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Mo, 30. Januar 2023, 6:16 Uhr

Asiens Wirtschaft zeigt Stärke


16.09.08 10:08
ABN AMRO

Amsterdam (aktiencheck.de AG) - "Das olympische Dorf war großartig, die Wettkampfstätten erstklassig, die Organisation makellos", so IOC-Präsident Jacques Rogge auf einer Pressekonferenz zum Abschluss der Olympischen Spiele in Peking. Weniger großartig, nicht erstklassig und erst recht nicht makellos präsentieren sich dagegen derzeit die chinesischen Börsen, berichtet die ABN AMRO in ihrer aktuellen Ausgabe "Märkte & Zertifikate weekly".

So habe der in Hongkong gehandelte Hang Seng Index seit seinem letzten Hoch im November 2007 bis dato rund 40 Prozent verloren. Noch schlimmer sehe es beim Shanghai A Index aus, der im gleichen Zeitraum von fast 6.400 Punkten auf aktuell 2.180 Zähler abgerutscht sei - ein Minus von über 60 Prozent. Eine Entwicklung, die sich auch im asiatischen Gesamtmarkt wiederfinde. So notiere der MSCI Asia ex Japan Index derzeit auf einem Niveau, das er zuletzt in den 90er-Jahren gesehen habe.

An der Börse frage man sich deshalb besorgt, ob das asiatische Wirtschaftswunder an Schwung verliere. Heiß diskutiert werde insbesondere die Frage, inwieweit sich die US-Immobilienkrise negativ auf die asiatischen Volkswirtschaften auswirken werde. Während die eine Seite einen globalen Abschwung erwarte, der auch Asien mit in die Tiefe reißen werde, ein prominenter Vertreter dieser Fraktion sei zum Beispiel Marc Faber, rechne die andere Seite nur mit begrenzten Auswirkungen.

Die Verfechter dieser Seite würden anführen, dass Asien mittlerweile selbst zu einem Wachstumszentrum globalen Ausmaßes geworden sei, das eben nicht auf die "Unterstützung" Amerikas angewiesen sei. Auch wenn sich Asien nicht völlig von einem globalen Abschwung befreien könne, so ihre Argumentation, würden die Zahlen für das Bruttoinlandsprodukt in den kommenden Jahren im Vergleich zum Rest der Welt immer noch sehr hoch ausfallen. Demnach läge Asien (ohne Japan) mit geschätzten sieben Prozent Plus im laufenden und im nächsten Jahr deutlich über den Angaben für die Großregion Osteuropa, Naher Osten, Afrika (EEMEA), für Lateinamerika oder für die USA.

Eine Einschätzung, die auch eine historische Komponente habe. Die Entwicklung in den USA ähnle nämlich in manchen Punkten der in Japan in den 80er- und 90er-Jahren. Auch in Japan sei damals eine Immobilienblase geplatzt, die die Regierung in Tokio dazu veranlasst habe, zahlreiche Maßnahmen zur Unterstützung der heimischen Wirtschaft zu verabschieden. Aber all diese Maßnahmen hätten keine Wirkung gezeigt, das Land sei in die Deflation gekippt, in der es sich heute, zwanzig Jahre später, immer noch befinde.

Das zeige zum einen, wie schwerwiegend eine Immobilienkrise sein könne, sie könne die Verhältnisse in einem Land grundlegend verändern. Zum anderen sehe man aber auch, dass eine lokale Immobilienkrise nicht zwangsläufig in eine globale Rezession münden müsse. Trotz des Niedergangs Japans, das damals eine weltweit bedeutende Wirtschaftsmacht gewesen sei, hätten sich die Nachbarstaaten, nach einem kurzen Schock, in den darauf folgenden Jahren zu einem unvergleichlichen Boom aufgeschwungen. Einem Boom, der vielleicht sogar durch die Krise in Japan begünstigt worden sei, weil zum Beispiel Nippons Anleger ihr Geld verstärkt in die Nachbarstaaten investiert hätten.

Auf eine ähnliche Entwicklung könnte man nun auch im Falle der USA spekulieren. Zwar dürften die negativen Auswirkungen der amerikanischen Immobilienkrise ungleich größer ausfallen als jene, die von Japan ausgegangen seien, doch sollten die Vereinigten Staaten wie Japan nicht einen rasanten Wirtschaftsabschwung erleben, sondern in eine zähe Deflation fallen, könnte gerade Asien als "Rückzugsraum" für das weltweite Anlegerkapital dienen. Ein Rückzugsraum, der mit der jüngsten Kurskorrektur derzeit sogar recht attraktiv zu besetzen sei. So weise der MSCI Asia ex Japan basierend auf Analystenschätzungen ein 2008er Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund zwölf auf. (Ausgabe 38) (16.09.2008/ac/a/m)