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Mi, 21. April 2021, 13:29 Uhr

Handelskonflikt geht in die nächste Runde


03.09.19 11:55
National-Bank AG

Essen (www.aktiencheck.de) - Der Handelskonflikt geht in die nächste Runde, so die Analysten der National-Bank AG.

Seit dem 01.09.2019 würden die USA 15% Zölle auf ein chinesisches Importvolumen in Höhe von 112 Mrd. USD erheben. Im Gegensatz zu den bisherigen Zollrunden würden diesmal nicht vorrangig US-Unternehmen von den höheren Importkosten betroffen sein, sondern die neuen Tarife würden alltägliche Güter wie Kleidung oder Schuhe teurer machen und somit einen direkten Einfluss auf das Budget der US-Konsumenten haben. Der US-Präsident scheine aufs Ganze zu gehen. Dies sei 14 Monate vor der Präsidentschaftswahl ein Unterfangen mit gehörigem Risiko, sowohl für die US-Wirtschaft als auch für seine Wiederwahlchancen.

Es sollte nicht vergessen werden: Es sei gerade der US-Konsum, der die Basis der Stärke der US-Wirtschaft in den letzten Monaten ausmache. Die Folgen der neuen Zölle würden sich nicht unmittelbar zeigen, sie würden aber ihren Widerhall in den US-Daten in den nächsten Monaten finden. Wie an dieser Stelle schon oftmals betont: Eine deutlich schwächelnde US-Wirtschaft im Wahljahr sei Gift für jeden Amtsinhaber im Weißen Haus. Daraus erwachse die Zuversicht, dass der Handelskonflikt letztendlich nicht weiter eskaliere, sondern die Parteien sich sukzessive in den nächsten Monaten aufeinander bewegen würden.

Ein weiterer erheblicher politischer Unsicherheitsfaktor stelle der drohende "Hard-Brexit" dar. Heute komme das britische Parlament nach der Sommerpause zum ersten Mal wieder zusammen. Man dürfe sehr gespannt sein, wie dieses auf die von Premier Johnson erzwungene Suspendierung des Parlaments von Mitte September bis Mitte Oktober reagieren werde. Gerade vor dem Hintergrund der Wichtigkeit bzw. Einmaligkeit der Frage nach dem Wie und Ob des britischen Austritts aus der EU und des aus der Historie stammenden Vorbildcharakters der britischen Demokratie stelle die erzwungene Ruhephase des Parlaments einen mehr als bedauerlichen Vorgang dar.

Im Besonderen aus den sich aus dem Handelskonflikt ergebenden wirtschaftlichen Unsicherheiten und den beharrlich niedrigen Inflationsdaten sowohl diesseits als auch jenseits des Atlantiks habe in den letzten Monaten eine wieder deutlich expansivere Haltung der bedeutsamsten globalen Notenbanken resultiert. Zunächst nur auf der kommunikativen Ebene, anschließend auch in der konkreten Umsetzung. So habe die US-Notenbank den Leitzinssatz bislang um 25 Basispunkte gesenkt, für das EZB-Meeting in der nächsten Woche werde ein umfangreiches geldpolitisches Maßnahmenpaket zur Belebung der nahezu stagnierenden Eurozonen-Wirtschaft erwartet.

Der Trend scheine eindeutig zu sein: Immer weiter abwärts mit den Anleihenrenditen. Dies habe für die Aktienmärkte in den letzten Wochen erneut eine spürbare Erhöhung der relativen Attraktivität bedeutet. Daher würden die Analysten mit weiter steigenden Kursen im Jahresverlauf rechnen. Voraussetzung hierfür sei jedoch das Ausbleiben einer Eskalation im US-chinesischen Handelsstreit. (03.09.2019/ac/a/m)