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Mi, 8. Februar 2023, 5:58 Uhr

Asiens Wirtschaft weiter auf Wachstumskurs


04.09.08 13:05
ABN AMRO

Amsterdam (aktiencheck.de AG) - Investoren warten gespannt ob sich Asien von der Wirtschaftsschwäche der Industrieländer abkoppeln kann, so die Analysten der ABN AMRO.

"Wenn die Wall Street niest, bekommt die Welt einen Schnupfen." Diese Börsenweisheit scheine sich auch in diesem Jahr wieder zu bestätigen. Denn die Verluste am New Yorker Aktienmarkt hätten auch an allen anderen wichtigen Börsenplätzen dieser Welt zu erheblichen Kurseinbrüchen geführt. Dabei seien es vor allem hausgemachte Probleme in den USA gewesen, die zum Ausverkauf an den Märkten geführt hätten. Insbesondere die Immobilienkrise könne hier als Schlüsselereignis genannt werden.

Durch die Immobilienkrise seien die USA als globale Wachstumslokomotive zwar nicht ausgefallen, doch mehr und mehr schaue man sich im Rest der Welt nach einem adäquaten Handelspartner um, der im Notfall die Amerikaner zumindest teilweise substituieren könnte. Ein schönes Beispiel dafür sei die Reise der Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Lateinamerika im Mai. Sie zeige, welche Bedeutung Berlin den mittel- und südamerikanischen Staaten mittlerweile beimesse. Eine Bedeutung, die vor allem auch ökonomisch motiviert sein dürfte. Denn Lateinamerika, einst Synonym für Armut und Bürgerkrieg, habe sich in den letzten Jahren zu einer Stütze der Weltwirtschaft entwickelt.

Doch noch wichtiger als Lateinamerika könnten sich für die Weltwirtschaft eines Tages die asiatischen Ökonomien erweisen. Einige Volkswirtschaftler würden diesen sogar zutrauen, sich von einem globalen Abschwung befreien zu können. Das Wort "Entkopplung" mache die Runde. Eine Hoffnung, die nicht ganz aus der Luft gegriffen zu sein scheine, würden sich die Verhältnisse in der Welthandelsbilanz doch derzeit grundlegend verändern: Hätten zu Beginn des neuen Jahrtausends die traditionellen Wirtschaftsmächte USA, Japan und der Euroraum noch zu 65 Prozent zum globalen Bruttoinlandsprodukt beigetragen, würden die Analysten den Anteil der so genannten Schwellenländer am Wachstum der Weltwirtschaft in diesem Jahr schon bei rund 60 Prozent sehen - und das unter maßgeblicher Beteiligung Asiens.

Eine Schlüsselrolle komme dabei China zu. Das fernöstliche Land sei unter seinem seit 2003 amtierenden Staatschef Hu Jintao zur drittgrößten Handelsmacht weltweit aufgestiegen; es habe 2007 einen Anteil am globalen Wachstum von elf Prozent gehabt, in diesem Jahr würden es wohl zwölf Prozent sein. Dabei sei sich das Milliardenvolk mehr und mehr selbst genug. So hätten die Bruttoanlageinvestitionen und der Private Konsum 2007 rund 68 Prozent zum chinesischen Bruttoinlandsprodukt beigetragen. Der Beitrag des Nettoexports sei dagegen auf 16 Prozent zurückgegangen. 2005 habe dieser noch bei 22 Prozent gelegen.

Unter anderem diese Zahlen seien es, die die Volkswirtschaftler darin bestätigen würden, dass China sich vielleicht nicht völlig von den Problemen in den USA abkoppeln, aber dennoch seinen eigenen Weg einschlagen könne. Mit einem geschätzten Plus beim Bruttoinlandsprodukt von jeweils etwas über neun Prozent in den Jahren 2008 und 2009 liege China deutlich über allen entsprechenden Angaben für die USA. Und selbst wenn der chinesische Aktienmarkt unter der Wall Street leiden werde, dürfte die Rückkoppelung auf das chinesische Alltagsleben relativ gering sein. Nur etwa acht Prozent der chinesischen Haushalte seien in Aktien investiert. Zudem sei die chinesische Kreditindustrie nicht mit der in den USA zu vergleichen; Kreditkartenschulden, in den Staaten gang und gäbe, seien in China selten anzutreffen.

Zusammenfassend lasse sich sagen, dass sich Asien mit seiner dominierenden Hausmacht China von den westlichen Industrienationen zunehmend emanzipiere. Unter Experten sei allerdings umstritten, wie weit sich die asiatischen Ökonomien von der Wirtschaftsschwäche in den USA und in Europa abkoppeln könnten. Doch allein die Dynamik, mit der China aus sich selbst heraus wachse, dürfte für den gesamten fernöstlichen Raum eine bedeutende stabilisierende Wirkung haben. (04.09.2008/ac/a/m)