Entwicklung der Inflationserwartungen
19.04.02 17:13
Dresdner Bank
Inflationserwartungen zuletzt leicht gestiegen, berichten die Analysten der Dresdner Bank.
Genieße die Europäische Zentralbank Vertrauen im Hinblick darauf, ihr gestecktes Ziel der Preisstabilität zu erreichen? Lasse sich eine Zinsbewegung am langen Marktende im Euro-Raum – beispielsweise die vergangene Aufwärtstendenz – eher auf eine Neueinschätzung der Wachstumsaussichten oder mehr auf veränderte Preisperspektiven zurückführen? Zur Beantwortung solcher Fragen sei es hilfreich, langfristige Inflationserwartungen zu ermitteln. Dazu könnten u.a. französische Staatspapiere dienen. Als erster EWU-Emittent habe Frankreich 1998 eine an den nationalen Verbraucherpreisindex gebundene Anleihe (OATi – Obligation Assimilable du Trésor indexée) mit einer Laufzeit von zehn Jahren begeben. 1999 sei eine 30-jährige OATi hinzugekommen. Im November letzten Jahres sei nun erstmals eine an den harmonisierten Verbraucherpreisindex des Euro-Raums (ohne Tabak) gekoppelte 10-jährige Staatsanleihe (OAT€i) emittiert worden.
Grundsätzlich ermögliche der Vergleich zwischen nominalen und realen Renditen von Wertpapieren derselben Laufzeit, auf Inflationserwartungen für den entsprechenden Zeitraum zu schließen. Als Differenz beider Renditen lasse sich nämlich eine so genannte Break-even-Inflationsrate berechnen, d.h. die erwartete Preissteigerung bei der ein Anleger indifferent zwischen den zwei Anleihen wäre.
Nun seien bis vergangenen November lediglich Break-even-Inflationsraten ableitbar gewesen, die sich auf den französischen Verbraucherpreisindex bezogen hätten. Daher hätten sie im Grunde nur Aufschluss über den erwarteten Preisanstieg in Frankreich gegeben, wenngleich über Parallelen in der Entwicklung Rückschlüsse auf den Euro-Raum gezogen werden könnten. Mit Hilfe der neuen OAT€i würden sich EWU-Inflationserwartungen jetzt direkter ablesen lassen. Die mittels dieser neuen indexierten Anleihe (und der nominalen OAT mit Fälligkeit im Dezember 2012) berechneten Break-even-Inflationsraten für den Euro-Raum hätten bisher im Schnitt etwa 50 Basispunkte über den langfristig für Frankreich erwarteten Preissteigerungsraten gelegen. Die Differenz entspreche ungefähr dem in den letzten Jahren durchschnittlich festgestellten Unterschied zwischen der EWU-Teuerung und dem französischen Preisanstieg.
Allerdings merke die Europäische Zentralbank in einem diesbezüglichen Beitrag (Monatsbericht Februar 2002) an, die Differenz könne zum Teil auch mit den verschiedenen Laufzeiten der an die europäische Inflation gebundenen Anleihe (2012) und der an den französischen Verbraucherpreisindex gekoppelten OATi (2009) zusammenhängen sowie mit der unterschiedlichen Liquidität beider Staatspapiere. Außerdem weise die EZB darauf hin, dass generell auch Liquiditätsaspekte im Vergleich zu nominalen Anleihen berücksichtigt werden sollten. Da Letztere im Allgemeinen liquider seien, sinke ihre Rendite- stärker als jene indexierter Anleihen, wenn es zu einer „Flucht in die Sicherheit“ komme. So dürften die bei der Break-even-Inflationsrate erkennbaren deutlichen Einschnitte zum Jahreswechsel 1998/99 und gegen Ende 2001 eher von der Reaktion an den Finanzmärkten auf die außergewöhnlich hohe Unsicherheit infolge der Emerging Markets-Krise bzw. Terroranschläge herrühren, als dass sie tatsächlich derart veränderte langfristige Inflationserwartungen widerspiegelten.
Trotz solcher möglichen Einschränkungen der Aussagekraft, könne man zu den beiden Eingangsfragen festhalten: Seit Emission der OAT€i habe die auf lange Sicht im Euro-Raum erwartete Preissteigerung nicht nennenswert über der 2%-Marke gelegen, sondern überwiegend knapp darunter. Dies sei ein Zeichen dafür, dass die Marktakteure der EZB zutrauen würden, ihr Preisstabilitätsziel weitgehend zu erfüllen. Hinsichtlich des nominalen Zinsauftriebs im 10-jährigen Bereich seit dem November-Tief um inzwischen rund 100 Basispunkte sei übereinstimmend mit der EZB folgende Erklärung gegeben worden. Hierzu habe zunächst – abgesehen von natürlich einer Umkehr der Flucht in sichere Anlagen – offenbar ein optimistischerer Wachstumsausblick beigetragen. Darauf würden angestiegene reale Renditen hindeuten.
