Suchen
Login
Anzeige:
So, 11. April 2021, 20:26 Uhr

Gesamtwirtschaftliche Entwicklung bleibt auch in Europa mit Zuwachsraten um 2% überdurchschnittlich hoch


29.06.18 14:45
National-Bank AG

Essen (www.aktiencheck.de) - Die politikinduzierten Risiken für die Weltwirtschaft aus dem Handelsstreit haben weiter zugenommen, so die Analysten der National-Bank AG.

Bislang seien die dauerhaften Effekte der beschlossenen Maßnahmen insgesamt noch relativ gering. Ein Ende der Eskalationsdynamik sei allerdings noch nicht in Sicht. So hätten die EU und China ihrerseits Strafzölle angekündigt. Eine weitere Zunahme der Handelshemmnisse weltweit sei damit abermals wahrscheinlicher geworden. Insbesondere die Einführung von Zöllen auf die Einfuhr von Kraftfahrzeugen könnte im weiteren Verlauf zu stärkeren Bremsspuren in der Weltwirtschaft führen.

Insgesamt wären die derzeit ins Auge gefassten Maßnahmen nach Einschätzung der Analysten geeignet, das Weltwirtschaftswachstum um bis zu 0,2 Prozentpunkte zu vermindern. Die globale Datenlage habe unterdessen bis zuletzt auf Wachstumsraten um 4% p.a. verwiesen, sodass der wahrscheinlichkeitsgewichtete globale Wachstumspfad nach wie vor oberhalb von 3,8 % verlaufe. Vorbehaltlich einer signifikanten weiteren Zuspitzung bleibe es - bei spürbar gestiegenen Prognoserisiken - bei guten weltwirtschaftlichen Perspektiven.

Zunehmend zeige sich allerdings, dass die europäischen Volkswirtschaften mit Blick auf den Handelsstreit die primär Leidtragenden sein könnten. Während die Zuversicht in den USA von den Querelen um das Welthandelsregime kaum betroffen sei, zeuge zumindest die implizite Erwartungshaltung der Kapitalmärkte davon, dass die Verwundbarkeit der europäischen Konjunktur am größten sein könnte. Hier würden insbesondere zwei Faktoren eine Rolle spielen. Die EU sei zunächst der am wenigsten integrierte politische Akteur im Vergleich zu China und den USA. Sobald im Streit um den internationalen Handel andere Politikdimensionen zum Tragen kommen würden, müsse die EU systematisch ins Hintertreffen geraten. Ferner würden die Strukturschwächen in vielen Ländern Europas die Währungsunion insgesamt verwundbarer gegenüber exogenen Schocks machen.

Gestützt würden die europäischen Volkswirtschaften allerdings von dem Umstand, dass nach wie vor erheblicher Nachholbedarf sowohl beim privaten Konsum als auch bei den Investitionen bestehe. So würden vor allem die binnenwirtschaftlichen Kräfte die gesamtwirtschaftliche Leistung weiter stützen. Schließlich würden die Länder Europas eingebettet in ein grundsätzlich intaktes weltwirtschaftliches Umfeld bleiben, wobei durch den zuletzt gesunkenen Außenwert des Euros ein zunehmendes stabilisierendes Moment entstehe. Die Entwicklung deute in der Summe zwar auf eine langsamere Gangart im Euroraum hin, die gesamtwirtschaftliche Entwicklung bleibe aber auch in Europa mit Zuwachsraten um 2% überdurchschnittlich hoch. (29.06.2018/ac/a/m)