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So, 11. April 2021, 20:57 Uhr

US-Aktienmärkte: Neue historische Höchststände


28.08.18 13:33
National-Bank AG

Essen (www.aktiencheck.de) - Im Verlauf der vergangenen Woche stellten die Aktienmärkte der größten Volkswirtschaft der Welt ihre Führungsrolle im globalen Kapitalmarktgeschehen einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis, so Ekkehard Link von der National-Bank AG.

Unbeeindruckt von politischen Querelen innerhalb der USA und vom (stürmischen) außenpolitischen Geschehen (Russische Föderation, Türkei) hätten die Aktienkurse an NYSE, AMEX und NASDAQ die logische Fortsetzung der vergangenen Berichtssaison vollzogen und seien kraftvoll auf neue historische Höchststände vorgestoßen. Vergleiche man diese Entwicklung mit dem Aktienmarktgeschehen in anderen Teilen der Welt, dann bleibe eigentlich nur die erleichtert-resignative Feststellung eines J. W. v. Goethe: "Amerika, Du hast es besser!". Denn derzeit vollziehe sich an Amerikas Aktienmärkten die längste, mindestens seit 1970 jemals gesehene Hausse-Phase ohne eine zwischenzeitliche Kurskorrektur von 20% oder mehr.

Der jüngste Aufwärtsausbruch der US-amerikanischen Indices spiegle nach Auffassung des Analysten weit mehr wider, als ein kurzfristiges "Strohfeuer": Hier zeige sich zum einen deutlich der Effekt der großen Steuerreform, die die Trump-Administration zum Ende des vergangenen Jahres zur Verabschiedung gebracht habe. Parallel zu einem deutlichen Anziehen des wirtschaftlichen Wachstums würden die meisten Unternehmensbranchen eine Belebung ihrer Geschäftslage verzeichnen und auf anziehende Umsätze und häufig noch schneller steigende Unternehmensgewinne blicken. Man erinnere sich: Vor zwölf Monaten sei vielerorts vor der Umsetzung der geplanten Steuerreform gewarnt worden, es seien nur geringe Wachstumseffekte zu erwarten, dafür aber ein explosionsartiger Anstieg der US-Staatsschulden. Dieses Risiko bestehe fort - aber die Chance sei bereits deutlich gestiegen, dass diese Staatsschuld durch eine nachhaltige Wachstumsbeschleunigung (entgegen dem seinerzeit vorgetragenen Pessimismus) "tragbarer" werde.

Zum anderen ermögliche die der US-Volkswirtschaft innewohnende Autarkie, also der "einzigartige Luxus" ökonomischer Selbstgenügsamkeit, einen Fortbestand und sogar eine weitere Beschleunigung der guten Konjunkturentwicklung, gerade wenn und während über den internationalen Handelsbeziehungen Wolken aufziehen würden (Zolleskalation, Sanktionen). Die Stimmungslage in der US-Wirtschaft bleibe dauerhaft positiv, auch weil die Wirtschaftspolitik der Trump-Administration weitere fiskalische Impulse (Investitionsoffensiven) in Aussicht stelle.

Und schließlich zeige sich im Enteilen der US-Aktienindices wohl eine weitere Eigenschaft der USA: die einzigartige Fähigkeit, wissenschaftliche und technologische Erfolge nicht nur hervorzubringen, sondern diese auch sogleich clever und in schier unbegrenzter Größenordnung in wirtschaftliche Erfolge ("klingende Münze!") zu wandeln: Was in den USA vor Jahrhunderten und Jahrzehnten in der Eisenbahn- und Automobilentwicklung zu beobachten gewesen sei, das vollziehe sich dort heute auf vielen Feldern gleichzeitig (Hochtechnologie, Biotechnologie und Medizintechnik, Künstliche Intelligenz und deren Anwendungen) ein weiteres Mal.

