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Fr, 17. April 2026, 12:00 Uhr

Kamps

WKN: 628060 / ISIN: DE0006280605

Kamps DAX-Kandidat


27.12.99 00:00
at-stoxx

Gemeinhin gelte ein Investment in eine Bäckereikette Kamps (WKN 628060) als langweilig, berichten die Analysten von at-stoxx. Dass jedoch auch langweilige Investments eine hohe Rendite versprechen können, beweise die Kursentwicklung der Kamps-Aktie seit ihrem IPO im April 1998 eindrucksvoll: Eine Performance von 700% lasse selbst die meisten High-Tech Unternehmen am Neuen Markt vor Neid erblassen.

Kamps sei in seiner heutigen Form 1996 durch einen Management Buyout der Filialbäckereien aus dem amerikanischen Lebensmittelkonzern Borden entstanden. In den Jahren zuvor hatte Borden die Filialbäckereien Nur Hier, Stefansbäck, Lecker Bäcker und Kamps übernommen, die nun in der neu gegründeten Kamps AG vereint wurden. Mit der Akquisition von Winkel-Potthoff und Nicolay sei Kamps sogleich auf Wachstumskurs gegangen. Auch der Börsengang an den amtlichen Handel sollte diese Strategie unterstützen.

In der kurzen Zeit seit dem Börsengang habe Kamps durch zahlreiche Übernahmen von sich Reden gemacht: Katusch, Berns, Ostrowski, Thoben Kuchen, Klems, Schwalmtaler Backhaus, Bakker bart food group (Niederlande), Backpartner, Wendeln Brot- und Backwaren und zuletzt Weltin. Dadurch werde der Umsatz von etwa 438 Mio. DM im Jahr 1998 auf 3 Mrd. DM im Jahr 2000 klettern. Kamps sei damit das führende Bäckereiunternehmen Europas.

Gemeinsames Kennzeichen aller Kamps-Töchter sei der rote Schriftzug mit der gelben Brezel. Unabhängig vom tatsächlichen Namen der Filiale sollen diese Merkmale für Qualität bürgen. Diese Logoänderung werde unmittelbar nach der Akquisition einer neuen Filialkette vorgenommen. Zusätzlich habe man ein sog. "Best-Practice-Book" erarbeitet, in dem verbindliche Standards für alle Kamps-Filialen festgelegt werden. Dadurch erreiche Kamps eine gleichbleibend hohe Qualität, schaffe Merkmale, die alle Filialen gemeinsam haben und erhöhe die Profitabilität. Langfristig sollten alle Kamps-Filialen unter dem Namen Kamps laufen. Kamps sei somit in der deutschen Börsenlandschaft einer der sehr spärlich gesäten Markenartikler.

Als Bäckereikette erziele Kamps einen hohen freien Cash Flow. Die Kunden bezahlten ihre Waren sofort im Laden, gleichzeitig könne Kamps jedoch mit seinen Zulieferern längere Zahlungsziele vereinbaren. Auch die Vorräte würden nicht übermäßig ins Gewicht fallen, da Backwaren normalerweise am selben Tag verkauft werden, an dem sie produziert werden. Auch die Rohstoffe seien verderblich, was eine umfangreiche Lagerhaltung nicht zulasse. Insgesamt führe dies zu einem ausgeglichenen Net-Working-Capital von etwa 0. Cashflowmindernd wirkten sich daher lediglich die Sachanlagen aus, die sich im vergangenen Jahr auf etwa 110 Mio. DM beliefen. Diesen habe ein bereinigter Jahresüberschuss von etwa 7,5 Mio. DM gegenüber gestanden, der jedoch durch die getätigten Akquisitionen negativ beeinflusst worden sei. Bei einer Umsatzrendite von 7%, was als Zielgröße realistisch erscheine, hätte der Gewinn im vergangenen Jahr etwa 30 Mio. DM betragen.

Die Backwaren der Kamps zählen zum größten Teil zu den Grundnahrungsmitteln: Den Großteil des Umsatzes erziele Kamps mit Brot und Brötchen. Damit sei Kamps von wirtschaftlichen Zyklen, Modetrends und technologischen Entwicklungen unabhängig. Es gebe nur wenige Werte an der deutschen Börse mit einem ähnlich geringen operativen Risiko. Hierzu zählten im allgemeinen Versorgungsunternehmen wie RWE oder VEBA, die jedoch derzeit durchaus Risiken im Zusammenhang mit der Liberalisierung des Strommarktes ausgesetzt seien. Ähnlich risikoarm seien Nahrungsmittelkonzerne, vor allem solche, die Grundnahrungsmittel produzierten. Leider sei die deutsche Börse mit solchen Werten nicht gerade zahlreich bestückt. Im internationalen Vergleich dürften Werte wie Campbell Soup 19, Heinz 15 oder Nestlé ähnliche Risikoprofile aufweisen. Im Durchschnitt würden diese Aktien mit einem KGV von 20 gehandelt.

