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Fr, 22. Januar 2021, 21:10 Uhr

Pfizer

WKN: 852009 / ISIN: US7170811035

Überraschungsmeldung aus der Pharmaindustrie - Verliert Covid-19 seinen Schrecken?


10.11.20 16:55
National-Bank AG

Essen (www.aktiencheck.de) - Am Montag der laufenden Woche veröffentlichten die Pharmazeutikunternehmen Pfizer Inc. (ISIN US7170811035 / WKN 852009) und BioNtech SE eine gemeinsame Meldung, so die Analysten der National-Bank AG.

Schon seit Mitte März 2020 würden die beiden Unternehmen gemeinsam an der Entwicklung eines Impfstoffes gegen das SARS-CoV-2-Virus arbeiten, wobei BioNtech die Impftechnologie und Pfizer seine umfangreichen klinischen Testkapazitäten und Produktionsmöglichkeiten in die Zusammenarbeit einbringe. Die Unternehmen hätten einen Überblick über wesentliche Ergebnisse der noch nicht abgeschlossenen klinischen Testphase (Phase III) ihres in Entwicklung befindlichen Impfstoffes eröffnet.

Zum einen entfalte demzufolge der "BNT162b2" genannte Impfstoff eine Wirksamkeit von mehr als 90%. Zum anderen habe eine unabhängige Expertengruppe, die die Studie überwache, das sogenannte Data Monitoring Commitee (DMC), "keine ernsthaften Sicherheitsbedenken" gemeldet.

Pfizer und BioNtech würden die Wirksamkeit ihres Impfstoffes in einer Phase-III-Studie an rund 43.500 Personen untersuchen, von denen etwa die Hälfte ein wirkungsloses Placebo erhalte, die andere Hälfte hingegen den Impfstoff. Die Impfung erfolge in zwei Schritten im Abstand von drei Wochen. Wie gut sie funktioniere, lasse sich abschätzen, indem die Zahl der Corona-Infektionen unter den Geimpften mit der Zahl der Infizierten in der Placebogruppe verglichen werde.

Eine Wirksamkeit des Impfstoffes von 90% bedeute, dass in der Gruppe der Geimpften 90% weniger symptomatische Covid-19-Infektionen auftreten würden als in der Placebogruppe, auch Kontrollgruppe genannt. Bislang seien in der Studie 94 Corona-Fälle bestätigt worden, fast alle hätten die Placebogruppe betroffen. Um auf eine geschätzte Wirksamkeit von mehr als 90 Prozent zu kommen, müsste es gemäß Ablaufplan der Studie rechnerisch mindestens 86 Fälle gegeben haben - im Gegensatz zu höchstens acht Fällen unter den Geimpften. Fallzahlen für die jeweiligen Gruppen hätten die Firmen allerdings bislang nicht genannt. Gemäß der Meldung sei der Schutz 28 Tage nach der ersten Impfdosis erreicht worden.

Ursprünglich sei eine Zwischenauswertung der Studie nach 92 Corona-Fällen vorgesehen gewesen. Schon bei bis zu 25 Corona-Fällen unter den Geimpften im Gegensatz zu mindestens 67 in der Placebogruppe wäre das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Ziel erfüllt gewesen. Dieses sehe vor, dass die Impfung mindestens 50 Prozent der Menschen vor einer Erkrankung schützen sollte. Das sei ein ähnlicher Wert wie bei der Grippeschutzimpfung. Der renommierte Chef des National Institute of Allergy and Infectious Diseases in den USA, Dr. Anthony Fauci, der die US-Regierung berate, habe die gemeldete Wirksamkeit von BNT162b2 als "außergewöhnlich" bezeichnet.

Noch würden allerdings einige Fragen offen bleiben, die sich wohl erst durch die noch nicht veröffentlichten Daten der BioNtech/ Pfizer-Studie würden klären lassen. Derzeit könne noch nicht gesagt werden, ob der Impfstoff über verschiedene Bevölkerungsgruppen hinweg, insbesondere bei Risikogruppen wie älteren Menschen, ebenso effektiv sei wie berichtet. Auch gelte es noch abzuschätzen, inwiefern der Impfstoff Infektionen mit schweren Krankheitsverläufen verhindere und wie viele symptomlose Infektionen durch die Impfung unterbleiben würden. Ferner sei noch unklar, wie lange der Impfschutz anhalte und wie sicher die Impfung tatsächlich sei. Auch ließe sich anführen, dass der Beobachtungszeitraum für die Feststellung relevanter Impfnebenwirkungen relativ kurz sei.

