldern, die bisher sowohl der Kurs- als auch der Unternehmensentwicklung im Wege gestanden hätten, schreite voran. Es sei für dieses Jahr, wenn auch der Schwerpunkt in der zweiten Jahreshälfte liegen dürfte, auch ein wesentlich kontinuierlicherer Deal- und Newsflow zu erwarten, der die Kursentwicklung unterstützen sollte.
Aufgrund des jüngsten, rasanten Kursanstieges könne zwischenzeitlich eine Konsolidierung erfolgen. Ein mittel- bis langfristiger Anlagehorizont sollte bei dem Investment folglich auf jeden Fall geplant sein.
Nach den Unternehmensmeldungen in den vergangenen Wochen erscheine ein Update der damals erstellten Analyse notwendig. Dies vor allem vor dem Hintergrund, dass sich sowohl auf dem Gebiet der Produktentwicklung, als auch im Bereich des Patentportfolios einige wichtige Neuerungen ergeben hätten. Nicht zu vergessen seien auch die positiven Meldungen über Geschäftsabschlüsse. Die Experten besuchten dazu das Unternehmen und sprachen mit Finanzvorstand Herrn Dave Lemus und Forschungsvorstand Herrn Dr. Thomas von Rüden.
Für diejenigen, die sich noch nicht intensiver mit MorphoSys beschäftigt haben, hier eine kleine Einführung. Das 1992 gegründete Unternehmen habe als Hauptprodukt die Antikörperbibliothek HuCAL entwickelt. Im Gegensatz zu den bestehenden Methoden, die auf transgene Mäuse zur Herstellung von menschlichen Antikörper setzten, seien synthetische Herstellungsverfahren genutzt worden. Antikörper seien ein Schwerpunkt in der biotechnologischen Medikamentenentwicklung und erfreuten sich einer steigenden Nachfrage von Seiten der Pharmaindustrie. Ein erster Auftrag sei von Boehringer Mannheim (1995) gekommen, weitere Deals seien mit Pharmacia & Upjohn, DuPont Pharmaceuticals, LeukoSite, Chiron, GPC und letztens Bayer abgeschlossen worden. Gegenwind sei von einem britischen Konkurrenzunternehmen (Cambridge Antibody Technologies) gekommen, das auch auf die Entwicklung einer Antikörperbibliothek gesetzt hatte und durch Patentstreitigkeiten die Geschäftstätigkeit von MorphoSys bremsen wollte. Im März des letzten Jahres sei das IPO erfolgt. Anfangs sei die Stimmung noch sehr gut gewesen, doch habe der allgemeine Markttrend, die Unsicherheit durch die Patentverhandlungen und die Nichtbeachtung der Biotechwerte im allgemeinen auf den Kurs gedrückt. Dieser habe das Niveau von 30 bis 35 Euro nicht halten können und auf bis zu 14 Euro nachgegeben, sich aber aufgrund der guten Nachrichten zum Ende des Jahres hin erholt. Eine Produktneuvorstellung (HuCAL-Fab) habe dann zu einer Rallye geführt, die den Kurs auf fast 80 Euro ansteigen ließ. Derzeit konsolidiere die Aktie bei einem Niveau von 70 Euro.
Noch zum Börsengang habe die HuCAL-Bibliothek aus zwei Milliarden Antikörpern bestanden, die auf der Basis von Single-chains entwickelt worden sei. Die Fortentwicklungsmöglichkeiten seien ähnlich wie in der Softwareindustrie angelegt und resultierten in ständig neuen Versionen der Bibliothek. Die im Januar vorgestellte HuCAL-Fab sei auf 10 Milliarden Antikörper angewachsen. Damit sei jedoch der letzte Schritt in Richtung zahlenmäßiger Ausdehnung getan. Nun würden - in den nächsten Versionen - Verbesserungen hinsichtlich der Optimierungsmöglichkeiten der einzelnen Antikörper folgen. Dies sei die logische Konsequenz aus der Konstruktion der Datenbank. Weniger die bloße Masse an Volumen sei es, was nach Ansicht von MorphoSys zähle, sondern die Qualität solle das Produkt ausmachen. So seien die Antikörper, durch die Integration von Schnittstellen an den für die Bindung wichtigen Stellen, mit einer hohen Variabilität ausgestattet und könnten somit schnell den Anforderungen der Kunden angepasst werden - ein wichtiger Vorteil gegenüber den Bibliotheken der Konkurrenz. Das direkte Konkurrenzprodukt des angelsächsischen Unternehmens CAT (Cambridge Antibody Technologies) sei auf der Basis menschlichen Spenderblutes entwickelt worden - HuCAL sei synthetisch hergestellt worden. Da bei CAT die Strukturen der Antikörper daher nicht bekannt seien, könnten sehr schwer gezielte Eingriffe vorgenommen werden, eine gezielte Optimierung sei schwierig. Zudem sei mit HuCAL-Fab ein wichtiger Schritt in Richtung der Entwicklung therapeutischer Antikörper getan worden, was einen bedeutenden Faktor für die Etablierung einer eigenen Produktpipeline darstelle.
