Suchen
Login
Anzeige:
Fr, 17. April 2026, 9:52 Uhr

Euro vor Aufwertung?


10.06.02 15:31
Consors Capital

Eine skeptische Haltung zur US-Konjunktur ist in den letzten Monaten immer populärer geworden, so die Analysten von Consors Capital.

Noch vor wenigen Monaten seien die Konsensuserwartungen lediglich von einer recht bescheidenen Expansion des US-Bruttoinlandprodukts in Höhe von einem Prozent für das Gesamtjahr 2002 ausgegangen. Obgleich das erste Quartal mit einem Wachstum von auf das Gesamtjahr hochgerechneten 5,6% überrascht habe, seien die Erwartungen hinsichtlich der Aufschwungdynamik der nächsten Quartale gedämpft geblieben: Kritisch würden vor allem die noch nicht erfolgte Belebung des Investitionsgüterzyklusses sowie der hohe Verschuldungsgrad der privaten Haushalte angesehen.

In den Blickpunkt der Märkte seien zuletzt aber auch wieder außenwirtschaftliche Ungleichgewichte gerückt : Die Finanzierung des negativen Saldos der US-amerikanischen Handelsbilanz werde aufgrund der schwachen Aktienmarktperformance schwieriger, die Schwäche des US-Dollars zeige, dass eine mögliche Umkehr der internationalen Kapitalströme vielleicht sogar bereits stattgefunden habe. Es dränge sich die Frage auf, ob im Jahresverlauf mit weiteren Mittelabflüssen aus dem US-Wirtschaftsraum zu rechnen sei. In diesem Fall könnte eine anhaltende Schwäche des US-Aktienmarktes bei gleichzeitig nachgebender US-Devise die Folge sein.

Ein Blick auf den aktuellen US-Dollar/Euro-Chart zeige, dass die kurzfristigen Trendperspektiven des Euros durchaus positiv einzuschätzen seien, Allerdings habe der Euro die ab März 2000 entstandene breite Konsolidierungsrange noch nicht nachhaltig nach oben verlassen können. Zur Generierung langfristig positiver Trendsignale sei vielmehr ein Überschreiten eines Bündels von Widerständen zwischen 0,9500 und 0,9780 erforderlich. In den nächsten Wochen möge die freundliche Euro-Tendenz anhalten. Am US-Aktienmarkt dominiere nach den Skandalen von Enron bis Tyco die Furcht vor der Aufdeckung weiterer Fälle von Bilanzmanipulationen.

Das Vertrauen der Investoren in die Unternehmen und deren Geschäftszahlen sei erschüttert, die kurzfristigen Performanceaussichten blieben eingetrübt. Bestimmend für die langfristigen internationalen Zahlungsströme blieben jedoch die Wachstumspotenziale der jeweiligen Wirtschaftsräume. Und hier seien die Perspektiven für die US-Volkswirtschaft weiterhin besser als die der Ökonomie des Euroraums einzuschätzen. Zwar hätten inzwischen auch sämtliche Frühindikatoren der Eurozone nachhaltig nach oben gedreht - die verbesserten konjunkturellen Aussichten würden jedoch in erster Linie auf den verbesserten Exportaussichten basieren und damit stark von der weiteren Entwicklung der Konjunkturlokomotive USA abhängen.

Unter den zuletzt bekannt gegebenen US-Makrodaten hätten vor allem die Frühindikatoren positiv überrascht. Dies habe im besonderen für den Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter, den Auftragseingang der Industrie sowie die wichtigen Einkaufsmanagerindizes gegolten. Unverändert halten die Analysten von Consors Capital daher an ihrer US-BIP-Prognose in 2002 in Höhe von 3,5% fest, wobei sie das Risiko einer Abweichung nach oben sehen. Damit messe man der US-Ökonomie ein nahezu um zwei volle Prozentpunkte höheres Wachstum als den Volkswirtschaften des Euroraums bei.