Daneben dürften speziell jüngst auch etwas höhere Inflationserwartungen ursächlich für die Aufwärtsbewegung der europäischen Langfristzinsen gewesen sein. Abschließend bleibe anzumerken, dass die Beobachtung indexierter französischer Staatsanleihen wohl zunehmend an Interesse gewinnen werde, je länger die zu Analysezwecken verfügbare Historie insbesondere der OAT€i werde.
Genieße die Europäische Zentralbank Vertrauen im Hinblick darauf, ihr gestecktes Ziel der Preisstabilität zu erreichen? Lasse sich eine Zinsbewegung am langen Marktende im Euro-Raum – beispielsweise die vergangene Aufwärtstendenz – eher auf eine Neueinschätzung der Wachstumsaussichten oder mehr auf veränderte Preisperspektiven zurückführen? Zur Beantwortung solcher Fragen sei es hilfreich, langfristige Inflationserwartungen zu ermitteln. Dazu könnten u.a. französische Staatspapiere dienen. Als erster EWU-Emittent habe Frankreich 1998 eine an den nationalen Verbraucherpreisindex gebundene Anleihe (OATi – Obligation Assimilable du Trésor indexée) mit einer Laufzeit von zehn Jahren begeben. 1999 sei eine 30-jährige OATi hinzugekommen. Im November letzten Jahres sei nun erstmals eine an den harmonisierten Verbraucherpreisindex des Euro-Raums (ohne Tabak) gekoppelte 10-jährige Staatsanleihe (OAT€i) emittiert worden.
Grundsätzlich ermögliche der Vergleich zwischen nominalen und realen Renditen von Wertpapieren derselben Laufzeit, auf Inflationserwartungen für den entsprechenden Zeitraum zu schließen. Als Differenz beider Renditen lasse sich nämlich eine so genannte Break-even-Inflationsrate berechnen, d.h. die erwartete Preissteigerung bei der ein Anleger indifferent zwischen den zwei Anleihen wäre.
Allerdings merke die Europäische Zentralbank in einem diesbezüglichen Beitrag (Monatsbericht Februar 2002) an, die Differenz könne zum Teil auch mit den verschiedenen Laufzeiten der an die europäische Inflation gebundenen Anleihe (2012) und der an den französischen Verbraucherpreisindex gekoppelten OATi (2009) zusammenhängen sowie mit der unterschiedlichen Liquidität beider Staatspapiere. Außerdem weise die EZB darauf hin, dass generell auch Liquiditätsaspekte im Vergleich zu nominalen Anleihen berücksichtigt werden sollten. Da Letztere im Allgemeinen liquider seien, sinke ihre Rendite- stärker als jene indexierter Anleihen, wenn es zu einer „Flucht in die Sicherheit“ komme. So dürften die bei der Break-even-Inflationsrate erkennbaren deutlichen Einschnitte zum Jahreswechsel 1998/99 und gegen Ende 2001 eher von der Reaktion an den Finanzmärkten auf die außergewöhnlich hohe Unsicherheit infolge der Emerging Markets-Krise bzw. Terroranschläge herrühren, als dass sie tatsächlich derart veränderte langfristige Inflationserwartungen widerspiegelten.
Trotz solcher möglichen Einschränkungen der Aussagekraft, könne man zu den beiden Eingangsfragen festhalten: Seit Emission der OAT€i habe die auf lange Sicht im Euro-Raum erwartete Preissteigerung nicht nennenswert über der 2%-Marke gelegen, sondern überwiegend knapp darunter. Dies sei ein Zeichen dafür, dass die Marktakteure der EZB zutrauen würden, ihr Preisstabilitätsziel weitgehend zu erfüllen. Hinsichtlich des nominalen Zinsauftriebs im 10-jährigen Bereich seit dem November-Tief um inzwischen rund 100 Basispunkte sei übereinstimmend mit der EZB folgende Erklärung gegeben worden. Hierzu habe zunächst – abgesehen von natürlich einer Umkehr der Flucht in sichere Anlagen – offenbar ein optimistischerer Wachstumsausblick beigetragen. Darauf würden angestiegene reale Renditen hindeuten.
Daneben dürften speziell jüngst auch etwas höhere Inflationserwartungen ursächlich für die Aufwärtsbewegung der europäischen Langfristzinsen gewesen sein. Abschließend bleibe anzumerken, dass die Beobachtung indexierter französischer Staatsanleihen wohl zunehmend an Interesse gewinnen werde, je länger die zu Analysezwecken verfügbare Historie insbesondere der OAT€i werde.
