Gigabell Interview
01.09.99 00:00
Brokerworld-Online
Das Interview mit Herrn Funke, Vorstand der Gigabell AG (WKN 625170), wurde von unserem Kooperationspartner Brokerworld-Online geführt:
BROKERWORLD: Herr Funke, bitte definieren Sie uns die Unternehmensziele von Gigabell!
Herr Funke: Im stark wachsenden Markt der Internet-Anwendungen und konvergierenden Mehrwert-Kommunikationsleistungen planen wir für 1999 und 2000 weiterhin die Umsatzverdopplung aus organischem Geschäftsverlauf und zusätzlichem Akquisitionswachstum. Unser Ziel ist es, weiter stark zu expandieren, Marktanteile zu gewinnen und unsere Position als leistungsstarker Multi-Service-Provider auszubauen. Wir konzentrieren uns darauf, unsere Kunden in nahezu allen Bereichen der Kommunikation zu unterstützen und bieten ein umfassendes Dienstleistungsangebot an. Hierzu gehören insbesondere: Übertragung von Daten wie e-mail und Dateien, Produktion von Internet-Inhalten, Bereitstellung von Internet-Commerce durch Plattformen und Dienstleistungen, Herstellung ausgewählter Sprach-Verbindungen.
Wir werden unsere Strategie, konvergente Dienstleistungen entlang der gesamten Internet-Wertschöpfungskette anzubieten, konsequent weiter verfolgen. Darüber hinaus verstärken wir unser auf internes Wachstum basierendes Geschäft in Deutschland strategisch durch selektive Zukäufe. Zudem werden wir unser in Deutschland erfolgreiches Geschäftsmodell auch in andere europäische Länder – z.B. Frankreich, den Beneluxländern, Italien und Österreich - übertragen. Wir wollen unseren Umsatz in diesem und im nächsten Jahr weiterhin um deutlich mehr als 100 Prozent steigern.
BROKERWORLD: Ihr Unternehmen gliedert sich grob in die drei Geschäftsfelder. Von prominenter Stelle wurde die Gigabell AG auch schon als eine "Mixtur aus TelDaFax, Cybernet und Endemann" bezeichnet. Wie schätzen Sie selbst ihre Marktposition ein? Mit welchem Unternehmen würden Sie sich vergleichen wollen? Wo liegen ihre Stärken, ihre Schwächen im Vergleich zu den Konkurrenten?
Herr Funke: Der Begriff Mixtur wird der Sache nicht gerecht: Gigabell zählt bereits heute zu den führenden unabhängigen Internet Service Providern in Deutschland. Wir unterstützen einen Kundenstamm von gegenwärtig 28.000 Privatkunden. Zudem bedient Gigabell renommierte deutsche Großunternehmen. Bundesweit zählt Gigabell 1.800 Unternehmen zu seinen Geschäftskunden, beispielsweise Braun, Heraeus, Brother, Degussa-Hüls und GTZ. Diese respektable Positionierung soll in den nächsten Jahren auf Grundlage der in den vergangenen Jahren gewonnenen Expertise ausgebaut werden. Abgesehen von Gigabell decken in Deutschland nur die großen Kommunikationsdienstleister die gesamte Wertschöpfungskette des Internet ab. Gigabell ist somit in Deutschland ein einzigartiges Internet-Unternehmen: Wir vereinen den Bereich Internet-Zugang (Konnektivität), den Bereich Internet-Inhalte, e-Commmerce, Plattform und Services und seit Juni den Bereich Daten- und Sprachtelefonie. So ist Gigabell als erster aus der Internet-Welt hervorgegangener Multi-Service-Provider strategisch breit positioniert. Der mancherorts propagierte Ansatz, Netz und Inhalte voneinander zu trennen gilt nicht für Gigabell. Prominente amerikanische Beispiele bestätigen die Konvergenz der Kommunikations-Dienstleistungen, wie sie auch bei Gigabell deutlich wird. Diese Strategie sichert Gigabell einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil. Wir verfolgen konsequent unser Ziel, eines der führenden Unternehmen der Branche zu werden. Am Markt zeichnet sich Gigabell insbesondere durch anerkannte Servicequalität und bewiesene Flexibilität sowie nachgewiesene Netzwerkkompetenz aus.
