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Do, 22. April 2021, 1:42 Uhr

Abkoppelung der Aktienmärkte von Realwirtschaft sehr wahrscheinlich


19.05.20 15:00
National-Bank AG

Essen (www.aktiencheck.de) - US-Notenbankchef Powell konstatierte am Wochenende, dass Vertrauen erst wieder nachhaltig in die Wirtschaft zurückkehrt, wenn ein Impfstoff gegen das Virus entwickelt ist, so die Analysten der National-Bank AG.

Er habe aber auch gesagt, dass bei Ausbleiben einer zweiten Infektionswelle von einer stetigen Erholung der Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte auszugehen sei. Der wirtschaftliche Erholungsprozess auf Vorkrisenniveau werde aber noch lange Zeit in Anspruch nehmen, mindestens aber bis Ende des Jahres 2021. Diesbezüglich sei der Optimismus im Weißen Haus, oder man sollte es Zweckoptimismus angesichts der Wahlen Anfang November nennen, deutlich größer. Bis Ende diesen Jahres werde mit einem starken Rebound der US-Wirtschaft gerechnet. Powell stelle weitere Notenbankhilfen in Aussicht und habe zusätzliche staatliche Hilfen gefordert. Dies seien genau die Hilfsmittel bzw. Unterstützungsmaßnahmen, die zur Abkoppelung der Aktienmärkte von der Realwirtschaft geführt hätten. Aktuell gebe es bezüglich weiterer staatlicher Hilfen aber erhebliche Unstimmigkeiten zwischen den Republikanern und den Demokraten hinichtlich deren genauer Verteilung. Zusätzliche Unterstützung für die Aktienmärkte könnte in dieser Woche aus China kommen. Dort tage die kommunistische Partei. Im Mittelpunkt der zunächst wegen der Corona-Krise verschobenen Zusammenkunft stünden der Schutz von Arbeitsplätzen sowie von gestörten Lieferketten aufgrund der Corona-Pandemie. Signifikante weitere staatliche Unterstützung - auch vor dem Hintergrund der von US-Seite im Raume stehenden Drohung der Implementierung zusätzlicher Zölle auf die Einfuhr chinesischer Güter in die USA - sei daher nicht unwahrscheinlich.

Aktien

Trotz eines unguten Gefühls seien die Aktienmärkte nach einem kurzen Rücksetzer in der letzten Woche wieder deutlich angestiegen. Vielleicht sei das mit dem unguten Gefühl auch genau der Grund für den Anstieg. Viele potenzielle Investoren seien nicht investiert und so stärker die Aktienmärkte steigen würden, desto größer werde die Ungeduld und die Sorge weitere mögliche Kursgewinne zu verpassen. Irgendwann steige man dann selbst wieder in die Aktienmärkte ein. Der Anstieg nähre so den Anstieg. Dass diese Aktienentwicklung das aktuelle konjunkturelle Bild vollkommen konterkariere, werde momentan ausgeblendet. An den Aktienmärkten werde die Zukunft gehandelt, aber bei nüchterner Betrachtung sei festzuhalten, dass niemand wisse, wie diese in sechs oder in zwölf Monaten aussehen werde. Insbesondere die Frage nach den Auswirkungen der um sich greifenden Öffnungsszenarien in den stark von der Corona-Pandemie betroffenen Ländern auf die Infektionsraten sei reine Spekulation. Eine alte Börsenweisheit besage jedoch, dass man sich nicht gegen den Trend stellen solle, und dieser sei im Moment klar aufwärts gerichtet. Eine Fortsetzung der von den Notenbanken und von staatlicher Seite induzierten Abkoppelung der Aktienmärkte von der Realwirtschaft sei daher sehr wahrscheinlich. (19.05.2020/ac/a/m)