Suchen
Login
Anzeige:
Mi, 21. April 2021, 13:33 Uhr

Der "Brexit" kommt - und auch das Ende des Vereinigten Königreichs?


17.12.19 13:00
National-Bank AG

Essen (www.aktiencheck.de) - Der vergangene Freitag brachte - wenigstens kurz- bis mittelfristig - Klarheit bei den beiden politischen Themen, die die Kapitalmarktteilnehmer im Verlauf des Jahres am meisten beschäftigt haben, so die Analysten der National-Bank AG.

Nach dem eindeutigen Erfolg von Premierminister Boris Johnson bei der Wahl zum britischen Parlament sei klar, dass der "Brexit" zum 31.01.2020 kommen werde. Bis zum Ende des Jahres 2020 werde sich im Verhältnis Großbritanniens zur EU nichts ändern, bis dahin müsse ein umfassendes Handelsabkommen ausverhandelt, abgeschlossen und ratifiziert werden, um den ungeordneten Austritt Großbritanniens aus der EU zu verhindern. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre sowie der historischen Muster im Hinblick auf solche Prozesse, werde dies ein sehr ambitioniertes Vorhaben.

Boris Johnson habe die völlige Fehleinschätzung von Labour-Führer Corbyn geschickt ausgenutzt, den "Brexit"-Wahlkampf zu einem Plebiszit "Verstaatlichung ja oder nein" umzumünzen, anstatt sich auf einen klaren Gegenkurs zur Brexit-Position Johnsons zu begeben. Das habe nur schief gehen können. Die Wähler waren allein mit der Brexit-Frage schon genug beschäftigt, diese wollten sie jetzt eindeutig geklärt haben, so die Analysten der National-Bank AG. Fragen zum gesellschaftlichen Umbau Großbritanniens mögen ihre Berechtigung haben, der Zeitpunkt dafür sei jetzt jedenfalls nicht gegeben gewesen. Langfristig werde sich der Brexit als großer Fehler erweisen, Fragen nach den negativen Auswirkungen dieser historischen Entscheidung seien im Wahlkampf leider viel zu wenig thematisiert worden.

US-Präsident Trump habe sich zu einem "Phase One China Deal" bereit erklärt. Dieser beinhalte von US-Seite den kurzfristigen Verzicht auf zusätzliche Zölle sowie die Reduzierung bislang bereits verhängter Zölle. Die chinesische Seite erkläre sich im Gegenzug bereit, deutlich mehr US-Agrarprodukte zu kaufen, als dies bislang der Fall ist und ebenfalls die Zölle zu senken. Weitere Punkte beinhalten die Bereitschaft der Chinesen mehr gegen den Diebstahl von geistigem Eigentum zu tun, so die Analysten der National-Bank AG. Beide Seiten hätten sich zudem bereit erklärt, ihre Währungen nicht als Druckmittel im Handelsstreit einzusetzen. Die grundlegenden Dissonanzen im Verhältnis beider Länder im Hinblick auf die Subventionspolitik der Chinesen bezüglich zukunftsträchtiger Branchen würden aber unberührt von diesem Abkommen bleiben und sollten in späteren Verhandlungen thematisiert werden.

Für die Weltwirtschaft, aber auch die Kapitalmärkte und diesbezüglich im Besonderen für die Aktienmärkte sei dieser Deal im kurz- bis mittelfristigen Zeithorizont positiv zu sehen. Je nach Umfang des Zurückdrehens der Tarife sei mit einer Belebung der globalen Wirtschaft zu rechnen. Dies betreffe insbesondere stark exportabhängige Volkswirtschaften und Unternehmen. Der Boden für ein gutes Aktienjahr 2020 sei also bereitet. (17.12.2019/ac/a/m)