BROKERWORLD: Ein Standardlehrsatz in der Betriebswirtschaftstheorie lautet: "Konzentration auf die Kernkompetenzen!" Ihr Unternehmen ist relativ breit diversifiziert. Warum?
Herr Funke: Standardlehrsätze der Betriebswirtschaft unterliegen ebenfalls Wellenbewegungen. Die Strategie von Gigabell ist keine Marktofferte willkürlich oder zufällig zusammengestellter Diversifikations-Aktivitäten, sondern ein neuartiger Ansatz der Verbindung kontinuierlich am Markt integrierter und konvergierender Kommunikations-Mehrwertleistungen. Diese vereinigen wesentliche Funktionalitäten aktueller und zukünftiger Produkte und bewegen sich – bei nachgewiesener Top-Qualität – auf einem sehr niedrigen Preisniveau. Eine von uns entwickelte, völlig neue Software ermöglicht - etwa bei der Kundenverwaltung oder Rechnungsstellung - die Konvergenz der Dienste bereits zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Dies ist eine innovative Spitzenleistung. Den Trend zur Dienste-Konvergenz verdeutlicht auch das große Interesse deutscher Telefon-Gesellschaften an Kooperationen (?) mit Internet-Service-Providern. Gigabell beschreitet als ehemaliger Internet-Service-Provider den Konvergenzweg in Richtung Telefonie-Mehrwertleistungen.
BROKERWORLD: Nach den Planzahlen sollen Sie 1999 40 Mio. DM umsetzen. Wie wird sich der Umsatz und Ertrag 2000 entwickeln? Erwarten Sie einen Margendruck bei Ihren Produkten?
Herr Funke: Der Erfolg unseres Unternehmens ist abhängig von der erfolgreichen Implementierung unserer Strategie. Diese basiert auf drei Säulen, die sich gegenseitig ergänzen:
Internet-Zugang
Internet-Inhalte & Dienstleistungen
Mehrwert-Telefonie
Die Fähigkeit, unsere Strategie erfolgreich umzusetzen, stellten wir in den vergangenen drei Jahren unter Beweis. Wir haben unsere Prognosen auf Basis eines „Bottom Up" Business-Plans erstellt und die Preis- und Mengenentwicklung detailliert geplant. Bei der Erstellung dieses Plans sind wir sehr sorgfältig vorgegangen und bezogen die absehbaren Marktentwicklungen ein. Der Business-Plan berücksichtigt den Bereich Daten-Telefonie von Juni an sowie die daraus abgeleitete Unternehmensentwicklung und Strategie. Er beinhaltet jedoch keine Wachstumseffekte aus der internationalen Expansion und aus Arrondierungsbeteiligungen in Deutschland. Grundsätzlich planen wir, langfristig durch organisches Wachstum und selektive Zukäufe stark zu expandieren. Um dies zu erreichen, investieren wir erhebliche Mittel in den Ausbau unserer Geschäftsfelder. Aufgrund des sich rasch entwickelnden Internet-Marktes ist zunächst das Steigern unseres Marktanteils Prämisse unseres Handelns. Im Jahr 1999 sind wir in das für uns neue Geschäftsfeld Telefonie mit speziellen Datentelefonie-Produkten eingetreten. Bei entsprechend wachsendem Cash Flow planen wir für 1999 ein zweites Verlustjahr. Für das Geschäftsjahr 2000 rechnen wir - unter Zugrundelegung von Marktpreisverfall-Annahmen – mit einem respektablen positiven Jahresüberschuss in einstelliger Millionenhöhe. Der Umsatz für 1999 beträgt voraussichtlich ca. DM 40 Mio. Für das Jahr 2000 erwarten wir einen Zuwachs um mindestens das Doppelte."