Dass die Expansion bei Kamps nicht nach dem Motto "Gib mir Geld und ich kauf mir was" ablaufe, erkenne man bei näherer Untersuchung. Klar zu sehen sei, dass die beiden ältesten Töchter, Nur Hier und Lecker Bäcker mit Umsatzrenditen von 8,4% bzw. 9,0% sehr profitabel arbeiten würden. Dagegen arbeiteten die erst kürzlich akquirierten Gesellschaften mit nur geringer Profitabilität, was man an Nicolay und Ostrowski sehen könne und an der niedrigen Umsatzrendite von Stefansbäck und Kamps, was an den jeweiligen Akquisitionen liege. Nach der Akquisition würden die Gesellschaften ein Programm zur Erhöhung der Profitabilität durchlaufen. Dieses sehe eine Umgestaltung der Produktpalette hin zu margenstarken Produkten, eine zentrale Belieferung durch eine regionale Großbäckerei von Kamps sowie ggf. Filialschließungen vor. Des weiteren versuche man die Filialen zu verpachten anstatt sie selbst zu betreiben. Es zeige sich, dass dadurch die Produktivität der Mitarbeiter steige. Mittel- bis langfristig sei daher zu erwarten, dass die neu akquirierten Filialen eine ähnliche Rentabilität wie die alten erreichen. Kamps könne die Bäckereiketten in der Regel zu sehr günstigen Preisen erwerben.

Grundlage für die Ertragsbewertung der Analysten bilde für die Jahre bis 2003 die Umsatzplanung des Unternehmens, die bis zum Jahr 2003 einen Umsatz von 4,7 Mrd. DM vorsehe. Diesen Umsatz werde Kamps zwar nicht allein aus internem Wachstum erreichen, aufgrund des hohen Cashflows werde jedoch für das zugrunde gelegte Akquisitionstempo keine Kapitalerhöhung benötigt. Die Experten gehen davon aus, dass die Umsatzrendite von 5% im kommenden Jahr auf 7% im Jahr 2002 ansteigen wird. Grund für die relativ hohe Profitabilität sei, dass die jüngst akquirierte Wendeln mit sehr hohen Margen arbeite. Aufgrund der geringen operativen Risiken erscheine den Analysten ein Diskontierungszins von 8 Prozent angebracht. Als fairer Wert ergebe sich dabei ein Kurs von 63 Euro. Dies liege zwar etwa 15 Prozent unter dem aktuellen Kurs von 73,50 Euro, der Aufpreis dürfte jedoch gerechtfertigt sein unter der Prämisse, dass Kamps weitere größere Akquisitionen durchführen werde und damit die recht konservativen Planungen übertreffen könne. Diese Annahme sei nicht abwegig, da der europäische Bäckereimarkt stark fragmentiert sei und sogar Kamps als Marktführer nur auf einen Anteil von 3% komme. Daher bestehe noch genug Raum für weiteres Wachstum.

Die Planzahlen würden ein Wachstum von durchschnittlich 16% bis 2003 vorsehen. Darüber hinausgehend haben die Experten die Umsatzzahlen mit einem Wachstum von 10% pro Jahr extrapoliert. Insbesondere die Wachstumsraten bis 2003 dürften allein durch internes Wachstum nicht erreicht werden können und mithin Akquisitionen enthalten. Dieses an sich abzulehnende Vorgehen werde dadurch gerechtfertigt, dass Kamps über einen hohen freien Cash Flow verfüge, der für Akquisitionen eingesetzt werden könne. Daher würden zur Finanzierung der obigen Umsatzreihe keine Kapitalerhöhungen benötigt.

Trotz der rasanten Kursentwicklung sei Kamps auch auf dem gegenwärtigen Niveau ein interessantes und risikoarmes Investment. Sollte sich das Akquisitionstempo wider Erwarten deutlich verlangsamen, so betrage das maximale Kursrisiko 10-20%, nämlich auf den von den Experten kalkulierten fairen Wert. Dies sei jedoch nach dem hervorragenden Track-Record nicht zu erwarten, so dass weiterhin erhebliches Kurspotential bestehe. Für Phantasie sorge auch eine mögliche Aufnahme in den DAX, die mit einer Marktkapitalisierung von derzeit etwa 3 Mrd. Euro nicht mehr allzu fern erscheine. Auch in bezug auf die Branchenstruktur wäre Kamps eine Bereicherung für den DAX.





 
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