Gemäß dem Studienprotokoll von BioNtech/ Pfizer, also dem Ablaufplan der Studie, sei diese erst dann abgeschlossen, wenn es insgesamt 164 Corona-Fälle unter den Probanden gegeben habe und höchstens 53 davon unter den Geimpften aufgetreten seien. Das entspräche einer Wirksamkeit von rund 52 Prozent und somit dem von der WHO geforderten Kriterium. Ein Problem mit Zwischenauswertungen sei jedoch evident: Je weniger Corona-Fälle es in einer Wirksamkeitsstudie gebe, desto größeren Einfluss habe der Zufall auf das Ergebnis. Damit wachse die Gefahr, dass sich die Wirksamkeit nach einer Zulassung nicht bestätige. BioNtech und Pfizer würden selbst einräumen, dass es im Rahmen der fortlaufenden Studie zu Schwankungen beim Wert für die Impfstoffwirksamkeit kommen könne.

Allerdings sei es bei der bisher nachgewiesenen Wirksamkeit von 90 Prozent sehr unwahrscheinlich, dass sich der Impfstoff bis zum Ende der Studie noch als gänzlich unwirksam erweise: Je wirksamer ein Impfstoff sei, desto schneller werde das in Untersuchungen sichtbar. Bis zum Ende der Studie würden noch 70 Corona-Fälle fehlen, ein Großteil müsste auf Geimpfte entfallen, um die Wirksamkeit von mindestens 50 Prozent noch infrage zu stellen.

Markiere die geschilderte Entwicklung nun den "Moment, auf den die Welt gewartet hat", sei damit das Ende der Covid-19- Pandemie absehbar?

Pfizer und BioNtech würden eine Eilzulassung ihres Impfstoffes BNT162b2 bei der US Gesundheitsbehörde Food & Drug Administration (FDA) noch vor dem Jahresende 2020 anstreben. Eine reguläre Zulassung durch die FDA, für die umfangreiche weitere Unterlagen einzureichen seien, solle folgen. Die Zulassung des neuen Impfstoffes in allen Ländern der Welt stehe in Folge an. Die beiden Unternehmen würden die Produktion von 50 Millionen Impfstoffeinheiten noch während des Jahres 2020 planen. Bis zu 1,3 Mrd. Dosen sollten während des Folgejahres 2021 produziert werden.

Diese wenigen Zahlen würden bereits verdeutlichen, dass es zum heutigen Zeitpunkt verfrüht sei, das "Ende von Covid-19" auszurufen. Bis SARS-CoV-2 seinen Schrecken für die Menschheit verliere, müssten global weitere Milliarden Impfstoffdosen produziert, verteilt und appliziert werden. Während des größeren Teils des Jahres 2021 werde es für jeden Einzelnen weiterhin erforderlich sein, Schutzmaßnahmen gegen eine Infektion mit SARS-CoV-2 diszipliniert zu befolgen. Die stark dynamisierte Durchdringung der Weltbevölkerung mit dem neuartigen Virus setze sich ungebrochen fort, eine Überlastung der Gesundheitssysteme und die gefürchtete Notwendigkeit einer Triage würden weiterhin im Bereich des Möglichen bleiben.

Aber die geschilderte Entwicklung eröffne eine realistische Perspektive zur Überwindung von SARS-CoV-2 und Covid-19 und zeige zugleich, dass sich die bislang bestehende Befürchtung, ähnlich wie bei den ebenfalls viral ausgelösten Infektionskrankheiten HIV oder Herpes-C würde es gar keine Impfung gegen SARS-CoV-2 geben, nicht bestätige.

Zuversicht, Erleichterung und Hoffnung bezüglich der künftigen Entwicklung seien somit berechtigt und angebracht - aber für das tägliche Verhalten eines Jeden gelte unverändert das alte Churchill-Wort: "Keep calm and carry on!". (10.11.2020/ac/a/m)





 
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