BROKERWORLD: Wie schätzen Sie die Wachstumsaussichten in den drei Geschäftsfeldern für den europäischen Markt ein? Welche Marktanteile wollen Sie in den einzelnen Marktsegmenten erreichen?
Herr Funke: Der gesamte Internetbereich wird in den nächsten Jahren explosionsartig wachsen. Die Zahl der Internet-User steigt voraussichtlich weltweit von gegenwärtig 40 Mio. auf 400 Mio. im Jahr 2001. Der deutsche Markt ist der viertgrößte nach den USA, Japan und Großbritannien. Der Bereich e-Commerce wird in Deutschland in den nächsten drei Jahren um rund 900% wachsen. Deutschland ist der größte Telekommunikationsmarkt Europas. Die Europäische Union prognostiziert einen Zuwachs des Umsatzvolumens von insgesamt etwa DM 80 Mrd. im Jahr 1997 auf mehr als DM 100 Mrd. im Jahr 2000. Gleichzeitig setzt sich der Konzentrationsprozeß unter den Internet-Service-Providern fort. Beides hat zur Folge, dass innovativ und flexibel agierende Unternehmen wie Gigabell von ihren strategischen Wettbewerbs-Vorteile profitieren und ihre Position am Markt ausbauen werden. Wir zählen bereits heute zu den führenden unabhängigen Internet-Service-Providern in Deutschland und wollen auch in den anderen Geschäftsbereichen eine führende Position erreichen. Segmentzahlen werden von Gigabell in den Quartalsberichten veröffentlicht. Im Jahr 1998 trug der Internet-Zugangsbereich 98 % zum Umsatz bei. Darin sind enthalten: 20% vom Gesamtumsatz vom privaten Online-Dienst OKAY.NET (Startjahr!). E-Commerce und Content trugen 2% zum Gruppen-Umsatz 1998 bei. Der Anteil privater Nutzer wird sich in 1999 vor allem durch die höhere Marktdurchdringung von Automaten-Produkten erhöhen.
BROKERWORLD: Wie sehen Sie die Situation bei der Hochgeschwindigkeitsinfrastruktur von ADSL, Kabel und Satellit? Welche Auswirkung hat diese Entwicklung auf Ihr Unternehmen?
Herr Funke: Die Hochgeschwindigkeits-Infrastrukturen werden zunehmend benötigt, um den vorausgesagten starken Anstieg des Datenverkehrs zu bewältigen (z.B. mobile 2 MBs-Anbindung an das Internet, Video-Anwendungen: V-Konferenz, V-on-Demand). Als Spezialist für Internet und Datentransport freuen wir uns über jeden technischen Durchbruch in der Weiterentwicklung der „Datenautobahn". Durch den Einsatz dieser Technologien steigt unsere proprietäre Wertschöpfung.
BROKERWORLD: Im Geschäftsfeld e-Commerce erwartet Gigabell eine Vervierfachung des Umsatzes für 1999. Ist der deutsche Markt wirklich schon so weit? Auf welche Zahlen gründen Sie Ihren Optimismus?
Herr Funke: Es ist richtig, daß Gigabell ein erhebliches Wachstum in diesem Bereich plant. Aufgrund der bisher geringen Basis ergeben sich hohe Wachstumsraten. Weltweit ist der Markt für e-Commerce im Aufbruch. Er wird herkömmliche Handelsstrukturen grundlegend und nachhaltig verändern. Japan und Nordamerika sind Europa und Deutschland in der Entwicklung voraus. In Deutschland wird vieles gründlicher und schneller umgesetzt. In unserer Einschätzung sind wir zur Zeit in Deutschland noch am Beginn der e-Commerce-Entwicklung. Eine Vervierfachung des Umsatzes ist durchaus möglich. Dies hängt davon ab, wie schnell sich der Markt entwickelt.
