Nach der Fiskalklippe ist vor der Fiskalklippe
08.01.13 09:47
Bank Sarasin & Cie AG
Zürich (www.aktiencheck.de) - Über den Jahreswechsel ist der Weltuntergang gleich zweimal abgesagt worden. Nicht nur, dass das Ende des Maya-Kalenders statt zum Ende der Welt in ein neues Maya-Zeitalter führte; sondern auch die "US-Fiskalklippe" ist erfolgreich umschifft worden, so Dr. Jan A. Poser, Chefökonom bei der Bank Sarasin & Cie AG.
Tatsächlich hätten die unter dem Begriff "Fiskalklippe" subsumierten automatischen Staatsausgabenkürzungen und Steueranhebungen im Wert von insgesamt 600 Mrd. US-Dollar das Zeug gehabt, die US-Wirtschaft und mit ihr auch die Weltwirtschaft im Jahr 2013 in eine tiefe Rezession zu reißen. Im Morgengrauen des ersten Tages des neuen Jahres 2013 verkündeten jedoch die führenden Politiker von Republikanern und Demokraten, dass sie einen Kompromiss gefunden hätten. Die Finanzmärkte hätten erleichtert aufgeatmet.
Doch nach der Fiskalklippe sei vor der Fiskalklippe. Denn neben einer Einigung über das Auslaufen einer Lohnsummensteuersenkung und einer Steuersatzerhöhung für Superreiche, bestehe der Kompromiss vor allem darin, dass die Sparmaßnahmen um zwei Monate verschoben würden. Der Grund dafür sei offensichtlich. Voraussichtlich im Februar 2013 würden die USA an die gesetzlich vorgeschriebene Schuldenobergrenze von 16,4 Billionen US-Dollar stoßen.
Beide große Parteien hätten ein Interesse daran, die Einigung um eine Erhöhung der Schuldenobergrenze mit der Einigung um die Sparmaßnahmen zu verknüpfen. Denn nach dem deutlichen Wahlausgang zugunsten von Präsident Obama sei klar, dass die Demokraten das Volk auf ihrer Seite hätten. Die Mehrheit der Amerikaner unterstütze Obamas Kurs und würde ein Scheitern der Verhandlungen der republikanischen Tea-Party-Bewegung zuschreiben.
Gleichzeitig würden jedoch die meisten Umfragen zeigen, dass die Mehrheit der Amerikaner gegen eine Anhebung der Schuldenobergrenze sei, was das Drohpotenzial der Republikaner in dieser Frage erhöhe. Da beide Seiten eine Waffe zur völligen Zerstörung des Gegners in der Hand halten würden, würden die Verhandlungen denjenigen zwischen den USA und der Sowjetunion im Kalten Krieg ähneln. Man verzichte auf den Gebrauch der Waffen und verständige sich auf Abrüstung.
Soweit die Theorie. Doch wie in den Zeiten des Kalten Krieges könne man sich niemals sicher sein, ob nicht am Ende doch ein Verrückter auf den roten Knopf drücke. Erstens müsse uns die Tatsache beunruhigen, dass der Kompromiss nicht in der sprichwörtlichen "letzten Minute" zustande gekommen sei, sondern erst einen Tag später im neuen Jahr. Dieser Lapsus habe nur Dank dessen keine Auswirkungen gehabt, weil der erste Januar ein Feiertag sei. Zweitens habe es nach dem Kompromiss erhebliche Kritik in beiden Lagern an den Verhandlungsführern gegeben. Tatsächlich sei der Kompromiss für beide sehr schmerzlich gewesen. Von Obamas Plänen, die Steuersenkungen der Bush-Ära zu eliminieren, sei wenig übrig geblieben; das republikanische Versprechen, keiner Steuererhöhung zuzustimmen, habe sich in Rauch aufgelöst. Angesichts der Blessuren würden die nächsten Verhandlungen versprechen, noch härter zu werden.
