Suchen
Login
Anzeige:
Mo, 30. Januar 2023, 5:26 Uhr

Inflation fast auf dem Höchststand


25.07.08 08:45
ABN AMRO

Amsterdam (aktiencheck.de AG) - Der gegenwärtige Anstieg der Inflationsrate ist vor allem auf die höheren Rohstoffpreise zurückzuführen, so die Analysten der ABN AMRO.

Die Gehaltsinflation sei weiter unter Kontrolle. Nach dem Dafürhalten der Analysten habe die Arbeitnehmerschaft wohl nicht mehr die Verhandlungsmacht, um eine Lohn-/Preisspirale wie in den 1970er Jahren anzustoßen.

Die Headline-Inflation in den entwickelten Volkswirtschaften könnte noch etwas steigen, dürfte aber im nächsten Jahr wieder sinken. Die negativen Folgen hoher Erdöl- und Lebensmittelpreise würden nur dann anhalten, wenn der Ölpreis auf ein Niveau von 250 US-Dollar pro Barrel steigen würde und sich die Lebensmittelpreise innerhalb der nächsten 2 Jahre verdoppeln sollten.

In den Schwellenländern könnte die Inflation dagegen auf einem hohen Stand verharren, da auf Lebensmittel- und Energiepreise hier ein weitaus größerer Anteil am Preiskorb entfalle. Bereits 53 Länder, deren Bevölkerungen über 40 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen würden, würden Inflationsraten von mindestens 10 Prozent schreiben.

Nach einer langen Phase, während der sich der Globalisierungsprozess deflationär ausgewirkt habe, importiere die westliche Welt die Inflation nun von den Emerging Markets. Dadurch könnte sich die Inflationsrate bis auf weiteres auf einem wesentlich höheren Niveau einpendeln, als dies in den vergangenen Jahren der Fall gewesen sei.

Hohe Inflation sei für die Aktienmärkte ungünstig, da sie in der Regel zu Zinserhöhungen und damit zu niedrigen Kurs/Gewinn-Verhältnissen (KGVs) führe. Die durchschnittlichen Inflationsraten von rund 4 Prozent in der westlichen Welt würden sich bereits negativ auf die KGVs auswirken. In der Vergangenheit hätten Inflationsraten ab 6 Prozent regelmäßig zu einem Verfall der KGVs an den entwickelten Märkten geführt. Diesmal sollte es allerdings nicht so weit kommen.

In Zeiten steigender Inflation hätten sich die von Erdöl dominierten Sektoren (wie beispielsweise Versorger) als ideales Refugium erwiesen. Die Konsumgütersektoren seien dagegen den größten Risiken ausgesetzt.

In der Preismacht liege die Basis für den Erfolg der einzelnen Sektoren. Je näher am Verbraucher, desto geringer sei die Preismacht der Unternehmen und desto stärker sei der Druck auf die Gewinnspannen. Die Analysten der ABN AMRO würden davon ausgehen, dass diese Probleme vom Verbrauchsgütersektor allmählich auch auf die anderen Sektoren übergreifen würden. Dann könnten auch industrielle Produktion und Grundstoffindustrien betroffen sein. (AusgabeJuli-August 2008) (25.07.2008/ac/a/m)