BROKERWORLD: Wann wird die von Ihnen und vielen Experten prophezeite Konvergenz zwischen Telefonie und Internet Realität und umsatzwirksam, bzw. gewinnwirksam sein?
Herr Funke: Die Realität hat bereits begonnen mit der Aufnahme des gebündelten Internet-Zugangs und der Datenetelefonie (dem Telefon-Zugang zu unseren Internet-Einwahlknoten). Unser Geschäftsmodell ist danach ausgerichtet, in Zukunft eine Vielzahl von Produkten flexibel zu gestalten und gemeinsam abzurechnen. Sobald Daten- und Sprachnetze konvergiert sind, wird auch auf technischer Ebene die Konvergenz vollzogen sein.
BROKERWORLD: Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Going Public? Wie verwenden Sie den Emissionserlös?
Herr Funke: Durch den Börsengang verfügen wir über die Mittel zur weiteren Umsetzung unserer Wachstumsziele bzw. den Ausbau unseres auf drei Säulen basierenden Geschäftsmodells. Sie fließen in weiteres organisches Wachstum mit Schwerpunkt Deutschland und in die Fortsetzung der im vorigen Jahr begonnenen Internationalisierung. Unsere Tochtergesellschaft Gigabell Iberica S.L. mit Sitz in Madrid unterstützt Geschäfts- und Privatkunden mit Internet-Zugangsleistungen. Die in London ansässige Gigabell U.K. Ltd. konzentriert sich mit Internet-Zugangsdiensten auf Geschäftskunden. Im laufenden Geschäftsjahr planen wir die Expansion nach Frankreich, den Beneluxländern, Italien und Österreich. Kundenzielgruppe sind insbesondere Niederlassungen deutscher und europäischer Unternehmen, denen wir schnelle Verbindungen für den Datentransfer zu ihren Muttergesellschaften und künftig auch Telefonie-Dienstleistungen bieten. Je nach Marktlage richten wir unser Angebot auch an Privatkunden.
BROKERWORLD: Wie hoch ist der Freefloat nach dem Börsengang?
Herr Funke: Der Freefloat beträgt nach dem Börsengang - abhängig von der Ausübung der Mehrzuteilungsoption - etwas über 20%. Daniel David hält weiterhin den größten Teil der Anteile. Insgesamt sind 5.715.000 Aktien zum Börsenhandel zugelassen.
BROKERWORLD: Welche Anleger wünschen Sie sich als Mitaktionäre?
Herr Funke: Wir wünschen uns Anleger, die unsere Visionen teilen, Spaß an der operativen Entwicklung des Unternehmens und langfristiges Interesse an einer positiven Wertentwicklung der Gigabell-Aktie haben.
BROKERWORLD: Wagen Sie eine Kursprognose für die nächsten sechs Monate?
Herr Funke: Kursentwicklungen werden von operativen Ergebnissen, Anlegererwartungen und der sich daraus ergebenden Markt-Nachfrage für unseren Wert getrieben. Wir müssen uns dabei auf Umsatz- und Cash Flow-Wachstum und mittelfristig auf die Erreichung der Ertragsschwelle konzentrieren. Ich bin jedoch überzeugt, daß Gigabell ein für Investoren äußerst attraktiver Wert ist.
BROKERWORLD: Erlauben Sie uns abschließend noch die Frage zum Unternehmenswert. Wie sehen Sie die derzeitige Bewertung?
Herr Funke: Aus Sicht von informierten und erfahrenen Beobachtern sind wir unterbewertet. Nicht in unserem Kurs berücksichtigt sind die wichtigen strategischen Absicherungen unserer realen Internet- und Telekommunikations-Konvergenz-Mehrwertprodukte. Gigabell ist ein Wachstumswert. Dies zeigt die alljährliche Verdoppelung bis Verdreifachung unseres Umsatzes seit unserer Gründung. Für dessen Einordnung muß ein neues Schubfach eingerichtet werden. Es lohnt sich!