Die Bank Sarasin denke jedoch, dass auch im Februar 2013 letztendlich ein Kompromiss gefunden werde, der den Bremseffekt der Sparpolitik abmildere und in die Zukunft verlege. Das bedeute jedoch gleichzeitig auch, dass das US-Haushaltsdefizit hoch bleibe und die Schulden in den USA weiter steigen würden. Die nächste Konsolidierungs- und Schuldenobergrenzendebatte sei damit vorprogrammiert. Nach der Fiskalklippe sei vor der Fiskalklippe. (08.01.2013/ac/a/m)
Tatsächlich hätten die unter dem Begriff "Fiskalklippe" subsumierten automatischen Staatsausgabenkürzungen und Steueranhebungen im Wert von insgesamt 600 Mrd. US-Dollar das Zeug gehabt, die US-Wirtschaft und mit ihr auch die Weltwirtschaft im Jahr 2013 in eine tiefe Rezession zu reißen. Im Morgengrauen des ersten Tages des neuen Jahres 2013 verkündeten jedoch die führenden Politiker von Republikanern und Demokraten, dass sie einen Kompromiss gefunden hätten. Die Finanzmärkte hätten erleichtert aufgeatmet.
Doch nach der Fiskalklippe sei vor der Fiskalklippe. Denn neben einer Einigung über das Auslaufen einer Lohnsummensteuersenkung und einer Steuersatzerhöhung für Superreiche, bestehe der Kompromiss vor allem darin, dass die Sparmaßnahmen um zwei Monate verschoben würden. Der Grund dafür sei offensichtlich. Voraussichtlich im Februar 2013 würden die USA an die gesetzlich vorgeschriebene Schuldenobergrenze von 16,4 Billionen US-Dollar stoßen.
Gleichzeitig würden jedoch die meisten Umfragen zeigen, dass die Mehrheit der Amerikaner gegen eine Anhebung der Schuldenobergrenze sei, was das Drohpotenzial der Republikaner in dieser Frage erhöhe. Da beide Seiten eine Waffe zur völligen Zerstörung des Gegners in der Hand halten würden, würden die Verhandlungen denjenigen zwischen den USA und der Sowjetunion im Kalten Krieg ähneln. Man verzichte auf den Gebrauch der Waffen und verständige sich auf Abrüstung.
Soweit die Theorie. Doch wie in den Zeiten des Kalten Krieges könne man sich niemals sicher sein, ob nicht am Ende doch ein Verrückter auf den roten Knopf drücke. Erstens müsse uns die Tatsache beunruhigen, dass der Kompromiss nicht in der sprichwörtlichen "letzten Minute" zustande gekommen sei, sondern erst einen Tag später im neuen Jahr. Dieser Lapsus habe nur Dank dessen keine Auswirkungen gehabt, weil der erste Januar ein Feiertag sei. Zweitens habe es nach dem Kompromiss erhebliche Kritik in beiden Lagern an den Verhandlungsführern gegeben. Tatsächlich sei der Kompromiss für beide sehr schmerzlich gewesen. Von Obamas Plänen, die Steuersenkungen der Bush-Ära zu eliminieren, sei wenig übrig geblieben; das republikanische Versprechen, keiner Steuererhöhung zuzustimmen, habe sich in Rauch aufgelöst. Angesichts der Blessuren würden die nächsten Verhandlungen versprechen, noch härter zu werden.
Die Bank Sarasin denke jedoch, dass auch im Februar 2013 letztendlich ein Kompromiss gefunden werde, der den Bremseffekt der Sparpolitik abmildere und in die Zukunft verlege. Das bedeute jedoch gleichzeitig auch, dass das US-Haushaltsdefizit hoch bleibe und die Schulden in den USA weiter steigen würden. Die nächste Konsolidierungs- und Schuldenobergrenzendebatte sei damit vorprogrammiert. Nach der Fiskalklippe sei vor der Fiskalklippe. (08.01.2013/ac/a/m)