Das sei vor allem in Europa (durchaus schmerzlich) zu spüren: Es gebe keine "europäische Antwort" auf Alphabet, Inc. (Google), auf Amazon, auf Tesla Motors, auf Facebook, Twitter oder Netflix. Diese Tatsache erkläre zudem direkt das Vorstürmen der US-Aktienindices: In diesen würden die genannten und viele weitere ähnlich schnell wachsende Unternehmen ein immer höheres Anteilsgewicht besitzen und ihre Dominanz innerhalb dieser Indices immer stärker ausweiten. Demgegenüber gerate geradezu in Vergessenheit, dass die Mehrheit der US-amerikanischen Indices als Kurs- und nicht als Performance-Indices konzipiert sei. Dies bedeute, dass die derzeitigen neuen historischen Höchststände US-amerikanischer Aktienindices die stattfindende Entwicklung eher noch unter- als überzeichnen.

Natürlich sei auch diese erfreuliche Situation (wie jede vor dieser) nicht völlig frei von Risiken. In den USA wie weltweit sei eine gewisse Normalisierung der Inflationsentwicklung zu beobachten. Verbraucherpreisindices würden schneller als während der Vorjahre ansteigen und sich dem von den meisten globalen Notenbanken gewünschten Zielniveau nähern. Würden sie dieses künftig (vielleicht sogar mit Wucht) überschreiten, so sähen sich dieselben Notenbanken umgehend veranlasst, echte monetäre Verknappungsmaßnahmen einzuleiten, die der Hausse rund um den Globus wohl ein Ende bereiten würden. Noch befinde man sich jedoch weit entfernt von einer solchen möglichen Entwicklung.

Die schon so oft zitierte, im Vergleich zu anderen Wirtschaftsregionen hohe Aktienmarktbewertung baue sich in den USA zusehends weiter aus und schaffe damit vermeintlich ein steigendes künftiges Kursrückschlagpotenzial. Ob sich dieses jedoch jemals im befürchteten Ausmaß realisiere, sei fernab jeder Gewissheit, denn ein dauerhaft höheres Wachstum von Umsätzen und Gewinnen der Unternehmen würde auch deren (optisch) höheres Bewertungsniveau relativieren.

Die zunehmende Verflachung der Renditenstrukturkurve in den USA sei mittlerweile ein vielbeachteter Umstand. Befürchtungen, sie könnte "umkippen" und einen inversen Verlauf annehmen (kurze Sätze höher als längere), würden die Runde machen. Denn in der Tat habe sich die Gestalt der Renditenstrukturkurve während vergangener Wirtschaftszyklen oft als treffsicheres Warnsignal einer bevorstehenden Rezession erwiesen. Ob dies allerdings in Zeiten andauernder "Nullzinspolitik" der Mehrheit der Notenbanken auch gelte, sei fraglich.

Und die an Verwerfungen und Risiken reiche geopolitische Situation biete viele denkbare Risikoentwicklungen zur Auswahl, die "die Party" in den USA wie im Rest der Welt dämpfen oder gar beenden könnten. Allerdings sei diese Feststellung aufgrund ihrer zeitlosen Geltung wenig hilfreich.

Sei der Aufwärtsausbruch der US-Aktienindices auf neue historische Höhen eine Einstiegsgelegenheit, ein Kaufsignal? Der Analyst vermute ja, und zwar nicht nur für die US-amerikanischen sondern auch für die Mehrheit der globalen Aktienmärkte. Dabei halte er es mit einer unter den besten US-Fondsmanagern verbreiteten Weisheit: "The single most bullish indication is a new all-time high!".

Wie weit könne eine solche Entwicklung tragen? Vermutlich weiter als es die Mehrheit der Marktbeobachter heute für wahrscheinlich halte, mindestens aber während der kommenden ca. sechs Monate.

Wie grenze man das Anlagerisiko ein? Zum einen durch die Wahl des Aktienanteils, zum anderen durch eine wohlausgewogene Diversifikation und schließlich durch (großzügig gewählte) und der Marktentwicklung regelmäßig nach oben (nie nach unten) angepasste Stop-Loss-Marken auf Sektor- bzw. Einzeltitelebene. (28.08.2018/ac/a/m)