BROKERWORLD: Herr Funke, bitte definieren Sie uns die Unternehmensziele von Gigabell!
Herr Funke: Im stark wachsenden Markt der Internet-Anwendungen und konvergierenden Mehrwert-Kommunikationsleistungen planen wir für 1999 und 2000 weiterhin die Umsatzverdopplung aus organischem Geschäftsverlauf und zusätzlichem Akquisitionswachstum. Unser Ziel ist es, weiter stark zu expandieren, Marktanteile zu gewinnen und unsere Position als leistungsstarker Multi-Service-Provider auszubauen. Wir konzentrieren uns darauf, unsere Kunden in nahezu allen Bereichen der Kommunikation zu unterstützen und bieten ein umfassendes Dienstleistungsangebot an. Hierzu gehören insbesondere: Übertragung von Daten wie e-mail und Dateien, Produktion von Internet-Inhalten, Bereitstellung von Internet-Commerce durch Plattformen und Dienstleistungen, Herstellung ausgewählter Sprach-Verbindungen.
Wir werden unsere Strategie, konvergente Dienstleistungen entlang der gesamten Internet-Wertschöpfungskette anzubieten, konsequent weiter verfolgen. Darüber hinaus verstärken wir unser auf internes Wachstum basierendes Geschäft in Deutschland strategisch durch selektive Zukäufe. Zudem werden wir unser in Deutschland erfolgreiches Geschäftsmodell auch in andere europäische Länder – z.B. Frankreich, den Beneluxländern, Italien und Österreich - übertragen. Wir wollen unseren Umsatz in diesem und im nächsten Jahr weiterhin um deutlich mehr als 100 Prozent steigern.
BROKERWORLD: Ihr Unternehmen gliedert sich grob in die drei Geschäftsfelder. Von prominenter Stelle wurde die Gigabell AG auch schon als eine "Mixtur aus TelDaFax, Cybernet und Endemann" bezeichnet. Wie schätzen Sie selbst ihre Marktposition ein? Mit welchem Unternehmen würden Sie sich vergleichen wollen? Wo liegen ihre Stärken, ihre Schwächen im Vergleich zu den Konkurrenten?
Herr Funke: Der Begriff Mixtur wird der Sache nicht gerecht: Gigabell zählt bereits heute zu den führenden unabhängigen Internet Service Providern in Deutschland. Wir unterstützen einen Kundenstamm von gegenwärtig 28.000 Privatkunden. Zudem bedient Gigabell renommierte deutsche Großunternehmen. Bundesweit zählt Gigabell 1.800 Unternehmen zu seinen Geschäftskunden, beispielsweise Braun, Heraeus, Brother, Degussa-Hüls und GTZ. Diese respektable Positionierung soll in den nächsten Jahren auf Grundlage der in den vergangenen Jahren gewonnenen Expertise ausgebaut werden. Abgesehen von Gigabell decken in Deutschland nur die großen Kommunikationsdienstleister die gesamte Wertschöpfungskette des Internet ab. Gigabell ist somit in Deutschland ein einzigartiges Internet-Unternehmen: Wir vereinen den Bereich Internet-Zugang (Konnektivität), den Bereich Internet-Inhalte, e-Commmerce, Plattform und Services und seit Juni den Bereich Daten- und Sprachtelefonie. So ist Gigabell als erster aus der Internet-Welt hervorgegangener Multi-Service-Provider strategisch breit positioniert. Der mancherorts propagierte Ansatz, Netz und Inhalte voneinander zu trennen gilt nicht für Gigabell. Prominente amerikanische Beispiele bestätigen die Konvergenz der Kommunikations-Dienstleistungen, wie sie auch bei Gigabell deutlich wird. Diese Strategie sichert Gigabell einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil. Wir verfolgen konsequent unser Ziel, eines der führenden Unternehmen der Branche zu werden. Am Markt zeichnet sich Gigabell insbesondere durch anerkannte Servicequalität und bewiesene Flexibilität sowie nachgewiesene Netzwerkkompetenz aus.
