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Fr, 17. April 2026, 7:32 Uhr

Mannesmann Umtauschangebot


04.01.00 00:00
at-stoxx

Die bislang größte Übernahmeschlacht der Geschichte wischen Vodafone (WKN 875999) und Mannesmann AG (WKN 656000) gehe in die heiße Phase, berichten die Analysten von at-stoxx.

Vodafone habe unlängst sein offizielles Kaufangebot für den Mannesmann-Konzern vorgelegt. Seit Anfang letzter Woche könnten die Aktionäre von Mannesmann ihre Anteilsscheine in Vodafone-Aktien tauschen. Der britisch-amerikanische Mobilfunk-Riese biete im Tausch für alle Mannesmann-Aktien eigene Aktien im Gesamtwert von rund 270 Milliarden Mark an. Somit würden nicht die Manager in Düsseldorf, sondern die Aktionäre über die Zukunft des deutschen Marktführers entscheiden. Vodafone-Chef Chris Gent bezeichne das unterbreitete Angebot als endgültig und sehr großzügig. Gemeinsam könnten beide Konzerne mehr Wachstum und Stärke erzielen.

Gelänge diese feindliche Übernahme, würde die Düsseldorfer Führungsspitze lediglich 47,2 Prozent der neu entstandenen Firmengruppe kontrollieren. Es entstünde der weltweit größte Mobilfunk-Konzern mit mehr als 42 Millionen Kunden in 25 Ländern.

Dennoch stoße das unterbreitete Übernahmeangebot bei den "Mannesmännern" nur auf wenig Gegenliebe: Man vermisse substanzielle Verbesserungen und befürchte den Verlust der Unabhängigkeit bei der bisher eingeschlagenen sehr erfolgreichen Wachstumsstrategie.

Aber nicht nur bei der Firmenleitung sondern auch bei den Aktionären stoße die Offerte auf Ablehnung. Jörg Pluta, Geschäftsführer der DSW (Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz), rate allen Aktionären, das Tauschangebot nicht anzunehmen. Grund hierfür sei sicherlich die Tatsache, dass die Übernahmeofferte keine Cash-Variante beinhalte. Die Aktionäre würden je Mannesmann-Aktie lediglich 53,7 Vodafone-Aktien erhalten. Wer sich jetzt also auf das Umtauschangebot einlasse, begebe sich in die Gefahr, beim späteren Veräußern der Vodafone-Anteilsscheine einen wesentlich niedrigeren Gesamtertrag als erwartet zu erzielen. Denn der Aktienkurs von Vodafone sei in jüngster Vergangenheit stark angestiegen und eine Korrektur daher mehr als überfällig. Besonders für den Fall, dass es nach der gelungenen Übernahme an der Börse zu einem großen Angebotsüberhang kommen sollte, weil viele der "alten" Mannesmann-Aktionäre die ihnen angedienten Aktien versilbern wollten, werde der entstehende Verkaufsdruck den Abwärtstrend noch weiter beschleunigen. Als Folge daraus könnte sich dann das auf den ersten Blick verlockende Angebot von der "Insel" als "faules Ei" herausstellen.

Doch nun zu den Details des Angebots selbst: Es gelte bis zum 07. Februar des neuen Jahres und werde von Vodafone um fünf weitere Handelstage verlängert, wenn mehr als 50 Prozent aller ausstehenden Aktien von ihren Besitzern zum Umtausch angeboten werden. Alle Aktionäre würden formal über die erforderlichen Anzeigen im Bundesanzeiger und in der Wirtschaftspresse informiert. Außerdem würden diese von ihren Depotbanken angeschrieben, denen dann die zugesandten Formulare ausgefüllt und selbstverständlich unterschrieben zurückgeschickten werden könnten. Nach Aussage von Chris Gent strebe Vodafone die Mehrheit, fünfzig Prozent plus einer Aktie an. Andernfalls gelte das Angebot als von den Aktionären nicht akzeptiert und verliere somit automatisch seine Gültigkeit. Denn nur wenn man die totale Kontrolle über Mannesmann habe, wäre man in der Lage, die erstrebte Position als Weltmarktführer im Mobilfunkbereich strategisch erfolgreich weiter ausbauen zu können. Wenn der Anleger sich als Mannesmann-Aktionär noch nicht darüber im klaren sein sollte, ob er seine Aktien gegen die des britisch-amerikanischen Konkurrenten umtauschen wolle und somit einer der geplanten feindlichen Übernahme das Ja-Wort gebe, sollte er sich eines gewiss sein: Bei einem Scheitern der geplanten Übernahme sollte genügend Phantasie vorhanden bleiben, um den Kurs der Mannesmann-Aktie auch weiterhin zu beflügeln. Denn es gebe sicherlich genügend andere Interessenten, die der Braut "Mannesmann" mit weitaus attraktiven Angeboten ihr Aufgebot machen werden.