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Mo, 30. Januar 2023, 5:46 Uhr

Gold auf Achterbahnfahrt


20.06.08 11:04
ABN AMRO

Amsterdam (aktiencheck.de AG) - Mitte März erreichte Gold ein neues Hoch bei 1.003 US-Dollar, so die Analysten der ABN AMRO.

Es sei ein Rückschlag gefolgt. Investoren würden nun rätseln, ob es sich um eine Trendwende oder eine Kaufgelegenheit handle.

Jubel sei unter den Freunden des gelben Metalls aufgekommen, als Gold am 18. März 2008 die Marke von 1.000 US-Dollar überwunden habe. Für den notwendigen Aufwind hätten vor zwei Monaten zwei Faktoren gesorgt - die Flucht der Investoren in einen sicheren Anlagehafen sowie die Schwäche des US-Dollars. Mit der Beruhigung der Lage an den Finanzmärkten habe jedoch Gold deutlich an Glanz verloren. Das Ende des Abwertungsdrucks auf den US-Dollar habe den Preis des Edelmetalls zusätzlich unter Druck gesetzt. Der Goldpreis besitze derzeit eine relativ enge Korrelation mit dem US-Dollar. Der Trend beim Gold werde damit wesentlich von der Entwicklung des Außenwertes des US-Dollars bestimmt.

Derzeit tendiere der Wechselkurs EUR/USD in Richtung Süden. Als Grund für diese Schwäche des Euro - oder umgekehrt für die Stärke des US-Dollars - werde von Währungsexperten die Kehrtwende in der Geldpolitik der USA angeführt. Der Vorsitzende der US-Notenbank, Ben Bernanke, habe zuletzt deutlich gemacht, dass die FED dem Inflationsproblem wachsende Bedeutung zumesse. Die Begrenzung der Inflationserwartungen stünde im Vordergrund. Die Stärkung des US-Dollars dürfte dabei eine wichtige Zielsetzung sein. Davon erhoffe sich die FED einen Rückgang des ebenfalls mit dem US-Dollar eng gekoppelten Ölpreises. Und das würde wiederum bei der Eindämmung der Inflation in den USA helfen.

Nachdem Ben Bernanke erklärt habe, dass der US-Wirtschaft kein substantieller Abschwung drohe, würden einige Analysten selbst Zinserhöhungen nicht ausschließen.

FED-Chef Ben Bernanke habe sich mit seinen Äußerungen in der Geldpolitik zumindest rhetorisch von einer Taube zu einem Falken verwandelt. Der Spielraum für Zinserhöhungen dürfte jedoch gering sein. Denn die US-Konjunktur werde noch bis weit ins nächste Jahr hinein unter dem Einbruch am Immobilienmarkt leiden. Die Hauspreise würden weiter fallen und das Ausmaß der echten Kreditausfälle nehme zu. Es seien daher Zweifel angebracht, ob die US-Notenbank ihrer Rhetorik auch Taten folgen lasse. Folge bei einer Erholung der US-Wirtschaft keine echte Zinswende oder schwäche sich das US-Wirtschaftswachstum weiter ab, könnte sich die Aufwertung des US-Dollars als ein kurzes Intermezzo erweisen.

Das wären für Finanzinvestoren Gründe, ihren Goldanteil auszustocken. Der Nachfrageanteil dieser Gruppe habe zwar 2007 bei knapp über sieben Prozent gelegen. Da es sich hier aber um die volatilste Komponente der Nachfrage handle, beeinflusse dieser Faktor zumindest kurzfristig den Goldpreis recht stark. Die physische Nachfrage aus der Industrie spiele mit einem Anteil von 13,1 Prozent eine geringere Rolle als bei den anderen Edelmetallen oder gar bei den Industriemetallen.

Der mit Abstand größte Teil der Goldnachfrage stamme aus der Schmuckindustrie. Ihr Anteil habe 2007 68 Prozent betragen. Die Schmuckindustrie reagiere bei ihren Käufen ebenfalls sehr elastisch auf Goldpreisveränderungen. Nach Angaben der World Gold Council sei die Goldnachfrage der Juweliere im ersten Quartal 2008 um 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Das könne allerdings bedeuten, dass die Nachfrage aus der Schmuckindustrie bei einem deutlichen Preisrückgang wieder anziehe, was sich stabilisierend auf den Markt auswirken dürfte.

Genau wie im Jahr 2007 habe sich das Goldangebot auch in den letzten Monaten schwach entwickelt. In Australien sei die Goldproduktion im ersten Quartal um zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr gefallen. Experten würden dafür vor allem den geringeren Goldgehalt der Minen verantwortlich machen. In Südafrika habe vor allem die Stromkrise für einen Rückgang der Goldproduktion um 17 Prozent im ersten Quartal gesorgt. In Simbabwe sei die Produktion aufgrund der politischen Krise fast ganz eingebrochen. In China nehme dagegen die Produktion stetig zu. Das Reich der Mitte sei inzwischen mit Abstand der größte Goldproduzent der Welt.

Insgesamt sei im bisherigen Verlauf des Jahres 2008 die Produktion der Minen jedoch rückläufig. Längerfristig spreche dies für einen Anstieg des Goldpreises. Doch die Dollar-Stärke, der gleichbedeutend mit einem rückläufigen Wechselkurs EUR/USD sei, bremse derzeit den Goldpreis aus. (20.06.2008/ac/a/m)





 
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