BROKERWORLD: Ein Standardlehrsatz in der Betriebswirtschaftstheorie lautet: "Konzentration auf die Kernkompetenzen!" Ihr Unternehmen ist relativ breit diversifiziert. Warum?
Herr Funke: Standardlehrsätze der Betriebswirtschaft unterliegen ebenfalls Wellenbewegungen. Die Strategie von Gigabell ist keine Marktofferte willkürlich oder zufällig zusammengestellter Diversifikations-Aktivitäten, sondern ein neuartiger Ansatz der Verbindung kontinuierlich am Markt integrierter und konvergierender Kommunikations-Mehrwertleistungen. Diese vereinigen wesentliche Funktionalitäten aktueller und zukünftiger Produkte und bewegen sich – bei nachgewiesener Top-Qualität – auf einem sehr niedrigen Preisniveau. Eine von uns entwickelte, völlig neue Software ermöglicht - etwa bei der Kundenverwaltung oder Rechnungsstellung - die Konvergenz der Dienste bereits zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Dies ist eine innovative Spitzenleistung. Den Trend zur Dienste-Konvergenz verdeutlicht auch das große Interesse deutscher Telefon-Gesellschaften an Kooperationen (?) mit Internet-Service-Providern. Gigabell beschreitet als ehemaliger Internet-Service-Provider den Konvergenzweg in Richtung Telefonie-Mehrwertleistungen.
BROKERWORLD: Nach den Planzahlen sollen Sie 1999 40 Mio. DM umsetzen. Wie wird sich der Umsatz und Ertrag 2000 entwickeln? Erwarten Sie einen Margendruck bei Ihren Produkten?
Herr Funke: Der Erfolg unseres Unternehmens ist abhängig von der erfolgreichen Implementierung unserer Strategie. Diese basiert auf drei Säulen, die sich gegenseitig ergänzen:
Internet-Zugang
Internet-Inhalte & Dienstleistungen
Mehrwert-Telefonie
Die Fähigkeit, unsere Strategie erfolgreich umzusetzen, stellten wir in den vergangenen drei Jahren unter Beweis. Wir haben unsere Prognosen auf Basis eines „Bottom Up" Business-Plans erstellt und die Preis- und Mengenentwicklung detailliert geplant. Bei der Erstellung dieses Plans sind wir sehr sorgfältig vorgegangen und bezogen die absehbaren Marktentwicklungen ein. Der Business-Plan berücksichtigt den Bereich Daten-Telefonie von Juni an sowie die daraus abgeleitete Unternehmensentwicklung und Strategie. Er beinhaltet jedoch keine Wachstumseffekte aus der internationalen Expansion und aus Arrondierungsbeteiligungen in Deutschland. Grundsätzlich planen wir, langfristig durch organisches Wachstum und selektive Zukäufe stark zu expandieren. Um dies zu erreichen, investieren wir erhebliche Mittel in den Ausbau unserer Geschäftsfelder. Aufgrund des sich rasch entwickelnden Internet-Marktes ist zunächst das Steigern unseres Marktanteils Prämisse unseres Handelns. Im Jahr 1999 sind wir in das für uns neue Geschäftsfeld Telefonie mit speziellen Datentelefonie-Produkten eingetreten. Bei entsprechend wachsendem Cash Flow planen wir für 1999 ein zweites Verlustjahr. Für das Geschäftsjahr 2000 rechnen wir - unter Zugrundelegung von Marktpreisverfall-Annahmen – mit einem respektablen positiven Jahresüberschuss in einstelliger Millionenhöhe. Der Umsatz für 1999 beträgt voraussichtlich ca. DM 40 Mio. Für das Jahr 2000 erwarten wir einen Zuwachs um mindestens das Doppelte."
