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Mi, 8. Februar 2023, 4:47 Uhr

Intern. Staatsanleihen Entwicklung bleibt spannend


11.06.08 10:08
ABN AMRO

Amsterdam (aktiencheck.de AG) - Die Beruhigung am Finanzsektor führte in den Vormonaten zu einem Rückschlag bei Anleihen, so die Analysten von ABN AMRO.

Doch die volkswirtschaftlichen Daten seien gemischt - die Entwicklung bei Staatsanleihen bleibe damit spannend.

Zu Beginn der Hypothekenkrise Mitte des Jahres 2007 hätten Staatsanleihen noch als sicherer Anlagehafen gedient. Die Investoren hätten auf die Papiere gesetzt, die sichere Zahlungsströme bieten würden, und die Preise für die Bonds nach oben getrieben. Mitte März habe sich jedoch die Lage an den Finanzmärkten beruhigt und die Anleihepreise seien auf Talfahrt gegangen. Doch nicht nur die Entspannung im Finanzsektor habe für diese Trendwende gesorgt.

Auch die Parallelen zu den 70er Jahren würden derzeit einige Investoren vorsichtig gegenüber den Festverzinslichen werden lassen. Damals sei der Ölpreis gestiegen und die Inflation explodiert. Auch heute sei dies zu beobachten. Den damaligen Inflationsanstieg allein auf die Ölpreiskrise zurückzuführen, sei jedoch zu einfach.

Die Geldpolitik habe in den 70er Jahren im Dienst der Konjunktur gestanden. Bereits im Vorfeld der Ölkrise sei in den USA die Geldmenge kräftig erhöht worden und der US-Dollar habe zur Schwäche tendiert. Die Notenbanken rund um die Welt hätten die Leitwährung durch Aufkäufe gestützt und damit ebenfalls ihre Geldmengen erhöht.

Heute seien viele Zentralbanken kritisch gegenüber dem Einsatz der Geldpolitik zu Wachstumszwecken eingestellt. Dennoch: Genau wie in den 70er Jahren habe auch diesmal die US-Notenbank FED die Zinsen unter die Inflation gesenkt. Die lockere Geldpolitik erhöhe die Attraktivität für Kredite und habe entsprechend zu einem Anstieg der Geldmenge geführt. Paul Volcker, der als US-Notenbankchef Anfang der 80er Jahre die Inflation mithilfe von Zinserhöhungen gebrochen habe, habe öffentlich vor der laxen Geldpolitik seines Nachfolgers Ben Bernanke gewarnt.

Die Warnung sei verhallt. Im Fokus von Ben Bernanke stünden derzeit wohl eher die Unterschiede zu damals. Die Privathaushalte seien vor 30 Jahren bei weitem nicht so stark verschuldet gewesen wie heute. Würden die Zinsen steigen, erhöhe sich heute die Zinslast der Privathaushalte deutlich. Er sehe die Gefahr, dass Leitzinserhöhungen zu einer Rezession führen könnten. Zudem sei man heute weit entfernt von einer Lohn-Preis-Spirale.

Aufgrund des langen Wachstumszyklus nach dem zweiten Weltkrieg seien damals Arbeitskräfte knapp gewesen. Entsprechend hätten die Gewerkschaften auf den Anstieg der Inflation reagiert und hohe Lohnsteigerungen durchgesetzt. Heute seien dagegen Arbeitsplätze weltweit knapp. Die Öffnung des eisernen Vorhangs und die Hinwendung zur Marktwirtschaft hätten zu einer kräftigen Erhöhung der weltweiten Zahl der Arbeitnehmer geführt. Die Gewerkschaften in den Industrieländern hätten damit eine schlechtere Verhandlungsposition.

Lohnsteigerungen, die zu einer Verfestigung der hohen Inflation führen würden, seien derzeit speziell in den USA nicht zu beobachten. In realer Rechnung seien die durchschnittlichen Stundenlöhne aufgrund der Konjunkturabkühlung im April um 0,7 Prozent gefallen. Ähnliches gelte für die Eurozone, auch wenn die deutschen Gewerkschaften in einigen Branchen kräftige Tariferhöhungen hätten durchsetzen können.

Wie in den USA lasse auch in der Eurozone die Wachstumsdynamik nach. Die US-Wirtschaft sei allerdings größeren Belastungen - vor allem durch den Einbruch am Immobilienmarkt - ausgesetzt. Möglicherweise sei eine Rezession vermeidbar, aber die Konjunktur dürfte schwach bleiben. Die US-Notenbank selbst habe ihre Wachstumsprognose für das reale Bruttoinlandsprodukt 2008 auf 0,3 bis 1,2 Prozent gesenkt.

Die aktuellen Konjunkturdaten aus den USA würden ein zweigeteiltes Bild zeigen: Die Industrie profitiere vom schwachen US-Dollar und verzeichne weiterhin robuste Auftragseingänge, vor allem aus dem Ausland. Allerdings würden die Unternehmen der jüngsten ISM-Umfrage zufolge über steigende Inputpreise klagen, welche die Gewinnmargen unter Druck setzen würden.

Die steigenden Energie- und Nahrungsmittelpreise würden an den verfügbaren Einkommen der US-Haushalte zehren. Zwar seien die Konsumausgaben im April erneut um 0,2 Prozent gestiegen, aber in realer Rechnung habe der Konsum stagniert. Und auch die anhaltende Krise am Immobilienmarkt drücke auf die Stimmung der Verbraucher. Die Zwangsversteigerungen seien im April auf einen Rekordwert von über 243.000 gestiegen, was weitere Ausfälle bei Hypothekenkrediten befürchten lasse. Und das dürfte wiederum den Zugang zu neuen Krediten für Unternehmen und die Privathaushalte erschweren.

Das lasse vermuten, dass die Wachstumsraten in den USA und auch in den übrigen Industrieländern moderat bleiben würden. Die OECD habe entsprechend darauf reagiert und Anfang Juni ihre Wachstumsprognose für ihre Mitgliedsstaaten für 2009 von 2,4 auf 1,7 Prozent gesenkt. Das schwächere Wachstum dürfte dafür sorgen, dass sich der Inflationsdruck zurückbilde. Sollte sich die Konjunktur noch weiter abschwächen, könnte sich der Rückschlag an den Anleihemärkten als Einstiegsmöglichkeit erweisen. (11.06.2008/ac/a/m)




 
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