Gerade auf dem Gebiet der Patentstreitigkeiten habe sich durch die Erweiterung der Bibliothek ein zusätzlicher Entspannungsfaktor ergeben. Bisher sei es das Anliegen des Konkurrenten CAT (Cambridge Antibody Technologies) gewesen, die Geschäftsentwicklung von MorphoSys zu bremsen. Dies sei auch möglich gewesen, da die auf Single-chains basierende Bibliothek in einen Patentbereich fiel, den sich CAT gesichert hatte. Die Unsicherheit an der Patentfront habe für Verstimmung bei den Kunden gesorgt. Der für Mai angesetzte Termin beim europäischen Patentamt in München zur Klärung der Streitigkeit sei zweimal verschoben - zur Verhandlung sei es somit erst im Oktober gekommen. Dass CAT auf Zeit gespielt hatte, habe sich in dem Ergebnis gezeigt, das positiv für MorphoSys ausgefallen sei. Ein wichtiger Kernanspruch (Claim 32) im Winter-II-Patent, welches neben dem sogenannten McCafferty-Patent und dem Griffiths-Patent, den Streitpunkt in dem Verfahren darstelle, habe abgeändert werden müssen. Die Fab-Version sei durch Lizenzierung (die Lizenz wurde von Biosite erworben) gesichert, womit sich keine problematische Patentsituation mehr ergeben dürfte. Es könne damit gerechnet werden, dass bei den derzeit noch anhängigen Gerichtsverfahren bis zum Ende des Jahres weitere Fortschritte erzielt werden können. Damit seien entscheidende Negativfaktoren, die bisher den Kurs belasteten, - fast - zur Seite geräumt. Dies sei auch bereits von der Börse gewürdigt worden. Der deutliche Kurssprung am 10.Januar diesen Jahres, als HuCAL-Fab vorgestellt worden sei, sei als Reaktion auf die sich verbessernde Situation sowohl auf der Produktseite, als auch im Patentbereich zu sehen.
Die Wachstumsaussichten für MorphoSys seien zweifellos sehr gut. Zahlreiche bedeutende Medikamente seien bereits auf der Basis von Antikörpern entwickelt worden, der Trend solle sich in den nächsten Jahren noch verstärken. Ein gutes Beispiel für die Marktchancen derartiger Produkte sei Synagis, das gegen RSV eingesetzt werde und aus der Pipeline des US-Unternehmens MedImmune stamme. Synagis verkaufe sich exzellent und erlebe gerade in den letzten Quartalen einen regelrechten Boom. Für die Entwicklung von Therapeutika sei die Verwendung von Antikörpern zu einem wichtigen Faktor geworden. Derzeit dominierten die US-Biotechunternehmen Abgenix (ABGX) und Medarex (MEDX) den Markt. Sie setzten auf Maus-Technologien zur Herstellung der Antikörper.
Im optimistischsten Szenario, d.h. wenn alle Meilensteine erreicht werden, könnte das Volumen sogar auf 100 Mio. US$ anwachsen. Wie den Analysten bestätigt worden sei, würden derzeit mit etwa zehn bis fünfzehn Unternehmen Verhandlungen geführt. Ziel sei es, zwischen drei und sechs Abschlüsse im Jahr zu machen. Zur Debatte stehe auch die Ergänzung des Unternehmens durch die Akquisition einer aussichtsreichen Pipeline (z.B. durch die Übernahme eines Unternehmens, das sich bereits eine Expertise bei der Entwicklung von Wirkstoffen erworben hat). Genaue Pläne bestünden derzeit zwar noch nicht, es solle das Produktgeschäft jedoch gestärkt werden. Dies heiße nicht, dass sich MorphoSys auf absehbare Zeit zu einem Produktentwickler wandeln wird, sondern Ziel solle es sein, die Wertschöpfung zu erhöhen. Denn bisher erhalte das Unternehmen - wenn ein Medikament am Markt eingeführt wird - eine Umsatzbeteiligung im lediglich einstelligen Prozentbereich...