BROKERWORLD: Wie schätzen Sie die Wachstumsaussichten in den drei Geschäftsfeldern für den europäischen Markt ein? Welche Marktanteile wollen Sie in den einzelnen Marktsegmenten erreichen?
Herr Funke: Der gesamte Internetbereich wird in den nächsten Jahren explosionsartig wachsen. Die Zahl der Internet-User steigt voraussichtlich weltweit von gegenwärtig 40 Mio. auf 400 Mio. im Jahr 2001. Der deutsche Markt ist der viertgrößte nach den USA, Japan und Großbritannien. Der Bereich e-Commerce wird in Deutschland in den nächsten drei Jahren um rund 900% wachsen. Deutschland ist der größte Telekommunikationsmarkt Europas. Die Europäische Union prognostiziert einen Zuwachs des Umsatzvolumens von insgesamt etwa DM 80 Mrd. im Jahr 1997 auf mehr als DM 100 Mrd. im Jahr 2000. Gleichzeitig setzt sich der Konzentrationsprozeß unter den Internet-Service-Providern fort. Beides hat zur Folge, dass innovativ und flexibel agierende Unternehmen wie Gigabell von ihren strategischen Wettbewerbs-Vorteile profitieren und ihre Position am Markt ausbauen werden. Wir zählen bereits heute zu den führenden unabhängigen Internet-Service-Providern in Deutschland und wollen auch in den anderen Geschäftsbereichen eine führende Position erreichen. Segmentzahlen werden von Gigabell in den Quartalsberichten veröffentlicht. Im Jahr 1998 trug der Internet-Zugangsbereich 98 % zum Umsatz bei. Darin sind enthalten: 20% vom Gesamtumsatz vom privaten Online-Dienst OKAY.NET (Startjahr!). E-Commerce und Content trugen 2% zum Gruppen-Umsatz 1998 bei. Der Anteil privater Nutzer wird sich in 1999 vor allem durch die höhere Marktdurchdringung von Automaten-Produkten erhöhen.
BROKERWORLD: Wie sehen Sie die Situation bei der Hochgeschwindigkeitsinfrastruktur von ADSL, Kabel und Satellit? Welche Auswirkung hat diese Entwicklung auf Ihr Unternehmen?
Herr Funke: Die Hochgeschwindigkeits-Infrastrukturen werden zunehmend benötigt, um den vorausgesagten starken Anstieg des Datenverkehrs zu bewältigen (z.B. mobile 2 MBs-Anbindung an das Internet, Video-Anwendungen: V-Konferenz, V-on-Demand). Als Spezialist für Internet und Datentransport freuen wir uns über jeden technischen Durchbruch in der Weiterentwicklung der „Datenautobahn". Durch den Einsatz dieser Technologien steigt unsere proprietäre Wertschöpfung.
Herr Funke: Es ist richtig, daß Gigabell ein erhebliches Wachstum in diesem Bereich plant. Aufgrund der bisher geringen Basis ergeben sich hohe Wachstumsraten. Weltweit ist der Markt für e-Commerce im Aufbruch. Er wird herkömmliche Handelsstrukturen grundlegend und nachhaltig verändern. Japan und Nordamerika sind Europa und Deutschland in der Entwicklung voraus. In Deutschland wird vieles gründlicher und schneller umgesetzt. In unserer Einschätzung sind wir zur Zeit in Deutschland noch am Beginn der e-Commerce-Entwicklung. Eine Vervierfachung des Umsatzes ist durchaus möglich. Dies hängt davon ab, wie schnell sich der Markt entwickelt.
