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So, 11. April 2021, 20:03 Uhr

Ausblick für die Weltwirtschaft bleibt robust


20.07.18 15:35
National-Bank AG

Essen (www.aktiencheck.de) - Der Ausblick für die Weltwirtschaft bleibt trotz weiterer Zuspitzungen im Handelskonflikt robust und bewegt sich im Rahmen unseres bisherigen Szenarios, so die Analysten der National-Bank AG.

Zumindest bislang sei nicht erkennbar, dass der Handelskonflikt das gute globale Bild signifikant beeinträchtige. Diese Einschätzung spiegle sich auch in der Entwicklung der Kapitalmärkte wider: Vor allem in den USA zeuge die weiterhin sehr niedrige und zuletzt sogar wieder gesunkene implizite Volatilität von weiterhin guten Perspektiven. Die Daten aus Asien würden derweil weiter sehr solide bleiben. Die Jahresveränderungsrate des BIP in China habe hier zuletzt bei 6,7% p.a. gelegen. Nach wie vor würden maßgebliche Frühindikatoren weiter aufwärts gerichtet bleiben, sodass die Analysten bei allen Handelsrisiken zumindest von einem weiterhin hohen Wachstumsniveau ausgehen würden.

Die Konjunktur in den Vereinigten Staaten gewinne derweil prognosegemäß weiter an Fahrt. Das würden sowohl die regionalen als auch nationalen Einkaufsmanagerindices zum Ausdruck bringen. Getragen von einem robusten privaten Verbrauch und einer lebhaften Investitionstätigkeit dürfte sich die gesamtwirtschaftliche Expansion im Verlauf dieses Jahres deutlich verstärken. Besonders hervorzuheben seien die weiterhin starken Zuwächse bei den Investitionen, die sich im weiteren Verlauf noch beschleunigen könnten, wenn man die einschlägigen Frühindikatoren zugrunde lege. Dies dürfte mit ein Grund dafür sein, dass die US-Technologiebörsen derzeit so exorbitant zulegen könnten. Aus der volkswirtschaftlichen Perspektive würden die hohen Investitionen die Chance bergen, dass eine anziehende Produktivität den US-Aufschwung spürbar verlängere. Zentral sei aber auch weiterhin der Umstand, dass die finanziellen Verhältnisse der US-Haushalte weiterhin extrem solide seien, sodass der Aufschwung noch Atem habe.

Die Datenlage in Europa sei bis zuletzt ebenfalls robust geblieben - die Analysten würden weiterhin erwarten, dass die Frühindikatoren in den kommenden Wochen und Monaten in eine Gegenbewegung übergehen würden. Die Fragilität in Europa bzw. in der Eurozone nehme unterdessen aber weiter zu: Die Target-Salden würden weiter stetig anwachsen und sowohl von den Ungleichgewichten in der Union als auch von einer stetigen Kapitalflucht aus der südeuropäischen Peripherie zeugen. Die strukturellen Schwächen der Eurozone würden derzeit zwar noch überdeckt durch gute globale Rahmenbedingungen und die Nullzinspolitik der EZB. Auch die Nachholeffekte der Reduktion der hohen Arbeitslosigkeit würden die Konjunktur noch stützen.

Im nächsten Abschwung fehle der Union dann aber der geldpolitische Handlungsspielraum, um diesen zu entschärfen. Dabei seien auch die finanzpolitischen Spielräume gesunken: Die südeuropäische Staatsverschuldung in Relation zum BIP sei rund 20% höher als vor der letzten Krise. Da das Trendwachstum in der Eurozone seitdem spürbar rückläufig sei, dürfte der Schuldenabbau hier ohnehin sehr schwer fallen. Vor allem in Frankreich seien Rückführungen der Staatsverschuldung trotz des guten Umfelds der letzten Jahre nahezu ausgeblieben. Die ökonomische Resilienz des Euro sei also bereits aus der rein ökonomischen Perspektive deutlich geringer als im Vorfeld der Lehman-Krise.

Umso schwerer müsse daher wiegen, dass dies derzeit auch für die politische Stabilität in Europa gelte: Die europäische Poly-Krise, die ihren bisherigen Höhepunkt im Brexit finde, verweise deutlichst darauf, dass es auf absehbare Zeit bestenfalls zu einem Moratorium der Integration kommen könne. Aus Sicht der Analysten seien daher marktorientierte Reformen, die den ökonomischen Prozess in der Eurozone wieder näher an das fundamental tragbare annähern würden, dringendst geboten. Die Zukunft des Euro hänge auch davon ab, in wie weit die stabilitätsorientierten Länder ihre Rolle als Stabilitätsanker für die Eurozone übernehmen würden. Hier sei aus Sicht der Analysten keine langfristig tragfähige Strategie erkennbar. (20.07.2018/ac/a/m)