Zweifellos bedürfe es bei MorphoSys noch einiger Schritte, bis die absolute Vergleichbarkeit mit den US-Unternehmen gegeben sei:
Validierung der Technologie: Die neue Antikörperbibliothek HuCAL-Fab müsse beweisen, dass die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt werden können. Dies solle im Laufe dieses Jahres geschehen.
Beendigung der Patentstreitigkeiten: Der laufende Rechtsstreit wirke sich nicht gerade förderlich für die Entwicklung der beteiligten Unternehmen aus. Auch hier solle es im Laufe des Jahres zu einer Entscheidung kommen.
Ausbau der Pipeline: Bisher verfüge MorphoSys über Wirkstoffe, bzw. entwickele zusammen mit Partnern Wirkstoffe, die sich vornehmlich in vorklinischen Tests befinden. Zur Entwicklung von Wirkstoffen sei eine eigene Abteilung gegründet worden. Wie bereits oben angesprochen, könne man sich bei MorphoSys aber auch sehr gut die Ergänzung der eigenen Pipeline per Zukauf vorstellen. Das Resultat solle die Steigerung der Wertschöpfung durch die Kombination von fremder und eigener Entwicklungsarbeit sein. Zudem würden sich die mittel- bis langfristigen Umsatzpotentiale dadurch enorm erhöhen.
Sollten die angesprochenen Punkte umgesetzt werden, so sei die MorphoSys AG vom Unternehmensentwicklungsstand her auf dem gleichen Niveau wie die US-amerikanische Konkurrenz. Die Grundlagen dafür seien gelegt, bzw. würden im laufenden Jahr gelegt. Bewertung Aus den gerade angesprochenen Gründen müsse in der Bewertung der MorphoSys ein Abschlag zu den Vergleichsunternehmen aus den Vereinigten Staaten vorgenommen werden. Sehe man sich als Vergleichsmaßstab deren Marktkapitalisierung an, so zeigten sich die Zukunftspotentiale für MorphoSys. Denn der Bereich der Antikörperforschung werde weiterhin zu den interessantesten Gebieten der biopharmazeutischen Forschung zählen. Für die derzeit führenden Unternehmen - auf dem Gebiet Maus-Technologie, also Abgenix und Medarex - würden aktuell etwa je 2 Mrd. US$ bezahlt. MorphoSys werde derzeit mit ca. 250 Mio. US$ bewertet. Dies entspreche einem Abschlag von fast 90%. Dieser Bewertungsunterschied sollte - gerade auch hinsichtlich der sich verbessernden Unternehmenssituation - nicht mehr lange Bestand haben. Die Positionierung als führender Anbieter von Antikörperbibliotheken sollte der Börse mindestens 500 Mio. US$ Wert sein. Dies wäre ein Abschlag von immer noch 75% zu den Marktführern und dürfte die mit dem Unternehmen verbundenen Risiken beinhalten. Diese Marktkapitalisierung entspräche einem Kurs von knapp 140 Euro. Sollte bis zum Jahresende die angedeutete Verbesserung der Unternehmenssituation eintreten, so dürfte sich der Bewertungsunterschied nochmals verringern. Es gelte folglich, die weitere Entwicklung zu beobachten.
Trotz des rasanten Kursanstieges in den letzten Wochen habe die Aktie von MorphoSys in Augen der Anlageexperten weiterhin Potential und sollte eine gute Kurschance bieten. Die Beseitigung von Problemfeldern, die bisher sowohl der Kurs- als auch der Unternehmensentwicklung im Wege gestanden hätten, schreite voran. Es sei für dieses Jahr, wenn auch der Schwerpunkt in der zweiten Jahreshälfte liegen dürfte, auch ein wesentlich kontinuierlicherer Deal- und Newsflow zu erwarten, der die Kursentwicklung unterstützen sollte.
Aufgrund des jüngsten, rasanten Kursanstieges könne zwischenzeitlich eine Konsolidierung erfolgen. Ein mittel- bis langfristiger Anlagehorizont sollte bei dem Investment folglich auf jeden Fall geplant sein.
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