BROKERWORLD: Wann wird die von Ihnen und vielen Experten prophezeite Konvergenz zwischen Telefonie und Internet Realität und umsatzwirksam, bzw. gewinnwirksam sein?
Herr Funke: Die Realität hat bereits begonnen mit der Aufnahme des gebündelten Internet-Zugangs und der Datenetelefonie (dem Telefon-Zugang zu unseren Internet-Einwahlknoten). Unser Geschäftsmodell ist danach ausgerichtet, in Zukunft eine Vielzahl von Produkten flexibel zu gestalten und gemeinsam abzurechnen. Sobald Daten- und Sprachnetze konvergiert sind, wird auch auf technischer Ebene die Konvergenz vollzogen sein.
BROKERWORLD: Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Going Public? Wie verwenden Sie den Emissionserlös?
Herr Funke: Durch den Börsengang verfügen wir über die Mittel zur weiteren Umsetzung unserer Wachstumsziele bzw. den Ausbau unseres auf drei Säulen basierenden Geschäftsmodells. Sie fließen in weiteres organisches Wachstum mit Schwerpunkt Deutschland und in die Fortsetzung der im vorigen Jahr begonnenen Internationalisierung. Unsere Tochtergesellschaft Gigabell Iberica S.L. mit Sitz in Madrid unterstützt Geschäfts- und Privatkunden mit Internet-Zugangsleistungen. Die in London ansässige Gigabell U.K. Ltd. konzentriert sich mit Internet-Zugangsdiensten auf Geschäftskunden. Im laufenden Geschäftsjahr planen wir die Expansion nach Frankreich, den Beneluxländern, Italien und Österreich. Kundenzielgruppe sind insbesondere Niederlassungen deutscher und europäischer Unternehmen, denen wir schnelle Verbindungen für den Datentransfer zu ihren Muttergesellschaften und künftig auch Telefonie-Dienstleistungen bieten. Je nach Marktlage richten wir unser Angebot auch an Privatkunden.
BROKERWORLD: Wie hoch ist der Freefloat nach dem Börsengang?
Herr Funke: Der Freefloat beträgt nach dem Börsengang - abhängig von der Ausübung der Mehrzuteilungsoption - etwas über 20%. Daniel David hält weiterhin den größten Teil der Anteile. Insgesamt sind 5.715.000 Aktien zum Börsenhandel zugelassen.
BROKERWORLD: Welche Anleger wünschen Sie sich als Mitaktionäre?
Herr Funke: Wir wünschen uns Anleger, die unsere Visionen teilen, Spaß an der operativen Entwicklung des Unternehmens und langfristiges Interesse an einer positiven Wertentwicklung der Gigabell-Aktie haben.
BROKERWORLD: Wagen Sie eine Kursprognose für die nächsten sechs Monate?
Herr Funke: Kursentwicklungen werden von operativen Ergebnissen, Anlegererwartungen und der sich daraus ergebenden Markt-Nachfrage für unseren Wert getrieben. Wir müssen uns dabei auf Umsatz- und Cash Flow-Wachstum und mittelfristig auf die Erreichung der Ertragsschwelle konzentrieren. Ich bin jedoch überzeugt, daß Gigabell ein für Investoren äußerst attraktiver Wert ist.
BROKERWORLD: Erlauben Sie uns abschließend noch die Frage zum Unternehmenswert. Wie sehen Sie die derzeitige Bewertung?
Herr Funke: Aus Sicht von informierten und erfahrenen Beobachtern sind wir unterbewertet. Nicht in unserem Kurs berücksichtigt sind die wichtigen strategischen Absicherungen unserer realen Internet- und Telekommunikations-Konvergenz-Mehrwertprodukte. Gigabell ist ein Wachstumswert. Dies zeigt die alljährliche Verdoppelung bis Verdreifachung unseres Umsatzes seit unserer Gründung. Für dessen Einordnung muß ein neues Schubfach eingerichtet werden. Es lohnt sich!
